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Urologe im Interview: "Nicht bei jedem Patienten ist eine Hafenrundfahrt nötig"

INTERVIEWAngst vor dem Facharzt  

Urologe erklärt: "Nicht bei jedem Patienten ist eine Hafenrundfahrt nötig"

20.12.2019, 15:52 Uhr
Urologe im Interview: "Nicht bei jedem Patienten ist eine Hafenrundfahrt nötig". Arzt trägt Gleitgel auf seinen Finger auf: Nicht immer ist das Abtasten der Prostata über den After nötig. (Quelle: Getty Images/TerryJ)

Arzt trägt Gleitgel auf seinen Finger auf: Nicht immer ist das Abtasten der Prostata über den After nötig. (Quelle: TerryJ/Getty Images)

Nervosität vor der Untersuchung im Intimbereich halten viele Männer davon ab, zum Urologen zu gehen. Aber auch andere Gründe sorgen für die Arztmuffeligkeit. Dabei erwartet nicht jeden Patienten eine sogenannte "Hafenrundfahrt".

Dr. Volker Wittkamp, Facharzt für Urologie in Köln, setzt sich dafür ein, Männer die Scheu vor Untersuchungen beim Arzt zu nehmen und offener über Masturbation zu reden. Im Interview mit t-online.de erklärt er, dass nur bei wenigen Untersuchungen der berühmte "Finger in den Po" gesteckt wird.

t-online.de: Herr Wittkamp, warum scheuen so viele Männer den Besuch beim Urologen?

Dr. Volker Wittkamp: Ich denke, Männer sind allgemein etwas arztmuffeliger als Frauen und im Gegensatz zu Frauen den regelmäßigen Gang zur Untersuchung ab der Pubertät nicht gewohnt. Dazu kommen dann noch andere Vorurteile und teilweise Versagensängste. Aber wir Urologinnen und Urologen sind wirklich alle sehr nett und einfühlsam.

Vielleicht wissen auch viele nicht, was sie erwartet. Wie läuft denn eine Standarduntersuchung beim Urologen ab?

Das hängt ein bisschen vom Alter und den Beschwerden ab, oder ob es sich um eine Routine- oder Vorsorgeuntersuchung handelt. Nicht bei jedem Patienten ist zum Beispiel die berühmte Hafenrundfahrt – also das Abtasten der Prostata über den After – nötig. In den meisten Fällen muss man sich allerdings schon untenrum frei machen. Denn meistens gilt urologisch: Keine Diagnose durch die Hose. Bei einer Routineuntersuchung nach zum Beispiel Nierensteinen muss aber auch das nicht immer sein.

Viele Männern gehen wahrscheinlich erst bei akuten Beschwerden zum Arzt. Was sind denn die typischen Geschlechtskrankheiten beim Mann?

Leider sind Geschlechtskrankheiten wieder ein bisschen auf dem Vormarsch. Zu den häufigsten gehören Chlamydien, Tripper, Syphilis, Herpes-Viren und HPV (humane Papillomviren)

HPV
Humane Papillomviren sind Krankheitserreger, die Veränderungen der Haut sowie Entzündungen hervorrufen können. Die Infektion mit den Viren erfolgt meist über die Schleimhaut und bleibt häufig unbemerkt. Sie können allerdings auch Feigwarzen verursachen. In vereinzelten Fällen können sie zu Gebärmutterhalskrebs führen.

Welche Symptome deuten auf eine Geschlechtskrankheit hin? Worauf sollten Männer besonders achten?

Brennen in der Harnröhre ist das häufigste Symptom, manchmal gepaart mit einem weißen Ausfluss. Außerdem können Warzen am Genital, Bläschen oder Wunden auf Geschlechtskrankheiten hindeuten.

Neben Geschlechtskrankheiten gibt es auch noch andere Infektionen. So können auch Männer eine Blasenentzündung bekommen. Wie können sie dieser vorbeugen?

