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Playstation 5 im Test: Diesen Innovationsvorteil hat die neue Sony-Konsole

Neuer Controller, keine Ladezeiten  

Die Playstation 5 im Test: Der Innovationssieger

Von Jan Mölleken

19.11.2020, 11:52 Uhr
Playstation 5 im Test: Diesen Innovationsvorteil hat die neue Sony-Konsole. Die Playstation 5: Sonys neue Spielkonsole im Test (Quelle: Jan Mölleken)

Die Playstation 5: Sonys neue Spielkonsole im Test (Quelle: Jan Mölleken)

Mit der Playstation 5 will Sony Videospiele spürbar verbessern: Neben beeindruckender Technik weiß vor allem der innovative Controller zu überzeugen. Doch reicht das, um die Erfolgsgeschichte fortzuschreiben? Unser Test.

Heute startet der Verkauf der neuen Playstation 5 (499 Euro, als Digital Edition ohne Laufwerk 399 Euro). Damit die neue PS5 ein ähnlicher Erfolg wie sein Vorgänger wird, hat Sony der Konsole viel Liebe angedeihen lassen. Wer das volle Ausmaß davon sehen will, braucht sehr gute Augen: Die Unterseite des neuen Dual-Sense-Spielcontrollers ist leicht aufgeraut, um auch bei aufregenden Partien mit verschwitzen Händen nicht vom Controller abzurutschen. Wer nun ganz genau hinschaut, erkennt, dass es sich bei dieser Aufrauung nicht um formlose Plastikpickelchen handelt – Sony hat tatsächlich die für die Playstation ikonischen Controller-Symbole Kreuz, Dreieck, Kreis und Viereck dort verewigt.

Dieses Detail mag für die Qualität der Konsole unerheblich sein – doch es spricht dafür, mit wie viel Detailversessenheit sich Sony der Entwicklung seiner neuesten Konsole gewidmet hat – sowohl beim Design als auch auf technischer Seite. Und hier gibt es durchaus einige Bereiche, von denen auch der Spielspaß profitiert.

Technik: Nicht die allerschnellste – aber die cleverste?

Technisch sind sich die neue PS5 und ihre bereits seit einer Woche erhältlichen Rivalen Xbox Series X|S (Hier lesen Sie unseren Test) ähnlich: Auch Sonys Konsolen setzen auf AMDs Zen-2-Prozessorarchitektur, auch beim Grafikchip kommen bei beiden Konkurrenten AMD-Karten mit RDNA2-Architektur zum Einsatz. Allerdings bieten die Geräte leicht unterschiedliche Ausstattung:

Tatsächlich ist der PS5-Prozessor etwas langsamer getaktet (bis zu 3,5 GHz) als der in der Xbox Series X (3,8 GHz), auch der Grafikchip der PS5 bietet weniger Recheneinheiten (CU) (36 CUs, Xbox Series X: 52 CUs), ist dafür im Vergleich aber schneller getaktet (PS5: 2,23 GHz, Xbox Series X: 1,825 GHz). Beide Konsolen verfügen über 16 GB Arbeitsspeicher, doch auch hier kann die XBox Series X etwas schneller darauf zugreifen. Unterm Strich – und das ist bereits seit vielen Wochen bekannt, liegt die PS5 leistungsmäßig nur auf dem zweiten Platz hinter der Konkurrenz aus dem Hause Microsoft.

Aber: Wirklich wichtig ist das für die allermeisten Gamer wahrscheinlich nicht, denn im Spielgeschehen dürften Unterschiede nur im direkten Vergleich sichtbar sein. Die PS5 ist – das ließ sich in unserem Test bereits anhand von mehreren Spielen nachvollziehen – durchaus in der Lage, Spiele in zeitgemäßer 4K-Auflösung mit modernen Details wie Raytracing-Spiegelungen wiederzugeben. Schön zu sehen etwa beim Sony-exklusiven Spiel "Marvel's Spiderman: Miles Morales".

