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Erben und Schenken: Tipps zum Sparen der Erbschaftsteuer

Erbrecht  

Erben und Schenken: Tipps zum Sparen bei der Erbschaftsteuer

Von Sabrina Manthey

12.06.2019, 16:11 Uhr
Erben und Schenken: Tipps zum Sparen der Erbschaftsteuer . Notarsiegel mit Testament: Es gibt viele Möglichkeiten, die Erbschaftsteuer zu mindern, wenn der Freibetrag ausgeschöpft ist. (Quelle: Getty Images/djedzura)

Notarsiegel mit Testament: Es gibt viele Möglichkeiten, die Erbschaftsteuer zu mindern, wenn der Freibetrag ausgeschöpft ist. (Quelle: djedzura/Getty Images)

Mit der Erbschaft wird in der Regel auch Erbschaftsteuer fällig. Doch es gibt hohe Freibeträge, von denen die Erben profitieren. Eine Schenkung noch zu Lebzeiten kann ebenfalls die Steuerlast senken. Dabei gilt es, einiges zu beachten.

Erben und Vererben ist in Deutschland keine reine Privatsache. Der Gesetzgeber gibt die Regeln vor – und zwar mit dem Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz (ErbStG). Unabhängig davon, ob die Erbschaft durch ein Vermächtnis oder aufgrund des Pflichtteilsrecht erfolgt, fällt auf das geerbte Vermögen Erbschaftsteuer an – vorausgesetzt, das Erbe wird angenommen. 

Steuerfreibeträge bei der Erbschaftsteuer

Für Erbschaften und Schenkungen gelten steuerliche Freibeträge. Erst wenn der geerbte oder geschenkte Betrag eine bestimmte Höhe überschreitet, müssen Steuern gezahlt werden. Der Steuerfreibetrag ist umso höher, je enger die verwandtschaftliche Beziehung ist.

Während Ehepartner oder eingetragene Lebenspartner bis zu 500.000 Euro steuerfrei erhalten können, sind es bei den Kindern 400.000 je Elternteil. Großeltern können ihren Enkelkindern 200.000 Euro überlassen, ohne dass der Fiskus zugreift. Der steuerliche Freibetrag für Geschwister, Nichten, Neffen und Lebensgefährten liegt bei 20.000 Euro.

Steuerfreibetrag auf einen Blick:

  • 500.000 € für den Ehegatten und den eingetragenen Lebenspartner,
  • 400.000 € für Kinder und Stiefkinder sowie Kinder verstorbener Kinder und Stiefkinder,
  • 200.000 € für Enkel und Kinder von Stiefkindern,
  • 100.000 € für jede andere Person der Steuerklasse I,
  • 20.000 € für Personen der Steuerklasse II,
  • 20.000 € für Personen der Steuerklasse III

Fälligkeit der Erbschaftsteuer

Erben haben drei Monate ab dem Todestag Zeit, das geerbte Vermögen dem Finanzamt zu melden. In vielen Fällen ist der Fiskus auch schon informiert, zum Beispiel über das Standesamt. Liegt das Vermögen über dem jeweiligen Freibetrag, fordert das Finanzamt eine Erbschaftsteuererklärung. Die Steuer ist dann zu dem im Steuerbescheid genannten Termin zu zahlen.

Höhe der Erbschaftsteuer

Nach Abzug des jeweiligen Freibetrags muss der Wert des Erbes versteuert werden. Die Steuern werden nach drei Steuerklassen erhoben. Auch hier gilt: Je enger die verwandtschaftliche Beziehung, desto weniger Steuern werden fällig. Neben dem Verwandtschaftsgrad bestimmt die Höhe des Nachlasses die Steuerlast.

Erbe nach FreibetragSteuersatz Steuerklasse ISteuersatz Steuerklasse IISteuersatz Steuerklasse III
bis 75.000 €7 %15 %30 %
bis 300.000 €11 %20 %30 %
bis 600.000 €15 %25 %30 %
bis 6 Mio. €19 %30 %30 %
bis 13 Mio. €23 %35 %50 %
bis 26 Mio. €27 %40 %50 %
mehr als 26 Mio. €30 %43 %50 %

Steuerklasse I: Der günstigste Steuersatz gilt für Ehepaare und eingetragene Lebenspartner, Eltern, eheliche und nichteheliche Kinder sowie Stiefkinder und deren direkte Nachkommen – also Enkel und Urenkel. Bei "Erwerb von Todes wegen" fallen darunter auch Eltern und Großeltern (nicht jedoch bei Schenkungen).

Steuerklasse II: Sie gilt für Geschwister, deren Kinder, Schwiegerkinder, Schwiegereltern und Stiefeltern sowie geschiedene Ehe- und Lebenspartner. Bei einer Schenkung fallen unter dieser Steuerklasse auch Eltern und Großeltern.

Steuerklasse III: Diese umfasst alle übrigen Personen.

