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Corona-Warn-App: FAQ – Was tun, wenn die App eine Warnung anzeigt?

Fragen und Antworten  

So nutzen Sie die Corona-Warn-App richtig

Von Jan Mölleken, Laura Stresing

02.07.2020, 11:49 Uhr
Video erklärt: So einfach benutzen Sie die Corona-App

Die Corona-App soll helfen, Infektionsketten möglichst einzuschränken. Mittlerweile ist das Programm auf Handys in ganz Deutschland im Einsatz. Wie die App funktioniert, erklärt t-online.de in einer anschaulichen Animation.

Im Video erklärt: Wie die Corona-App funktioniert und wie Sie sie benutzen. (Quelle: t-online.de)


Die Corona-App zur Nachverfolgung von Covid-19-Fällen ist fertig. Doch bringt die App überhaupt etwas? Oder kann der Staat die Nutzer damit überwachen? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Nach wochenlanger Verspätung ist am Dienstag die Corona-Warn-App der Bundesregierung erschienen. Der Programmcode konnte vorab von jedem eingesehen werden.

Die Begeisterung der Deutschen für eine Corona-App ist bislang aber verhalten: Laut dem ARD-Deutschlandtrend von Anfang Juni würden nur 42 Prozent der Deutschen eine Corona-Tracing-App nutzen, fast ebenso viele (39 Prozent) sprachen sich dagegen aus. Immerhin, andere Umfragen, etwa die des des Nürnberg-Instituts für Marktentscheidungen (NIM), kommen zu positiveren Ergebnissen. In der Untersuchung heißt es, dass eine App, wie sie nun veröffentlicht wurde, voraussichtlich von  53 bis 69 Prozent der Bürger angenommen und installiert werden würde. 

Grund für die Zurückhaltung dürften auch offene Fragen bei den Bürgern sein. Was bringt die App? Kann sie dem Staat bei einer Überwachung helfen? Und können Cyberkriminelle das Programm missbrauchen? t-online.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

Für wen ist die App geeignet?

Sinn und Zweck der App ist es, Infektionsketten zu durchbrechen. Da Covid-19 teilweise asymptomatisch verläuft, kann sich das Virus unbemerkt verbreiten. Die App kann Nutzer per Push-Nachricht warnen, wenn sie mit einem Menschen Kontakt hatten, bei dem im Nachhinein eine Coronavirus-Infektion festgestellt wird.

Bislang müssen die Gesundheitsämter mögliche Kontaktpersonen bei den Betroffenen erfragen. Den Sitznachbarn in der U-Bahn oder die Personen, die in einem Geschäft, im Restaurant oder einer Veranstaltung zu dicht saßen, kann man so aber nicht identifizieren, weil der Betroffene diese schlicht nicht kennt.

Bei flüchtigen Begegnungen, die weniger als 15 Minuten dauern, besteht kaum eine Ansteckungsgefahr. Doch wer einen häufigen und engeren Kontakt zu Fremden hat, könnte von der App profitieren – vorausgesetzt die Kontaktpersonen nutzen die App ebenfalls. In Deutschland erreicht die App laut RKI mittlerweile rund 15 Prozent der Bevölkerung. Nach Einschätzung von Experten ist ab einer Nutzungsquote von 15 Prozent mit einem spürbaren Effekt bei der Eindämmung der Pandemie zu rechnen.

Was tun, wenn die App eine Push-Warnung schickt?

Per Bluetooth-Technologie wird der Abstand zu anderen Geräten erfasst und bei engeren Kontakten auch die Dauer. Stellt die App ein erhöhtes Infektionsrisiko fest, können die Betroffenen beim Arzt einen Abstrich vornehmen lassen, um sich ebenfalls auf das Coronavirus zu testen. Die Kosten dafür tragen die Krankenkassen. Außerdem wird dem Nutzer empfohlen, sich vorsichtshalber zu isolieren und Kontakte zu reduzieren. 

