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Was Sie über Neurodermitis wissen sollten

Cremes, Salben, Handschuhe  

Was hilft bei Neurodermitis an den Händen?

Von Lydia Klöckner

28.07.2021, 08:49 Uhr
Was Sie über Neurodermitis wissen sollten. Hände eincremen: Bei Neurodermitis kommt es auf die richtige Pflege an. (Quelle: Getty Images/LaylaBird)

Hände eincremen: Bei Neurodermitis kommt es auf die richtige Pflege an. (Quelle: LaylaBird/Getty Images)

Juckende Ekzeme können zur Qual werden – besonders an den Händen, die täglich beansprucht werden. Hier erfahren Sie, welche Handcremes und Salben helfen können und ob spezielle Handschuhe wirklich etwas bringen.

Neurodermitis – auch atopische Dermatitis genannt – kann überall am Körper auftreten, auch an den Händen. Bei Babys kommt das relativ selten vor. Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben häufiger damit zu kämpfen.

Die juckenden Ekzeme in den Handflächen und Handgelenken werden für die Betroffenen oftmals zu einer großen Belastung. Vor allem Kinder, die ihre Hände zum Spielen brauchen und Erwachsene, die im Alltag mit ihren Händen arbeiten, leiden unter der Hautkrankheit. Ihre Haut erhält kaum eine Chance zur Heilung, weil sie permanent Strapazen ausgesetzt ist, die die Entzündungen immer wieder neu aufflammen lassen.

Ein Heilmittel gibt es bisher leider nicht. Vielen Betroffenen gelingt es aber, die Erkrankung durch eine Kombination verschiedener Maßnahmen unter Kontrolle zu bringen und gut mit ihr zu leben.

Wie sieht Neurodermitis an den Händen aus?

Neurodermitis sieht in jeder Altersgruppe anders aus und tritt je nach Alter an unterschiedlichen Körperstellen in Erscheinung. Handekzeme kommen vorwiegend bei Jugendlichen und Erwachsenen vor. Sie können sich sowohl am Handrücken als auch in der Handinnenfläche zeigen.

Die betroffenen Hautareale sind trocken und leicht gerötet, jucken und pellen sich. Häufig sind auch die Fingerkuppen gerötet und rissig. Bei manchen entwickeln sich juckende Bläschen an den Handflächen und Fingerseiten. Mit der Zeit verdickt sich die Haut und ihre Oberfläche wird gröber.

Bei Säuglingen kann sich eine Neurodermitis – mit Ausnahme des Windelbereiches – am gesamten Körper äußern, mitunter auch an den Händen. 

Bei Kleinkindern und älteren Kindern können sich Ekzeme an den Handgelenken und am Handrücken entwickeln. Die Handinnenflächen sind seltener betroffen.

Neurodermitis oder Kontaktallergie?

Nicht immer ist Neurodermitis Ursache eines Handekzems. Auch eine Allergie gegen bestimmte Stoffe kann Hautausschlag an der Hand hervorrufen.

Häufige Auslöser sind Stoffe in Parfums, Putzmitteln oder Seifen oder auch Metalle, die manchmal in Ringen oder Armbändern stecken, etwa Nickel, Chrom oder Kobalt. Fachleute sprechen dann von einer Kontaktallergie oder einem Kontaktekzem. In der Regel heilt dieses wieder ab, wenn die oder der Betroffene den problematischen Stoff meidet.

Neurodermitis und Kontaktallergie können auch zusammen auftreten. In diesem Fall hilft es den Erkrankten ebenfalls, sich von den auslösenden Stoffen fernzuhalten. Allerdings können die Ekzeme trotzdem immer wieder auftreten, weil die Allergie nicht die alleinige Ursache ist.

Neurodermitis an der Hand: Behandlung

Wer erstmals ein Hautekzem an einer Hand oder an beiden Händen bei sich feststellt, sollte zunächst zur Hautärztin oder zum Hautarzt gehen. Sie oder er kann feststellen, ob tatsächlich Neurodermitis dahintersteckt oder eine andere Hauterkrankung. Das ist wichtig, weil sich die Behandlung nach der tatsächlichen Ursache des Ausschlags richten muss – sonst hilft sie unter Umständen nicht.

