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Mercedes 600 Pullman – gestern und heute

Die deutsche Staatslimousine  

Mercedes 600 Pullman – gestern und heute

26.02.2015, 11:38 Uhr | Press-Inform

Mercedes 600 Pullman – gestern und heute. Der legendäre 600er Pullman war bis in die 90er Jahre die deutsche Staatslimousine. (Quelle: Press-Inform)

Der legendäre 600er Pullman war bis in die 90er Jahre die deutsche Staatslimousine. (Quelle: Press-Inform)

Mercedes krönt seine S-Klasse auf dem kommenden Genfer Salon (5. - 15. März) mit dem Maybach-Pullman. Der legendäre 600er war bis in die 90er Jahre die deutsche Staatslimousine und zurückhaltender Ausdruck einer selbstbewusster werdenden Bundesrepublik. Wir zeigen Ihnen erste Bilder vom neuen Pullman und seinem legendären Vorgänger.

Wolfgang Wöstendieck hat sie am Steuer seines schwarzen Mercedes 600 Pullman der Baureihe W 100 alle gefahren: den Kaiser von Japan, Lady Di oder Johannes Paul II. Wöstendieck und seine schwer gepanzerte Staatslimousine hatten in ihrer Dienstzeit viel zu tun.

Exklusivste deutsche Nachkriegslimousine

Von 1971 bis 1993 war er zusammen mit drei anderen Fahrern der offizielle Chauffeur der deutschen Staatslimousine. Immer wenn der Besuch eines hohen Gastes anstand, orderte das Auswärtige Amt bei Mercedes-Benz in Stuttgart das unschlagbare Doppel aus Wöstendieck und seinem schwarzen Pullman, Kennzeichen S-VC 600 aus dem Baujahr 1965. Die exklusivste deutsche Nachkriegslimousine wurde von 1963 bis 1981 exakt 2677 Mal gebaut. Viele der 477 Pullman-Langversionen gingen in den Besitz von Regierungen und hoch gestellten Persönlichkeiten über.

Hauptmärkte waren neben den USA und Deutschland, Frankreich und England, wo sich der 600er besonders als kurze Version großer Beliebtheit erfreute. Zahlreiche besonders exklusive Fahrzeuge fanden den Weg in den Orient und nach Asien, wo die meisten noch heute im repräsentativen Einsatz sind.

Neuer Pullman 6,50 Meter lang

Jetzt legt Mercedes auf Basis des Mercedes-Maybach den 600er Pullman wieder auf. 6,50 Meter lang, mindestens eine halbe Million Euro teuer wird er mehr als 50 Jahre nach seiner Premiere ab 2016 wieder Staatsgäste, Regierungen und Herrscher durch die Welt kutschieren – schwer gepanzert und komfortabler denn je dank 4,14 Meter Radstand und einem um zehn Zentimeter erhöhten Dach. Gleichermaßen spektakulär und doch unauffällig sind jedoch die beiden Versionen, die Mercedes seinerzeit zusammen mit Wolfgang Wöstendieck für Staatsbesuche bereit hielt.

Beide 600-Pullman waren schwer gepanzert und sollten gefährdeten Staatsgästen wie Prinz Charles, Erich Honecker, Boris Jelzin oder Leonid Breschnew nicht nur Komfort, sondern auch die nötige Sicherheit auf deutschen Straßen geben. "Insgesamt war ich zwischen 1971 und 1993 bei 116 Staatsbesuchen dabei", erzählt der aus Bremen stammende Wolfgang Wöstendieck, "ich kam über meine Fahrlehrertätigkeit bei der Bundeswehr nach Stuttgart. Hier fing ich bei Mercedes als Werksfahrer an und wurde nach ein paar Jahren Fahrer der Staatslimousinen. Eigentlich durch Zufall."

