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Armut: Definition, Armutsgrenze, Folgen und Vermeidung von Armut


Relative und absolute Armut  

Wann gelte ich als arm?

12.04.2021, 12:51 Uhr
Armut: Definition, Armutsgrenze, Folgen und Vermeidung von Armut. Ehrenamtliche Helfer der Berliner Tafel (Symbolbild):  Wer einmal in die Armut rutscht, hat es bisweilen schwer wieder herauszukommen. (Quelle: imago images/snapshot)

Ehrenamtliche Helfer der Berliner Tafel (Symbolbild): Wer einmal in die Armut rutscht, hat es bisweilen schwer wieder herauszukommen. (Quelle: snapshot/imago images)

Armut ist eines der größten Probleme einer Gesellschaft. Doch wann gilt man überhaupt als arm? Und wie lässt sich Armut verhindern? t-online erklärt es Ihnen.

Wer an Armut denkt, hat sogleich Menschen im Kopf, die hungern oder ein Bild von Obdachlosen, die auf der Straße leben und einen selbst um ein paar Münzen bitten. Doch Armut ist eigentlich viel mehr – und viel weiter verbreitet als sich viele vorstellen. In Deutschland etwa ist jeder Sechste von Armut bedroht. t-online erklärt Ihnen, wann Sie als arm gelten, welche Gründe es für Armut gibt – und wie Sie aus der Armut herauskommen können.

Wann gelte ich als arm?

Über den genauen Armutsbegriff streiten sich Ökonomen, Soziologen und Politiker schon seit Langem. Einigkeit herrscht lediglich über zwei Definitionen von Armut, der relativen und der absoluten Armut.

  • Absolute Armut: Absolute Armut meint, dass ein Mensch nicht genug Geld hat, um für lebenswichtige Güter aufzukommen und seine Grundbedürfnisse zu befriedigen. Das heißt: Das Geld reicht nicht, um sich etwa Essen oder Medizin zu kaufen. Laut einer Definition der Weltbank gilt ein Mensch als absolut arm, wenn ihm weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag zur Verfügung stehen.
  • Relative Armut: Die relative Armut hängt dagegen von dem mittleren Einkommen, auch Medianeinkommen genannt, in einem Land ab. Sie ist damit also ein Maß für die soziale Ungleichheit. Fällt ein Mensch unter eine bestimmte Schwelle dieses Einkommens, die sogenannte Armutsgrenze, gilt er relativ als arm. Das heißt aber noch lange nicht, dass er dann auch absolut betrachtet arm ist. Weil er das Wohlstandsniveau in einem Land außer Acht lässt, gibt es immer wieder auch Kritik am Begriff der relativen Armut. Denn: Selbst wenn sich die Einkommen aller Bürger verdoppeln, sich also auch ärmere Menschen mehr leisten können, bleiben sie per Definition weiter arm.

Wichtig beim Betrachten der relativen Armut ist die sogenannte Armutsgefährdungsquote. Die Armutsgefährdungsquote gibt den Anteil der Bevölkerung an, der mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens auskommen muss.

Gut zu wissen: Für einen Ein-Personen-Haushalt in Deutschland lag die Armutsgrenze 2019 bei einem monatlichen Nettoeinkommen von 1.074 Euro. Die Armutsgefährdungsquote lag 2019 bei 15,9 Prozent.

Eine weitere Rolle spielt die sogenannte Armutsquote. Das ist der Teil der Bevölkerung, der in relativer Armut lebt. Sie gibt also an, wie hoch die Armut in einem Land wirklich ist.

Welche Gründe gibt es für Armut?

Die Ursachen für Armut sind vielfältig. Meist fallen mehrere Faktoren zusammen, die Armut verursachen, etwa politische, ökonomische und gesellschaftliche Gründe. Oftmals wird in dem Zusammenhang auch vom "Teufelskreis der Armut" gesprochen. Zu den gängigsten Ursachen zählen die folgenden:

  • Ökonomische Gründe: Wirtschaftskrisen können schnell zu Armut führen, etwa wenn viele Firmen pleitegehen und Menschen ihre Jobs verlieren. Doch auch Kurzarbeit oder Frühverrentung kann in die Armut führen.
  • Gesellschaftliche Gründe: Wenn jemand in einer Gesellschaft nicht akzeptiert wird, oder aufgrund seiner Herkunft oder seines Geschlechts diskriminiert wird, kann dies ebenfalls Armut bedingen.
  • Politische Gründe: Wenn ein Land ein instabiles politisches System hat, wenn Menschen gezwungen sind, zu flüchten, oder wenn das Bildungssystem große Schwächen aufweist, kann das Armut bedingen.

Nicht selten spielen aber auch persönliche Gründe eine Rolle – zum Beispiel eine lange Krankheit. Gerade Frauen sind dann von Armut bedroht, wenn sie sich nach langer ökonomischen Abhängigkeit von ihrem Partner trennen.

Welche Personen sind armutsgefährdet?

Eine ganze Reihe von Menschen sind besonders armutsgefährdet. Eine Übersicht:

  1. Geringqualifizierte Menschen
  2. Langzeitarbeitslose
  3. Alleinerziehende
  4. Migranten
  5. Kinder und Jugendliche
  6. Menschen mit Behinderung
  7. Senioren

Welche Folgen hat Armut?

Die Auswirkungen von Armut sind wie die Gründe vielfältig. Eine Übersicht:

  • Existenzielle Folgen: Wenn man wegen der Armut nicht genug Essen hat oder kein Geld für eine medizinische Versorgung, kann das lebensbedrohlich sein.
  • Soziale Folgen: Auch Scham oder psychische Folgen können aus Armut resultieren.
  • Gesellschaftliche Folgen: Armut kann auch dafür sorgen, dass Menschen nicht mehr an der Gesellschaft teilhaben können, etwa weil das Geld für bestimmte Aktivitäten fehlt. Der gesellschaftliche Ausschluss und die soziale Isolation ist eine schleichende Folge der Armut.

Wie lässt sich Armut verhindern?

Das ist die entscheidende Frage. Grundsätzlich unterscheidet man bei der Bekämpfung von Armut zwei verschiedene Möglichkeiten: die akute Hilfe und präventive Maßnahmen.

Zur akuten Hilfe zählen vor allem staatliche Sicherungssysteme, wie etwa die Grundsicherung, Arbeitslosengeld, Wohngeld oder andere Formen der Sozialhilfe. Auch Spenden oder die Tafel zählen zur akuten Hilfe.

Präventive Maßnahmen zielen hingegen darauf ab, Armut künftig zu verhindern. Die Möglichkeiten sind sehr vielfältig und unterscheiden sich stark von den jeweiligen politischen und gesellschaftlichen Situationen.

Eine Variante ist etwa, das Bildungssystem zu verbessern und darauf abzuzielen, mehr Menschen zu qualifizieren. Auch die Stellenvermittlung oder die Integrationshilfe sind präventive Maßnahmen, die die Entstehung von Armut verhindern sollen.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Bundesregierung
  • Statista
  • Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut: Armutsgrenzen nach Haushaltstypen
  • aktion-deutschland-hilft.de
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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