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Alkoholmissbrauch: Ab wann ist man Alkoholiker?

Von t-online, dpa-tmn
Aktualisiert am 15.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Feierabendbier: Genuss oder schon Sucht? Die Grenzen sind fließend.
Feierabendbier: Genuss oder schon Sucht? Die Grenzen sind fließend. (Quelle: g-stockstudio/getty-images-bilder)
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Das Feierabendbier hat mit Alkoholmissbrauch nichts zu tun – oder doch? Es gibt einige allgemeine Regeln, ab wann jemand Alkoholiker ist. Und es geht schneller als viele denken.

Das Wichtigste im Überblick


  • Alkoholmissbrauch fĂ€ngt schon im Kleinen an
  • Richtwerte fĂŒr Alkoholkonsum
  • Ab wann ist man Alkoholiker?
  • Alkohol-Selbsttests können fĂŒr Klarheit sorgen
  • Trinkfeste Menschen besonders gefĂ€hrdet
  • Hilfe suchen und handeln gegen Alkoholismus

Alkoholmissbrauch fÀngt schon im Kleinen an

Nach gĂ€ngiger Auslegung des Begriffs Alkoholismus liegt ein Missbrauch vor, wenn die betreffende Person sich oder ihrer Umwelt durch ĂŒberhöhten Alkoholkonsum Schaden zufĂŒgt. Wer hin und wieder mit Freunden ein Glas Wein genießt, erfĂŒllt dieses Kriterium nicht, man spricht hier schlicht von Alkoholgebrauch. Das Trinken bis zum Rausch jedoch grenzt an Alkoholmissbrauch, ebenso das Trinkverhalten in unangemessenen Situationen.

Der Trinkende schadet Körper und Geist. Er riskiert, die Kontrolle ĂŒber sich und sein Handeln zu verlieren. Weiter können Betrunkene durch den Alkoholmissbrauch auch andere gefĂ€hrden – im Straßenverkehr zum Beispiel, am Arbeitsplatz oder in der eigenen Familie. Besonders problematisch ist der Verzehr von Alkohol bei Schwangeren: Hier können schon kleinste Mengen dem ungeborenen Kind schaden.

Richtwerte fĂŒr Alkoholkonsum

Bei einem ĂŒbermĂ€ĂŸigen Gebrauch von Wein, Bier und Co. muss der Körper große Mengen Alkohol abbauen. Dabei gelten folgende Richtwerte:

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Konsum Richtwert Frauen Richtwert MĂ€nner
risikoarm bis 12 Gramm bis 24 Gramm
riskant 12 bis 40 Gramm 24 bis 60 Gramm
gefÀhrlich 40 bis 80 Gramm 60 bis 120 Gramm
hoch ab 80 Gramm ab 120 Gramm

Diese Werte sind an einem Abend, vor allem bei Frauen, schnell erreicht: So sind laut dem Portal "Kenn dein Limit" der Bundeszentrale fĂŒr gesundheitliche AufklĂ€rung (BZgA) in einem Glas Bier mit 0,33 Litern Inhalt schon knapp 13 Gramm reiner Alkohol enthalten. Ein kleines Glas Wein mit 100 Millilitern enthĂ€lt circa neun Gramm Alkohol. Wer sich regelmĂ€ĂŸig dem riskanten oder gefĂ€hrlichen Konsum hingibt, ist zudem stĂ€rker gefĂ€hrdet, eine Alkoholsucht zu entwickeln.

Jeder, ob Mann oder Frau, sollte den Empfehlungen zufolge mindestens an zwei Tagen pro Woche ganz auf Alkohol verzichten.

Alkoholmengen im Überblick

GetrÀnk Alkoholmenge
Bier, 0,3 Liter 13 Gramm
Wein, 0,2 Liter 16 Gramm
Sherry, 0,1 Liter 16 Gramm
Likör, 0,02 Liter 5 Gramm
Whisky, 0,02 Liter 7 Gramm

Ab wann ist man Alkoholiker?

