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Corona: Dieser Impfstoff verursacht am häufigsten Nebenwirkungen

Biontech, Moderna, Astrazeneca, J&J  

Dieser Corona-Impfstoff verursacht am häufigsten Nebenwirkungen

26.09.2021, 12:30 Uhr
Corona: Dieser Impfstoff verursacht am häufigsten Nebenwirkungen. Corona-Impfung: Jede Schutzimpfung kann unerwünschte Reaktionen auslösen.  (Quelle: dpa/Christopher Neundorf)

Corona-Impfung: Jede Schutzimpfung kann unerwünschte Reaktionen auslösen. (Quelle: Christopher Neundorf/dpa)

Viele Menschen beschäftigt die Frage, welche Impfreaktionen bei den Covid-19-Impfstoffen üblich sind – und welche seltenen Nebenwirkungen bisher gemeldet wurden. Das Paul-Ehrlich-Institut hat nun neue Zahlen veröffentlicht.

In Deutschland überwacht das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) die Sicherheit von Impfstoffen und Arzneimitteln. Dazu sammelt und bewertet die Abteilung Arzneimittelsicherheit Meldungen zu unerwünschten Effekten. Regelmäßig werden Sicherheitsberichte veröffentlicht, die auch alle in Deutschland gemeldeten Verdachtsfälle von Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen in Zusammenhang mit Covid-19-Impfungen enthalten.

Wichtig: Die folgenden Daten beziehen sich auf den aktuellen Sicherheitsbericht des PEI. Dieser betrachtet den Zeitraum vom 27.12.2020 bis zum 31.08.2021.

Bis zum 31. August wurden nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) rund 101,8 Millionen Impfungen in Deutschland durchgeführt, bis heute (Stand 24. September 2021) waren es bereits mehr als 106,6 Millionen Dosen. Der bislang am häufigsten verabreichte Impfstoff ist BNT162b2 von Biontech/Pfizer. Dahinter folgen das Moderna-Vakzin und die Vektorvirenimpfstoffe von Astrazeneca und Johnson & Johnson.

Verdachtsfälle von Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen nehmen mit dem Fortschreiten der Impfkampagne zu, wie der aktuelle Sicherheitsbericht des Paul-Ehrlich-Instituts zeigt: Das PEI listet darin 156.360 solcher Verdachtsfälle, die im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung stehen. 15.122 (9,7 Prozent) davon wurden als schwerwiegend eingestuft. Als schwerwiegende Reaktionen gelten laut PEI solche, bei denen die Personen im Krankenhaus behandelt werden oder Reaktionen, die als medizinisch bedeutsam eingeordnet wurden.

Die zehn häufigsten Nebenwirkungen der Corona-Impfung

Bei den derzeit verimpften Corona-Wirkstoffen von Biontech/Pfizer, Moderna, Astrazeneca und Johnson & Johnson wurden unterschiedliche Impfreaktionen und Nebenwirkungen gemeldet. Nach Angaben des PEI handelt es sich dabei vor allem um "vorübergehende Lokalreaktionen und Allgemeinreaktionen", die bereits in klinischen Untersuchungen aufgefallen sind. Sie seien harmlos und nicht mit schwereren oder länger andauernden Erkrankungen verbunden.

Zu den zehn häufigsten Impfreaktionen bei allen in Deutschland zugelassenen Impfstoffen gehören demnach:

  1. Müdigkeit
  2. Kopfschmerzen
  3. Schmerzen an der Einstichstelle
  4. Örtliche Reaktion an der Impfstelle
  5. Fieber
  6. Muskelschmerzen
  7. Schüttelfrost
  8. Schwindelgefühl
  9. Gliederbeschwerden
  10. Unwohlsein

Welches Mittel verursacht am häufigsten Nebenwirkungen?

Die prozentual meisten Meldungen zu Verdachtsfällen von Nebenwirkungen nach einer Corona-Impfung erhält das Paul-Ehrlich-Institut bisher zum Mittel von Astrazeneca. Das zeigt die folgende Tabelle, die sich auf Daten bis zum 31. August stützt:

Fälle pro 1.000 ImpfungenDurchschnittBiontech/PfizerModernaAstrazenecaJohnson & Johnson
insgesamt1,51,12,63,31,7
schwerwiegend0,150,10,10,40,1

Bei Impfungen mit dem Vektorimpfstoff von Astrazeneca soll es vor allem häufiger zu Fieber, Schüttelfrost und Kopfscherzen gekommen sein. Allerdings muss das nach Meinung des PEI nicht automatisch bedeuten, dass das Vakzin schlechter verträglich ist als die anderen Corona-Impfstoffe.

Frauen haben insgesamt deutlich häufiger Verdachtsfälle einer Nebenwirkung berichtet als Männer. Ob die Verdachtsfallmeldungen nach der ersten oder zweiten Impfung erfolgt sind, kann das PEI nicht immer eindeutig feststellen, da teilweise die Angabe dazu in den Berichten fehlt.

