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Hebephrene Schizophrenie: Symptome, Ursachen und Verlauf

Keine "klassische" Schizophrenie  

So äußert sich eine hebephrene Schizophrenie

Hebephrene Schizophrenie: Symptome, Ursachen und Verlauf. Ein Mann in Psychotherapie: Bei einer hebephrenen Schizophrenie ist das Gemüts- und Gefühlsleben beeinträchtigt. (Quelle: Getty Images/KuznetsovDmitry)

Ein Mann in Psychotherapie: Bei einer hebephrenen Schizophrenie ist das Gemüts- und Gefühlsleben beeinträchtigt. (Quelle: KuznetsovDmitry/Getty Images)

Mit Schizophrenie verbinden wohl die meisten Menschen Halluzinationen oder Wahnvorstellungen. Doch die hebephrene Schizophrenie zeigt sich anders: Erkrankte fallen durch fehlende oder unpassende Gefühlsregungen, Denkstörungen und eine gewisse "Verschrobenheit" auf.

Die hebephrene Schizophrenie ist auch unter dem Begriff desorganisierte Schizophrenie oder Hebephrenie bekannt. Betroffene wirken unorganisiert, wirr und ziellos. Emotionen zeigen sie kaum – und wenn, dann sind diese oft der Situation unangemessen. Zum Beispiel kann es vorkommen, dass die Erkrankten in einem todtraurigen Moment anfangen zu kichern.

Die hebephrene Schizophrenie entspricht damit nicht unbedingt dem Bild, das Laien von einer Schizophrenie haben. Viele glauben, dass Wahnvorstellungen (etwa Verfolgungswahn) oder Halluzinationen (zum Beispiel Stimmenhören) immer zu einer Schizophrenie dazugehören. Und in der Tat ist dies bei den meisten Erkrankten der Fall. Diese "klassische" Form wird als paranoide Schizophrenie bezeichnet.

Doch eine Schizophrenie kann sich sehr unterschiedlich äußern. Bei der hebephrenen Schizophrenie leiden Betroffene weniger unter Wahn und Halluzinationen. Vielmehr stehen andere Symptome im Vordergrund der Erkrankung.

Die hebephrene Schizophrenie bricht oft schon im Jugendalter aus. Dies wird auch anhand des Krankheitsnamens deutlich: "Hebephren" leitet sich aus den griechischen Begriffen für Jugend ("hebé") und Geist ("phren") ab.

Wichtige Information
Künftig unterscheiden Ärztinnen und Ärzte meist nicht mehr zwischen den einzelnen Verlaufsformen einer Schizophrenie, wenn sie die Diagnose stellen. Das liegt unter anderem daran, dass sich die Formen nicht immer voneinander abgrenzen lassen und teils ineinander übergehen können. Dennoch kann es zum besseren Verständnis sinnvoll sein, eine grobe Unterscheidung vorzunehmen.

Diese Symptome weisen auf hebephrene Schizophrenie hin

Die ersten Symptome einer hebephrenen Schizophrenie zeigen sich meist in der Pubertät oder im frühen Erwachsenenalter zwischen 15 und 25 Jahren. Besonders beeinträchtigt sind das Gefühlsleben, das Denken und der Antrieb.

Auf Außenstehende wirken Menschen mit hebephrener Schizophrenie verwirrt, desorientiert, verschroben und skurril. Erkrankte zeigen oft schon zu Beginn der Erkrankung einen flachen Affekt. Das bedeutet: Sie reagieren emotional kaum auf äußere Reize, etwa mit Freude oder Trauer.

Sie ziehen sich weitgehend von anderen zurück und haben immer weniger soziale Kontakte, sodass sie bisweilen als Eigenbrötler gelten.

Betroffene wirken verschroben und unreif

Es kommt aber auch vor, dass Betroffene sehr unangemessene, unreife und oft kindisch-alberne Reaktionen zeigen. Fachleute sprechen von einem läppischen Affekt. Zum Beispiel fangen die Erkrankten während eines Gesprächs grundlos an zu kichern. Sie können aber auch depressiv und antriebslos wirken.

Ein Mann streckt die Zunge heraus: Menschen mit hebephrener Schizophrenie zeigen oft ein kindisches und unpassendes Verhalten. (Quelle: Getty Images/mheim3011)Ein Mann streckt die Zunge heraus: Menschen mit hebephrener Schizophrenie zeigen oft ein kindisches und unpassendes Verhalten. (Quelle: mheim3011/Getty Images)

Nicht selten kommt eine hebephrene Schizophrenie auch körperlich und im Verhalten zum Ausdruck. Zum Beispiel ziehen die Betroffenen plötzlich Grimassen, strecken die Zunge heraus oder machen Faxen. Ihre Mimik, Gestik, Sprechweise, aber auch ihre Bewegungen können gekünstelt, bizarr und übertrieben wirken. Fachleute sprechen von Manierismen.