Dieselben Regeln gelten auch für Nichtnutzer der App: Grundsätzlich können sich jetzt alle Menschen testen lassen, die mit Infizierten in Kontakt gekommen sind, auch wenn sie noch keine Symptome zeigen. Zu Beginn der Pandemie galten strengere Testkriterien. 

Wo bekomme ich die App?

Die offizielle Corona-Warn-App des Bundes kann man nur über die App Stores von Apple und Google beziehen. Sie heißt "Corona-Warn-App". Als Herausgeber wird das Robert Koch-Institut (RKI) angegeben. 

Nutzer sollten darauf achten, dass sie sich die richtige App herunterladen, da es eine Vielzahl an ähnlich lautenden Apps gibt, die aber andere Funktionen erfüllen. So hat das RKI beispielsweise schon im April eine "Datenspende-App" veröffentlicht. Wozu sie gut ist, können Sie hier nachlesen.  Außerdem steht zu befürchten, dass Betrüger den Hype nutzen und falsche Corona-Apps veröffentlichen, die Nutzerdaten abgreifen. 

Läuft die App auf meinem Gerät?

Die App läuft auf allen Android-Geräten mit der Android-Version 6.0 (Marshmallow) oder höher. Die Versionsnummer findet sich in den Systeminfos. Auf iPhones muss das aktuelle iOS 13.5 installiert sein, das ist ab dem iPhone 6S möglich. Außerdem braucht man mindestens 10 Megabyte freien Speicherplatz.

Laut Regierungssprecher Steffen Seibert erfüllen 85 Prozent der in Deutschland vorhandenen Smartphones die technischen Voraussetzungen für die App. Dennoch gab es Kritik von Seiten der Opposition, da insbesondere ältere und ärmere Menschen von dem System ausgeschlossen seien. Auch viele Nutzer zeigten sich enttäuscht, als sie feststellten, dass sie die App nicht herunterladen können. Mehr dazu hier

Smartphones von Huawei, auf denen keine Google-Dienste installiert sind, haben eine eigene API für das Contact-Tracing erhalten. Allerdings wird die deutsche Corona-Warn-App lediglich für die App Stores von Google und Apple entwickelt. Sie ist daher wahrscheinlich nur mit älteren Huawei-Geräten kompatibel, die Zugang zum Play Store haben. 

Wie nutze ich die App richtig?

Damit die Kontaktverfolgung funktionieren kann, müssen die Bluetooth-Funktion und eine Schnittstelle im Betriebssystem dauerhaft aktiviert sein. Kann die App nicht auf diese Funktionen zugreifen, meldet sie das mit einer Warnung und dem Hinweis, die Einstellungen zu ändern. 

Beim iPhone findet man die Funktion in den Einstellungen unter "Datenschutz" > "Bluetooth" > "Covid-19-Kontaktprotokoll". Auf Android-Geräten heißt der entsprechende Eintrag "Benachrichtigungen zu möglichem Kontakt mit Covid-19-Infizierten". Man findet ihn in den Einstellungen unter "Google Dienste und Einstellungen". 

Ob die App ordnungsgemäß funktioniert erkennen Sie unter anderem auch an der Tafel auf dem Startbildschirm mit der aktuellen Risikobewertung. Beim Aktualisierungsdatum sollte "heute" stehen. Nach einer Neuinstallation der App erscheint die Tafel grau, da bisher noch keine anderen Geräte-IDs empfangen wurden. Dies sollte sich spätestens ändern, wenn sich der Nutzer unter Leute begibt und die App mindestens einen Tag im Betrieb ist.  

Alle 14 Tage setzt sich die App automatisch zurück, beziehungsweise es beginnt ein neuer Aufzeichnungszyklus. Ältere Daten werden automatisch gelöscht, da man davon ausgehen kann, dass von diesen Kontakten kein Risiko mehr ausgeht. 

Nutzer können ihre Daten in der App jederzeit manuell zurücksetzen. Das heißt, dass alle aufgezeichneten Kontakte und die eigenen Geräteschlüssel gelöscht werden. Im Grunde verliert die App damit ihre eigentliche Funktion, daher ist das nicht empfehlenswert. 

