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Scheidung: So vermeiden Sie eine Kostenfalle

Geld bei Trennung sparen  

Scheidung: So vermeiden Sie eine Kostenfalle

14.04.2019, 09:27 Uhr | sm, t-online.de

Scheidung: So vermeiden Sie eine Kostenfalle. Paar streitet um Geld: Versuchen Sie bei einer Scheidung, ohne Anwalt einige Streitpunkte zu klären. Das spart Kosten. (Quelle: Getty Images/BernardaSv)

Paar streitet um Geld: Versuchen Sie bei einer Scheidung, ohne Anwalt einige Streitpunkte zu klären. Das spart Kosten. (Quelle: BernardaSv/Getty Images)

An eine Scheidung denkt kaum ein Paar, wenn es vor dem Traualtar steht. Doch nicht jede Ehe hält für die Ewigkeit. Eine Scheidung muss aber nicht teuer sein, wenn die Scheidenden auf einige Punkte achten.

Eine Scheidung muss nicht viel kosten. Auch wenn sich Paare nicht sofort einigen können, gibt es einige Aspekte die frühzeitig die Kosten einer Scheidung minimieren.

Einigkeit bei der Scheidung spart Geld

Viele wird es überraschen angesichts horrend teurer Rosenkriege von Prominenten: Es gibt festgelegte Kosten für eine Scheidung und die sind nicht einmal sehr hoch. Scheidungswillige mit einem durchschnittlichen Einkommen  und Vermögen und ohne aufwändige Trennungsvereinbarung zahlen ungefähr 1.500 Euro pro Anwalt. Noch günstiger wird es, wenn sich nur der Ehepartner einen Anwalt nimmt, der den Scheidungsantrag stellt – und die Eheleute untereinander vereinbaren, sich diese Kosten zu teilen. Ganz ohne Rechtsbeistand geht es in Deutschland dagegen nicht.

Streiten kann man sich am Ende einer Partnerschaft über vieles. Bei den Folgesachen wie Unterhalt und Vermögensaufteilung kann sich das lange Verhandeln auf die Kosten auswirken.

Unser Tipp: Versuchen Sie, sich bereits im Vorfeld über das Wichtigste zu einigen – ohne Anwalt. Auch während der Verhandlung sollten Sie versuchen, kleinere Details ohne Anwalt zu besprechen.

Anwaltskosten vorher bezahlen

Die Zustellung des Scheidungsantrags ist ein wichtiger Stichtag. Denn: Das Vermögen, das die Eheleute zu diesem Zeitpunkt besitzen, muss geteilt werden. Wer den Antrag stellt, kennt diesen Termin – und kann die voraussichtlichen Anwaltskosten vorher bezahlen. Dann verringert sich sein Vermögen zu diesem Zeitpunkt bereits um die Höhe der gezahlten Anwaltskosten. Und: Ist der Antragsteller ausgleichspflichtig, hat er die Gegenseite damit zugleich zur Hälfte an seinen Anwaltskosten beteiligt.

Nicht nur der Antragsteller, auch die Gegenseite kann die Scheidungskosten im Vorfeld bezahlen. Man sollte dafür aber gut über die nächsten Schritte des Partners Bescheid wissen.

Unser Tipp: Werden die voraussichtlichen Kosten für den Anwalt vor der Zustellung des Scheidungsantrags beglichen, wird die Gegenseite durch die Aufrechnung zum Vermögen zur Hälfte an den Kosten beteiligt.

Scheidungskosten absetzen

Seit der Änderung des § 33 Einkommensteuergesetzes (EStG) im Jahr 2013 sind Aufwendungen für die Führung eines Rechtsstreits, die sogenannten Prozesskosten, vom steuerlichen Abzug als außergewöhnliche Belastung ausgeschlossen. Das gilt zugleich für die Kosten eines Scheidungsverfahrens. Dies bestätigte der Bundesfinanzhof (BFH) mit Entscheidung vom 18. Mai 2017 (BFH VI R 9/16).

Kindesunterhalt kostenlos regeln

Sind sich die Partner einig, wer wie viel Unterhalt zahlt (grundsätzlich regelt das die Düsseldorfer Tabelle), müssen sie das nicht vor Gericht verankern lassen. Eine kostenlose Jugendamtsurkunde erfüllt denselben Zweck. So lassen sich gleich mehrere hundert Euro sparen.

