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Alzheimer: Bluttest soll Risiko vorraussagen

Früherkennung  

Bluttest soll Alzheimer voraussagen

09.07.2014, 10:54 Uhr | reuters/ag

Alzheimer: Bluttest soll Risiko vorraussagen. Bluttest zur Alzheimer-Früherkennung: Ein Nachweis von zehn Proteinen im Blut soll voraussagen, ob Menschen an Alzheimer erkranken.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Bluttest zur Alzheimer-Früherkennung: Ein Nachweis von zehn Proteinen im Blut soll voraussagen, ob Menschen an Alzheimer erkranken. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Ein Nachweis von zehn Proteinen im Blut soll mit hoher Genauigkeit voraussagen, ob Menschen mit Gedächtnisstörungen an Alzheimer erkranken. Entwickelt wurde der Bluttest von britischen Forschern am Londoner Kings College in Zusammenarbeit mit der Biotechnik-Firma "Proteome Sciences".

Untersucht wurden Blutproben aus drei internationalen Studien mit 1.148 Teilnehmern, darunter 476 Alzheimer-Patienten und 220 mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen (MCI), einer Vorstufe der Demenz. Dabei fanden die Forscher 16 Proteine, die mit Gehirnschädigungen einhergehen, wie sie bei MCI oder Alzheimer vorkommen.

Bluttest hat Treffsicherheit von fast 90 Prozent

Die Wissenschaftler starteten daraufhin eine zweite Testreihe, um herauszufinden, mit welchen dieser Proteine sich der Beginn von Alzheimer vorhersagen lässt. Ihr Ergebnis: Es gibt eine Kombination von zehn Proteinen, mit denen sich bei Menschen mit MCI der Eintritt der unheilbaren Demenzerkrankung innerhalb eines Jahres mit hoher Wahrscheinlichkeit prognostizieren lässt. So liegt die Treffsicherheit des Tests bei 87 Prozent.

"Ein einfacher Bluttest könnte helfen, Patienten für die Teilnahme an Studien zur Entwicklung neuer Arzneien viel früher zu identifizieren", sagte Simon Loveston von der Oxford University, der die Arbeiten am Kings College leitete. Alzheimer schädige das Gehirn bereits viele Jahre, bevor die Krankheit üblicherweise diagnostiziert werde. "Viele unserer Medikamentenstudien schlagen fehl, weil das Gehirn bereits zu schwer betroffen ist, wenn den Patienten das Medikament gegeben wird." Zwar arbeiten internationale Pharma-Konzerne intensiv an neuen Wegen zur Bekämpfung der Krankheit. Die Forschung gilt aber als sehr riskant: Allein in den vergangenen 15 Jahren sind mehr als 100 neue Wirkstoffe in Tests durchgefallen.

Der Test noch nicht reif für die Praxis

Allerdings befindet sich der neue Bluttest noch im Forschungsstadium. Bevor er in der klinischen Praxis umgesetzt werden kann, müssen weitere Studien an einer größeren Patientenzahl erfolgen. Alzheimer-Experten warnen daher vor voreiligen Erwartungen. Die Resultate bedeuteten nicht, dass ein Bluttest für Alzheimer bereits vor der Tür warte, sagt James Pickett, Forschungschef der Alzheimer Society.

Eric Karran, der Direktor von Alzheimer's Research UK, bezeichnete die aktuelle Studie als technische Hochleistung. Er warnt jedoch davor, dass derzeit noch das Risiko bestehe, dass gesunden Menschen gesagt werde, sie würden an Demenz erkranken. Das wiederum könne zu Ängsten und Depressionen führen. 

US-Forscher leisteten Pionierarbeit

Schon seit längerer Zeit sind Wissenschaftler auf der Suche nach einem einfachen Verfahren zur Frühdiagnose von Alzheimer. Bereits Anfang dieses Jahres entwickelten amerikanische Forscher an der Georgetown University in Washington einen ähnlichen Bluttest, der mit 90-prozentiger Genauigkeit verriet, ob eine Person in den nächsten drei Jahren an Alzheimer erkranken wird. Hierfür wurden Blutproben von 525 Menschen im Alter von über 70 Jahren analysiert, die zum Teil leichte Formen von Alzheimer zeigten oder unter leichten kognitiven Beeinträchtigungen litten.

Dabei zeigten sich auffällige Unterschiede bei zehn Blutfettwerten. Ab einer bestimmten Konzentration wiesen sie auf geistige Verfallserscheinungen hin. Aus diesen Werten leiteten die Forscher Parameter ab, die das Alzheimerrisiko in den nächsten Jahren voraussagten.

Früherkennung verbessert die Behandlung

Für die Frühdiagnostik von Alzheimer sind die Erkenntnisse der beiden Studien ein wichtiger Schritt. Denn zuverlässige Test haben wesentlichen Einfluss auf den Ablauf der medizinische Behandlung – auch wenn Altheimer grundsätzlich nicht heilbar ist. So können vor allem Medikamente in einem sehr viel früheren Stadium der Krankheit verordnet werden, wodurch sich der Krankheitsverlauf verlangsamen lässt.

Insgesamt 35 Millionen Menschen leiden weltweit an Alzheimer. Bislang wird die Krankheit diagnostiziert, indem andere Formen von Demenz ausgeschlossen werden. Auch wenn die Krankheit unheilbar und der geistige Verfall unaufhaltbar ist, gibt es Möglichkeiten, den Verlauf zu verzögern. Eine rechtzeitige Umstellung der Lebensweise und Einnahme von Medikamenten kann den Krankheitsverlauf außerdem verzögern. Oftmals können Klinikaufenthalte dadurch über mehrere Jahre hinausgezögert werden, und Erkrankte somit auf lange Sicht ein relativ normales Leben im Kreise ihrer Familie führen.   

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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