Schlüsselübergabe: Wohnimmobilien können zwischen Ehe- und Lebenspartnern steuerfrei vererbt werden, wenn diese vom Erbenden weiter bewohnt werden. (Quelle: Getty Images/Jirapong Manustrong)Schlüsselübergabe: Wohnimmobilien können zwischen Ehe- und Lebenspartnern steuerfrei vererbt werden, wenn diese vom Erbenden weiter bewohnt werden. (Quelle: Jirapong Manustrong/Getty Images)

Steuerliche Besonderheiten bei Immobilien

Häuser und Wohnungen unterliegen mit ihrem tatsächlichen Wert der steuerlichen Einstufung. Dabei gibt es eine Besonderheit: Bewohnt der Erbe die Nachlassimmobilie selbst für mindestens zehn Jahre nach der Erbschaft, fällt keine Erbschaftsteuer an. Während dieser Zeit darf er die Immobilie weder verkaufen noch vermieten oder verpachten. Begründet wird diese steuerliche Befreiung mit dem besonderen Schutz des "familiären Lebensraums".

Das gilt in vollem Umfang für erbende Ehe- oder eingetragene Lebenspartner. Bei Kindern und – im Fall deren Todes – deren Kinder ist die Steuerbefreiung auf eine Wohnfläche von 200 Quadratmetern begrenzt. Auch hier wird vorausgesetzt, dass die Immobilie selbst bewohnt wird. Für alle anderen Erben gibt es keine Steuerbefreiung.

Wichtig: Die Befreiung von der Erbschaftsteuer gilt nur für das Grundstück, auf dem das bewohnte Haus steht. Eventuell angrenzende Grundstücke, die zwar in der Nutzung eine Einheit darstellen, aber auf verschiedenen Grundbuchblättern eingetragen sind, fallen nicht unter die Steuerbefreiung. Zur Vermeidung der Erbschaftsteuer kann eine Übertragung des Grundstückes zu Lebzeiten sinnvoll sein.

Steuern sparen: Nießbrauch bei Immobilien

Liegt der Wert der Immobilie über dem Freibetrag der Erbschaftsteuer oder ist abzusehen, dass die künftigen Erben im Erbfall die Immobilie nicht bewohnen werden, kann diese auch zu Lebzeiten an die Erben verschenkt werden. Dies muss grundsätzlich notariell beurkundet werden.

Die Entscheidung sollte gut durchdacht sein. Denn: Ab Eintrag im Grundbuch ist der Schenker nicht mehr Herr im Hause. Er kann die Immobilie weder verkaufen noch als Kreditsicherung nutzen. Der Schenker sollte sich daher ein sogenanntes Nießbrauchrecht sichern. Damit kann er die verschenkte Immobilie weiter nutzen oder auch weiter vermieten – die Einnahmen gehören dem Inhaber des Nießbrauchrechts und nicht dem beschenkten Immobilienbesitzer.

Zugleich sollte ein Rückforderungsrecht verankert werden. Wird zum Beispiel der Sohn insolvent, dann fällt das Haus an die Eltern zurück. Das verhindert die Zwangsvollstreckung der Immobilie durch die Gläubiger des Sohnes.

Steuern senken: Nachlassverbindlichkeiten

Nachlassverbindlichkeiten können die Steuerlast senken. Darunter werden die Kosten gefasst, die dem Erben unmittelbar im Zusammenhang mit der Abwicklung oder der Erlangung des Nachlasses entstehen – also die Aufwendungen, um das Erbe anzutreten.

Weist eine geerbte Immobilie zum Beispiel Schäden auf, können diese unter Umständen steuermindernd auf die Erbschaftsteuer angerechnet werden. Voraussetzung ist, dass der Schaden bereits zum Todeszeitpunkt bestand. Ein Schadensfall, der zwar vom Erblasser verursacht wurde, aber erst nach dessen Tod eintritt, gilt nicht als Nachlassverbindlichkeit.

Sorgende Hände: Pflegen Erben Angehörige, können sie dies im Erbfall steuerlich geltend machen. (Quelle: Getty Images/PeopleImages)Sorgende Hände: Pflegen Erben Angehörige, können sie dies im Erbfall steuerlich geltend machen. (Quelle: PeopleImages/Getty Images)

Steuern senken: Pflege eines Angehörigen

Kinder, die ihre Eltern pflegen, können im Erbfall den Pflegefreibetrag bei der Erbschaftsteuer geltend machen. Nach § 13 ErbStG können pflegende Angehörige bis zu 20.000 Euro steuermindern anrechnen. Das gilt trotz der gesetzlichen Unterhaltspflicht, die die Kinder gegenüber den Eltern haben. Aus der allgemeinen Unterhaltspflicht ergebe sich keine Verpflichtung, die Eltern auch persönlich zu pflegen, so eine Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH Az.: II R 37/15).

