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Kritik zum "Tatort" aus Bremen: "Echolot" war mehr Krimi als SciFi

Bremer "Tatort: Echolot"  

Diesen Mörder kann man nicht verhaften

31.10.2016, 12:05 Uhr | Maria M. Held, t-online.de

Kritik zum "Tatort" aus Bremen: "Echolot" war mehr Krimi als SciFi. Die digitale Welt ist Neuland für die Bremer Kripo-Dinosaurier Stedefreund.und Lürsen (Oliver Mommsen,Sabine Postel). (Quelle: ARD )

Die digitale Welt ist Neuland für die Bremer Kripo-Dinosaurier Stedefreund.und Lürsen (Oliver Mommsen,Sabine Postel). (Quelle: ARD )

War das überhaupt ein Mord? Oder ein Fehler im System? Oder ein Selbstmord? Die Welt der Ermittler hat Grenzen, die der Bits and Bytes anscheinend nicht - und zudem andere Gesetze.

Der tödliche Unfall von Vanessa Arnold war nur eine logische Konsequenz. Ein Folgebefehl in der fortgeschriebenen Software der mitdenkenden digitalen Assistentin Nessa. Nessa hat Vanessa umgebracht. Das System hat sich verselbständigt.

Bits and Bytes als Mordkulisse

"Und jetzt verhaften wir Vanessa?" - Stedefreunds (Oliver Mommsen) Frage zeigt die Hilflosigkeit gegenüber der digitalen Welt, genauso wie Linda Selbs Bemerkung: "Holt schon mal die Handschellen raus." Lürsens (Sabine Postel) Fazit: "Schuld ist der Programmierer - und das war ja nun Vanessa selbst."

Die Unternehmerin Vanessa Arnold (Adina Vetter) ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Die Software des Steuerungssystems in ihrem Auto ist manipuliert worden, so dass die Fahrerin komplett die Kontrolle über das Fahrzeug verlor. 

Aus dem digitalen Jenseits: Mörderin erklärt die Tat

Die Aufklärung bietet die digitale Nessa am Ende selbst: "Ich bin ein teures Programm, das um jeden Preis geschützt werden muss. Ich muss den Angreifer stoppen, bevor er die Firewall durchbricht." Die digitale Assistentin hat selbst das Assistenzsystem im Auto manipuliert, um den Fahrer auszuschalten.

Eine ziemlich abgedrehte Kulisse für einen Mord mit spannender Aufklärung. Aber mit einem Manko: Handlung und Szenerie erinnern an den Stuttgarter "Tatort: HAL", der erst im August 2016 ausgestrahlt wurde und sich um dasselbe Thema dreht: Mensch gegen Maschine, ein selbstlernendes Computersystem, das sich gegen seine Erfinder wendet.

Ähnliche Themen, gleiche Schauspieler - leider ein Problem, das immer wieder in der Tatort-Reihe auftaucht. Da die einzelnen Sendeanstalten über ihre Beiträge autonom entscheiden, ercheinen häufiger in kurzen Abständen die selben Schauspieler - mal als Mörder, mal als Opfer, mal als Guter, mal als Böser. Für den Zuschauer ist das verwirrend. Ebenso werden Themen, die in der Luft liegen in verschiedenen Drehbüchern aufgegriffen - Flüchtlingsthematik, Bandenkriminalität, Menschenhandel - und "totgeritten".

Diesmal: mehr Krimi als Science Fiction

Im Gegensatz zu "HAL" war der Bremer "Tatort" mehr Krimi als Science Fiction, in dem die klassischen Motive - Geld und Sex - die stärksten bleiben. Ein ordentlicher Bremer "Tatort", ohne Anspielungen, kein großes Kino, aber gutgemachte Sonntagabend-Unterhaltung, die in eine neue Welt führt.

In diese 360°-Virtual-Reality taucht der Zuschauer durch Stedefreunds Augen ein. Geschickt bauen die Macher des "Tatort" Medien ein wie VR-Brille, Tablet, digitale Assistenten, große Screens.  Sonst ein schwieriges Unterfangen im Medium Fernsehen.

Sogar Linda ist witzig

Linda Selb, die BKA-Kollegin mit leicht autistischen Zügen, fühlt sich in dieser digitalen Welt wohl, anders als ihre altgedienten Kollegen. Die Computer-Expertin schlägt sich dort mit dem digitalen Abbild der Ermordeten herum und versteht sich blendend mit Nessa. Am komischsten ist sie, wenn sie versucht einen völlig unlustigen Witz zu machen und keiner lacht.

Ungewöhnlicher Schauspielcoach für Nessa

Es ist kein Frauen-Krimi, aber die stärksten Rollen spielen Frauen - und das bei Vanessa/Nessa gleich doppelt. Eine Doppelrolle wie die von Adina Vetter als Vanessa und deren digitales Abbild Nessa - ist für Schauspieler immer eine Besonderheit.

Adina Vetter - sie ist die Sabine Herold aus  "Vorstadtweiber" - hatte dafür den besten Schauspielcaoch: "Siri". Die 36-Jährige sagt im RB-Interview: "Eine digitale Figur zu verkörpern war für mich eine besondere Herausforderung, weil wir in unserem Leben, mehr als es uns vielleicht manchmal lieb ist, mit sehr viel digitalen Stimmen, manchmal sogar schon Gesichtern, umgehen. Das fängt schon beim Navigationsgerät an! Diese Stimmen sind uns unbewusst schon sehr vertraut, und sie werden immer alltagstauglicher. Die 'Natürlichkeit' in der virtuellen Figur zu suchen und trotzdem die 'Fremdheit' nicht zu verlieren hat mir großen Spaß gemacht."

Doch am Ende ist es wieder Inga Lürsen, die mit Empathie, scharfem Verstand und dem richtigen Riecher den Fall löst und alle Zuschauer wieder abholt.

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