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Ja, die Redaktion hat fĂŒr diesen Ratgeberartikel alle relevanten Fakten recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

Was bedeutet eine Firmeninsolvenz fĂŒr Mitarbeiter?

  • Mauritius Kloft
Von Sabrina Manthey, Mauritius Kloft

Aktualisiert am 04.08.2021Lesedauer: 5 Min.
Firmenpleiten betreffen immer mehr deutsche Unternehmen: t-online erklĂ€rt, wann ein Unternehmen insolvent ist und wer das ĂŒbrige Vermögen des Unternehmens bekommt. (Quelle: t-online)
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Zu einer Insolvenz kommt es selten ĂŒber Nacht. Trotzdem trifft sie die Betroffenen

Das Wichtigste im Überblick


  • Was ist eine Insolvenz genau?
  • Was ist eine Privatinsolvenz?
  • Welche Insolvenzverfahren gibt es?
  • Wie lĂ€uft eine Insolvenz ab?
  • Wann wird ein Insolvenzverfahren abgelehnt?
  • Welche InsolvenzglĂ€ubiger gibt es?
  • Was bedeutet eine Insolvenz fĂŒr BeschĂ€ftigte?

Galeria Karstadt Kaufhof, Maredo, Adler: Das sind nur einige prominente Unternehmen, die in den vergangenen Monaten Insolvenz anmelden mussten. In Schieflage geratene Unternehmen mĂŒssen sich einem Insolvenzverfahren stellen.


Diese Firmen sind in der Corona-Krise in Schieflage geraten

Adler-ModemĂ€rkte: Die Textilkette hat ihr Insolvenzverfahren Ende August 2021 beendet. Bis zu 500 der insgesamt 3.100 ArbeitsplĂ€tze fallen weg, rund 30 Filialen sind von Schließungen betroffen, wie ein Sprecher des neuen EigentĂŒmers Zeitfracht Gruppe am Dienstag sagte. Das Insolvenzverfahren war im Januar beantragt und am 1. Juli eröffnet worden.
Nobiskrug: Die insolvente Rendsburger Traditionswerft Nobiskrug wurde im Juli 2021 von der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) ĂŒbernommen – und ist damit gerettet. Nahezu alle 300 ArbeitsplĂ€tze blieben erhalten, hieß es. Nobiskrug hatte im April diesen Jahres einen Insolvenzantrag gestellt. Die Werft hat unter anderem die "SY A" gebaut (auf dem Bild), die als als einer der grĂ¶ĂŸten Luxusjachten der Welt gilt.
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Doch was ist eine Insolvenz genau? Bedeutet die Insolvenz automatisch das Ende einer Firma? Und was heißt eine Unternehmensinsolvenz fĂŒr mich als Arbeitnehmer? t-online gibt Ihnen einen Überblick.

Was ist eine Insolvenz genau?

Der Begriff Insolvenz stammt aus dem Lateinischen und bedeutet, dass ein Schuldner nicht mehr in der Lage ist, seine Kredite zu bedienen. ZahlungsunfĂ€hig können sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen werden. Können sie ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen, mĂŒssen sie Insolvenz anmelden.

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Wladimir Putin 2012 im Kanzleramt in Berlin.


Umgangssprachlich ist auch von einer Pleite, einem Konkurs oder dem Bankrott die Rede. Allerdings gilt: Mit einer Pleite verbindet man meist das Ende der GeschÀftstÀtigkeit des Unternehmens, wÀhrend dies mit einer Insolvenz nicht zwangslÀufig einhergeht (siehe unten). Als Bankrott bezeichnet man in Deutschland einen Straftatbestand.

Diese InsolvenzgrĂŒnde gibt es:

Im Wesentlichen gibt es drei GrĂŒnde, die zu einer Insolvenz fĂŒhren:

  • ZahlungsunfĂ€higkeit: ZahlungsunfĂ€hig ist, wer die Forderung eines oder mehrerer GlĂ€ubiger nicht mehr begleichen kann.
  • Drohende ZahlungsunfĂ€higkeit: Ist absehbar, dass Verbindlichkeiten zum Zeitpunkt ihrer FĂ€lligkeit nicht gezahlt werden können, spricht man von einer drohenden ZahlungsunfĂ€higkeit.
  • Überschuldung: Davon ist die Rede, wenn die offenen Forderungen höher sind als das vorhandene Vermögen.