Manche Patientinnen und Patienten fallen zudem durch unsoziales, verantwortungsloses und flegelhaftes Verhalten auf.

Formale Denkstörungen: Gedankengänge wirken unlogisch

Eine hebephrene Schizophrenie wirkt sich auf das Denken und den Denkablauf aus. Fachleute sprechen von formalen Denkstörungen. Die Gedankengänge der Betroffenen erscheinen zerfahren, unlogisch und zusammenhangslos.

Das schlägt sich auch in der Sprache nieder. Zum Beispiel brechen die Erkrankten ihre Schilderungen mitten im Satz ab. Oder sie vermischen mehrere Inhalte in einem Satz. Oft besteht ihre Sprache auch nur aus scheinbar willkürlich aneinandergereihten Worten oder Floskeln. Mitunter verwenden sie Worte oder Wortkombinationen, die es gar nicht gibt. Außenstehende können ihren Ausführungen daher meist nicht oder nur schwer folgen.

Weitere mögliche Symptome einer hebephrenen Schizophrenie

Bei der "klassischen" paranoiden Form der Schizophrenie verstricken sich die Erkrankten oft in ausgeprägte und in sich geschlossene Wahnvorstellungen. So glauben sie zum Beispiel, Ziel einer Verschwörung zu sein, und steigern sich immer wieder in diese Vorstellung hinein.

Auch im Rahmen einer hebephrenen Schizophrenie können solche Wahnvorstellungen auftreten. Es handelt sich im Gegensatz zur paranoiden Form jedoch eher um flüchtige, wenig "durchdachte" Inhalte, die sich rasch verändern.

Halluzinationen wie zum Beispiel Stimmenhören treten bei einer hebephrenen Schizophrenie eher selten auf. Bei manchen Betroffenen ist die Körperwahrnehmung gestört. Zum Beispiel empfinden sie ein Kribbeln oder sie haben das Gefühl, ihr Körper würde schrumpfen. Auch haben sie häufiger Angst, an einer körperlichen Krankheit zu leiden.

Wichtige Information
Betroffene haben in akuten Krankheitsphasen in der Regel keine oder nur wenig Krankheitseinsicht. Das heißt: Sie sind sich ihrer Erkrankung nicht bewusst.

Erste Anzeichen oft schon vor der Pubertät

Schon vor Beginn der Erkrankung lassen sich rückblickend Anzeichen ausmachen, die den Ausbruch der hebephrenen Schizophrenie angekündigt haben. Diese Anzeichen können bereits Jahre oder Monate vorher auftreten. Fachleute sprechen dann von einer Prodromalphase.

In der Prodromalphase ziehen sich die betroffenen Personen immer weiter von Freunden und Bekannten zurück. Sie haben zunehmend Probleme, sich sozial zu integrieren. Solche Symptome können viele Ursachen haben und sind nicht als Beweis für eine spätere Schizophrenie anzusehen. Vielmehr lässt sich erst im Nachhinein sagen, ob es sich um eine Prodromalphase gehandelt hat.

Hebephrenie: So stellt der Arzt die Diagnose

In der Regel ist es eine Fachärztin oder ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, die oder der die Diagnose stellt. Dabei orientiert sie oder er sich an international anerkannten Klassifikationssystemen. Dort ist definiert, welche Kriterien erfüllt sein müssen, um eine Schizophrenie diagnostizieren zu können.

Erste Hinweise auf eine mögliche hebephrene Schizophrenie ergeben sich aus einem Gespräch und aus Beobachtungen. Zum Beispiel bemerkt die Ärztin oder der Arzt, dass die Gefühlsregungen der Person nicht zur Situation passen. Berichte von Angehörigen können weitere wichtige Hinweise geben.

Wichtig für die Diagnose ist auch das Alter der Person: In der Regel setzen die Symptome einer hebephrenen Schizophrenie bereits in oder kurz nach der Pubertät ein und nicht etwa erst im höheren Erwachsenenalter. Zusätzlich können verschiedene Fragebogen und andere psychologische Tests zum Einsatz kommen.

Im Anschluss folgen verschiedene körperliche und neurologische Untersuchungen – zum Beispiel eine Blutprobe und eine Magnetresonanztomografie (MRT) oder eine Computertomografie (CT) des Kopfes. Solche Untersuchungen sind vor allem wichtig, um andere Ursachen auszuschließen. Zum Beispiel können bestimmte Erkrankungen des Hirns zu ähnlichen Symptomen führen, aber auch Missbrauch von Drogen wie zum Beispiel Halluzinogenen oder Amphetaminen.

