• Home
  • Digital
  • Corona-Krise
  • Corona-Warn-App: Das befĂŒrchten Kritiker der Software


Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild fĂŒr einen TextGehaltserhöhung fĂŒr Olaf ScholzSymbolbild fĂŒr einen TextPutin reagiert auf Witze der G7-ChefsSymbolbild fĂŒr einen TextWĂ€rmepumpen fĂŒr alle? Neue OffensiveSymbolbild fĂŒr einen TextCorona-Zahlen steigen – Tests kostenSymbolbild fĂŒr einen TextWeniger Stau durch 9-Euro-TicketSymbolbild fĂŒr einen TextTödlicher Unfall auf A2 – lange SperrungSymbolbild fĂŒr einen TextGottschalk wettert gegen JungstarsSymbolbild fĂŒr einen TextHuawei greift Apple mit neuen GerĂ€ten anSymbolbild fĂŒr einen TextTrans-Spielerin beendet FußballkarriereSymbolbild fĂŒr ein VideoHund beeindruckt mit KlippenspringenSymbolbild fĂŒr einen TextUnfall mit neuem Tesla: TotalschadenSymbolbild fĂŒr einen Watson TeaserF1: Schumi-Bosse ernten heftige KritikSymbolbild fĂŒr einen TextSchlechtes Hören erhöht das Demenzrisiko

Was Kritiker der Corona-Warn-App befĂŒrchten

Von Ali Vahid Roodsari

Aktualisiert am 17.06.2020Lesedauer: 5 Min.
Im Video erklÀrt: So funktioniert die Corona-Warn-App. (Quelle: t-online)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo

Am Dienstag geht die deutsche Corona-Warn-App an den Start. Experten zufolge gilt sie datenschutztechnisch als sicher.

Nach langer Diskussion erscheint am Dienstag die Corona-Warn-App der Bundesregierung. Die soll unter anderem helfen, Infektionsketten leichter zu verfolgen. Mehr zur Funktionsweise lesen Sie hier.


Warnung vor Infektion: So sieht die App zur Corona-BekÀmpfung aus

Im Appstore von Apple ist die Warn-App seit heute verfĂŒgbar. Achtung: Derzeit muss tatsĂ€chlich noch nach "corona-warn-app" gesucht werden, um die richtige App zu finden. Die Suche wurde offenbar noch nicht optimiert.
So sieht das Symbol der deutschen Corona-Warnapp auf dem iPhone aus. Der Aufbau des Programms sieht auf Android genauso aus.
+7

Angst vor einer Überwachung sei unbegrĂŒndet und die App datenschutztechnisch tadellos, das bestĂ€tigen Experten wie Henning Tillmann im GesprĂ€ch mit t-online.de. Auch TÜV Informationstechnik bewertet die Corona-Warn-App als "stabil und sicher". Wer sich selbst ĂŒberzeugen möchte, kann auf der Entwicklerplattform Github den Code zur App begutachten.

Doch abseits vom Datenschutz gibt es andere Bedenken. Kritiker warnen, dass die App und Corona-Maßnahmen noch nicht absehbare gesellschaftliche Folgen haben könnten – und sich im schlimmsten Fall auf lange Sicht auf unsere Freiheit auswirken können.

Loading...
Symbolbild fĂŒr eingebettete Inhalte

Embed

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Warum Putin nicht verhaftet wird
Wladimir Putin: Der russische PrÀsident besuchte erstmals nach Beginn des Ukraine-Krieges mit Tadschikistan und Turkmenistan zwei auslÀndische Staaten.


Unterschied zwischen faktischer und legaler Freiwilligkeit

So Ă€ußerte Klaus MĂŒller, Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, im GesprĂ€ch mit t-online.de, dass Nutzer ohne App vom öffentlichen Leben ausgeschlossen werden könnten: "Ich warne davor, dass Restaurants, GeschĂ€fte oder FlughĂ€fen die Freiwilligkeit der App faktisch aushöhlen, indem sie nur App-Nutzern Zutritt gewĂ€hren", sagte er.

Der Informatiker JĂŒrgen Geuter warnt ebenfalls vor solchen Szenarien. Denn zwar gebe es gesetzlich keinen Installationszwang der App: "Aber was ist, wenn Ihr Arbeitgeber Sie auffordert, die App zu installieren, um Ihrem Job nachzugehen?", fragt Geuter. "Klar gibt es eine legale Freiwilligkeit, auf die sich viele beziehen. Aber eben auch eine faktische Freiwilligkeit."