Und hier zeigte sich auch eine echte Stärke des Sony-Systems: Denn Sony hat in seiner Playstation einen rasend schnellen SSD-Speicher verbaut, der in der Lage ist, 5,5 GB an Daten pro Sekunde in den Arbeitsspeicher zu schaufeln. Damit ist sie tatsächlich doppelt so schnell wie die SSD in der Xbox Series angebunden – die möglichen Auswirkungen auf Spiele könnten dabei viel alltagsrelevanter sein als der sonstige Geschwindigkeitsvorteil der Xbox Series X. 

Im neuen Spiderman-Spiel zeigt sich das schon in der simpelsten Form: Das Spiel selbst ist nach 12 Sekunden geladen, lädt man einen Spielstand, dauert das nur weitere fünf Sekunden – nichts im Vergleich zur alten Konsolengeneration. Viel wichtiger aber: Im Spiel selbst wird man zu keinem Zeitpunkt von Ladebalken aus dem Spiel gerissen – der Spieler schwingt sich ohne Unterbrechung durch die Hochhausschluchten des spektakulär in Szene gesetzte Manhattan. Selbst, wenn man die Schnellreisefunktion nutzt und vom nördlichen Ende der Insel an die südlichste reist, wird der Spielfluss nicht merklich gestört. Das Spiel blendet aus – und nach nicht einmal einer Sekunde am neuen Ort wieder ein. Auf der Playstation 4 gab es hier eine eigene U-Bahn-Animation, da der Wechsel über 30 Sekunden dauerte.

Blitzschnelle SSD macht Spiele nächster Generation möglich

Ein Spiel ohne In-Game-Ladezeiten ist deutlich immersiver – noch interessanter aber: Spieledesigner müssen den langsamen Speicher nicht mehr mitdenken. Mit den lahmen Festplatten der bisherigen Konsolengeneration mussten die Spielewelten im Hintergrund immer in kleine Häppchen zerlegt und so gestaltet werden, dass es nie zu Engpässen bei der Darstellung kam. So mussten zwei weitläufige Areale meist zwangsläufig von einer schmalen Passage, etwa einem Tunnel, getrennt werden. Denn nur während der Spieler diesen grafisch wenig aufwendigen Tunnel durchlief, hatte das Spiel im Hintergrund Zeit, die großen Grafikdateien für den neuen Levelabschnitt zu laden.

Solche unmerklichen Zugeständnisse an die langen Ladezeiten gibt es hinter den Kulissen moderner Spiele dutzende – insbesondere exklusiv für die PS5 produzierte Spiele könnten da in Zukunft deutlich freier gestaltet werden. Ein Großteil der Spiele, die auch für andere Plattformen produziert werden und dann auch deren Speichergegebenheiten berücksichtigen müssen, wird sich künftig wohl aber mit kürzeren Ladezeiten und entfallenden Ladebalken bescheiden.

Ein kleiner Wermutstropfen ist die vergleichsweise geringe Kapazität: Von den verbauten 825 GB Speicher sind nur 664 GB tatsächlich für Spiele nutzbar. Zuletzt hatten Games häufiger schon um die 100 GB Speicherplatz belegt, "CoD Modern Warfare" kam sogar auf 190 GB. Zwar ist der Speicherplatz der PS5 erweiterbar, doch von Sony abgesegnete SSD-Module sind bislang noch nicht erhältlich.

Der Dual Sense Controller ist die echte Neuerung

Während Microsoft mit seiner Xbox Series vor allem die Strategie einer möglichst breiten Anschlussfähigkeit und Zugänglichkeit gewählt hat, versucht Sony seine neue Konsole so "NextGen" wie möglich wirken zu lassen. Die Bezeichnung "NextGen" bezieht sich unter Konsolenspielern auf die "Next Generation", also die nächste Generation von Spielekonsole. Und das bringt auch eine gewisse Erwartungshaltung mit sich, dass die neue Konsole möglichst zukunftsweisend und im Design futuristisch sein sollte.

