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Coronavirus-Ausbruch: Welche Atemschutzmasken nützen – und welche nicht

Ansteckung mit Coronavirus  

Welche Atemschutzmasken nützen – und welche nicht

Von Nicole Sagener

03.03.2020, 15:34 Uhr
Drei Tipps, wie Sie sich vor dem Coronavirus schützen können

Die Anzahl der mit dem Virus SARS-CoV-2 Infizierten steigt weiter an. Wie Sie sich am besten vor einer Ansteckung schützen, zeigen drei Tipps der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Ein Hinweis: Es sind die gleichen Vorsichtsmaßnahmen wie im Fall einer Grippewelle. (Quelle: t-online.de)

Coronavirus: Hier sehen Sie drei Tipps, wie Sie sich vor einer Ansteckung schützen können. (Quelle: t-online.de)


Auch in Deutschland wächst die Zahl der Infektionen mit dem Virus SARS-CoV-2, vielerorts werden die Atemschutzmasken knapp. Doch was bringt ein handelsüblicher Mundschutz überhaupt?

Die Sorge um eine Ansteckung mit dem Coronavirus lässt die Nachfrage nach Atemschutzmasken steigen. Bei der Drogeriemarktkette dm und anderen Handelsketten sind sie nach eigenen Angaben mancherorts vergriffen. Auch der Pharmagroßhändler Noweda sagte t-online.de, es sei momentan schwierig, diese Masken in großen Mengen zu erhalten.

Nach derzeitigem Kenntnisstand kann die Übertragung von SARS-CoV-2 über Tröpfchen und Kontakt, etwa mit Körpersekreten und Ausscheidungen, erfolgen. Doch bietet das Bedecken von Mund und Nase wirklich Schutz vor dem neuartigen Virus? Und welche Vorsorgemaßnahmen sollten Menschen in Deutschland nun ergreifen?

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Schützt ein Mundschutz vor dem Coronavirus?

In Krankenhäusern und Pflegeheimen nutzt das medizinische Personal Schutzmasken, um Patienten vor möglichen Keimen zu schützen. Mit der Ausbreitung des Coronavirus nach Europa nimmt auch in Deutschland die Zahl der Menschen zu, die den aus dem Operationssaal bekannten Mund-Nasen-Schutz (MNS) kaufen. Die Nachfrage ist inzwischen so hoch, dass Apotheken und Drogerien Lieferengpässe melden.

Dass ein Mundschutz allerdings auch außerhalb medizinischer und Pflegeeinrichtungen eine Schutzfunktion hat, sehen Hygieneexperten nicht als bewiesen an. Die Wirksamkeit von einfachen, handelsüblichen Atemmasken während einer Pandemie wird auch in zahlreichen Studien bezweifelt.

Was bringt ein Mund-Nasen-Schutz gegen SARS-CoV-2?

"Ist jemand infiziert, reicht eine normale Atemschutzmaske nicht aus, um die Umgebung vor einer Ansteckung zu schützen", sagt der Infektiologe Dr. Stefan Moritz vom Universitätsklinikum Halle im Gespräch mit t-online.de. Solche Masken lägen nicht eng am Gesicht an, darum könnten etwa beim Niesen und Husten Erreger nach außen dringen.

Dass chirurgische Masken nur eine physikalische Barriere sind, die vor "einem sichtbaren Spritzen oder Sprühen von Flüssigkeit oder großen Tröpfchen" schützt, fand auch Raina MacIntyre in ihren Untersuchungen heraus.

Die Forscherin für Infektionskrankheiten und Professorin für globale Biosicherheit an der Universität von New South Wales in Sydney hat die Wirksamkeit von Gesichtsmasken untersucht. MacIntyres Forschung legt sogar nahe, dass Stoffmasken, die von den Trägern oft gewaschen und wiederverwendet werden, "tatsächlich schädlich sein können", weil die Stoffmasken zu einem Nährboden für Krankheitserreger werden können. 

Richtig getragen und genutzt kann das Tragen eines Mundschutzes Experten wie Stefan Moritz zufolge aber dennoch einen positiven Effekt haben: Die Maske kann das eigene Hygieneverhalten beeinflussen. Denn sie verhindere, dass wir uns an Mund und Nase fassen – verringere also das Risiko einer Schmierinfektion.

Coronavirus: Hier sehen Sie drei Tipps, wie Sie sich vor einer Ansteckung schützen können. (Quelle: t-online.de)

Von FFP1 bis FFP3: Schützen Feinpartikelmasken vor dem Coronavirus?