Alkoholiker wollen oftmals nicht wahrhaben, dass sie die Grenze zur AbhĂ€ngigkeit ĂŒberschritten haben. Sie reden sich ein, aufhören zu können, wann immer sie wollen. Es gibt verschiedene Anzeichen, die auf eine Alkoholsucht hinweisen. Eine AbhĂ€ngigkeit kann vorliegen, wenn der Betroffene:

  • ein zwanghaftes Verlangen verspĂŒrt, Alkohol zu konsumieren
  • die Kontrolle ĂŒber die Menge des Alkoholkonsums, und zu welchen AnlĂ€ssen Alkohol getrunken wird, verloren hat
  • Entzugserscheinungen bemerkt, sobald der Alkoholkonsum eingeschrĂ€nkt oder auf Alkohol verzichtet wird
  • Alkohol konsumiert, um die Symptome des Entzugs zu lindern
  • seine Toleranzgrenze erhöht, das heißt immer grĂ¶ĂŸere Mengen an Alkohol konsumiert werden, um den erwĂŒnschten Effekt zu erzielen
  • das eigene Verhalten wĂ€hrend des Konsums nicht mehr kontrollieren kann
  • bemerkt, dass Alkohol eine immer grĂ¶ĂŸere Rolle im Alltag spielt und andere Interessen durch den Konsum verdrĂ€ngt werden
  • weiterhin kontinuierlich Alkohol konsumiert, obwohl psychische und physische Folgen oder Probleme in der Familie und im Alltag feststellbar sind

Alkohol-Selbsttests können fĂŒr Klarheit sorgen

Um sich ĂŒber die tatsĂ€chliche SuchtgefĂ€hrdung klar zu werden, kann ein Selbsttest fĂŒr Frauen oder MĂ€nner behilflich sein. In diesem werden Fragen zum Konsumverhalten gestellt, die Aufschluss darĂŒber geben, ob und in welchem Maße Handlungsbedarf besteht. Zum Schluss wird eine Bewertung vorgenommen, an der Sie Ihr Risikopotenzial erkennen.

Wenn Sie sich trotz der DurchfĂŒhrung von Selbsttests nicht sicher sind, ob eine Suchtgefahr besteht oder bereits eine Sucht vorliegt, ist schnelles Handeln ratsam, um auf Nummer sicher zu gehen. In einem frĂŒhen Stadium ist die Therapie von Alkoholsucht weitaus leichter durchzufĂŒhren.

Trinkfeste Menschen besonders gefÀhrdet

Wer zu viel Alkohol getrunken hat, merkt das meist sofort: Ihm wird etwa schwindlig oder ĂŒbel. Bei besonders trinkfesten Menschen fehlen diese Warnzeichen. Das macht sie anfĂ€lliger fĂŒr eine Suchterkrankung, erklĂ€rt die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Schon bei ersten Anzeichen fĂŒr eine Sucht lohnt es sich, Hilfsangebote anzunehmen. Nicht immer muss das Ziel gleich völlige Abstinenz sein, betonen die Experten.

Das Problem: HÀufig denken die Betroffenen, ihr Verlangen nach Alkohol sei eine CharakterschwÀche. Dabei ist Alkoholsucht eine Erkrankung, die behandelt werden muss. Wer in stressigen Situationen oder nach einem anstrengenden Arbeitstag hÀufig ans Trinken denkt, wer nach dem Alkoholkonsum ein schlechtes Gewissen hat, zunehmend gereizt ist oder das Interesse an AktivitÀten verliert, bei denen nicht getrunken wird, sollte hellhörig werden. Zu diesem Zeitpunkt kann eine Beratung schon ausreichen, um wieder einen besseren Umgang mit Alkohol zu finden.

Hilfe suchen und handeln gegen Alkoholismus

Scheuen Sie sich in keinem Fall, Hilfe zu suchen, wenn Sie sich oder andere gefĂ€hrdet sehen. Der Gang zum Arzt oder einer Beratungsstelle ist der erste Schritt in die richtige Richtung. Anhand eines ausfĂŒhrlichen GesprĂ€chs ĂŒber die Konsumgewohnheiten des oder der Betroffenen werden RĂŒckschlĂŒsse ĂŒber die SuchtgefĂ€hrdung gezogen.

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Zudem bietet die Bundeszentrale fĂŒr gesundheitliche AufklĂ€rung (BZgA) mit ihrer Kampagne "Alkohol? Kenn dein Limit" insbesondere fĂŒr Jugendliche eine Anlaufstelle, um sich genau ĂŒber die Wirkung und Risiken von Alkohol und der SuchtgefĂ€hrdung zu informieren. Sie bietet aber auch nĂŒtzliche Informationen fĂŒr Erwachsene.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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