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Borderline: Symptome der psychischen Störung erkennen

Borderline erkennen  

Wenn die Gefühle außer Kontrolle sind

23.07.2018, 14:23 Uhr | nz (CF), fsch

Borderline: Symptome der psychischen Störung erkennen. Borderline: Starke Gefühlsschwankungen sind ein typisches Symptom der psychischen Störung. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Borderline: Starke Gefühlsschwankungen sind ein typisches Symptom der psychischen Störung. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Nicht immer ist eine Borderline-Störung sofort zu erkennen. Viele Symptome sind denen von Depressionen oder anderen Persönlichkeitsstörungen zum Verwechseln ähnlich. Dennoch gibt es Charakteristiken, die typisch für das Borderline-Syndrom sind.

Borderline: Gefühle außer Kontrolle

Gefühle, wie Angst, Trauer oder Wut, empfindet jeder Mensch hin und wieder. Sie sind jedoch in der Regel in einem erträglichen Bereich und lassen nach einer gewissen Zeit wieder nach. Und auch sehr exzentrische Persönlichkeiten haben nicht gleich eine Borderline-Störung. Woran lässt sich die Krankheit dann aber erkennen?

Menschen mit Borderline haben Probleme, ihre Gefühle einzuordnen und zu kontrollieren. Ihre innere Anspannung zeigt sich in starken Stimmungsschwankungen und heftigen Gefühlsausbrüchen, die vor allem ihre zwischenmenschlichen Beziehungen beeinflussen. Emotionale Instabilität, Impulsivität und ein gestörtes Selbstbild sind typische Merkmale der Störung.  

Dass es sich bei einem Borderline-Patienten nicht einfach um eine aufbrausende Persönlichkeit handelt, ist vor allem daran zu erkennen, dass Betroffene extrem unter ihrer schwierigen Gefühlslage und auch unter ihren impulsiven Handlungen leiden.

Was ist Borderline?

Borderline ist eine komplexe Persönlichkeitsstörung. Der Begriff ist vom englischen Wort borderland (Grenzland) abgeleitet und bezieht sich auf die unscharfe Grenze zwischen Neurose (Realitätsbezug bleibt erhalten) und Psychose (gestörte Realitätswahrnehmung), da Betroffene Symptome aus beiden Bereichen aufweisen.  

Etwa drei Prozent der Bevölkerung leiden am Borderline-Syndrom. Die Krankheit entwickelt sich meist im Jugend- oder jungen Erwachsenenalter. Dabei scheinen Männer und Frauen gleichermaßen betroffen zu sein, jedoch begeben sich deutlich mehr Frauen in Therapie.

Ursachen für Borderline

Borderline entsteht in den meisten Fällen durch das Zusammenspiel von Veranlagung und Trauma. So wurden bei den meisten Borderline-Patienten Störungen in Regionen des Gehirns festgestellt, die für die Kontrolle von Gefühlen, Angst und Aggressionen zuständig sind. 

Ausgelöst wird die Störung dann fast immer von traumatischen Erfahrungen in der Kindheit, wie sexueller Missbrauch oder körperliche Gewalt. Aber auch Trennung oder Tod der Eltern sowie mangelnde Wärme und Vernachlässigung begünstigen die Entstehung der Krankheit.

Borderline-Symptome: So leiden Betroffene

Die American Psychiatric Association (APA), eine US-amerikanische Vereinigung von Psychiatern, unterscheidet in ihrem internationalen Klassifikationssystem für psychische Erkrankungen verschiedene Borderline-Symptome. Dazu gehören: 