Sind geschwollene Lymphknoten ein Grund zur Besorgnis?

Eine Impfung gegen Covid-19 kann Fallberichten zufolge auch zu geschwollenen Lymphknoten unter den Armen führen. Meist treten diese wenige Tage nach der Impfung auf. Doch für Betroffene sind sie im Normalfall kein Grund zur Sorge, so Mediziner. Denn Lymphknotenschwellungen seien genau wie Schmerzen an der Einstichstelle generell häufige Nebenwirkungen von Impfungen und daher keineswegs ungewöhnlich.

Diese Reaktionen zeigen, dass der Körper die Information über den Krankheitserreger, gegen den die Impfung wirken soll, verarbeitet. Das Immunsystem reagiert genau richtig: Es produziert Antikörper, die bei einer möglichen Infektion mit SARS-CoV-2 schützen. Verschwindet der geschwollene Lymphknoten aber nicht nach einiger Zeit von selbst, sollten Sie ärztlichen Rat einholen.

Corona-Impfung in einer Hausarztpraxis: Welche Impfreaktionen und Nebenwirkungen wurden bislang beobachtet? (Quelle: dpa/Nicolas Armer)Corona-Impfung in einer Hausarztpraxis: Welche Impfreaktionen und Nebenwirkungen wurden bislang beobachtet? (Quelle: Nicolas Armer/dpa)

Das ist über schwerwiegende Nebenwirkungen bekannt

Auch wenn die häufigsten Nebenwirkungen harmlos und vorübergehend sind, kommt es in seltenen Fällen auch zu schweren unerwünschten Reaktionen nach der Covid-19-Impfung.

Hirnvenenthrombosen nach Covid-Impfungen

Die Impfungen mit dem Mittel von Astrazeneca waren Mitte März vorübergehend ausgesetzt worden, Ende März wurde das Mittel nur noch für eine bestimmte Altersgruppe empfohlen. Grund dafür sind sogenannte Sinusvenenthrombosen mit begleitender Thrombozytopenie, zum Teil auch mit Blutungen, die in Deutschland und anderen europäischen Ländern sehr selten nach der Impfung mit Astrazeneca beobachtet wurden.

Bis zum Berichtszeitpunkt wurden dem Paul-Ehrlich-Institut 174 Fälle einer Hirnvenenthrombose berichtet, die nach Impfung mit Astrazeneca auftraten. 103 davon bei Frauen und 70 bei Männern. Nach Impfung mit dem Covid-19-Impfstoff von J&J wurden 13 Fälle gemeldet, nach Biontech/Pfizer 24 Fälle und nach Moderna-Impfungen drei Fälle.


Das PEI und die Europäische Arzneimittelagentur Ema haben einen kausalen Zusammenhang zwischen der Impfung und den unerwünschten Reaktionen als möglich angesehen. Dennoch übertreffe der Nutzen des Impfstoffs die möglichen Risiken bei Weitem.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) änderte daraufhin Ende März ihre Impfempfehlung für Deutschland: Astrazeneca und auch Johnson & Johnson sollen nun nur an über 60-jährige Personen verimpft werden. Gleichzeitig wurden die Impfstoffe für alle freigegeben. Wenn sich Jüngere dafür entscheiden, sollen eine ärztliche Aufklärung und individuelle Risikoanalyse stattfinden.

Mehr Anaphylaxie-Fälle nach Impfung mit mRNA-Vakzinen

Im Zusammenhang mit den mRNA-Impfstoffen fällt auch immer wieder der Begriff Anaphylaxie. Damit ist eine plötzlich auftretende, starke allergische Reaktion gemeint, die sich auf den ganzen Körper ausbreiten kann. Schuld daran sind bestimmte Antikörper, die das Immunsystem "versehentlich" gegen eigentlich harmlose Substanzen gebildet hat.

In Deutschland sind bis Ende August etwa sechs Fälle auf eine Million Erstimpfungen für jeden der beiden mRNA-Impfstoffe und etwa ein bis zwei Fälle auf eine Million Zweitimpfungen gemeldet worden. Für den Astrazeneca-Impfstoff liegt die Melderate etwa gleich hoch wie für die beiden mRNA-Impfstoffe und mit drei Fällen pro eine Million Impfungen etwas niedriger für den Covid-19-Impfstoff von Johnson & Johnson.

Zu den Anzeichen einer anaphylaktischen Reaktion zählen:

  • Kratzen im Hals
  • Schwellung der Zunge und des Rachens
  • Heiserkeit
  • erschwerte Atmung
  • Hautrötungen

Bei einer milden Form klingen die Beschwerden nach wenigen Stunden oder Tagen ab. Bei ernsten Verläufen können Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Herzrasen, Krämpfe oder Atemnot hinzukommen. Im schlimmsten Fall droht ein Kreislaufzusammenbruch mit Todesfolge.

