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Magersucht: Eine Mutter kämpft um das Leben ihrer Zwillinge

t-online, rev

21.02.2011Lesedauer: 4 Min.
"Ich kann nicht anders, Mama": Caroline Wendt schildert den Kampf um das Leben ihrer magersüchtigen Töchter.
"Ich kann nicht anders, Mama": Caroline Wendt schildert den Kampf um das Leben ihrer magersüchtigen Töchter. (Quelle: imago-images-bilder)
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Was häufig scheinbar harmlos mit einer Diät beginnt, kann sich schon bald zu einer gefährlichen Essstörung entwickeln, die sogar tödlich enden kann. Jüngsten Schätzungen zufolge erkrankt jedes 100. Mädchen im Laufe ihres Lebens an Magersucht - so auch Marie und Anna (heute 18), die Zwillingstöchter von Caroline Wendt (50). In ihrem sehr persönlichen Buch "Ich kann nicht anders, Mama" berichtet Wendt vom Kampf um ihre zwei kranken Töchter und macht anderen Eltern essgestörter Kinder Mut.

Es fing ganz harmlos an

Anna und Marie, die Zwillingstöchter von Caroline Wendt, erkranken während der Pubertät an Magersucht. Alles fing ganz harmlos an. Zuerst verzichtet Marie eine Zeitlang auf Süßigkeiten und verkündet, sich gesünder ernähren zu wollen. Nach ein paar Wochen pickt sie nur noch im Essen herum. In wenigen Wochen nimmt das ohnehin schon zierliche Mädchen rapide ab. Bald wiegt sie nur noch 45 Kilo - bei 44 müsse sie in eine Klinik für Essgestörte, erklären Ärzte.

Zwillinge im gefährlichen Wettstreit: Wer ist die Dünnste?

Trotzdem hört sie nicht auf zu hungern. Sie nimmt noch mehr ab, ist ständig am Frieren, ihre Regelblutung bleibt aus und auf ihrer Haut wächst ein Flaum: "Lanugo-Behaarung", wie sie Fachleute nennen und wie sie oft bei Magersüchtigen auftritt. Als sie so den abgemagerten Körper ihrer Tochter zum ersten Mal sieht, ist Carolinde Wendt bestürzt und ringt um Fassung. Schließlich geht Marie freiwillig in eine Klinik, wo sie kollabiert. Die Angst um das Leben von Marie ist groß - doch es ist nicht die einzige Sorge der Familie Wendt. Inzwischen hat sich Zwillingsschwester Anna mit der Magersucht "angesteckt". Es beginnt ein tragischer Wettstreit zwischen den beiden Töchtern: Wer ist am dünnsten? Wer isst am wenigsten?

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"Ich konnte kaum hinschauen"

In ihrem Buch berichtet Caroline Wendt von schrecklichen Momenten. Die Münchnerin erzählt von einem Shoppingausflug mit ihren Töchtern: Anna und Marie probierten in der Umkleidekabine eines Sportgeschäfts Bikinis an und präsentierten sich anschließend ihrer Mutter, die es früher liebte mit ihren Kindern Klamotten einzukaufen. "Ich konnte kaum hinschauen. So groß war der Jammer." Ihre Kinder waren bis auf die Knochen abgemagert. "Ich hätte heulen können. Ich musste mich sehr zusammenreißen, um nichts zu sagen, und habe beiden, ohne mit der Wimper zu zucken, die gewünschten Teile gekauft."

Loslassen und Verantwortung abgeben

Noch schwieriger fiel es dem Vater der Zwillinge mit der Situation umzugehen, schildert Caroline Wendt in ihrem Buch. Eines Nachts saß er an Maries Bett und versuchte sie zu überreden eine Banane zu essen. Doch obwohl er alles ausprobierte, blieb er erfolglos und mit Unverständnis zurück. Mit Belohnungen und Erpressungen komme man bei Magersüchtigen nicht weit, weiß Caroline Wendt aus eigener Erfahrung. Als die Essstörung bei Marie einsetzte, sagte die Tochter eines Tages, dass sie doch einfach nur dünn sein wolle. Damals gab sich Caroline Wendt noch kämpferisch und entgegnete: "Ich lasse nicht zu, dass du magersüchtig wirst!" Inzwischen empfiehlt sie anderen betroffenen Eltern loszulassen und - obwohl es schwer fällt - die Verantwortung an Experten abzugeben.

Ein fast normales Leben

In getrennten Kliniken fanden Anna und Marie letztendlich die Hilfe, mit der es ihnen gelang die Magersucht zu überwinden. Die Trennung der Zwillinge spielte dabei eine wesentliche Rolle, was der Familie erst spät klar wurde. Gemeinsam mit anderen Mädchen, aber ohne die eigene Schwester gelang es den Zwillingstöchtern in der Behandlung sich selbst zu entdecken, die Pubertät hinter sich zu lassen. Heute sind Anna und Marie volljährig, beide haben einen Freund, haben Sex und Freunde, mit denen sie Spaß haben können. Im Sommer machen beide Abitur und werden dann in verschiedenen Städten ihr Studium beginnen. Das ist gut, denn die Mädchen brauchen weiterhin Abstand voneinander. Ungezwungen am selben Tisch zu sitzen und zu essen, fällt ihnen auch jetzt noch schwer. Immer noch kontrollieren sie heimlich, wie viel die jeweils andere isst oder beginnen sich zu streiten.