  • Starke Impulsivität in mindestens zwei potentiell selbstschädigenden Bereichen, wie zum Beispiel Geldausgeben, Sex, Alkohol- oder Drogenmissbrauch, Essstörung
  • extreme Stimmungsschwankungen: Betroffenen fällt es schwer, ihre Gefühle zu kontrollieren und angemessen auf Situationen zu reagieren
  • Angst vor dem Alleinsein oder Verlassenwerden mit verzweifeltem Bemühen dieses zu verhindern
  • Niedrige Reizschwelle bei Wut
  • Chronisches Gefühl von Leere
  • Gestörtes Selbstbild
  • Intensive aber instabile Beziehungen
  • Realitätsverlust, der dazu führt, dass das gesamte Umfeld als feindlich eingestuft wird
  • Selbstmorddrohungen, Selbstmordversuche oder Selbstverletzung

Von einer Borderline-Persönlichkeitsstörung ist auszugehen, wenn mindestens fünf dieser Symptome auftreten.

Unterschiede in der Symptomatik zwischen Männern und Frauen lassen sich generell nur schwer feststellen, da die Borderline-Störung meist nicht als alleinige psychische Störung auftritt. Dennoch lassen sich Tendenzen ableiten, wonach Männer eher zu aggressivem Verhalten mit Wutausbrüchen und risikoreichen Aktivitäten neigen. Frauen leiden eher unter Gefühlen der Trauer, Depressionen und Essstörungen.

Folgen: Borderline kann lebensgefährlich werden

Viele Betroffene versuchen ihre innere Anspannung dadurch abzubauen, dass sie sich selbst verletzen. Oft geschieht dies durch das sogenannte Ritzen der Unterarme oder das Ausdrücken von Zigaretten auf der Haut, wobei sichtbare Narben zurückbleiben.

Manche Betroffene neigen darüber hinaus zu irrationalem und unvernünftigem Verhalten und bringen dabei sich und andere in Gefahr, zum Beispiel durch rücksichtsloses und zu schnelles Autofahren oder durch übermäßigen Alkohol- und Drogenkonsum. Auch die Kombination von Borderline mit weiteren psychischen Störungen, wie Essstörungen, ADHS oder Depression, ist nicht selten.

Aufgrund des großen Leidensdrucks besteht bei vielen Borderline-Patienten Selbstmordgefahr. Die Mehrheit der Betroffenen hat mindestens einen Selbstmordversuch unternommen. Eine rechtzeitige Therapie ist deshalb umso wichtiger. 

Borderline erkennen: Abgrenzung zu anderen Störungen

Nicht immer merken Freunde, Angehörige und Kollegen sofort, was mit Betroffenen los ist. Sie erleben die sichtbaren Borderline-Symptome oftmals überraschend. Borderline gehört zu den sogenannten emotional instabilen Persönlichkeitsstörungen. Eine Borderline-Persönlichkeitsstörung sicher zu erkennen, ist für Laien extrem schwierig. Das Krankheitsbild ist mit vielen anderen psychischen Störungen eng verwandt und kann in seiner Ausprägung stark variieren.

Bei einer fachärztlichen Diagnose muss daher zunächst ausgeschlossen werden, dass es sich um eine Depression, eine Schizophrenie, eine bipolare Störung oder eine andere Art der Persönlichkeitsstörung handelt. Sie alle können verschiedene Symptome mit der Borderline-Störung gemeinsam haben.

Therapie: Behandlung von Menschen mit Borderline

Am wirksamsten bei der Behandlung von Borderline hat sich eine Psychotherapie erwiesen. Im Rahmen einer Verhaltenstherapie erarbeitet der Therapeut mit Betroffenen Strategien, besser mit ihrer inneren Anspannung umzugehen und im Alltag Gefühle und Verhalten zu steuern. 

Lässt sich die Störung auf eine traumatische Erfahrung in der Kindheit zurückführen, kann außerdem eine spezielle Traumatherapie zur Bewältigung hilfreich sein. Leidet der Patient an Angstzuständen und Depressionen, können zusätzlich Medikamente eingesetzt werden. 

Verwendete Quellen:
  • American Psychiatric Association
  • Service-Portal der Techniker Krankenkasse

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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