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Mager-Selfies auf Facebook & Instagram: Experte warnt vor Trend


Experte warnt vor Mager-Selfies im Internet

Ann-Kathrin Landzettel

Aktualisiert am 05.08.2015Lesedauer: 3 Min.
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Junge Frauen liefern sich bedenkliche Wettbewerbe um den dünnsten Körper.
Junge Frauen liefern sich bedenkliche Wettbewerbe um den dünnsten Körper. (Quelle: Twitter)
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Die Frauen auf den Fotos sind erschreckend dünn. Ebenso erschreckend ist, wie sie untereinander um den zierlichsten Körper wetteifern. Wer sich auf Facebook, Twitter oder Instagram umschaut, wird immer wieder Zeuge riskanter Mager-Wettkämpfe. Da werden Münzen auf dem Schlüsselbein gestapelt und knochige Hüften gefeiert. Wir haben einen Experten für Essstörungen gefragt, wie gefährlich er diese Trends einschätzt.

Die sogenannten Mager-Challenges scheinen keine Grenzen zu kennen. "Je dünner, desto besser" lautet das Motto der meist jungen Frauen, die für "Likes" und "Gefällt mir"-Angaben ihre Gesundheit aufs Spiel setzen. Während beim "Thigh-Gap"-Wettbewerb eine Lücke zwischen den Oberschenkeln angesagt ist, darf bei der "Bikini-Bridge" der Bund der Hose zwar die Hüftknochen, nicht aber den Bauch berühren.

Bedenklicher Trend: Münzen auf dem Schlüsselbein stapeln

Aktuell sind immer häufiger Fotos von Mädchen und Frauen zu sehen, die der "Collarbone-Challenge" nacheifern: Wer die meisten Münzen auf seinen knochigen Schlüsselbeinen stapeln kann, hat gewonnen.


Und auch die "Bellybutton-Challenge" nimmt besorgniserregende Züge an. Hierbei wird der Arm hinter dem Rücken um den Körper geführt, mit dem Ziel, den Bauchnabel mit den Fingern zu berühren.

"Mager-Fotos sind ein Risiko"

"Wer mit sich und seinem Körper nicht im Einklang ist, läuft Gefahr, sich von solchen Bildern animieren zu lassen", warnt Andreas Schnebel, erster Vorsitzender des Bundesfachverbandes Essstörungen und Therapeutischer Leiter von ANAD e.V. Gerade für junge Frauen stellen die "Skinny"-Fotos ein Risiko dar, wie der Magersucht-Experte weiß. Er beobachtet solche Trends mit Sorge.

Normalgewicht wird als dick empfunden

"Dass wir uns mit anderen vergleichen, ist menschlich. Da aber besonders bei Frauen der eigene Körper und das Aussehen eine bedeutende Rolle spielen, entsteht bei ihnen schnell das Bedürfnis, mithalten zu müssen", sagt Schnebel und verweist auf Untersuchungen, die zeigen, dass das ständige Anschauen magerer Körper die eigene Körperwahrnehmung verzerrt. In Folge wird Normalgewicht als zu dick empfunden. Der Wunsch, dünner zu sein, wächst.

"Warnungen im Netz fehlen"

Zwar würden Mager-Selfies allein nicht den Weg in eine Magersucht ebnen, doch könnten sie einen bedeutenden Teil dazu beitragen, so die Warnung des Experten. "Das Internet ist eine Plattform, auf der sich gesundheitskritische Ideen schnell verbreiten. Nicht selten schaukeln sich sogenannte Mager-Trends hoch", sagt Schnebel. "Hinzu kommt, dass meist jegliche Warnung fehlt."

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Dünne Körper: Ein riskanter Motivator für Frauen

Den Mitmachenden ist in der Regel weder bewusst, welchen Gefahren sie ihren eigenen Körper aussetzen noch was sie mit den Bildern bei anderen auslösen können. "Mager-Fotos sind ein nicht zu unterschätzender Motivator, sowohl für Gesunde als auch für Magersüchtige", sagt der Experte. "Sie sind nicht nur imstande, den Therapieverlauf einer Magersüchtigen enorm zu stören. Sie können die Erkrankung sogar erheblich verstärken."

Gerade bei der Magersucht müsse von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden. "Es kann bis zu fünf Jahre dauern, bis Betroffene den Entschluss fassen, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sie können sich vorstellen, dass in diesem Zeitraum solche Bilder verstärkend auf das Krankheitsbild wirken können – egal ob sie selbst geknipst oder nur angeschaut werden."

"Wir bestehen doch nicht nur aus unserem Äußeren"

Allerdings sind es nicht die Bilder allein, die kritisch betrachtet werden müssen. Ein weiteres Problem ist, dass krankhaft dünne Körper in der heutigen Gesellschaft meist als schön und sexy angesehen und mit Erfolg und Stärke gleichgesetzt werden. "Der dünne Körper wird geradezu hochstilisiert und ist fest mit dem Schönheitsideal verknüpft. Eine traurige Entwicklung. Schließlich bestehen wir aus viel mehr als unserem Äußeren", findet Schnebel.

Mager-Selfies verbieten? "Keine gute Idee"

Wäre es dann nicht besser, die Mager-Fotos zu verbieten? Laut dem Experten ist das keine gute Idee. Was verboten sei, übe einen besonders starken Reiz aus. Zudem werde es immer Foren und Portale geben, über die man sich austauschen könne. "Verbote im Web sind einfach nicht realistisch", sagt Schnebel. "Ich würde mir aber wünschen, dass es mehr Prominente gibt, die sich gegen den Magerwahn aussprechen."

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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