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Darum sind fast alle Sprachassistenten weiblich

dpa, Caroline Bock

Aktualisiert am 01.02.2019Lesedauer: 4 Min.
MĂ€nnerstimmen bei Sprachassistenten aktivieren
Siri auf einem iPhone: Bei einigen Sprachassistenten kann man bei der Assistenten-Stimme zwischen weiblich und mÀnnlich umschalten. (Quelle: Andrea Warnecke/dpa-tmn-bilder)
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Warum eigentlich Siri? Und warum Alexa und nicht Alexander? Die digitalen Helfer heute sind Frauen. Zumindest klingen sie so. Werden damit Rollenklischees zementiert?

Die Schauspielerin Maria FurtwĂ€ngler rĂ€umt gerne mit altmodischen Rollenbildern auf. Ihr ist aufgefallen, dass die digitalen Assistenten aus dem Lautsprecher auf Alexa, Siri und Cortana hören – alle haben vom Start weg Frauenstimmen.

"Ich frage mich, ob kĂŒnstliche Intelligenz uns zu mehr DiversitĂ€t verhilft oder gĂ€ngige Stereotypen zementiert", sagte FurtwĂ€ngler kĂŒrzlich in einer Rede bei der DLD-Konferenz in MĂŒnchen. Warum die Assistenzsysteme alle weiblich seien, fragte sie. "Sie könnten doch auch Hubert, Bernhard oder Yossi heißen!"

"Die digitalen DienstmÀgde unserer Zeit"

Das war auch eine augenzwinkernde Anspielung auf die mÀnnlichen GÀste beim "DLD Chairmen's Dinner" und ihren Mann, den Verleger Hubert Burda. Aber FurtwÀngler, die sich schon mit Geschlechterbildern im Fernsehen und bei YouTube befasste, hat einen interessanten Punkt angesprochen.

Warum eigentlich Siri, ein skandinavischer Frauenname? Und warum Alexa und nicht Alexander? "Sprachassistentinnen sind die digitalen DienstmĂ€gde unserer Zeit", findet der Klangforscher Holger Schulz von der UniversitĂ€t Kopenhagen. Im "Deutschlandfunk Kultur" kritisierte er, dass die weibliche Stimme in die Rolle einer Assistentin zurĂŒck gedrĂ€ngt werde.

Bei Google ist der Assistent namenlos

Ein Praxistest: Bei Apple klingt die Computerstimme eindeutig weiblich. Wenn man Siri, das Sprachsystem im iPhone fragt, ob sie ein Mann oder eine Frau ist, sagt sie: "Lass dich durch meine Stimme nicht tĂ€uschen: Ich habe kein Geschlecht." Alexa hat da eine eindeutige Antwort. Gefragt, ob sie eine Frau sei, antwortet der Lautsprecher: "Ich sehe mich als weiblich. In Stromkreisen wĂŒrde man sagen: Ich bin Frauenpower aus der Steckdose." Bei Google ist der Assistent namenlos.

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Apple will nichts dazu sagen, welche Prozesse zu einem Produktnamen fĂŒhren. Aber der Hersteller verweist darauf, dass Siri sowohl mit weiblicher als auch mit mĂ€nnlicher Stimme genutzt werden kann. "Dies bleibt jedem Nutzer selbst ĂŒberlassen." Bei Amazon erklĂ€rt ein Sprecher, der Name "Alexa" komme von der Bibliothek Alexandria, einem Wissensuniversum. Was die Stimme angeht: "Überall auf der Welt haben Studien ergeben, dass die weibliche Stimme als angenehmer, freundlicher und entspannter wahrgenommen wird."

Bei Microsoft heißt es, Cortana sei in erster Linie eine dialogorientierte Assistentin, die Nutzer bei verschiedenen Anforderungen unterstĂŒtze. Sie versteht sich laut Hersteller nicht als ausdrĂŒcklich weiblich, sondern allgemein als Wesen. Und: Die gesamte Persönlichkeit wird laut Microsoft an lokale Gegebenheiten angepasst. Die französische Cortana ist also anders als die japanische.

"Einfluss auf das GeschlechterrollenverstÀndnis"

Miriam Meckel, Professorin fĂŒr Kommunikationsmanagement an der UniversitĂ€t St. Gallen, verweist auf eine ganze Reihe von Studien, die zeigten, dass weibliche Stimmen als angenehmer wahrgenommen werden als mĂ€nnliche. Deshalb sei die Voreinstellung bei allen Sprachassistenten weiblich.

