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Erkranken in diesem Winter weniger Menschen an Grippe?

  • Sandra Simonsen
Von Nicole Sagener, Sandra Simonsen

Aktualisiert am 29.09.2020Lesedauer: 3 Min.
Erkältung: In diesem Jahr könnten wegen der Hygienemaßnahmen vielleicht weniger Menschen an anderen Infektionen erkranken.
Erkältung: In diesem Jahr könnten wegen der Hygienemaßnahmen vielleicht weniger Menschen an anderen Infektionen erkranken. (Quelle: PeopleImages/getty-images-bilder)
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Grippe, Erkältung, Norovirus: Im Herbst und Winter verbreiten sich jedes Jahr verschiedene virale Erkrankungen. In diesem Jahr könnte das wegen der Corona-Maßnahmen allerdings anders sein.

Maskenpflicht, Abstandsregelungen, Homeoffice und bessere H√§ndehygiene: All diese Ma√ünahmen sollen uns in Deutschland vor einer Infektion mit dem Coronavirus bewahren. Doch sie sch√ľtzen auch vor anderen Infektionen. Davon sind nicht nur die bekanntesten Virologen in Deutschland, Prof. Dr. Christian Drosten und Prof. Dr. Hendrik Streeck √ľberzeugt.


10 Tipps: So sch√ľtzen Sie sich in Bus und Bahn vor Corona

Maskenpflicht wegen Corona: Aktuell gilt in allen Bussen, Bahnen und Z√ľgen eine Maskenpflicht. Das bedeutet, Sie m√ľssen Mund und Nase bedecken. Geeignet daf√ľr sind OP-Masken, selbst gen√§hte Stoffmasken oder auch die Bedeckung mit Schals und T√ľchern.
Tickets online kaufen: Der Kauf von Tickets beim Fahrer ist in den meisten Regionen derzeit nicht m√∂glich. Es ist aber deshalb nicht erlaubt, ohne g√ľltigen Fahrschein zu fahren. Sie k√∂nnen f√ľr den Ticketkauf die Online-Angebote vorab nutzen oder die Fahrscheine per App erwerben.
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Twitter-Diskussion durch Jan Böhmermann entstanden

Der Journalist Jan B√∂hmermann hat bei Twitter k√ľrzlich die Frage aufgeworfen, ob es schon Studien zu der Frage gebe, wie viele Menschen durch die Hygienema√ünahmen nicht nur vor Corona, sondern auch vor anderen Krankheiten wie der Grippe gesch√ľtzt werden.

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Charit√©-Virologe Prof. Dr. Christian Drosten reagierte auf den Tweet mit einer sicheren Aussage: "Ja klar. Unsere Influenzasaison wurde im M√§rz abrupt beendet. Im S√ľdhalbkugel-Winter (S√ľdafrika, Australien) ist die Influenza-Saison fast ausgefallen. Auch die meisten anderen Erk√§ltungsviren sind selten geworden, bis auf die Picornaviren." Letztere sollen vor allem √ľber die Kontakt√ľbertragung bei Kindern vorkommen. Zu den Picornaviren geh√∂ren auch Rhinoviren, die f√ľr Erk√§ltungen verantwortlich sind.

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Prof. Dr. Hendrik Streeck beobachtet Anstieg von Rhinoviren

Der Bonner Virologe Prof. Hendrik Streeck hingegen ist nicht ganz so √ľberzeugt, dass es in dieser Grippesaison wegen der verst√§rkten Hygiene-Ma√ünahmen weniger Grippekranke geben wird. Im Interview mit t-online meint er: "Es kann sein, dass es diesen Effekt gibt. Auf der S√ľdhalbkugel etwa konnten wir schon sehen, dass es au√üerordentlich wenig Grippef√§lle gab. Allerdings tauchen in Deutschland schon jetzt vereinzelt Erkrankungen auf."