Handelt es sich um Neurodermitis, setzt sich die Behandlung aus verschiedenen Maßnahmen zusammen. Diese können die Erkrankung nicht vollständig heilen, aber dazu beitragen, dass bestehende Hautentzündungen abklingen und die Entzündungsschübe seltener auftreten oder milder verlaufen.

Zur Behandlung gehören vor allem

  • Salben mit entzündungslindernden Wirkstoffen,
  • rückfettende, feuchtigkeitsbindende Handcremes, die die Haut vor Reizen schützen,
  • bei stark ausgeprägter Neurodermitis auch eine Lichttherapie oder
  • Medikamente zum Einnehmen oder in Form von Spritzen.

Die Therapie folgt einem Stufenschema, das sich am Ausmaß der Symptome orientiert: Bei leichten Beschwerden genügt normalerweise sorgsame Hautpflege mit rückfettender Creme.

Bei akuten Schüben, die sich durch juckende Ekzeme bemerkbar machen, verordnet die Hautärztin oder der Hautarzt zusätzlich Salben und – bei schweren Entzündungen – eventuell weitere Maßnahmen. Da die Neurodermitis schubweise verläuft, muss auch die Behandlung immer wieder entsprechend angepasst werden.

Tipps für den Alltag

Um neuen Entzündungen vorzubeugen, ist es wichtig, die Haut so gut es geht zu schonen. Dabei können etwa folgende Tipps helfen:

  • Waschen Sie Ihre Hände nicht mit zu heißem Wasser.
  • Duschen ist besser als Baden. Wenn Sie duschen, sollte das Wasser nicht zu heiß sein – Körpertemperatur ist optimal.
  • Verwenden Sie nach dem Waschen eine parfumfreie Handcreme, die Sie gut vertragen.
  • Verzichten Sie auf parfumhaltige Cremes, Lotionen und Kosmetika.
  • Tragen Sie beim Putzen und Spülen Haushaltshandschuhe, die für Allergiker geeignet sind. Wenn Sie diese nicht vertragen, kann es Ihnen möglicherweise helfen, Baumwollhandschuhe darunter zu tragen.
  • Versuchen Sie, direkten Kontakt mit hautreizenden Chemikalien – etwa in Waschmitteln oder Pflanzenschutzmitteln – zu vermeiden.
  • Verschlimmern sich die Ekzeme dort, wo Sie Schmuck tragen, etwa am Ringfinger oder Handgelenk, legen Sie den Schmuck ab.
  • Tragen Sie im Winter möglichst keine Handschuhe aus Wolle, da diese den Juckreiz verstärken kann. Besser geeignet sind Baumwoll-Handschuhe. Bei starker Kälte können Sie diese auch unter dickeren Handschuhen tragen.
  • Versuchen Sie, die juckenden Stellen möglichst nicht zu kratzen. Ganz vermeiden lässt sich das meist nicht, weil der Juckreiz quälend sein kann. Halten Sie Ihre Nägel daher kurz, damit die Haut durch das Kratzen nicht zu sehr strapaziert wird.

Neurodermitis an der Hand: Diese Salben können helfen

Neurodermitisschübe gehen mit akuten, juckenden Hautentzündungen einher, gegen die normale Handcreme nichts ausrichten kann. Helfen können dann aber Salben mit Wirkstoffen wie

  • Glucocorticoide (in der Alltagssprache Kortison genannt) oder
  • sogenannten Calcineurinhemmern wie Pimecrolimus oder Tacrolimus.

Wie Glucocorticoide können Calcineurinhemmer Ekzeme lindern, indem sie den Entzündungen in der Haut entgegenwirken. Die beiden Arzneien wirken aber anders. Nach aktuellem Wissensstand sind Calcineurinhemmer hautfreundlicher als Kortison und eigenen sich somit vor allem für empfindliche Körperstellen und für die längerfristige Behandlung.

Manchmal bekommen Betroffene auch Salben mit Antibiotika verordnet. Das kann notwendig sein, wenn die Ekzeme von Bakterien befallen sind. Bakterien tummeln sich auf der Haut eines jeden Menschen, auch eines gesunden. Zum Problem werden die Keime nur, wenn sie in die Haut eindringen. Und dazu kommt es bei Menschen mit Neurodermitis schneller als bei Gesunden, weil ihre Hautbarriere geschwächt ist.  

Neurodermitis an der Hand: Welche Handcreme?

