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Coronavirus: Welche Rolle spielt die Zahl bei Veranstaltungsverboten?

Einschränkung von Großveranstaltungen  

Wieso die Grenze bei genau 1.000 liegt

11.03.2020, 09:50 Uhr | dpa-AFX

Coronavirus: Immer mehr Geisterspiele in der Bundesliga

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, müssen viele Fußballfans auf einen Stadionbesuch verzichten. Einheitliche Regeln gibt es aber nicht. (Quelle: Reuters)

Leere Ränge bei Union Berlin: In der Bundesliga finden immer mehr Spiele ohne Zuschauer statt, an der Regelung gibt es aber auch viel Kritik. (Quelle: Reuters)


Derzeit werden Großveranstaltungen abgesagt, um eine weitere Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Die Zahl 1.000 ist dabei ein Richtwert – zumindest in einigen Ländern. Doch was hat es damit auf sich?

Zur Eindämmung der Covid-19-Epidemie setzen mehrere Länder darauf, Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern zu verbieten. Auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) empfiehlt dies als Maßnahme – und viele Bundesländer folgen dieser Vorgabe inzwischen. Für Events mit 500 bis 1.000 Personen sollten die Behörden jeweils eine Risikobewertung vornehmen, ergänzt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU).

Andere europäische Länder wie Frankreich oder die Schweiz vertreten eine vergleichbare Linie, einige gehen noch einen Schritt weiter. Österreich zum Beispiel untersagt Veranstaltungen mit mehr als 100 Menschen in geschlossenen Räumen. Eine Zahl, die so mancher Experte auch hierzulande gern als Maßstab sehen würde. "Ich bin auch persönlich eher bei 100 oder 200", sagt Frank Ulrich Montgomery, Chef des Weltärztebundes.

Zahl als Richtlinie

Spahn erläutert: "Die Zahl 1.000 heißt ja nicht: Alles dadrunter ist per se okay und alles dadrüber ist per se nur problematisch." Die genannte Größenordnung sei zum Teil europäischer Standard geworden. "Es gab ein Bedürfnis danach, das habe ich gespürt in vielen Gesprächen, mal einen Parameter zu haben." Mit dieser Zahl habe er auch denjenigen den Rücken stärken wollen, die solche Entscheidungen zu treffen haben.

Dabei komme es immer auf die Art der Veranstaltung an, erläutert eine Sprecherin des Robert Koch-Instituts. Die Risiken seien unterschiedlich groß: "Eine Karnevalsveranstaltung ist natürlich anders zu bewerten als eine öffentliche Bibliothek, wo man Abstand voneinander hält." Im Einzelfall entscheiden müsse letztlich die zuständige Behörde vor Ort.

Gewählter Wert auf Wirtschaftsleben abgestimmt

Die Zahl 1.000 sei ein nicht ohne Grund gewählter Wert, sagte der Berliner Virologe Christian Drosten in einem NDR-Podcast. Mit einem Verbot für Veranstaltungen mit weniger als 1.000 Teilnehmern wären etwa auch für Unternehmen relevante wichtige Versammlungen in der Geschäftswelt betroffen, die notwendig seien, weil dort Entscheidungen getroffen würden.

Bei über 1.000 Teilnehmern seien eher Rockkonzerte, Fußballspiele, Messen und Kongresse betroffen, die nicht unbedingt sein müssten. Sie seien nicht essenziell im Wirtschaftsleben und daher verzichtbar. Auch typische Schülerzahlen spielten bei den Überlegungen eine Rolle.

Die Entscheidungskompetenz liege letztlich bei den regionalen Gesundheitsbehörden, sagte auch Drosten. Es gebe derzeit die Sorge vor Regressforderungen bei Gesundheitsämtern. "Da muss jetzt sehr schnell von der Bundespolitik nachreguliert werden, denn da kann ja die Bundespolitik etwas machen."

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa-AFX

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