Über das Design – und vor allem die Größe (die Konsole ist 40 Zentimeter hoch) – lässt sich sicherlich streiten. Fraglos sieht die PS5 aber futuristisch aus und dürfte die Erwartungen vieler Spieler dahingehend immerhin erfüllen. Und während Microsoft bei seiner Xbox Series der alten Benutzeroberfläche sehr treu geblieben ist, hat Sony die Menüs der PS5 zumindest sichtbar neu und in Teilen auch besser gestaltet.

Doch während all das eher kosmetischer Natur ist, kann der neue Dual Sense Controller mit echten Innovationen auftrumpfen. Damit Spieler das direkt ausprobieren können, ist auf jeder PS5 das Spiel "Astro's Playroom" vorinstalliert. Das Spiel selbst ist ein hübscher Plattformer, in dem man einen kleinen, im PS5-Stil gehaltenen Roboter durch allerlei bunte Welten dirigiert. Und hier darf der Controller seine Stärken ausspielen.

Insgesamt ist er von der Form her deutlich ergonomischer geraten, gewisse Anleihen beim Xbox-Controller sind nicht zu verleugnen – trotzdem ist das Gamepad klar als Playstation-Controller zu erkennen. Wichtiger ist aber das Innenleben. Denn Sony hat dem Steuergerät adaptive Trigger und sehr detaillierte Vibrationsmotoren verpasst. So vibriert der Controller etwa leicht links, wenn die Spielfigur ihren linken Fuß aufsetzt, und rechts, wenn der andere Fuß dran ist. Überdies kann man anhand der Vibration sogar den Untergrund unterscheiden: Auf Glas sind die Schritte viel härter und fester als auf Gras oder Sand. Der Effekt ist subtil, aber faszinierend, sobald man ihn bemerkt hat. Die Vibrationen lassen sich im Spiel auch für viele andere Effekte einsetzen.

Zu Beginn des Spiels etwa sieht man eine virtuelle Repräsentation des Controllers auf dem Bildschirm, der sich entsprechend des echten Controllers dreht und neigt. Auf dem Bildschirm wird schließlich eine Horde winziger Roboter in den Controller gegossen – und während man diesen hin und her neigt, meint man wirklich, man spüre, wie die kleinen Kerlchen im Controller von der einen auf die andere Seite kullern.

Ähnlich spannend sind die adaptiven Trigger: Das sind die Tasten auf der Rückseite des Controllers, die man mit den Zeigefingern wie einen Abzug betätigt. Sie lassen sich normalerweise ohne Widerstand betätigen. Doch bei Bedarf kann hier eine Gegenkraft aufgebaut werden – und zwar ganz nach Belieben des Game-Designers. So zeigt "Astro's Playroom" etwa eine Variante, die wie ein Pistolenabzug funktioniert: Bis zu einem gewissen Punkt wird der Widerstand immer stärker: Doch sobald der kritische Punkt überwunden ist – wird es wieder ganz leicht. Ein anderes Beispiel zeigt wie der Widerstand einfach konstant zunimmt, je weiter man den Trigger betätigt – etwa wie bei einem Bremspedal.

Diese Effekte sind beeindruckend und ziehen tief ins Spielgeschehen hinein. Beim neuesten Call-of-Duty-Titel "Black Ops Cold War" soll sich Berichten zufolge etwa der Abzug der einzelnen Waffen im Spiel unterschiedlich anfühlen. Auch das bislang eher unspezifische Gerumpel des Gamepads, wenn man bei einem Rennspiel mit einem anderen Auto oder der Bande kollidierte, kann nun viel präziser und echter nachgestaltet werden. Hier darf man gespannt sein, was Entwickler aus der Möglichkeit machen. Man darf allerdings annehmen, dass diese Funktionen mehr genutzt werden als das quasi vergessene Touchdisplay auf den Controllern der PS4.