Fahrten im Bonner Dreieck

Zwischen dem Bonner Dreieck aus Villa Hammerschmidt, Petersberg und Bad Godesberg fühlte sich der Wahlschwabe einst wie zu Hause. Seine Übernachtungen am Petersberg, dem ehemaligen Gästehaus der Bundesregierung oder in einer kleinen Pension in Bonn sind ungezählt. "Die meiste Zeit haben wir sowieso im oder am Wagen gewartet", erinnert sich Wöstendieck. Dass seine Wartezeit sehr komfortabel war, kann man ebenfalls nicht behaupten. Während sich die Staatsgäste im 6,24 Meter langen 600 bequem ausbreiten konnten, kauerten Wöstendieck und seine Kollegen im engen Volant. Die ebenfalls gepanzerte Trennscheibe ließ kaum Platz für das Personal in der ersten Reihe. Der bequeme Fond war tabu. Wolfgang Wöstendieck: "Meist saß auf dem Beifahrersitz neben mir ein Sicherheitsbeamter vom BKA." Für die Sicherheit der Gäste sorgten nicht nur Fahrzeugkolonne und Sicherheitsbeamte, sondern auch die Schwerpanzerung in B6/B7, die den an sich 2,7 Tonnen schweren Pullman auf rund 4,5 Tonnen drückte. Auch vom neuen Mercedes-Maybach S600 Pullman dürften die meisten Versionen mit schweren Panzerungen versehen werden – um den gefährdeten Personen im luxuriösen Fond maximalen Schutz zu bieten. Die Staatslimousine von einst musste bei offiziellen Empfängen immer mit dem Gesicht nach links stehen – so stand es im Protokoll.

Orangefarbene Innenleuchten sorgten dafür, dass die Insassen in einem guten Licht zu bestaunen waren. Für eine angenehme Privatsphäre im Fond sorgten unter anderem die ausfahrbare Trennwand, Vorhänge und die pneumatisch verschiebbare Rückbank. Alles gesteuert von der hochkomplizierten Komforthydraulik, die den 600er bis zu seiner Produktionseinstellung im Jahre 1981 so einmalige machte. "Über die Komforthydraulik wurde beim 600er fast alles gesteuert", blickt Peter Schellhammer, weltweit für die Technik der Luxuslimousinen zuständig, zurück, "unter anderem die Fensterheber, das Schiebedach, die Sitze oder sogar die Klappensteuerung der Klimaanlage." Zu seiner Zeit galt der Mercedes-Benz 600 als wohl bestes Auto der Welt – egal ob lang, kurz oder als offener Laudaulet. Es wurde sogar zwei Prototypen als 600 Coupé gefertigt.

Reifenpanne bei Breschnew-Besuch

Spezialreifen und die schwere Panzerung der beiden Staatslimousinen sorgten dafür, dass die an sich grandiosen Limousinen-Fahrleistungen der frühen 60er Jahre (510 Newtonmeter Drehmoment, 207 km/h, 0 auf 100 km/h in 10 Sekunden) bei der Panzerversion völlig verpufften. Die neue Staatslimousine vom Typ Mercedes-Maybach S600 Pullman wird von einem sechs Liter großen Achtzylinder mit 630 PS und 830 Newtonmeter befeuert. Der Vorgänger aus den 60er Jahren war 4,5 Tonnen schwer und "nur" 250 PS stark. Für Wöstendieck und seine Kollegen war deshalb nicht mehr als Tempo 100 drin. Brenzlig sei es bei seinen Fahrten nie geworden, so Wöstendieck: "Doch als Breschnew da war, gab es in der Nähe von Gymnich eine Reifenpanne. Breschnew wurde in das zweite Fahrzeug gebracht, die Standarten umgebaut und nach 67 Sekunden konnten wir weiter fahren." Als zwei Tage später Prinz Philipp chauffiert wurde, schaute der nur auf die Reifen und fragte Wöstendieck spitzbübisch: "Sind die Reifen auch in Ordnung?" Bilder vom neuen und alten Maybach-Pullman finden Sie in unserer Fotoshow.

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