Um sich vor einer Infektion durch Tröpfchen von Erkrankten zu schützen, sind laut Experten nur spezielle Feinpartikelmasken geeignet, auch partikelfiltrierende Halbmasken (filtering face piece, FFP) genannt. Sie bestehen ganz oder teilweise aus nicht auswechselbarem Filtermaterial und reduzieren infektiöse Aerosole in der eingeatmeten Luft. Während der SARS-Epidemie 2002/2003 hatten einige Studien für sogenannte FFP3-Masken einen gewissen Schutzeffekt nachgewiesen. Der Virusforscher Christian Drosten von der Charité in Berlin bezweifelt jedoch, dass diese Masken alltagstauglich sind. Mit solchen Masken könne man im Alltag nicht lang herumlaufen, sagte er kürzlich. 

FFP-Masken gibt es in drei verschiedenen Klassen, die sich in ihrer Durchlässigkeit unterscheiden. Alle drei Klassen gelten zumindest als wirksamer als der handelsübliche Standardmundschutz. Grundsätzlich gilt: Je höher die Klasse, desto besser schützen sie. Die auch Leckage genannte Durchlässigkeit darf bei FFP1 höchstens 22 Prozent betragen, bei FFP3 zwei Prozent. 

Wer sollte Atemschutzmasken nutzen?

Die Angst vor einer Ausbreitung des SARS-CoV-2-Virus mag auch in Deutschland wachsen. Dennoch sieht das Robert Koch-Institut (RKI) ebenso wie die WHO in seinen Pandemieplänen keine Atemschutzmasken für die allgemeine Bevölkerung vor. Von der WHO heißt es dazu, die Masken würden nicht als Vorbeugung für Gesunde empfohlen, sondern für Patienten und Menschen, die sich möglicherweise angesteckt haben, damit sie das Virus nicht verbreiten. In Verdachtsfällen sollte deshalb vor allem medizinisches Personal eine Maske tragen, um sich etwa vor einer Tröpfcheninfektion zu schützen.

Wie können Sie sich vor dem Coronavirus schützen?

Zum Schutz vor Viren empfehlen die WHO und das RKI vor allem eine strenge Handhygiene. Denn über unsere Hände werden am häufigsten ansteckende Infektionskrankheiten übertragen. Regelmäßiges, gründliches Händewaschen mit Wasser und Seife schützt. Was viele nicht wissen: Die Hände sollten mindestens 30 Sekunden lang gereinigt werden, damit Krankheitserreger unschädlich gemacht werden.

Weitere wichtige Hygieneregeln des RKI:

  • Halten Sie beim Husten oder Niesen Abstand von anderen Personen und drehen Sie sich weg.
  • Meiden Sie körperlichen Kontakt mit Personen, die Fieber, Husten und andere grippeähnliche Symptome zeigen.
  • Wenn Sie Fieber, Husten und Atembeschwerden haben, suchen Sie sich frühzeitig ärztliche Hilfe.

"Diese Maßnahmen sind in Anbetracht der Grippewelle aber überall und jederzeit angeraten", schreibt das Institut.

Experten raten außerdem zu einer Grippeschutzimpfung. Diese immunisiert nicht nur gegen eine Grippe. Damit kann es auch nicht zur Verwechslung mit der Lungenkrankheit kommen.

Was bringen Desinfektionsmittel für die Hände?

Die Händedesinfektion ist eine wichtige Maßnahme, um die Verbreitung von Krankheitserregern einzudämmen. Doch nicht jedes Mittel wirkt gegen jeden Erreger. "Viruzid" wirksame Desinfektionsmittel können beispielsweise den größten Teil der Viren unschädlich machen – etwa bei Norovirus-Infektionen. Die "begrenzt viruziden" Produkte hingegen wirken nach Angaben des RKI nur gegen sogenannte behüllte Viren. Dazu zählen auch Coronaviren.

Die WHO empfiehlt zwei Rezepturen von Desinfektionsmitteln, die auch schon gegen SARS- und MERS-Erreger Wirkung zeigten. Das mit diesen verwandte neue Coronavirus "sollte ebenfalls mit geprüften und zugelassenen Desinfektionsmitteln inaktiviert werden können", sagt Prof. Dr. Eike Steinmann, Leiter der Abteilung Molekulare und medizinische Virologie an der Ruhr-Universität Bochum. Bislang gebe es dazu keine Studien mit dem neuen Coronavirus, doch in einigen Wochen will der Virologe zusammen mit seinen Kollegen im Labor testen, wie Desinfektionsmittel auf Coronaviren wirken.


Desinfektionsmittel aus den Drogerie- und Supermärkten seien jedoch häufig keine Arzneimittel und deshalb zum Schutz vor Coronaviren nicht zu empfehlen, so Steinmann. Zur Händedesinfektion sollten Sie daher zertifizierte Desinfektionsmittel etwa aus der Apotheke nutzen. Die Angabe "begrenzt viruzid" ist hierbei ganz entscheidend.

Verwendete Quellen:
  • Robert Koch-Institut: Hygienemaßnahmen
  • WHO: Advice for the public
  • infektionsschutz.de
  • Center for Infecious Desease Research and Policy: "Full-time N95 use offers best respiratory protection"
  • Eigene Recherchen
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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