Ein Beispiel aus der RealitĂ€t fĂŒr dieses Argument: Hotels verlangen oft eine Kreditkarte als Sicherheit. Wer reisen will und selbst bucht, braucht also zwingend eine Karte – auch wenn er sie sonst nie nutzt und es gesetzlich nicht vorgeschrieben ist.

Jurist und Schriftsteller Bijan Moini von der Gesellschaft fĂŒr Freiheitsrechte hĂ€lt einen faktischen Zwang ebenfalls fĂŒr möglich. Beispielsweise, dass SupermĂ€rkte Kunden ohne App den Zugang verweigern. "Ob ein Nutzungszwang zulĂ€ssig ist, hĂ€ngt davon, wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt", sagt Moini. Wenn sich zeige, dass die Infektionsraten im Herbst oder Winter stiegen und die Corona-App sie tatsĂ€chlich reduzieren könne, könne "eine zwangsweise Nutzung dieser App infrage kommen". Moini fĂŒgt aber hinzu: "Zum jetzigen Zeitpunkt sehe ich aber nicht, wie man das rechtlich rechtfertigen sollte."

Monatelange Gerichtsverfahren möglich

Regierungssprecher Steffen Seibert betonte am Montag in der Bundespressekonferenz, dass es keinen App-Zwang geben werde. Auch der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber sieht wenig Gefahr fĂŒr die oben genannten Szenarien. In einer Diskussionsrunde von Digital-Kompass zur Corona-App sagt er: "Die Aufforderung zur Nutzung der App durch Arbeitgeber, GeschĂ€fte oder Ähnliches wĂŒrde schon nach bestehender Gesetzeslage datenschutzrechtlich nur in AusnahmefĂ€llen Stand halten."

Rechtsanwalt und Datenschutzexperte Thomas Schwenke merkt auf Anfrage von t-online.de aber an, dass beim Datenschutzrecht pauschale Prognosen kaum möglich seien. "So kann die Forderung einer App-Installation fĂŒr Mitarbeiter eines Altenheims anders bewertet werden als bei Kunden eines Supermarkts", sagt Schwenke. Er weist darauf hin, dass mögliche Gerichtsverfahren in solchen FĂ€llen Monate bis Jahre dauern können. "Bis dahin kann die Corona-App unabhĂ€ngig von der letztendlichen Rechtslage zu einer Art Passierschein werden. Hier hĂ€tte ein eindeutiges Verbot derartiger App-Nutzung seitens des Gesetzgebers helfen können."

Falsche Alarme können SelbststÀndigen schaden

Ein anderes Problem sieht Informatiker Geuter bei der Funktionsweise der App: Denn das Programm prĂŒft den Abstand zu anderen Nutzern per Bluetooth Low Energy: "Die Technologie ist dafĂŒr aber nicht gedacht", sagt Geuter. "Die App kann auch nicht erkennen, ob Sie von einem Infizierten durch eine Scheibe oder Wand getrennt waren. Im schlimmsten Fall werden Sie alarmiert, obwohl Sie geschĂŒtzt waren."

Das wĂŒrde vor allem SelbststĂ€ndigen schaden, vermutet Geuter. Schließlich bedeute die QuarantĂ€ne fĂŒr sie oft einen Verdienstausfall. "Das ist vor allem ein Bedrohungspotenzial fĂŒr Menschen, die finanziell und sozial eher schwĂ€cher gestellt sind", sagt Geuter.

Politikwissenschaftlerin und Digitalexpertin Jeanette Hofmann weist auf ein anderes Problem hin: "Aufgrund möglicher falscher Alarme gibt es die BefĂŒrchtung, dass durch die App die KapazitĂ€ten der GesundheitsĂ€mter wegen vieler Befunde stark belastet werden."

Loading...
Symbolbild fĂŒr eingebettete Inhalte

Embed

Edward Snowden warnt vor "Architektur der UnterdrĂŒckung"

Neben möglichen gesellschaftlichen Folgen gibt es aber auch Stimmen, die durch die Corona-Maßnahmen ein Ende der Freiheit fĂŒrchten. Einer davon ist Whistleblower Edward Snowden: Im Interview mit "Vice" warnte er Anfang April, dass Staaten durch die Maßnahmen eine "Architektur der UnterdrĂŒckung" aufbauen. Er wies darauf hin, dass die Corona-Tracking-Methoden die aktuelle Pandemie ĂŒberleben und in Zukunft missbraucht werden könnten.