Derzeit noch wenige echte PS5-Spiele

All das ist aber vor allem eine Projektion in die Zukunft. Denn zum Start ist die Auswahl der PS5-optimierten Titel noch schmal: Neben bereits erwähntem "Spiderman"-Spiel ist vor allem auch das exzellente PS5-Remake von "Demon's Souls" zu nennen, das exklusiv für die neue Playstation umgesetzt wurde und nicht nur sehr gut aussieht, sondern sich auch exzellent und präzise spielt. Ebenfalls zum Start erhältlich ist "Godfall": In dem wunderschön gestalteten Spiel geht es schwertschwingend durch eine Sci-Fi-Fantasy-Landschaft – etwas stumpf, aber spaßig.

Alle weiteren erhältlichen Spiele wurden auch für die bisherigen Konsolengenerationen entwickelt – etwa Ubisofts "Assassin's Creed Valhalla" oder "Watch Dogs Legion". Beides tolle Spiele, die die neue Konsole aber vor allem für optische Spielereien wie Raytracing-Reflexionen nutzen. Immerhin können PS4-Besitzer, die auf die neue Konsole umsteigen, einen Großteil ihrer alten Spiele auch auf der neuen Konsole zocken. Wer viele PS4-Disks hat, sollte also darauf achten, das teurere PS5-Modell mit Laufwerk zu kaufen, ansonsten muss dafür dann die alte Konsole bemüht werden.

Mehr zu den verfügbaren Spielen für die neuen Konsolen bald aber an anderer Stelle von uns.

Fazit: Die Konsole mit dem größten spielerischen Innovationspotenzial

Der Ansatz von Sony und Microsoft unterscheidet sich in diesem Jahr deutlicher denn je: Während die Xbox-Plattform mit dem Game Pass auf eine möglichst breite Verfügbarkeit von Spielen auf unterschiedlichen Plattformen für unterschiedliche Bedürfnisse setzt – also Xbox Series X, Series S, Spiele-PC oder Spielestreaming – legt Sony den Fokus klar weiter auf das Spielerlebnis an der neuen Konsole und dem 4K-Fernseher. Monitor-Spieler seien an dieser Stelle gewarnt: die verbreitete 1440p-Auflösung wird von der PS5 – anders als etwa bei der neuen Xbox – nicht unterstützt. Stattdessen gibt es dann nur ein 1080p-Signal, das auf solchen Monitoren dann reichlich verwaschen aussieht.

Am richtigen Fernseher sind die Spiele aber eine Augenweide. Ob die Spieleentwickler das Innovationspotenzial der PS5 wirklich aufnehmen und umsetzen, wird man frühestens im kommenden Jahr sehen. Trotz leichter technischer Nachteile könnte die PS5 hier gegenüber der Xbox Series X einen echten spielerischen Vorteil bieten. Ob Sony auch in dieser Generation zudem in Sachen Exklusiv-Titel die Nase vorn behalten wird, ist zumindest nicht völlig klar. Microsoft, so hieß es unlängst, plane auch in näherer Zukunft den Zukauf weiterer großer Spielestudios – das könnte die Situation mittelfristig zumindest ausgleichen.

Klar ist: Die Playstation 5 ist eine wirklich gelungene Spiele-Plattform, die etwas mehr Innovationspotential bietet als die Konkurrenz. Derzeit ist die neue Konsole noch kein Muss – ohnehin dürfte es schwierig sein, zum Start eine Konsole zu bekommen. Echte Kracherspiele, die es nur für die PS5 gibt, fehlen bislang weitestgehend. Vor allem PS4-Spieler können aufgrund der guten Abwärtskompatibilität auch schon zum Start viele alte Spiele darauf spielen.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche

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