In jedem der drei FĂ€lle muss Insolvenz angemeldet werden. Geschieht dies nicht, laufen Unternehmen Gefahr, sich der Insolvenzverschleppung schuldig zu machen. Dies kann eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren zur Folge haben. Mehr dazu lesen Sie hier.

Was ist eine Privatinsolvenz?

Eine Privatinsolvenz funktioniert Ă€hnlich wie eine Firmeninsolvenz – nur dass es hier nicht um ein ganzes Unternehmen geht, sondern eine einzelne Privatperson. In eine Privatinsolvenz können Sie etwa rutschen, wenn Sie sich verschulden oder sich die monatlichen Ausgaben nicht mehr leisten können.

Ziel der Privatinsolvenz ist Ă€hnlich wie bei einem Unternehmen die Befreiung von Schulden. Außerdem sollen die GlĂ€ubiger ihre Forderungen erhalten. Am Ende der Privatinsolvenz steht die sogenannte Restschuldbefreiung.

Welche Insolvenzverfahren gibt es?

Man unterscheidet bei Unternehmen in der Regel drei Insolvenzverfahren. Eine Übersicht:

Regelinsolvenz

Das ist der Regelfall bei einer Insolvenz. Das wird immer angewandt, wenn eines der anderen Verfahren (siehe unten) nicht möglich ist. Es ist das Standardverfahren und fĂŒhrt oft zur Liquidation des Unternehmens.

Insolvenz in Eigenverwaltung

Bei diesem Insolvenzverfahren behĂ€lt die GeschĂ€ftsfĂŒhrung die Kontrolle ĂŒber das Unternehmen, daher auch der Name "Eigenverwaltung". Das Insolvenzgericht stellt ihr lediglich einen Insolvenzverwalter zur Seite, der die GeschĂ€ftsfĂŒhrung kontrolliert.

Ziel des Insolvenzverfahrens ist die Sanierung des Unternehmens. Eine Insolvenz in Eigenregie ist auch möglich, wenn die Firma bereits zahlungsunfĂ€hig ist – aber die Aussicht auf eine erfolgreiche Sanierung noch vorhanden.

Schutzschirmverfahren

Das Schutzschirmverfahren ist eine besondere Spielart im deutschen Insolvenzrecht. Bei diesem Verfahren schlĂŒpft das Unternehmen unter einen rechtlichen "Schutzschirm", ist also zunĂ€chst vom Zugriff seiner GlĂ€ubiger geschĂŒtzt.

Das Schutzschirmverfahren funktioniert Ă€hnlich wie eine Insolvenz in Eigenverwaltung: Das heißt, dass die GeschĂ€ftsfĂŒhrung zwar einen Insolvenzverwalter vom Gericht an die Seite gestellt bekommt. Allerdings behĂ€lt die GeschĂ€ftsfĂŒhrung die ZĂŒgel in der Hand.

Zur Insolvenz in Eigenregie unterscheidet sich das Schutzschirmverfahren, als dass das Unternehmen noch nicht zahlungsunfĂ€hig sein darf. Außerdem muss die Firma binnen drei Monaten einen Insolvenzplan vorlegen.

Wie lÀuft eine Insolvenz ab?

Meldet ein Unternehmen Insolvenz an, gibt es fĂŒr den Verlauf des Insolvenzverfahrens zwei Möglichkeiten: die ZahlungsfĂ€higkeit wird wieder hergestellt oder das Unternehmen wird geordnet abgewickelt. Letzteres erfolgt in der Regel durch einen Verkauf oder die Liquidation des Unternehmens.

Auf beiden Wegen soll sichergestellt werden, dass die Forderungen der GlÀubiger bestmöglich bedient werden. Das bedeutet, im ersten Fall die Aufrechterhaltung des Unternehmens mit dem Ziel einer zukunftsfÀhigen Sanierung. Und im zweiten Fall, das Unternehmen im Sinne der GlÀubiger zu verwerten.