Warum will die App Zugriff auf meinen Standort?

Unter Android verlangt die App Zugriff an den Standort. In der Datenschutzerklärung steht dazu: "Die Standortermittlung Ihres Smartphones muss aktiviert sein, damit Ihr Gerät nach Bluetooth-Signalen anderer Smartphones sucht. Standortdaten werden dabei jedoch nicht erhoben."

Auf Anfrage vom "Spiegel" bestätigte Android-Hersteller Google, dass die App den Gerätestandort ermittele. Grund für einen aktivierten "Standort"-Schalter sei laut Google der Datenschutz, wie der "Spiegel" berichtet. Denn Unbekannte können Bluetooth zusammen mit bestimmten Apps nutzen, um den ungefähren Standort eines Geräts zu ermitteln. Google möchte aber sicherstellen, dass Nutzer kontrollieren können, wann ihr Standort einsehbar ist, schreibt der "Spiegel". Auf iOS verlangt die App nicht nach einem Standortzugriff.

Mehr dazu hier. 

Erhöht sich durch die App der Strom- und Datenverbrauch?

Wer bisher immer die Bluetooth-Funktion deaktiviert hat, um den Akku zu schonen, ist wahrscheinlich skeptisch. Die App-Entwickler versprechen aber, dass der Akkuverbrauch durch die App nicht allzu hoch ausfallen soll. Das dürfte im Einzelfall aber stark vom Gerätetyp abhängen. Unter Android können Nutzer ganz einfach in den Akku-Einstellungen nachprüfen, welche Anwendungen die Batterie übermäßig stark belasten. 

Über den Datenverbrauch müssen sich Nutzer keine Sorgen machen, denn die Mobilfunk-Betreiber in Deutschland werden ihren Kunden keinen Datenverkehr berechnen, der durch die neue Corona-Warn-App entsteht. Das kündigte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom AG, Timotheus Höttges, am Dienstag bei der Vorstellung der Tracing-App in Berlin an. 

Wie funktioniert das Kontakt-Tracing per App?

Bei der Corona-App handelt es sich ausdrücklich nicht um eine Tracking-App. Das heißt, die Anwendung weiß zu keinem Zeitpunkt, wer die App benutzt und wo sich die Person aufhält. Damit werden von vornherein keine persönlichen Daten erzeugt, die dann in falsche Hände geraten könnten.

Um das zu bewerkstelligen, nutzt die App die Nahfunktechnik Bluetooth Low Energy, eine energiesparende Variante von Bluetooth. Damit erkennen die Handys, wenn sich zwei App-Nutzer lange und recht nah beieinander aufhalten. Tritt ein solcher Fall ein, wird nur eine anonymisierte, regelmäßig wechselnde Nummer gespeichert – und zwar lokal auf dem Handy. Einmal am Tag ruft das Gerät eine Liste mit den anonymen Gerätenummern ab, für die eine Covid-19-Infektion bestätigt wurde. Passt eine Nummer zu der gespeicherten Kontaktliste auf dem Handy, wird der Nutzer gewarnt und gebeten, sich testen zu lassen. Hier finden Sie eine anschauliche Erklärung im Video. 

Im Detail ist das etwas komplexer, damit tatsächlich gewährleistet wird, dass sich keine persönlichen Informationen aus diesen Daten ableiten lassen. Bislang beurteilten Experten das System als datenschutzfreundlich.

Unter welchen Umständen erhalten App-Nutzer eine Warnung?

Gewarnt wird erst, wenn mehrere Faktoren auf eine mögliche Übertragung hindeuten. Dabei kommt es nicht nur auf den Abstand an, sondern auch auf die Dauer des Kontakts.

Voraussetzung für eine Benachrichtigung ist aber, dass die Infektion zuvor durch einen Labortest bestätigt wurde und dass der Infizierte den positiven Test von sich aus in der App notiert. Es gibt keine zentrale Stelle, die das für ihn übernimmt oder kontrolliert. 

Wie wird verhindert, dass sich jemand zum Scherz als infiziert meldet?