Steuer senken: Günstigerprüfung

Erben, die nicht in direkter Beziehung zum Erblasser stehen, können einen Antrag auf Günstigerprüfung stellen. Dann wird bei der Berechnung der Erbschaftsteuer das Verwandtschaftsverhältnis zugrunde gelegt, das für den Erben am günstigsten ist.

Ein Beispiel: Ein kinderloses Ehepaar verstirbt – zuerst der Mann und später die Frau. Schlusserbe ist der Sohn des Mannes aus erster Ehe. Da er kein direktes Verwandtschaftsverhältnis zur Letztverstorbenen hat, würde eine hohe Erbschaftsteuer fällig werden. Im Zuge der Günstigerprüfung wird nun für die Berechnung der Erbschaftsteuer das direkte Verwandtschaftsverhältnis zum Vater zugrunde gelegt. Dadurch verringert sich die Steuerlast.

Älterer Mensch übergibt Pflanze an Kind: Bei einer Schenkung zu Lebzeiten profitieren die Beschenkten von hohen Freibeträgen. (Quelle: Getty Images/PeopleImages)Älterer Mensch übergibt Pflanze an Kind: Bei einer Schenkung zu Lebzeiten profitieren die Beschenkten von hohen Freibeträgen. (Quelle: PeopleImages/Getty Images)

Schenkung: Erbschaftsteuer sparen

Wer seinen nahen Verwandten die Erbschaftsteuer ersparen will, kann zu Lebzeiten Schenkungen in Erwägung ziehen. Die Freibeträge sind gleich den Freibeträgen bei der Erbschaftsteuer (siehe oben), können aber alle zehn Jahre aufs Neue ausgeschöpft werden.

Zwei Beispiele: Hat eine Mutter ihrem Sohn im Jahr 2008 einen Betrag von 400.000 Euro geschenkt, muss er keine Steuern zahlen. Zehn Jahre später, im Jahr 2018, kann die Mutter ihm erneut 400.000 Euro abgabenfrei schenken.

Möglich sind auch Kettenschenkungen. Dabei wird Vermögen schrittweise den Kindern geschenkt. Zum Beispiel kann der eine Ehegatte dem anderen 500.000 Euro steuerfrei schenken. Im Anschluss können beide Elternteile getrennt voneinander ihren Kinder 400.000 Euro zukommen lassen. Diese profitieren zweimal von den Freibeträgen bei der Schenkung.

Wichtig: Eine Schenkung kann nicht ohne weiteres rückgängig gemacht werden. Sie sollte unbedingt dokumentiert werden – mit Namen der Beteiligten, dem Gegenstand der Schenkung, Datum sowie Unterschriften von allen Beteiligten. Das ist im Fall von Geld oder Gegenständen auch formlos – also ohne Anwalt oder Notar – möglich.

Neben den hohen Steuerfreibeträgen behält der Schenkende bei der Verteilung seines Vermögens die Zügel in der Hand und kann vermeiden, dass nach seinem Tod unter den Erben Streit ausbricht. Ein weiterer Nebeneffekt: Wer sein Vermögen über Schenkungen an andere überträgt, kann dafür sorgen, dass unliebsame Verwandte beim Erben leer ausgehen oder sich deren Pflichtanteil am Erbe verringert.

Schenkungen: Enterbte haben Anspruch auf Ergänzung des Pflichtteils

Schenkungen zu Lebzeiten mindern in der Regel das Vermögen im Todesfall. Das hat Auswirkungen auf den Pflichtanteil, den Enterbte geltend machen können. Aus diesem Grund werden Schenkungen, die in den letzten zehn Jahren vor dem Tod des Schenkers veranlasst wurden, zum Nachlass gezählt und erhöhen damit den Pflichtteilsanspruch.

Zeitpunkt der SchenkungBerücksichtigung beim Pflichtteil
im ersten Jahr vor Erbfall100 %
im zweiten Jahr vor Erbfall90 %
im dritten Jahr vor Erbfall80 %
im vierten Jahr vor Erbfall70 %
im fünften Jahr vor Erbfall60 %
im sechsten Jahr vor Erbfall50 %
im siebten Jahr vor Erbfall40 %
im achten Jahr vor Erbfall30 %
im neunten Jahr vor Erbfall20 %
im zehnten Jahr vor Erbfall10 %
ab dem elften Jahr vor Erbfall0 %

Im Jahr des Todesfalls werden 100 Prozent der Schenkung dem Nachlass zugerechnet. Liegt die Schenkung zwei Jahre zurück, sind es 90 Prozent, bei drei Jahren 80 Prozent usw. Das heißt pro Jahr, das die Schenkung zurückliegt, werden zehn Prozent weniger angerechnet. Erst nach zehn Jahren ist die Schenkung für den Pflichtteil ohne Bedeutung.


Verwendete Quellen:
  • Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
  • Landesamt für Steuern Niedersachsen
  • Nachrichtenagentur dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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