Bei Männern ist eine Blasenentzündung im Gegensatz zur Frau sehr viel seltener, da die längere Harnröhre das Eindringen von Bakterien erschwert. Sollte ein Mann eine Blasenentzündung haben, sollte das auf jeden Fall urologisch untersucht werden. Denn unter Umständen können zum Beispiel Erkrankungen der Prostata oder die schon erwähnten Geschlechtskrankheiten dahinter stecken. Bei einer Frau reicht oft auch der Gang zum Hausarzt. Generell ist die beste Methode der Vorbeugung eine Flüssigkeitszufuhr von zirka 2,5 Litern pro Tag. Das beugt zudem der Bildung von Nierensteinen vor.

Neben der eigenen Gesundheit kommen Patienten sicherlich auch wegen anderer Fragen zu Ihnen. Wie präsent ist das Thema "Penisgröße" in Ihrer Sprechstunde?

Die meisten Patienten sind mit ihrer Penisgröße völlig zufrieden und kommen damit im Alltagsverkehr hervorragend zurecht. Selten gibt es Patienten mit zum Beispiel einem Mikropenis. Hiervon spricht man bei einer Länger von unter 7,5 Zentimeter im erigierten Zustand. Der Durchschnitt liegt übrigens bei etwa 13 Zentimeter.

Dr. Volker Wittkamp: Der Urologe aus Köln setzt sich für die Aufklärung von Männern ein.

Wie wichtig sind das Aussehen und die Pflege des eigenen Penis für Männer?

Die meisten Männer pflegen sich völlig ausreichend untenrum. Mir reicht einfaches Wasser ohne großes Schrubben. Ob die Schamhaare jetzt gestutzt, rasiert oder lang sind, ist mir relativ egal. Psychologisch erscheint ein Baum bei wenig Unterholz aber größer. Ich denke, irgendwann kommt der Zeitpunkt als junger Mann, an dem man sich mit seinem Penis abgefunden hat. Auch ein etwas krummer Penis ist aus urologischer Sicht völlig okay. Außer die Krümmung schmerzt, verändert sich oder verhindert gar den Geschlechtsverkehr.

Die Pflege des Penis ist wichtig für Männer. Wie sehr beschäftigen sich Männer mit ihren Hoden oder deren Größe?

Äußerst selten kommen Männer in die Praxis und denken, ihre Hoden seien zu klein. Dennoch sind sie wichtig und bei der routinemäßigen Pflege nicht zu vernachlässigen. So sollten auch Männer regelmäßig ab der Pubertät ihre Hoden abtasten. Hodenkrebs ist leider eine Tumorerkrankung, die schon in jungen Jahren auftreten kann. Zum Glück ist sie allerdings selten und in den allermeisten Fällen gut heilbar.

Der richtige Umgang mit den Hoden kann sich auch positiv auf die Spermienproduktion auswirken. Wie präsent ist das Thema Unfruchtbarkeit in Ihrer Sprechstunde?

Das ist schon ein häufiges und sensibles Thema in der Urologie. Wichtig bei unerfülltem Kinderwunsch ist es, alle Beteiligten zu untersuchen. Grob kann man sagen, dass die vermeidliche Schuld der Unfruchtbarkeit zu je einem Drittel beim Mann oder der Frau und zum letzten Drittel bei einer Kombination aus beidem liegt.

Was können Männer vorbeugend gegen Erkrankungen sowie Impotenz tun?

Zunächst muss man sagen, dass sich hinter dem Begriff "Impotenz" verschiedene Erkrankungen verstecken. Zum einen gibt es die fehlende Zeugungsfähigkeit, es gibt Erektionsschwierigkeiten und ebenfalls kein seltenes Thema ist die fehlende oder schwindende Libido, also ein vermindertes sexuelles Verlangen.



Generell sollte man auf körperlicher Ebene auf ausgewogene Ernährung achten, Alkohol- und vor allem Tabakkonsum vermeiden und sich regelmäßig bewegen. Außerdem sollte man mit allen Problemen offen umgehen und mit der Partnerin oder dem Partner darüber sprechen.

Herr Dr. Wittkamp, vielen Dank für das Interview.

Verwendete Quellen:
  • Lustreport 2019, Tenga

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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