√Ąhnlich wie Drosten spricht auch Streeck die Rhinoviren als scheinbare Ausnahme an. "Und noch etwas: Im letzten Monat konnten wir einen deutlichen Anstieg an Rhinoviren beobachten. Diese l√∂sen einen herk√∂mmlichen Schnupfen aus ‚Äď ungef√§hrlich, aber nervig. Und diese Viren werden √§hnlich wie das Coronavirus √ľbertragen. Da stellt sich die Frage, warum dieses Virus nicht auch geblockt wird durch unser Verhalten und die AHA-Regeln. Das m√ľssen wir in den n√§chsten Wochen und Monaten beobachten."

"Grippeviren nicht so ansteckend wie SARS-CoV-2"

Der Kardiologe Prof. Dr. med. Thomas Voigtl√§nder hingegen meint im Interview mit t-online: "Das Risiko, sich in dieser Grippesaison mit Influenza anzustecken, d√ľrfte durch die verst√§rkten Hygienema√ünahmen geringer sein als √ľblich." Zudem seien Grippeviren nicht so ansteckend wie SARS-CoV-2, so Voigtl√§nder, der stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung und √Ąrztlicher Direktor des Agaplesion-Bethanien-Krankenhauses und Cardioangiologischen Centrums Bethanien (CCB) in Frankfurt am Main ist.

Dennoch mahnt er, dass Corona-Risikopatienten im Herbst und Winter noch vorsichtiger sein sollten, wenn neben dem Coronavirus auch die Grippe und Erk√§ltungen zunehmen: "Wenn sich der K√∂rper mit mehreren Viren gleichzeitig auseinandersetzen muss, wird er noch mehr belastet. Darum ist sowohl eine Grippe- und auch eine Pneumokokken-Impfung f√ľr Risikopatienten ab 60 Jahren dringend zu empfehlen."

Blick in andere L√§nder: Australien, S√ľdafrika

Auf der S√ľdhalbkugel ist der Winter nun bald vorbei und mit ihm auch die Grippesaison. Doch Studien zeigen, dass diese in diesem Jahr beispielsweise in Australien fast ganz ausgeblieben ist. Das zeigen beispielsweise Grafiken der WHO, in denen die Grippezahlen in Australien in diesem Jahr deutlich unter denen der Vorjahre lagen. Von Juni bis August, der Hoch-Zeit der Grippe in Australien gab es beispielsweise nur etwa halb so viele F√§lle wie in der vergangenen Grippesaison.

Noch deutlicher zeigt die graphische Auswertung der WHO, wie die Grippe in S√ľdafrika in diesem Jahr zur√ľckgegangen ist. Zum H√∂hepunkt der Influenza gab es 2020 kaum messbare Werte.

Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weist allerdings auch darauf hin, dass die aktuellen Daten zur Grippe "mit Vorsicht interpretiert werden" sollten. Die Corona-Pandemie habe in unterschiedlichem Maße sowohl das Gesundheitswesen als auch die Testkapazitäten in den Mitgliedsstaaten beeinflusst. Zusätzlich vermutet auch die WHO, dass die Hygiene- und Abstandsregelungen zum Schutz vor dem Coronavirus auch eine Rolle bei der Übertragung der Influenzaviren gespielt haben könnten.

Weltweit gab es demnach weniger Influenza-F√§lle, als erwartet waren. Wo die Influenza-Saison noch nicht begonnen hat, werden sehr wenige F√§lle gemeldet und auch dort, wo die Saison bereits vor√ľber ist, gab es weniger Influenza-Kranke als in den vergangenen Jahren. In der Karibik und Mittelamerika wurden laut WHO gar keine Influenza-F√§lle gemeldet. Im tropischen S√ľdamerika, in den Tropen von Afrika und S√ľdasien habe es ebenfalls keine oder nur selten Influenza-F√§lle gegeben. Auch schwere akute Atemwegsinfektionen habe es in einigen L√§ndern weniger gegeben, hei√üt es von der WHO.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte √Ąrzte. Die Inhalte von t-online k√∂nnen und d√ľrfen nicht verwendet werden, um eigenst√§ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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  • Sandra Simonsen
Von Sandra Simonsen
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