Neurodermitis lässt sich zwar nicht durch Handcreme heilen. Eine sorgsame Handpflege kann aber dazu beitragen, neuen Ekzemen vorzubeugen.

Die Ekzeme entstehen durch krankhafte Veränderungen in der Haut, die die Hautbarriere schwächen und bewirken, dass die Haut Feuchtigkeit verliert. Dadurch wird die Haut empfindlicher gegenüber Allergenen und anderen Reizen und entzündet sich immer wieder.

Handcremes können das – bis zu einem gewissen Grad – verhindern, indem sie die Haut mit einer schützenden Fettschicht bedecken und Feuchtigkeit in ihr binden. Dazu sollten Betroffene die Creme mindestens zweimal täglich sowie nach jedem Händewaschen auftragen.

Gut geeignet sind Cremes mit Glycerin, Harnstoff (Urea) und Paraffin, die keine reizenden Substanzen wie Parfum oder Konservierungsstoffe enthalten.

Ein Produkt, das bei Neurodermitis grundsätzlich zu empfehlen ist, gibt es jedoch nicht – die Verträglichkeit ist von Mensch zu Mensch verschieden. Auch der Preis sagt nicht viel aus, da auch teure Cremes aus der Apotheke oder Parfümerie hautreizende Stoffe enthalten können.

Die Betroffenen können aber Ihre Hautärztin oder ihren Hautarzt um eine Empfehlung bitten. Außerdem kann das Logo des Deutschen Allergie- und Asthmabunds (DAAB) bei der Orientierung helfen. Der DAAB zeichnet damit Produkte aus, welche ohne Duftstoffe und bekannte Allergieauslöser auskommen.

Was bringen Handschuhe bei Neurodermitis?

Im Internet und in Apotheken gibt es spezielle Handschuhe zu kaufen, die gegen Neurodermitis helfen sollen. Da sie besondere Materialien wie Seide und/oder Silber enthalten, sind sie teuer: Ein Paar Handschuhe kostet zwischen 15 und 90 Euro.

Die Hersteller werben damit, dass die Textilien Ekzeme lindern können, weil sie

  • die Haut weniger strapazieren als herkömmliche Stoffe,
  • die Haut vor Reizen schützen und
  • die Ausbreitung von Bakterien hemmen.

Bakterien sind nicht die Ursache der Erkrankung, können aber Infektionen hervorrufen, die die Ekzeme verschlimmern. Keimtötende Materialien wie Silber sollen solchen Infektionen vorbeugen.

Ob und inwieweit das hilft, ist aber ungewiss, weil die Forschung zu dieser Frage noch am Anfang steht. Die ärztliche Leitlinie zur Neurodermitis beurteilt die Wirkung keimtötender Textilien nur als "moderat". Denn in bisherigen Studien zeigte sich, dass die Materialien höchstens einen kleinen Nutzen bringen – wenn überhaupt. Da die Studien aber sehr klein waren, ist auf diese Aussage nicht wirklich Verlass. 

Eine günstige und empfehlenswerte Alternative zu speziellen Neurodermitis-Handschuhen sind feingewebte Handschuhe aus Baumwolle oder Seide. Baumwollhandschuhe sind für wenige Euro in Drogerien erhältlich.

Seidenhandschuhe kosten mit 15 bis 20 Euro pro Paar etwas mehr. Sie eignen sich für Tätigkeiten, bei denen die Hände stark beansprucht werden, etwa Aufräumen, Heimwerken oder Einkäufe tragen. Beim Spülen oder Putzen ist es sinnvoll, wasserdichte Haushaltshandschuhe über den Stoffhandschuhen zu tragen.

Verwendete Quellen:
  • Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.kindergesundheit-info.de (Abrufdatum: 23.7.2021)
  • Online-Informationen von Deximed: www.deximed.de (Abrufdatum: 23.7.2021)
  • Online-Informationen von Amboss: www.amboss.com (Abrufdatum: 23.7.2021)
  • Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: www.gesundheitsinformation.de (Abrufdatum: 23.7.2021)
  • Wie wird Neurodermitis (atopisches Ekzem) behandelt? Online-Informationen des Helmholtzzentrums München: allergieinformationsdienst.de (Stand: 20.12.2019)
  • Atopisches Ekzem. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: April 2016)
  • Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG): Neurodermitis. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 013/027 (Stand: 31.3.2015)
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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