Unser Tipp: Sind Kinder vorhanden, sollten Trennungswillige das Jugendamt als erste Anlaufstelle wählen. Das Amt hat die Aufgabe zu beraten – und zwar kostenlos.

Aufteilen der Hochzeitsgeschenke

Zur Hochzeit gibt es oftmals viele und manchmal auch wertvolle Präsente. Bei einer Scheidung ist es eines der schwierigsten Probleme überhaupt, die Geschenke, die manchmal viel Geld wert sind, dem einen oder anderen Trennungswilligen zuzuordnen. Im Zuge der Eheschließung sind diese zumeist an beide Ehepartner adressiert. Hier gilt generell: Was gemeinsam genutzt werden kann, gilt auch als gemeinsames Eigentum. Der Umkehrschluss gilt in der Regel auch, aber nicht immer.

Nehmen wir den teuren Goldschmuck, der dem Paar zur Hochzeit geschenkt und während der Ehe von der Ehefrau getragen wurde. Diese hat kein unausweichliches Recht auf den Schmuck. Denn dieser kann aufgrund des Goldgehaltes als gemeinsame Kapitalanlage eingestuft werden. Dann wird der Wert ermittelt und muss zwischen beiden aufgeteilt werden.

Unser Tipp: Wer sich im Scheidungsfall nachträglich bestätigen lassen kann, dass ein Geschenk für ihn gedacht war, darf den Gegenstand behalten.

Trennungsjahr und Vermögen

Bevor ein Scheidungsantrag gestellt werden kann, müssen die Eheleute mindestens ein Jahr lang getrennt leben. Da kann es unter anderem vorkommen, dass einer der Partner im Trennungsjahr sein Vermögen verschenkt, billig verschleudert oder verschleiert. Das Problem: Der Stichtag der Vermögenaufteilung ist der Tag der Antragstellung der Scheidung.

So einfach geht es allerdings nicht. Zwar kann jeder der Eheleute weiter über sein Vermögen verfügen. Doch ein bewusster Vermögensabbau ist im Trennungsjahr nicht erlaubt. Gibt es also keinen Grund für solche Aktionen, geht man davon aus, als wäre das Vermögen weiter vorhanden. Im Zweifel wird es dann in die Ausgleichsberechnung aufgenommen.

Unser Tipp: Machen Sie eine Aufstellung der Vermögensbestände bereits zu Beginn des Trennungsjahres.

Einkommen bei Selbstständigen

Bei Selbstständigen kann es knifflig werden. Sowohl der Streitwert der Scheidung als auch ein eventueller Unterhalt wird am Nettoeinkommen bemessen. Während bei Angestellten eine Gehaltsauskunft relativ einfach zu beschaffen ist, können diese Infos bei Selbstständigen kaum überprüft werden.

Als Anhaltspunkt gilt der letzte Steuerbescheid. Wer den selbstständigen Partner verdächtigt, viel zu geringe Gewinne anzugeben, sollte dies so detailliert wie möglich nachweisen – etwa durch Angaben zu einem Lebensstil, der nur durch höhere Einkünfte möglich sein kann.

Unser Tipp: Partner von Selbstständigen sollten ab dem Trennungsjahr auf ungewöhnliche und hohe Abschreibungen achten, die das bei einer Scheidung anzurechnende Einkommen des Partners mindern.

Verfahrenskostenhilfe beantragen

Wer wenig verdient und nur geringes Vermögen hat, kann den Staat bezahlen lassen. Verfahrenskostenhilfe heißt das Stichwort. Wird sie bewilligt, übernimmt die Staatskasse die eigenen Anwalts- und Gerichtskosten. Und zwar egal, wie lange es dauert.

Verdient der Partner überdurchschnittlich, man selbst aber wenig, gibt es auch das Mittel des Prozesskostenvorschusses. Dann muss der Bessergestellte die Kosten der anderen Seite tragen – und wird sich wiederum gut überlegen, ob er den Streit etwa um Unterhaltszahlungen unnötig in die Länge zieht. In beiden Fällen ist es übrigens egal, wer die Scheidung beantragt hat.

Unser Tipp: Haben Sie ein geringes oder kein Einkommen und keine Vermögenswerte, können Sie bei Gericht Verfahrenskostenhilfe beantragen.