Wer sich als infiziert meldet, muss dies mit einem QR-Code oder einer TAN-Nummer bestätigen, die er entweder vom Labor oder einer offiziellen Hotline mitgeteilt bekommt. 

Welche Rolle spielen Google und Apple?

Die Tech-Konzerne haben sogenannte Softwareschnittstellen in ihre Betriebssysteme implementiert, die den Datenaustausch zwischen den Geräten via Bluetooth überhaupt erst möglich machen. Sie sorgen beispielsweise dafür, dass sich Android-Smartphones und iPhones untereinander "verstehen". 

Smartphone-Nutzer finden deshalb seit kurzem sowohl auf Android- als auch auf iOS-Geräten, in den Systemeinstellungen Einträge mit Bezug zu Covid-19. 

Nutzer müssen der Corona-App erlauben, auf diese Schnittstelle zuzugreifen. Ohne die entsprechende Berechtigung funktioniert es nicht. Umgekehrt gilt: Ohne eine entsprechende App bleibt die Schnittstelle ungenutzt und erfüllt keinerlei Funktion. Aus dem Kontakt-Tracing fließen keine Daten an Google oder Apple ab. 

Kann man mit der App überwachen, wo ich mich aufhalte?

Nein. Die Tracing-App ist bewusst so entwickelt worden, dass sich daraus keine Informationen über den Nutzer gewinnen lassen (siehe oben). Deshalb erhebt die App keine Standortdaten, etwa via GPS, WLAN-Netz oder nächstliegenden Funkzellen. Denn wo sich der Nutzer befindet, ist für eine Kontaktnachverfolgung unerheblich. Wichtig ist nur zu wissen, ob sich ein Nutzer über einen längeren Zeitraum in der Nähe einer Person aufgehalten hat, die zu diesem Zeitpunkt an Covid-19 erkrankt ist.

Da zu keinem Zeitpunkt Standortdaten erhoben werden, können diese auch nicht von Hackern erbeutet oder von Sicherheitsbehörden missbraucht werden. Zudem sind auch die anonymen, täglich wechselnden Identifikationsnummern so angelegt, dass sich damit keinerlei Rückschlüsse auf das zugehörige Gerät ziehen lassen.

Die Angst davor, dass überwacht oder veröffentlicht wird, mit wem sich Nutzer der App treffen, ist demnach unbegründet – es lässt sich nicht aus den Daten herauslesen.

Wie kann ich sicher sein, dass die App nicht dennoch unerlaubt Daten sammelt?

Im Vorfeld haben SAP und Deutsche Telekom den kompletten Quellcode der App für alle einsehbar veröffentlicht. Der Quellcode ist die Bauanleitung einer solchen App – darin können Entwickler nachvollziehen, was die App tun kann. Bislang waren aus der stets kritischen Community keine nennenswerten Bedenken zu hören.

Zudem machen Google und Apple überdies strenge Auflagen zur Funktionsweise der App. GPS-Daten und Adressbücher etwa sind für die Corona-Warn-Apps absolut tabu!

Ist die App denn wirklich sicher?

Eine vollständige Sicherheit kann niemand für seine Software versprechen. Die größte Sicherheit, die die App hier bieten kann, ist allerdings, dass es keine persönlichen Daten zum Abgreifen gibt.

Eine viel größere Gefahr dürfte hingegen von Fake-Apps, Täusch-Websites oder Ähnlichem ausgehen. Betrüger werden versuchen, das Interesse an der Corona-App für ihre Zwecke zu missbrauchen und Nutzer etwa auf gefälschte Websites locken, oder aber mit Fake-Apps an die Daten von Opfern zu kommen. 

Wer hat die App entwickelt?

Auftraggeber der App ist die Bundesregierung. Mit der technischen Umsetzung wurden die Deutsche Telekom und das Softwareunternehmen SAP beauftragt. In beratender Funktion standen außerdem die Fraunhofer-Gesellschaft und sowie das CISPA – Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit den Entwicklern zur Seite. Herausgeber ist das Robert Koch-Institut. 

