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Was darf ein Erbschein kosten?

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Wert des Nachlasses  

Erbschein – Wann dieser erforderlich ist wie viel er kostet

Von Sabrina Manthey

28.06.2018, 11:30 Uhr
Was darf ein Erbschein kosten?. Euro-Geldscheine und Erbschaftsordner: Ein Erbschein hilft den Hinterbliebenen, sich einen Überblick über die Vermögenssituation des Verstorbenen zu verschaffen. (Quelle: Getty Images/Stadtratte)

Euro-Geldscheine und Erbschaftsordner: Ein Erbschein hilft den Hinterbliebenen, sich einen Überblick über die Vermögenssituation des Verstorbenen zu verschaffen. (Quelle: Stadtratte/Getty Images)

Der Erbschein ist ein amtliches Dokument, mit dem sich Erben als solche auch ausweisen können. Wichtig ist dies unter anderem im Rechtsverkehr und beim Einholen von Informationen über den Vermögenstand des Erblassers. Wir erklären, wann ein Erbschein erforderlich ist, wer diesen ausstellt und was er kostet.

Verstirbt ein naher Angehöriger, gibt es viel zu regeln – unter anderem auch den Nachlass. Neben dem Testament – im Idealfall notariell beurkundet – oder einem notariellen Erbvertrag mitsamt dem Protokoll der Testamentseröffnung gibt es den Erbschein.

Übrigens: Der Erbe hat die gleichen Rechte und Pflichten wie der Erblasser. Wird ein Erbschein beantragt, gilt das Erbe als angenommen und kann nicht mehr ausgeschlagen werden. Es kann nicht nur ein positives, sondern auch negatives Vermögen vererbt werden.

Welche Arten Erbscheine gibt es?

Unterschieden wird zwischen dem Alleinerbschein, der auf eine Person ausgestellt ist, und dem gemeinschaftlichen Erbschein, auf dem mehrere Erben vermerkt sind. Des Weiteren gibt es Teilerbscheine für eine oder mehrere Personen.

Für Erbschaften im europäischen Ausland kann ein Europäisches Nachlasszeugnis beantragt werden. Sollte sich die Prüfung eines ausländischen und außereuropäischen Nachlasses als zeitaufwendig und kostenintensiv herausstellen, kann auch ein Fremdrechtserbschein beantragt werden, der sich nur auf den im Inland befindlichen Nachlass bezieht.

Bestimmt der Erbschein die Erbfolge?

Ist kein Testament vorhanden, greift die gesetzliche Erbfolge. Das heißt, je enger man mit dem Verstorbenen verwandt war, desto wahrscheinlicher ist das Erbe. Zu nennen wären hier zuallererst die Ehe- und Lebenspartner der verstorbenen Person, gefolgt von den ehelichen und adoptierten Kindern und danach die Eltern und darauf die Großeltern. Ein Erbschein kann die gesetzliche Erbfolge nicht außer Kraft setzen.

Wer kann einen Erbschein beantragen?

Einen Erbschein kann jeder beantragen, der davon ausgeht, einen Anspruch auf das Vermögen des Verstorbenen zu haben. Dazu zählen in erster Linie die nahen Angehörigen. Aber auch Gläubiger, die Forderungen gegenüber dem Verstorbenen haben, können einen Erbschein einfordern, ebenso Testamentsvollstrecker und Nachlassverwalter.

Der Antrag wird entweder auf Grundlage eines Testaments oder der gesetzlichen Erbfolge gestellt. Sollte dies zum Beispiel aufgrund von Streitigkeiten unter den möglichen Erbberechtigten nicht eindeutig geklärt sein, muss ein Hilfsantrag gestellt werden, der entweder auf der testamentarischen oder gesetzlichen Erbfolge basiert.