Politikwissenschaftlerin Hofmann wĂ€gt Snowdens Aussagen mit Blick auf Deutschland ab: "Das kann man nicht so pauschal beurteilen, das kommt vor allem auf das Land und die Ausgestaltung der App an", sagt Hofmann. "Und bei uns gab es ja eine öffentliche Debatte, bei der von Juristen bis DatenschĂŒtzer alle beteiligt waren. Das haben wir sehr gut gehandhabt."

Im t-online.de-Podcast "Tonspur Wissen" merkt Hofmann auch an: "Wir sind mit dieser Corona-App erstmalig in der Lage, den Abstand zwischen Individuen zu vermessen. Und ich glaube, an dieser Idee werden wir kĂŒnftig nicht mehr vorbeikommen." So könnte die Technologie kĂŒnftig sowohl bei anderen Krankheitswellen, aber auch in der Polizeiarbeit zum Einsatz kommen – etwa im Kampf gegen Terroristen.

Zivilgesellschaft muss wachsam sein

Jurist Moini weist ebenfalls auf mögliche negative Entwicklungen hin: "Man kann so etwas als einen ersten Schritt zum laxeren Umgang mit Gesundheitsdaten sehen. Wir haben als Zivilgesellschaft gut daran getan, dass diese App so datensparsam wird. Aber wir mĂŒssen bei jedem kĂŒnftigen Schritt aufpassen, dass das nicht ohne guten Grund aufgegeben wird."

Loading...
Loading...
Loading...
Kaufberatung



Weitere DealsPfeil nach rechts

Eine Sorge von Moini ist dabei, dass die Politik mit dem Gesundheitsschutz schrittweise weitere Überwachungsmaßnahmen rechtfertigt. Er weist als Vergleich auf den Antiterrorkampf hin: So sei es inzwischen Gesetz, dass Fluggastdaten zur TerrorbekĂ€mpfung gespeichert werden – eine Form der MassenĂŒberwachung. "So wie wir heute jeden als potenziellen TerrorverdĂ€chtigen sehen, könnten wir in Zukunft jeden fĂŒr potenziell krankheitsverdĂ€chtig halten", sagt Moini. So könne man begrĂŒnden, ĂŒberall Fieber zu messen oder das Vorzeigen einer App zu verlangen.

Moini betont aber auch, dass er die App in ihrer jetzigen Fassung "relativ entspannt" sehe. "Es zeigt, dass es möglich ist, sowohl Gesundheitsschutz als auch Freiheitsschutz miteinander zu versöhnen", sagt der Jurist. "Aber es gibt keine Garantie dafĂŒr, dass die Politik diese Versöhnung bei der nĂ€chsten Pandemiewelle, oder wenn es politisch opportun ist, wieder aufkĂŒndigt."

Gesetz soll Missbrauch vermeiden

Informatiker Geuter hat Ă€hnliche BefĂŒrchtungen und verweist auf eine "Normalisierung des Arguments": "Wenn man Kontakt-Tracing an einer Stelle zulĂ€sst, wird es schwer, es an einer anderen Stelle zu verhindern", sagt Geuter. "Aber dann heißt es: Diesmal muss die App aber ein wenig anders funktionieren."

Um Missbrauch vorzubeugen, fordert Geuter darum gesetzliche Regulierung. Der Informatiker hat darum schon Anfang Mai – unter anderem zusammen mit dem Rechtswissenschaftler Malte Engeler – einen Gesetzesvorschlag verfasst. Dort sind beispielsweise die Freiwilligkeit einer App und der Umgang mit Nutzerdaten festgelegt. "So ein Gesetz sehe ich langfristig als nötig", sagt Geuter.

Auch die GrĂŒnen und Linken forderten Anfang Juni ein Gesetz mit Ă€hnlichen VorschlĂ€gen, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet. Die Union lehnte das damals aber ab, mit dem Verweis, dass es ja keinen App-Zwang gebe. Am Montag bekrĂ€ftige GrĂŒnen-Chef Habeck die Forderungen nochmals.

Jurist Bijan Moini befĂŒrwortet dagegen ein Gesetz: "Im jetzigen Stadium ist das nicht nur aus rechtlichen, sondern auch aus politischen GrĂŒnden notwendig", sagt Moini. "Denn so ein Gesetz könnte dabei helfen, die Akzeptanz der App zu erhöhen – und damit auch die Zahl der Nutzer."

Update 17.06.2020: Es wurde ein veraltetes Zitat entfernt und durch die Aussage von Klaus MĂŒller, Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, ersetzt.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
BundesregierungCoronavirusEdward SnowdenSteffen SeibertVerbraucherzentrale

t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website