Magersucht: Ist es die Schuld der Eltern?

Caroline Wendt schildert den Kampf gegen die Krankheit und den langen, schmerzhaften Weg der Heilung. Neben der Sorge um ihre Kinder belastet sie vor allem der immer wieder von Ärzten und Therapeuten erhobene Vorwurf, sie, die Mutter, sei schuld an der Magersucht. Professor Dr. Manfred Fichter von der Psychosomatischen Klinik Roseneck hat für Wendts Buch einen Beitrag verfasst, in dem er sich als Mediziner und Therapeut mit dem Krankheitsbild auseinandersetzt und Ursachen und Klischees über die Magersuchtfamilie beleuchtet.

Das Klischee der Magersuchtfamilie

Fichter hält wenig von Schuldzuweisungen an Eltern und Verwandte der betroffenen Kinder. Gegenüber diesen Eltern beginnt er, laut eigener Aussage, jedes Gespräch mit diesen Worten: "Dies ist nicht der Zeitpunkt, sich als Mutter oder Vater Schuldgefühle zu machen. Ich gehe davon aus, dass Sie als Eltern alles in Ihren Möglichkeiten Stehende gemacht haben, die Entwicklung ihrer Tochter zu fördern. Ich gehe davon aus, dass Sie für Ihre Tochter das Beste gewollt haben, und wir sollten nicht über die Vergangenheit, sondern über das Jetzt und die Zukunft sprechen. Was können Sie, was kann ich tun, was kann mein Team tun, damit Ihre Tochter aus dem Labyrinth der Magersucht möglichst bald und gut herausfindet?" Fichters eigener Erfahrung nach treffen diese Aussagen auf 99,9 Prozent aller Eltern zu. Das Klischee einer Magersuchtfamilie - die Mutter als Glucke und der tatsächlich oder emotional abwesende Vater - könne Fichter ganz und gar nicht bestätigen.

Magersucht: Typen, Symptome, Gefahren

In seinem Kapitel in "Ich kann nicht anders, Mama" unterscheidet Fichter zwei Typen von Magersüchtigen: Die restriktive oder asketische Magersucht, bei der die Betroffenen vor allem Nahrung verweigern und hungern, und die Magersucht vom "Binge-Eating- und Purging-Typ", bei welcher die Gewichtsreduktion durch Erbrechen, Abführmittel, Appetitzügler oder Entwässerungsmittel herbeigeführt wird. Die folgende Tabelle aus Fichters Beitrag zeigt, welche Symptome und gesundheitlichen Risiken mit den beiden Magersuchtstypen verbunden sind:

Ursache Symptome, körperlicher Befund Bedeutung
Untergewicht Osteoporose (Knochenschwund) erhöhte Gefahr von Knochenbrüchen
Untergewicht Hirnschrumpfung bildet sich (teilweise) bei Normalgewicht zurück
Untergewicht erhöhte Cholesterinwerte im Blut
Untergewicht erhöhte Karotinwerte im Blut
Untergewicht Verminderung des Energieverbrauchs zugeführte Nahrung wird besser verwertet
Untergewicht verminderte Phosphatwerte im Blut
Untergewicht verminderte Zinkwerte im Blut gegebenenfalls Zink supplementieren
Untergewicht erhöhte Leberenzyme, GOT, GPT, Gamma-GT
Untergewicht Verminderung der Zahl der weißen Blutkörperchen schlechtere Krankheitsabwehr
Untergewicht Verminderung der Zahl der roten Blutkörperchen (Anämie) geringerer Sauerstoffgehalt im Blut, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen
Untergewicht Verminderung der Zahl der Blutplättchen schlechtere Blutgerinnung, Wunden heilen schlechter
Untergewicht Hormonelle Veränderungen
- Schilddrüsenhormon T3 vermindert
- Kortisolausscheidung erhöht
- Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse (Sexualhormonhaushalt) vermindert

Sparschaltung des Körpers

sexuelle Libido liegt brach
Abführmittel (Purging-Verhalten) Azidose (Blut zu sauer) komplexe Folgen für die Gesundheit
Erbrechen (Purging-Verhalten) Elektrolytstörungen kann tödliche Folgen haben
Erbrechen (Purging-Verhalten) Herzrhythmusstörungen kann zu Herztod führen
Erbrechen (Purging-Verhalten) Nierenversagen bildet sich nicht zurück
Erbrechen (Purging-Verhalten) Erhöhung der Amylase im Blut eines Enzyms der (Bauch-)Speicheldrüse
Erbrechen (Purging-Verhalten) Alaklose (Blut zu basisch) mit erhöhtem Bi-Karbonat im Blutserum komplexe Folgen für die Gesundheit
Erbrechen (Purging-Verhalten) Zahnschäden erhöhtes Kariesrisiko
Erbrechen (Purging-Verhalten) Schwellung der Speicheldrüsen "Hamsterbacken"


Buch-Tipp: "Ich kann nicht anders, Mama - Eine Mutter kämpft um ihre magersüchtigen Töchter" von Caroline Wendt. Knaur Verlag. 2011. ISBN: 9783426783870. 9,99 Euro.


(Caroline Wendt ist das Pseudonym der Autorin, das sie benutzt, damit sie und vor allem ihre Zwillingstöchter anonym bleiben können.)

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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