Stapel Euro-Scheine: Die Kosten für einen Erbschein richten sich nach dem sogenannten Nettonachlasswert. Schulden des Verstorbenen sind wertmindernd zu berücksichtigen. (Quelle: imago/Emil Umdorf)Stapel Euro-Scheine: Die Kosten für einen Erbschein richten sich nach dem sogenannten Nettonachlasswert. Schulden des Verstorbenen sind wertmindernd zu berücksichtigen. (Quelle: Emil Umdorf/imago)

Wo kann ein Erbschein beantragt werden?

Der Erbschein wird in der Regel beim örtlichen Nachlassgericht des letzten Wohnsitzes des Verstorbenen ausgestellt, das zumeist beim entsprechenden Amtsgericht angesiedelt ist. Anders in Baden-Württemberg: Hier sind die staatlichen Notariate für das Ausstellen von Erbscheinen verantwortlich.

Es hilft, sich mit seinem lokalen Nachlassgericht in Verbindung zu setzen, dort den Antrag zu stellen und die Unterlagen einzureichen. Damit können Eben mögliche Fahrtkosten sparen.

§ 2353 Zuständigkeit des Nachlassgerichts, Antrag: Das Nachlassgericht hat dem Erben auf Antrag ein Zeugnis über sein Erbrecht und, wenn er nur zu einem Teil der Erbschaft berufen ist, über die Größe des Erbteils zu erteilen (Erbschein).

Welche Unterlagen werden beim Erbscheinantrag benötigt?

Zum Nachweis der Erbberechtigung müssen laut Gesetz die Sterbeurkunde und Geburtsurkunde des Verstorbenen, der eigene Personalausweis und gegebenenfalls die Heiratsurkunde oder die Beurkundung der Lebenspartnerschaft sowie Geburtsurkunden der Kinder vorgelegt werden. Falls vorhanden, kann das Familien- und Abstammungsbuch beigefügt werden. Ist ein Testament vorhanden, sollte auch dies dem Nachlassgericht vorgelegt werden.

Der Erbschein muss alle Erben der gesetzlichen Erbfolge oder die testamentarisch verfügten Erben entsprechend dem gegenwärtigen Kenntnisstand umfassen. Der Antragsteller bestätigt die Richtigkeit der Angaben anhand einer eidesstattlichen Erklärung.

Wozu benötige ich einen Erbschein?

Mit einem Erbschein können Erben ihre Berechtigung zum Beispiel gegenüber Kreditinstituten, Versicherungen und Behörden nachweisen. Das hilft, um sich einen Überblick über den Vermögensstand des Verstorbenen einzuholen. 

Auskunftspflicht: Laut einem Urteil des Bundesgerichtshofes aus dem Jahr 2013 dürfen Banken nicht auf die Vorlage eines Erbscheins beharren, wenn es eine Ausfertigung oder beglaubigte Abschrift eines Testament oder einen Erbvertrag gibt BGH XI ZR 401/12.

Mit Vorlage des Erbscheins können Erben bei den Geldhäusern den aktuellen Kontostand abfragen sowie die Konten rückwirkend über zehn Jahre nachverfolgen. Findet sich auch später noch ein altes Sparbuch auf dem Dachboden, sind Erben in diesem Fall ebenfalls zugriffsberechtigt.

Sanduhr: Erben, die durch das Nachlassgericht über den Tod des Erblassers informiert wurden, haben sechs Wochen Zeit, das Erbe auszuschlagen. (Quelle: Getty Images/Shaiith)Sanduhr: Erben, die durch das Nachlassgericht über den Tod des Erblassers informiert wurden, haben sechs Wochen Zeit, das Erbe auszuschlagen. (Quelle: Shaiith/Getty Images)

Gibt es eine Frist für die Beantragung eines Erbscheins?

Mit der Beantragung eines Erbscheins sollten sich die Hinterbliebenen nicht allzu viel Zeit lassen. Zwar gibt es keine konkreten Fristen, doch greift nach sechs Wochen automatisch die gesetzliche Erbfolge. Nur innerhalb dieses Zeitraums kann das Erbe ausgeschlagen werden. Danach gilt das Erbe als angenommen.