Ursachen einer hebephrenen Schizophrenie

Eine (hebephrene) Schizophrenie ist nicht auf eine einzelne Ursache zurückzuführen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen davon aus, dass mehrere Faktoren zusammentreffen müssen, damit die Erkrankung ausbricht und aufrechterhalten wird.

Fest steht, dass Veranlagung zu einer der Ursachen zählt: Sind oder waren Familienmitglieder an Schizophrenie erkrankt, ist das eigene Risiko erhöht. Die betroffenen Personen reagieren dann von Natur aus besonders empfindsam (vulnerabel) auf psychische und körperliche Belastungen. 

Männliche Zwillinge: Ist ein Zwilling an hebephrener Schizophrenie erkrankt, ist das Risiko für das Geschwisterkind erhöht.  (Quelle: Getty Images/35007)Männliche Zwillinge: Ist ein Zwilling an hebephrener Schizophrenie erkrankt, ist das Risiko für das Geschwisterkind erhöht. (Quelle: 35007/Getty Images)

Neben einer genetischen Veranlagung scheinen auch Auffälligkeiten im Hirnstoffwechsel eine Rolle zu spielen: Bestimmte Botenstoffe im Hirn, die Informationen von einer Nervenzelle zur nächsten weiterleiten, sind aus der Balance geraten (etwa Dopamin). Zudem weisen Menschen mit Schizophrenie Veränderungen in bestimmten Hirnstrukturen auf – etwa im limbischen System, in welchem unter anderem Emotionen verarbeitet werden.

Stress und psychosoziale Belastungen sind nicht als direkte Ursachen einer Schizophrenie anzusehen. Aber: Sie können dazu führen, dass die Erkrankung bei entsprechend anfälligen Personen zum Ausbruch kommt. Als mögliche Auslöser gelten etwa Konflikte im Elternhaus, der Beginn eines neuen Lebensabschnitts (etwa der erste Job) oder sehr belastende Ereignisse. Auch Drogenkonsum gilt als möglicher auslösender Faktor.

Behandlung einer hebephrenen Schizophrenie

Menschen mit hebephrener Schizophrenie müssen zu Beginn häufig in einer psychiatrischen Klinik behandelt werden. Bei der Therapie einer Schizophrenie spielen Medikamente eine wichtige Rolle. Dazu zählen insbesondere Antipsychotika. Sie können die Erkrankung nicht heilen. Jedoch lassen sich damit die Symptome lindern. Häufig nehmen Patientinnen und Patienten die Medikamente dauerhaft ein.

Im Gegensatz zu anderen Verlaufsformen der Schizophrenie helfen Antipsychotika bei einer hebephrenen Schizophrenie oft weniger gut. Insbesondere Symptome wie verminderte Gefühlsregungen oder Rückzug lassen sich dadurch kaum beeinflussen. Antipsychotika zeigen vor allem bei sogenannten positiven Symptomen wie Wahnvorstellungen und Halluzinationen Wirkung, welche bei der hebephrenen Form jedoch weniger im Vordergrund stehen.

Neben der medikamentösen Behandlung kann eine psychotherapeutische Begleitung sinnvoll sein. Dabei kann es hilfreich sein, auch Angehörige in die Therapie einzubeziehen. Je besser nahestehende Personen die Erkrankung verstehen, desto eher können sie der betroffenen Person Hilfestellung geben.

Verlauf einer hebephrenen Schizophrenie

Eine hebephrene Schizophrenie nimmt häufig einen chronischen Verlauf. Betroffene haben oft dauerhaft Beschwerden. Das liegt unter anderem daran, dass die Symptome kaum mithilfe von Medikamenten beeinflusst werden können.

Im Vergleich zu anderen Verlaufsformen wie der paranoiden Schizophrenie, bei der sich Erkrankte zwischen einzelnen Krankheitsschüben oft wieder erholen, ist die Prognose daher schlechter.

Viele Patientinnen und Patienten benötigen dauerhaft Hilfe im Alltag, zum Beispiel durch betreutes Wohnen.

Verwendete Quellen:
  • Schizophrenie. Online-Informationen von AMBOSS: www.amboss.com (Stand: 18.6.2021)
  • S3-Leitlinie Schizophrenie (PDF). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V. (DGPPN). AWMF -Register-Nr. 038/009 (15.3.2019)
  • Schizophrenie. Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 28.11.2018)
  • Paranoide Schizophrenie. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: September 2018)
  • Payk, T., Brüne, M.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2017
  • Robert-Koch-Institut: Schizophrenie. Gesundheitsbericht des Bundes, Heft 50, Berlin 2010
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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