Das Problem ist fĂŒr Meckel, dass diese eine Servicefunktion ĂŒbernehmen, die im tĂ€glichen Umgang dadurch mit weiblich verbunden wird. "Da zunehmend auch Kinder im Umgang mit Alexa und Co aufwachsen, kann das einen Einfluss auf das GeschlechterrollenverstĂ€ndnis einer Gesellschaft haben", erklĂ€rt die Buchautorin.

Besonders drastisch habe sich dieses Problem am Beispiel sexueller BelĂ€stigung gezeigt, so Meckel. "TatsĂ€chlich mĂŒssen sich die Sprachassistenten da einiges anhören." Inzwischen arbeiteten die Hersteller daran, dass es darauf passende und deutliche Antworten gibt. "Macht man Siri heute ein unmoralisches Angebot, hört man: "Die Antwort lautet nein."

Das zeigt laut Meckel: "Auch in der Kommunikation und Interaktion mit Softwaresystemen sind Umgangsregeln wichtig. Wir lernen ja nicht nur von Menschen, sondern inzwischen auch von Maschinen."

Historische VorlÀufer

FĂŒr die modernen Systeme werden echte Stimmen genutzt, die dann technisch zu immer neuen SĂ€tzen zusammengebaut werden. In der Technologie-Geschichte und in der Popkultur hat die Frauenstimme eine gewisse Tradition. Die Zeitansage am Telefon (ja, die gibt es noch) ist bis heute weiblich.

Die Berliner Forscherin Judith Meinschaefer erklĂ€rt das aus Sicht der Wissenschaft: "Frauenstimmen sind verstĂ€ndlicher als MĂ€nnerstimmen." Das liege daran, dass die Stimmlippen schneller schwingen. Die Frequenz der Signale sei höher. Technisch sei es aber kein Problem, wenn MĂ€nnerstimmen genutzt wĂŒrden, so Meinschaefer.

Im Internet kann man sich angucken, dass es auch anders hĂ€tte kommen können. Siri und Alexa haben einen Großvater, wie ein altes Video von 1992 zeigt. Darin fĂŒhren der damalige Apple-Chef John Sculley und der Computerwissenschaftler Kai-Fu Lee im Fernsehen ein Computersystem vor, mit dem man reden kann. Die Stimme klingt recht hoch. Aber das System heißt Casper.

So lassen sich MĂ€nnerstimmen bei Sprachassistenten aktivieren

Bei heutigen Sprachassistenten mĂŒssen die Stimmen nicht immer zwangslĂ€ufig weiblich sein. Wer lieber mit einem Mann sprechen möchte, muss oft nur eine kleine Änderung in den Einstellungen vornehmen. Amazon und Microsoft sehen fĂŒr Alexa beziehungsweise Cortana derzeit allerdings keine Wahlmöglichkeit vor.

Google Assistant

Auf Smartphone und Tablets mit Android hĂ€lt man die Startbildschirm-Taste ("Home Button") so lange gedrĂŒckt, bis sich der Assistant öffnet. Bei MobilgerĂ€ten mit iOS öffnet man die Google Assistant App. Dann tippt man rechts oben auf das Dreipunkt-MenĂŒ beziehungsweise sein Profilbild und geht in den Einstellungen auf "Assistant/Stimme fĂŒr Assistant". Bei Smart-Speakern mit Google Assistant ruft man den gleichen Einstellungspunkt in der Google-Home-Apps auf.

Siri von Apple

Auf iPhones und iPads geht man in den Einstellungen auf "Siri & Suchen/Sprache", um von der weiblichen auf eine mĂ€nnliche Stimme umzuschalten. Auf Mac-Rechnern (ab macOS Sierra) findet sich die Wahlmöglichkeit in den Systemeinstellungen unter "Siri/Sprache". Apples Smartwatches ĂŒbernehmen die Stimmeinstellung automatisch vom iPhone.

Bixby von Samsung

Wer ein neueres Galaxy-S- oder Note-Smartphone besitzt, kann Samsungs Sprachassistenten Bixby Voice nutzen – und in den Einstellungen der Bixby-App unter "Sprache" festlegen, ob die Assistenten-Stimme mĂ€nnlich oder weiblich sein soll.

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