Die Frist beginnt mit dem Zeitpunkt der Information durch das Nachlassgericht, nicht mit dem Zeitpunkt des Todes. Hat sich der Erblasser im Ausland befunden, kann die Frist verlängert werden.

Wie hoch sind die Kosten für einen Erbschein?

Die Kosten für einen Erbschein richten sich nach dem so genannten Nettonachlasswert – also dem Wert des Nachlasses zum Zeitpunkt des Erbfalls. Dazu gehören auch Grundstücke, deren Verkehrswert in die Vermögensermittlung einfließt. Hatte der Erblasser Schulden, sind diese wertmindernd zu berücksichtigen.

Aber Achtung: Das Nachlassgericht ermittelt zwar von Amts wegen den Wert des Nachlasses. Doch müssen Schulden des Erblassers, so weit nicht offensichtlich bekannt, von den Erben eigenständig nachgewiesen werden.

Bei der Höhe der Gebühren für einen Erbschein handelt es sich nicht um einen festgesetzten prozentualen Wert, sondern um eine degressive Staffelung. Grundlage ist das Gesetz über die Kosten der freiwilligen Gerichtsbarkeit für Gerichte und Notare (§ 40 GNotKG – Gerichtskosten- und Notarkostengesetz). 

Auflistung der Kosten nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz: Hier finden Sie eine tabellarische Übersicht über die Gebühren entsprechend Nachlasswert. Grundlage der Kostenberechnung für die Erteilung eines Erbscheins ist der zweifache Gebührenwert der Tabelle B.

Mann mit Taschenrechner: Mit einer Erbschaft kann nicht nur ein positives, sondern auch negatives Vermögen vererbt werden. (Quelle: Getty Images/everythingpossible)Mann mit Taschenrechner: Mit einer Erbschaft kann nicht nur ein positives, sondern auch negatives Vermögen vererbt werden. (Quelle: everythingpossible/Getty Images)

Kann ich mit einem Erbschein Schulden erben?

Nicht nur Vermögen auch Schulden können vererbt werden. Wird das Erbe angetreten, gehen auch die Schulden des Verstorbenen auf die Erben über.

Und hier liegt die Krux: Liegt kein gerichtlich anerkanntes Testament oder notarieller Erbvertrag vor, erteilen Banken nur nach Vorlage eines Erbscheins Auskunft über die Vermögenssituation des Verstorbenen. Wird dieser jedoch beantragt, gilt das Erbe angetreten – in diesem Fall der Schulden und nicht des Vermögens. Das Ausschlagen des Erbes ist auf dem einfachen Weg dann nicht mehr möglich.

Erben bleibt jedoch die Möglichkeit, das Erbe auf der Grundlage eines Irrtums anzufechten. Auch hier tickt die Uhr: Ab Zeitpunkt der Kenntnis des Irrtums gilt eine Frist von sechs Wochen, in der die irrtümliche Annahme des Erbes gegenüber dem Nachlassgericht zu erklären ist.

Was passiert beim Ausstellen eines fälschlichen Erbscheins?

Stellt sich die Grundlage eines erteilten Erbscheins als nichtig heraus, zum Beispiel wenn ein (neueres) Testament auftaucht oder dieser aufgrund von falschen Angaben erschlichen wurde, kann das Nachlassgericht den Erbschein nachträglich einziehen. Dritte, die aufgrund des vorgelegten Erbscheins in Geschäftsbeziehungen mit dem vermeintlichen Erben eingetreten sind, können rückwirkend nicht belangt werden. Voraussetzung ist, sie handelten im guten Glauben an die Richtigkeit des Erbscheins.


Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherchen
  • Bundesgerichtshof
  • Gerichtskosten- und Notarkostengesetz
  • Gesetze im Internet
  • dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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