So lÀuft ein Regelinsolvenzverfahren ab

Der Ablauf eines Insolvenzverfahrens ist gesetzlich geregelt:

  • Im ersten Schritt muss der Schuldner oder ein GlĂ€ubiger beim Insolvenzgericht einen Antrag auf Insolvenz einreichen. Die Insolvenz muss spĂ€testens drei Wochen nach Eintritt eines Insolvenzgrundes angemeldet werden. In der Corona-Krise wurde das jedoch gelockert (siehe unten).
  • Der Insolvenzrichter prĂŒft nun die InsolvenzgrĂŒnde und erstellt mithilfe von Sachbearbeitern ein Gutachten ĂŒber das Unternehmen (siehe oben). FĂŒr diese Zeit setzt das Gericht einen vorlĂ€ufigen Sachverwalter ein. Dieser soll dafĂŒr sorgen, dass sich die Firma nicht noch weiter verschuldet. Das Insolvenzgericht kann ein Insolvenzverfahren auch ablehnen (siehe unten).
  • Nun eröffnet das Gericht das eigentliche Insolvenzverfahren. Der Insolvenzverwalter ĂŒbernimmt nun gĂ€nzlich das Ruder im Unternehmen. Der Jurist prĂŒft nun, wie es dem Unternehmen wirtschaftlich geht und was von der Firma verwertbar ist. Der Insolvenzverwalter informiert auch alle GlĂ€ubiger schriftlich ĂŒber die Eröffnung des Insolvenzverfahrens und fordert sie auf, ihre offenen Forderungen bei der insolventen Firma anzumelden.
  • Es folgt ein Berichtstermin, in dem der Insolvenzverwalter die GlĂ€ubiger ĂŒber die vorhandene Insolvenzmasse, das Vermögen des Schuldners sowie die Anzahl der GlĂ€ubiger informiert. Die GlĂ€ubigerversammlung entscheidet dann, wie das Verfahren fortgefĂŒhrt wird – also ob das Unternehmen saniert, zum Teil aufgelöst oder gĂ€nzlich stillgelegt wird.
  • Nachdem der Insolvenzverwalter die Forderungen der GlĂ€ubiger entgegengenommen und formal geprĂŒft hat, erstellt dieser eine Insolvenztabelle. Aus dieser gehen die GlĂ€ubiger, deren Forderungen und der Rang ihres Anspruchs hervor. Bei dem sogenannten Abstimmungstermin kommen die GlĂ€ubiger zusammen und stimmen ĂŒber die Insolvenztabelle ab.
  • Nun wird das Unternehmen im Sinne der Abstimmung beim Berichtstermin abgewickelt. Je nachdem, werden nun BeschĂ€ftigte gekĂŒndigt oder GeschĂ€ftsteile verkauft. Grundlage ist die Insolvenztabelle, die die Forderungen der GlĂ€ubiger aufteilt.
  • In einem anschließenden gerichtlichen PrĂŒfungstermin werden die Forderungen formaljuristisch bestĂ€tigt. Anschließend hebt das Insolvenzgericht das Insolvenzverfahren auf.

Gut zu wissen: Es gibt die Möglichkeit, einen Insolvenzplan auszuarbeiten und dem Insolvenzgericht und GlĂ€ubigern vorzulegen. In diesem Fall kann ein Unternehmen sich sanieren und neu aufstellen. Der Insolvenzplan sollte jedoch schlĂŒssig sein, damit die GlĂ€ubigerversammlung der Sanierung auch zustimmt.

Wann wird ein Insolvenzverfahren abgelehnt?

Ein Regelinsolvenzverfahren kann nur eingereicht werden, wenn das vorhandene Vermögen mindestens die Verfahrens- und Gerichtskosten des Insolvenzverfahrens deckt. Ansonsten wird das Verfahren aufgrund mangelnder Masse abgelehnt.