Was hat die Entwicklung der App gekostet?

Die Kosten für die Entwicklung der Corona-Warn-App liegen laut der Bundesregierung im erwarteten Rahmen von etwa 20 Millionen Euro. Allerdings kommen in Zukunft Betriebskosten hinzu. Diese belaufen sich auf schätzungsweise 2,5 bis 3,5 Millionen Euro pro Monat.

Das Geld fließt unter anderem in eine Hotline, über die App-Nutzer, die positiv auf Covid-19 getestet wurden, einen Tan-Code anfordern können. Dieser wird benötigt, um sich in der App als infiziert melden zu können. So soll verhindert werden, dass Scherzbolde das System missbrauchen und Panik verbreiten. Alternativ zur Tan-Methode kann eine Infektion per QR-Code des Testlabors verifiziert werden. Die verschiedenen Möglichkeiten dienen der Benutzerfreundlichkeit.

Mehr zu den Kosten der App erfahren Sie hier.   

Habe ich Nachteile, wenn ich die App nicht nutze?

Für Menschen, die die App nicht nutzen, sollen keine weiteren Nachteile entstehen. Denn parallel zu dem Contact-Tracing per App wird auch die analoge Nachverfolgung weiterbetrieben. Wenn sich jemand mit dem Coronavirus infiziert hat, wird er vom Gesundheitsamt aufgefordert, eine Liste aller Kontakte der letzten Tage auszuhändigen. Die betroffenen Personen werden dann von den Behördenmitarbeitern benachrichtigt. Das kann allerdings etwas länger dauern und kann keine Zufallsbegegnungen mit Unbekannten erfassen.

Bringt es Nachteile, die App zu installieren?

Es ist denkbar, dass die App-Nutzung unerwünschte psychologische Effekte nach sich zieht. Etwa, dass sich Menschen zu sehr auf die App verlassen, leichtsinnig werden und andere Schutzmaßnahmen nicht mehr einhalten. Dabei gibt es noch lange keine Entwarnung, wenn man noch keine Push-Mitteilung erhalten hat. Es kann durchaus sein, dass man, ohne es zu wissen, mit einem Infizierten in Kontakt war. Nur hatte der unter anderem die App vielleicht nicht installiert oder sie nicht richtig genutzt oder die Entfernungsmessung hat nicht richtig funktioniert. Die App bietet keinen Schutz vor dem Coronavirus.  

Für wen ist die App verfügbar?

Die App war Anfangs nur für Nutzer verfügbar, die einen Account im deutschen Google Play Store oder Apples App Store haben. Mittlerweile können aber auch User aus verschiedenen europäischen Ländern die App installieren. Neben den Nachbarn aus den Benelux-Staaten kann die App auch von Anwendern aus Frankreich, Österreich, der Tschechischen Republik, Polen, Dänemark, Rumänien und Bulgarien verwendet werden, wenn sie sich in Deutschland aufhalten.

Was passiert, wenn jemand vergisst, sich in der App als infiziert zu melden? 

In einem solchen Fall bleibt immer noch die analoge Kontaktverfolgung durch die Gesundheitsämter. Covid-19 ist eine meldepflichtige Krankheit. Die Daten der Betroffenen werden zum Seuchenschutz von den zuständigen Behörden erfasst. Auch ohne App.

Wie genau sind die Bluetooth-Messungen?

Gemessen werden nur Abstände und Zeit, nicht aber die Bedingungen einer Begegnung. Die Bluetooth-Messung macht keinen Unterschied zwischen draußen und drinnen. Auch Glas- oder Plastikscheiben oder dünne Trennwände durchdringt das Signal. Es könnte also sein, dass Menschen eine Warnmeldung erhalten, obwohl sie geschützt waren. Umgekehrt kann es auch passieren, dass ein relevanter Kontakt nicht richtig erkannt wird, weil der Bluetooth-Empfang durch Hindernisse stark gedämpft wurde.

