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Was ĂŒber Covid-19-Risikogruppen bekannt ist

Von dpa
Aktualisiert am 06.06.2020Lesedauer: 3 Min.
Computertomographieaufnahmen der Lunge eines Covid-19-Patienten: Bekannt ist, dass das Risiko fĂŒr einen schweren Covid-19-Verlauf ab einem Alter von etwa 50 bis 60 Jahren merklich ansteigt.
Computertomographieaufnahmen der Lunge eines Covid-19-Patienten: Bekannt ist, dass das Risiko fĂŒr einen schweren Covid-19-Verlauf ab einem Alter von etwa 50 bis 60 Jahren merklich ansteigt. (Quelle: Sebastian Gollnow/dpa)
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Bei den meisten Menschen verlĂ€uft eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 glimpflich. Sie bekommen Husten und Fieber. Doch wer zu sogenannten Risikogruppen gehört, erkrankt mit grĂ¶ĂŸerer Wahrscheinlichkeit schwer an Covid-19.

Das Wichtigste im Überblick


  • Alter
  • Lungenerkrankungen
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Bluthochdruck
  • Übergewicht
  • Diabetes
  • Lebererkrankungen

Nach den aktuellen Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) verlaufen 18 Prozent der nachgewiesenen Infektionen so schwer, dass die Betroffenen in ein Krankenhaus kommen. Doch wer ist ĂŒberhaupt ein Risikopatient?


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Das RKI zĂ€hlt auf seiner Website eine Reihe von Erkrankungen auf, bei denen das Risiko fĂŒr einen schweren Krankheitsverlauf erhöht scheint. Fachgesellschaften plĂ€dieren dafĂŒr, genauer zu differenzieren.

Alter

Bekannt ist, dass das Risiko fĂŒr einen schweren Covid-19-Verlauf ab einem Alter von etwa 50 bis 60 Jahren merklich ansteigt. Fast neun von zehn mit Covid-19 gestorbene Patienten (86 Prozent) waren laut RKI 70 Jahre alt oder Ă€lter. Wegen des weniger gut reagierenden Immunsystems können Ă€ltere Menschen nach einer Infektion schwer erkranken. Ein noch höheres Risiko sehen Experten, wenn neben einem hohen Alter auch Vorerkrankungen vorliegen.

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Das Zentralinstitut fĂŒr die kassenĂ€rztliche Versorgung (Zi) schĂ€tzt Patienten ab 80 Jahren mit mindestens einer Risikoerkrankung sowie Patienten im Alter von 60 bis 79 Jahren mit mindestens drei Risikoerkrankungen als "hoch gefĂ€hrdet" ein. "Wenn man diese Risikogruppen zusammenzĂ€hlt und auf die Bevölkerung hochrechnet, gibt es etwa 5,5 Millionen Menschen bundesweit, die ein hohes Risiko haben, einen schweren Covid-19-Verlauf zu bekommen", fasst Studienleiter Jörg BĂ€tzing die Zi-Analyse zusammen. Die Verteilung der Risikogruppen variiere regional zum Teil erheblich.

Lungenerkrankungen

Das Coronavirus befĂ€llt vor allem die Lunge. Besonders gefĂ€hrdet seien Patienten mit chronischen Atemwegs- und Lungenerkrankungen, sagt der Sprecher des Deutschen Lungentages, Marek Lommatzsch. Je nach Erkrankung ließen sich jedoch Abstufungen machen. Demnach haben etwa gut therapierte Asthma-Patienten kein erhöhtes Risiko fĂŒr schwere Covid-19-VerlĂ€ufe.

Anders ist die Situation bei Menschen mit der chronischen Lungenkrankheit COPD: "Aus den bislang vorliegenden Daten gibt es Hinweise darauf, dass Patienten mit COPD ein höheres Risiko fĂŒr schwere Covid-19-VerlĂ€ufe haben", sagt Lommatzsch. Zigarettenrauchen wird ebenfalls als Risikofaktor gehandelt, auch wenn die Datenlage dazu noch "dĂŒnn" sei, wie die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Pneumologie schreibt.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Patienten mit Vorerkrankungen am Herzen werden eindeutig der Risikogruppe fĂŒr schwere KrankheitsverlĂ€ufe zugeordnet. Eine Infektion mit einem Virus stelle fĂŒr das Herz eine zusĂ€tzliche Belastung dar und könne zur Überforderung fĂŒhren, warnt das Deutsche Zentrum fĂŒr Herz-Kreislauf-Forschung. Zudem ist bekannt, dass das Coronavirus Thrombosen, HerzmuskelentzĂŒndungen und Herzrhythmusstörungen auslösen kann.