Diese HĂŒrde gibt es bei der Verbraucherinsolvenz nicht. Deckt die Insolvenzmasse nicht die Verfahrenskosten, kann eine natĂŒrliche Person eine Stundung der Kosten oder einen Verfahrenskostenvorschuss beantragen. Dann ĂŒbernimmt vorerst die Staatskasse und das Insolvenzverfahren wird eröffnet.

Gut zu wissen: Zur Insolvenzmasse gehört der pfĂ€ndbare Anteil an den materiellen und immateriellen GĂŒtern des Unternehmens. Das sind Immobilien oder GrundstĂŒcke. Hinzu kommen etwa Produktionsmaschinen oder die sonstige Firmenausstattung. Forderungen, die das Unternehmen an andere hat, sowie AnsprĂŒche aus VersicherungsvertrĂ€gen und Bargeld gehören ebenso zur Insolvenzmasse.

Welche InsolvenzglÀubiger gibt es?

Es gibt drei verschiedene RÀnge der GlÀubiger, die in ihrer Reihenfolge unterschiedlich bedient werden.

  • Absonderungsberechtigte GlĂ€ubiger: Sie haben eine bevorzugte Rechtsposition im Insolvenzverfahren. GlĂ€ubiger mit diesem Status haben Sicherungs- und Verwertungsrechte an GegenstĂ€nden der Insolvenzmasse. Das können Banken sein, die eine Immobilie als Sicherheit fĂŒr einen Kredit hinterlegt haben.
  • Nicht nachrangige GlĂ€ubiger: Das sind GlĂ€ubiger, die zwar keine Sicherungsrechte haben. Allerdings gilt: Sie haben trotzdem eine Vorrangstellung gegenĂŒber den nachrangigen GlĂ€ubigern – und so die Chance auf einen Teil der Insolvenzmasse.
  • Nachrangige GlĂ€ubiger: Ihre Forderungen werden in der Regel nur in AusnahmefĂ€llen bedient. Meist ist dann von der Insolvenzmasse nichts mehr ĂŒbrig.

Gut zu wissen: Die sogenannte Insolvenzquote gibt an, wie groß der Anteil der Forderungen ist, die die GlĂ€ubiger erhalten. Meist ist sie sehr gering.

Was bedeutet eine Insolvenz fĂŒr BeschĂ€ftigte?

Kommt es zu einer Firmeninsolvenz, besteht das ArbeitsverhĂ€ltnis erst einmal weiter, kann jedoch vom Insolvenzverwalter gekĂŒndigt werden.

DafĂŒr gilt eine KĂŒndigungsfrist von drei Monaten – und das unabhĂ€ngig von anderen gesetzlichen, tarifvertraglichen oder arbeitsvertraglichen Vereinbarungen.

Wann erhalte ich Insolvenzgeld?

Wurde das Insolvenzverfahren eröffnet oder mangels Masse abgelehnt, zahlt die Agentur fĂŒr Arbeit den Arbeitnehmern ein Insolvenzgeld. Dieses muss vom Arbeitnehmer selbststĂ€ndig beantragt werden.

Das Insolvenzgeld umfasst die letzten drei Monate bis zum Zeitpunkt der Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Gezahlt werden das Nettogehalt sowie unter bestimmten Voraussetzungen auch Sonderzahlungen. FĂŒr Besserverdienende gibt es Obergrenzen. Die Zahlung ist einmalig.

Weitere Artikel


BeschÀftigte als GlÀubiger eines Unternehmens

Arbeitnehmer können zu InsolvenzglĂ€ubigern werden, wenn in der Zeit vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens kein Lohn gezahlt wurde. In diesem Fall werden die Lohnforderungen – wie die Forderungen der anderen GlĂ€ubiger – auf der Insolvenztabelle erfasst.

Gut zu wissen: Ist der Arbeitgeber mit seinen Lohnzahlungen erheblich im RĂŒckstand, hat der Arbeitnehmer ein Leistungsverweigerungsrecht. Sie mĂŒssen somit nicht fĂŒr lau arbeiten. Diese Regelung greift in der Regel ab drei ausstehenden GehĂ€ltern.

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