Die Qualität des Bluetooth-Signals hängt auch vom Gerätetyp ab. Wer ein neues Smartphone besitzt, ist wahrscheinlich im Vorteil. Laut den Entwicklern wurde die Technik an den 50 häufigsten Smartphone-Modellen in Deutschland getestet. 

Was bringt die App wirklich?

Das muss sich noch zeigen. Damit das Contact-Tracing funktioniert, müssen eine Reihe von Voraussetzungen gegeben sein, nicht nur technischer Natur. Das Verhalten der Bürger und Behörden ist noch viel wichtiger. Es kommt stark darauf an, ob alle die App korrekt anwenden, ob ausreichend Testkapazitäten zur Verfügung stehen und auch genutzt werden, wie schnell die Ämter reagieren und ob sich die Betroffenen an Anweisungen wie Quarantäne halten.

Hinzu kommt, dass die Methode besser funktioniert, wenn viele die App nutzen. Wie viele mitmachen müssten, um einen positiven Effekt zu erzielen, ist umstritten. Lange Zeit ging man von 60 Prozent der Bevölkerung aus. Inzwischen zeigen sich Forscher optimistisch, dass auch ein sehr viel geringerer Anteil schon ausreichen würde. 

Wie viele riskante Kontakte die App erkennt, hängt außerdem davon ab, wie viele Corona-Infizierte es in der Bevölkerung gibt und wie viele Fälle durch Labortests diagnostiziert werden.

Kann ich die App auch im Urlaub nutzen?

Bei Aufenthalten im Ausland sollte man sich nicht auf die Warnfunktion der App verlassen. Zwar können die Smartphones, auf denen die deutsche Corona-App installiert ist, auch im Ausland ihre ID-Nummern via Bluetooth austauschen. Kontakte mit den Einheimischen werden jedoch nicht aufgezeichnet, da die Länder unterschiedliche Contact-Tracing-Apps einsetzen. Die Systeme sind noch nicht darauf ausgelegt, Daten auszutauschen. Urlauber sollten sich deshalb die offizielle App des jeweiligen Landes herunterladen.

Langfristig soll sich das ändern. Zumindest innerhalb der Europäischen Union könnten die dezentral konzipierten Corona-Warn-Apps kompatibel gemacht werden. Bei Apps mit einem zentralen Ansatz, wie sie beispielsweise in Frankreich und England zum Einsatz kommen, funktioniert das allerdings nicht so leicht.  

Welche Ansätze und Erfahrungen gibt es im Ausland?

Die Ergebnisse sind bislang durchwachsen: Singapur etwa hatte eine Corona-Tracing-App bereits im März vorgestellt – doch bis heute hat nicht einmal jeder Dritte die App dort auf seinem Handy installiert.

Auch in Island gibt es bereits seit einiger Zeit eine Tracing-App – Rakning-C19. Bis Mitte Mai sei sie dort zwar immerhin von rund 40 Prozent der Bevölkerung genutzt worden, eine Wende bei den Infektionszahlen habe das aber nicht gebracht, berichtet "Technology Review".

In Kolumbien wiederum, dem ersten südamerikanischen Land, das eine solche App einsetzt, gibt es laut "Handelsblatt" erhebliche Sicherheitsbedenken bei der Anwendung. Laut einer Analyse des Sicherheitsunternehmens ZeroFox könnten etwa dort hinterlegte Reisepassnummern oder Gesundheitsdaten ausgelesen werden.

In Australien haben sechs Millionen Menschen die App genutzt, das entspricht einem Drittel der Smartphone-User dort. Aber nur in einem Fall war die App wirklich hilfreich.

In England und Frankreich gelten die Kontakt-Tracing-Apps als weitgehend gefloppt. Beide Länder haben einen zentralen Ansatz gewählt, bei dem alle Nutzerdaten auf einem Server gespeichert werden. Nach Ansicht von Experten wirkt sich das negativ auf die Datensicherheit und das Vertrauen der Nutzer in die App aus. Außerdem gibt es Kompatibilitätsprobleme mit Geräten und Betriebssystemen. England will nun womöglich doch auf eine dezentrale App umschwenken. 

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