Ampullen mit dem Corona-Impfstoff von Biontech, Astrazeneca und Moderna: Sie werden derzeit in Deutschland verimpft. (Quelle: dpa/Matthias Bein)Ampullen mit den Corona-Impfstoffen von Biontech, Astrazeneca und Moderna: Sie werden derzeit in Deutschland verimpft. (Quelle: Matthias Bein/dpa)

Herzerkrankungen nach Impfung weiter unter Beobachtung

Weitere Impfnebenwirkungen, die das Paul-Ehrlich-Institut genauer betrachtet, sind eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) und/oder eine Entzündung des Herzbeutels (Perikarditis). In den vergangenen Wochen erhielt das PEI dazu zunehmend Meldungen. Die berichteten Fälle traten in Übereinstimmung mit anderen, internationalen Daten überwiegend bei männlichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen ab 16 Jahren auf.

Myokarditis ist eine Sammelbezeichnung für entzündliche Erkrankungen des Herzmuskels. Unterschieden wird zwischen akuten und chronischen Formen der Herzmuskelentzündung, wobei die akute Myokarditis in eine chronische übergehen kann. Viele Herzmuskelentzündungen verlaufen symptomlos oder mit unspezifischen Symptomen. Sie können auch lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auslösen.

Dem Paul-Ehrlich-Institut wurden bis zum 31. August insgesamt 792 Fälle einer Myokarditis und/oder Perikarditis in Deutschland gemeldet, die im zeitlichen Zusammenhang mit einer Impfung gegen Covid-19 stehen. Die Mehrzahl der Berichte bezieht sich auf die mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna. Dem PEI zufolge hatten die meisten Betroffenen, die sich in ärztliche Behandlung begaben, eine prompte Besserung durch Medikamente und Ruhe.

Es wurden aber auch 13 Todesfälle im zeitlichen Zusammenhang mit der Covid-19-Impfung gemeldet: acht Männer und fünf Frauen im Alter von 34 bis 87 Jahren. Nach Angaben des PEI konnte in keinem der Fälle ein ursächlicher Zusammenhang mit der Impfung festgestellt werden, da "andere Ursachen, die zum Teil im Rahmen einer Autopsie festgestellt wurden, wahrscheinlicher waren oder weil die klinischen Informationen so limitiert waren, dass eine Bewertung des Zusammenhangs nicht möglich war.

Guillain-Barré-Syndrom bei Vektorimpfstoffen

Darüber hinaus beobachtet das PEI auch Fälle des Guillain-Barré-Syndroms (GBS), das als Komplikation von Infektionen und Impfungen auftreten kann. Die meisten wurden in Zusammenhang mit der Gabe von Astrazeneca gemeldet. Doch auch nach Impfungen mit Johnson & Johnson traten GBS-Fälle auf. Insgesamt liegt die Melderate bei einem GBS pro etwa 100.000 Impfungen.

Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) ist eine seltene Nervenerkrankung, bei der das eigene Immunsystem die Ummantelung der Nervenzellen attackiert. Das typische Symptom ist eine an den Händen oder Füßen beginnende Lähmung und Sensibilitätsstörung, die sich langsam über den gesamten Körper ausbreiten kann. Die meisten Patienten erholen sich vollständig von der Erkrankung, sie kann aber auch tödlich enden.

Berichte über Zyklusstörungen nach der Corona-Impfung

Das PEI hat sich auch mit Meldungen zu Zyklusstörungen bei Frauen befasst, etwa starke oder unregelmäßige Menstruationsblutungen, postmenopausale Blutungen oder eine schmerzhafte Menstruation. Hierzu gab es insgesamt 310 Meldungen – 157 davon nach Impfungen mit Biontech/Pfizer.

Aufgrund der Zahl der geimpften Frauen und der generellen Häufigkeit von Zyklusstörungen sieht das PEI hier derzeit kein Risikosignal. Mehr dazu lesen Sie hier.

Johnson & Johnson: Immunerkrankung, Schwindel und Tinnitus

Der Corona-Impfstoff des US-Herstellers Johnson & Johnson kann nach Erkenntnissen der Europäischen Arzneimittelagentur von Anfang August in seltenen Fällen zu der Immunerkrankung Immunthrombozytopenie (ITP) sowie zu Schwindel und Tinnitus (Ohrensausen) führen.

Die Produktinformationen für das Vakzin namens Janssen sollten um Hinweise auf die Möglichkeit derartiger Nebenwirkungen ergänzt werden, erklärte die Agentur. Sie stützte sich auf eine Empfehlung des Ema-Ausschusses zur Risikobewertung von Arzneimittelwirkungen (PRAC). Der Nutzen des Impfstoffs überwiege aber weiterhin die Risiken. 

Bei der Immunthrombozytopenie greife das Immunsystem fälschlicherweise die für die normale Blutgerinnung wichtigen Thrombozyten (Blutplättchen) an und zerstöre sie. Der Ausschuss stützte seine Empfehlung auf die Auswertung gemeldeter Nebenwirkungen in Datenbanken der EU, der USA sowie des Herstellers Johnson & Johnson.

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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