Coronavirus:Das sollten Herzpatienten jetzt beachten

Bluthochdruck

In der RKI-Liste findet sich auch Hypertonie als Risikofaktor. Eine ÜberhĂ€ufigkeit von schweren Covid-19-FĂ€llen bei Bluthochdruck-Patienten gebe es jedoch nur auf den ersten Blick, meint dagegen der Vorsitzende der Deutschen Hochdruckliga, Ulrich Wenzel. Es sei bekannt, dass Bluthochdruck vor allem bei Ă€lteren Menschen auftrete. "Von daher ist es nicht verwunderlich, dass die Rate von Bluthochdruck-Erkrankungen bei den in der Regel Ă€lteren Patienten mit schweren Covid-19-VerlĂ€ufen ebenfalls hoch ist." Pauschal lasse sich eine RisikoabschĂ€tzung dazu derzeit noch nicht treffen.

Übergewicht

Dieser Faktor rĂŒckt zunehmend ins Blickfeld der Mediziner. "Eine ganze Reihe von Studien hat gezeigt, dass eine Adipositas tatsĂ€chlich den Verlauf einer Covid-19-Erkrankung erschweren und verkomplizieren kann", erklĂ€rt Jens Aberle, Endokrinologe am Hamburger UniversitĂ€tsklinikum.

VorlĂ€ufige Untersuchungen aus Frankreich zeigten demnach zuletzt einen Zusammenhang zwischen dem Body-Mass-Index (BMI) und der Covid-19-Komplikationsrate. "Daraus geht klar hervor: Je höher der BMI ist, desto hĂ€ufiger treten schwere Covid-19-VerlĂ€ufe auf und desto hĂ€ufiger sind Patienten auch gestorben", erklĂ€rt der Facharzt fĂŒr Stoffwechsel. Eine Theorie sei, dass das Immunsystem durch das erhöhte Körpergewicht grundsĂ€tzlich aktiviert und in der Folge bei einer Virusinfektion ĂŒberlastet werden könne, erklĂ€rt Aberle.

Diabetes

"Es sind bislang zu wenige ZusammenhĂ€nge mit Diabetes bekannt, um das Risiko fĂŒr eine schwere Covid-19-Erkrankung abschließend bewerten zu können", sagt der Sprecher der Deutschen Diabetes Gesellschaft, Baptist Gallwitz. Statt Diabetes-Patienten pauschal als Risikogruppe einzustufen, plĂ€diert der TĂŒbinger Professor dafĂŒr, nach Alter und Vorerkrankungen zu differenzieren.

Ältere Patienten mit sogenanntem Diabetes Typ 2 wiesen oft auch weitere Risikofaktoren auf. "Das sind sicher Patienten, die bei einer Coronavirus-Infektion ein höheres Risiko fĂŒr einen schweren Verlauf haben." Bei einem gut eingestellten Diabetes Typ 1, der vor allem in der Kindheit auftritt, sei kein erhöhtes Risiko auszumachen. "Das gleiche gilt auch fĂŒr jĂŒngere Menschen mit Typ 2 Diabetes ohne eine weitere Begleiterkrankung", betont Gallwitz.

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Lebererkrankungen

Dazu liegen unterschiedliche EinschĂ€tzungen vor. Das RKI zĂ€hlt Patienten mit chronischen Lebererkrankungen zur Risikogruppe. Die Deutsche Leberhilfe ist da vorsichtiger: "Bislang ist unklar, ob Leberkranke generell ein höheres Risiko von schweren Covid-19-VerlĂ€ufen haben", heißt es in einer aktuellen Stellungnahme. Es gebe aber erste Hinweise, dass Fettleber-Erkrankungen das Risiko schwerer VerlĂ€ufe erhöhen könnten.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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