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"Rising Star" und Co.: Das Show-Sterben im deutschen TV

Ein Flop nach dem anderen  

Das große Show-Sterben im deutschen TV

17.09.2014, 16:18 Uhr | dpa , t-online.de

"Rising Star" und Co.: Das Show-Sterben im deutschen TV. Ob TV-Dino "Wetten, dass..?" oder Newcomer "Rising Star": Shows haben in Deutschland zurzeit ein schweres Standing. (Quelle: dpa)

Ob TV-Dino "Wetten, dass..?" oder Newcomer "Rising Star": Shows haben in Deutschland zurzeit ein schweres Standing. (Quelle: dpa)

"Auf Los geht's los" mit dem vergangene Woche gestorbenen Joachim Fuchsberger, "Dalli Dalli" mit dem unvergessenen Hans Rosenthal oder auch "Am laufenden Band" mit dem legendären Rudi Carrell: Früher waren TV-Shows Straßenfeger, die ein Millionenpublikum vor den Fernseher bannten. Doch die goldene Ära ist lange vorbei. Gestandene Shows verlieren beständig Zuschauer, neue Sendungen floppen. Das TV-Format befindet sich in einer schweren Krise.

Jüngstes Beispiel ist das frühzeitige Aus der aus Israel importierten App-Show "Rising Star", die RTL wegen enttäuschender Quoten am Donnerstag (18. September, 20.15 Uhr) nach sieben statt geplanten zehn Folgen beendet.

"Wetten, dass..?" hat nach 33 Jahren ausgedient

"Niemals wieder hatte man in späteren Jahren solch ein sicheres Gefühl, zu einem bestimmten Zeitpunkt genau das Richtige zu tun." Sätze wie dieser über "Wetten, dass..?" in den 80er Jahren, geschrieben von Florian Illies im Kindheitsnostalgie-Bestseller "Generation Golf", gehören der Vergangenheit an. Heute sitzt die ganze Familie so gut wie gar nicht mehr gemeinsam vor dem Bildschirm.

Stattdessen nimmt das ZDF "Wetten, dass..?" zum Jahresende nach 33 Jahren aus dem Programm. Vor wenigen Jahren - mit Thomas Gottschalk - hatte die Samstagabendshow, die in den Anfangsjahren mehr als 20 Millionen Menschen erreichte, noch zuverlässig mehr als zehn Millionen Zuschauer pro Ausgabe. Dann kam Markus Lanz und der Quotenabsturz. Im Februar schalteten nur noch 5,85 Millionen ein - Negativrekord. Deshalb wird es nur noch drei weitere Ausgaben der Sendung geben, im Dezember fällt mit der 215. Ausgabe der letzte Vorhang.

Immer gleiche Formate werden recycelt

Zurzeit floppt vieles: Das Publikum missbilligt neue Shows. Das bekam dieses Jahr neben RTL mit "Rising Star" auch schon die ARD mit Jörg Pilawa ("Sing wie Dein Star", "Quizonkel.TV") zu spüren, ebenso wie das ZDF mit Michelle Hunziker ("Die große Überraschungsshow"), aber auch ProSieben mit als innovativ gepriesenen interaktiven Formaten ("Millionärswahl", "Keep Your Light Shining").

Die Hamburger Medienwissenschaftlerin Joan Bleicher meint: "Die derzeitige Quotenkrise diverser Showformate basiert auf dem ständigen Wiederaufbereiten sattsam bekannter Erfolgsmuster und fehlenden Innovationen. Senderübergreifend werden die immer gleichen Formate recycelt, was zu Ermüdungserscheinungen bei den Zuschauenden führt." Insbesondere Casting-Shows seien davon betroffen.

"Idee der Musik-Casting-Show ist abgenudelt"

Der Branchendienst "Meedia" sieht das ähnlich: "Mit 'The Voice of Germany' erlebte das Genre eine kurze Renaissance, aber 'Keep Your Light Shining' und 'Rising Star' zeigen deutlich, dass die Idee der Musik-Casting-Show abgenudelt ist." "Deutschland sucht den Superstar" sei zum Beispiel "längst mehr Trash-Soap statt Musikshow", "Das Supertalent" sei "ein permanent übergeigtes TV-Kuriositätenkabinett".

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Ein Problem ist sicher auch das veränderte Sehverhalten des jungen Publikums, das sich zunehmend vom Fernseher abwendet und Zerstreuung im Internet und den sozialen Netzwerken sucht. Wollen die Jungen eine TV-Sendung sehen, klicken sie im Zweifel in die Mediathek und nicht auf die Fernbedienung. Insofern sind die sinkenden Quoten ein Gesamtproblem der Fernsehwelt.

"Tatort" und "Dschungelcamp" locken noch Millionen

Dennoch gibt es auch weiterhin vereinzelt Formate, die es mühelos schaffen, zahlreiche Millionen vor den Fernseher zu locken. Das gelingt etwa dem ARD-Sonntagskrimi "Tatort", der noch regelmäßig auf rund zehn Millionen Fans kommt. Auch das RTL-"Dschungelcamp" schalteten im Januar täglich fast acht Millionen Menschen ein. Doch das sind seltene Ausnahmen.

Was diese Sendungen erfolgreicher macht als die TV-Shows, ist unklar. Liegt es daran, dass klassische Shows in Hallen- oder Studio-Ambiente als zu unecht wahrgenommen werden? Wollen die Zuschauer mehr reale Emotionen und gute Plots sehen statt aufgesetzter Heiterkeit? Oder sind andere Formate letztlich tatsächlich wandlungsfähiger und innovativer als das Show-Genre? Sicher ist: Wenn sich die Fernsehmacher in Deutschland nicht bald etwas einfallen lassen, sieht es für die Zukunft der TV-Show düster aus.

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