Haus und Grund regeln

Eine Immobilie gehört allen, die im Grundbuch stehen – in der Regel sind das beide Partner. Ob das Haus damals eigentlich nur von einer Seite finanziert wurde, spielt dann keine Rolle mehr. Wer auszieht, kann auf Nutzungsentschädigung klagen, das aber in der Regel frühestens nach Ende des Trennungsjahres.

Wurde das Haus in die Ehe eingebracht und der Partner nicht ins Grundbuch eingetragen, darf er unter Umständen trotzdem weiter dort wohnen. Dafür muss er nachweisen, dass er existenziell auf die Nutzung angewiesen ist – im Extremfall fünf Jahre lang.

Generell gilt: Der Wert des Hauses wird zum Zeitpunkt der Trennung berechnet, beide haben Anspruch auf die Hälfte. Dazu zahlt entweder ein Partner den anderen aus oder es wird verkauft und der Erlös geteilt. 

Fallen bei Vereinbarungen

Vorschnell ein Papier unterschreiben und dann am Ende dumm da stehen, ist eigentlich kaum möglich. Denn: Auf manches darf gar nicht verzichtet werden, wie zum Beispiel den Anspruch auf Trennungsunterhalt. Bei anderen Dingen besteht Formzwang. Das bedeutet, die Vereinbarung muss notariell beglaubigt sein. Der Notar prüft unabhängig, ob einer der Partner durch die schriftliche Vereinbarung übervorteilt wird.

Bei anderen Vereinbarungen – insbesondere Unterhalt und Zugewinnausgleich – sollten die Grundlagen der Vereinbarung, so zum Beispiel das Einkommen und Vermögen, für alle Seiten transparent aufgenommen werden. Stellt sich später heraus, dass ein Partner getäuscht hat, besteht die Möglichkeit, den Vertrag anzufechten.

Unser Tipp: Sind die Fronten nicht allzu verhärtet, sollten beide Partner eine Einkommens- und Vermögensaufstellung durchführen und dies notariell beglaubigen lassen.

Scheidung und ein gemeinsames Geschäft

Mit einer Trennung ist in manchen Fällen auch ein gemeinsames Geschäft Geschichte. Im Idealfall ist im Gesellschaftervertrag auch eine Trennung oder der Scheidungsfall geregelt. Ist dies nicht geschehen, bleiben nur drei Möglichkeiten:

  • der eine Geschäftspartner zahlt den anderen
  • das Unternehmen wird verkauft und der Gewinn geteilt
  • das Unternehmen wird aufgelöst 

Die letzte Variante wäre jedoch die schlechteste Lösung, denn dann gehen beide leer aus.

Erpressungen besser sein lassen

Wer von illegalem Treiben des Partners weiß – ob Schwarzgeld im Ausland oder Tricksereien bei der Steuer – sollte nicht versuchen, daraus Gewinn zu schlagen. Denn: Hat der Partner dem illegalen Treiben des anderen vorher willig zugesehen, kann ihm dies bei einer Anzeige selbst auf die Füße fallen. Das gilt insbesondere, wenn die Einkommensteuererklärung gemeinsam unterschrieben wurde.

Unser Tipp: Lassen Sie sich nicht von Rachegefühlen leiten. Wurde während der Ehe ein ungesetzliches Gebahren gebilligt, sitzen im schlimmsten Fall beide im selben Boot.

Ehevertrag vor und während der Ehe

Wer vorsorglich einen Ehevertrag abschließt, sollte überlegen, ob dort gewisse Dinge vom Vermögensausgleich ausgeschlossen werden. Denn besitzt ein Partner eine Praxis oder Kanzlei, lässt sich über deren Wert lange streiten. Das lässt die Kosten für den Anwalt oder die Anwälte in die Höhe treiben.

Geht es jedoch um Fragen des Unterhalts, sollte man so wenig wie möglich in der schriftlichen Vereinbarung ausschließen. Die Klauseln könnten schnell sittenwidrig und damit hinfällig werden.

Übrigens: Ein Ehevertrag kann nicht nur vor, sondern auch jederzeit während der Ehe geschlossen werden. Läuft die Beziehung jedoch bereits ihrem Ende entgegen, sollte Vorsicht bei dem Schließen von Verträgen walten.


Verwendete Quellen:
  • Interview von Johannes Büchl mit Sevtap Oygün, Fachanwältin für Familienrecht für t-online.de
  • Eigene Recherche

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