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So schnell lÀsst der Impfschutz nach

  • Melanie Rannow
  • Sandra Simonsen
Von Melanie Rannow, Sandra Simonsen

Aktualisiert am 10.12.2021Lesedauer: 5 Min.
3D-Darstellung des Coronavirus: Mit dem Aufkommen der neuen Varianten sinkt offenbar die Schutzwirkung der gÀngigen Impfstoffe.
3D-Darstellung des Coronavirus: Mit dem Aufkommen der neuen Varianten sinkt offenbar die Schutzwirkung der gÀngigen Impfstoffe. (Quelle: /imago-images-bilder)
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Mittlerweile ist klar, dass erst die Booster-Impfung ausreichend Schutz gegen eine Infektion bietet. Doch das gilt womöglich nur fĂŒr die Delta-Variante, nicht aber fĂŒr Omikron. Was bedeutet das?

Das Wichtigste im Überblick


  • Wann das Risiko einer Infektion mit Delta nach vollstĂ€ndiger Impfung steigt
  • Auswirkungen der Omikron-Variante auf den Impfschutz
  • Durchbruchsinfektionen: Warum die Impfung trotzdem schĂŒtzt

Inzwischen rollt neben der vierten Corona-Welle auch die Booster-Welle in Deutschland: Mindestens 16,6 Millionen Menschen, also 20 Prozent der Gesamtbevölkerung, haben bereits eine Auffrischungsimpfung erhalten (Stand 9. Dezember 2021). Und die Nachfrage steigt.


Booster-Impfung: FĂŒr wen sie besonders wichtig ist

Senior: Über 80-JĂ€hrige sollten sich den dritten Piks abholen, weil bei ihnen die Immunantwort nach der Impfung oft nicht so stark ausfĂ€llt. Zudem zĂ€hlen sie generell zu den Risikogruppen fĂŒr einen schweren Verlauf von Covid-19. (Symbolbild)
Tabletteneinnahme: Bestimmte Medikamente wie Immunsuppressiva fĂŒhren zu einer ImmunschwĂ€che. Diese wiederum kann die Wirkung der Corona-Impfung beeintrĂ€chtigen. Allen Personen mit ImmunschwĂ€che wird deshalb eine Booster-Impfung empfohlen. (Symbolbild)
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Empfohlen wird der Booster mittlerweile allen Geimpften – und inzwischen ist auch klar, dass die zunĂ€chst vorgeschriebenen sechs Monate nicht zwingend eingehalten werden mĂŒssen. Angesichts der sich ausbreitenden neuen Omikron-Variante könnte nun ohnehin eine ganz neue Herangehensweise nötig werden.

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Biontech-Chef Uğur ƞahin sagte in einem Interview mit dem Spiegel: "Wenn sich Omikron, wie es aussieht, weiter ausbreitet, wĂ€re es wissenschaftlich sinnvoll, bereits nach drei Monaten einen Booster anzubieten", so ƞahin. Eine Doppelimpfung biete gegen Omikron keinen ausreichenden Schutz.

Wann das Risiko einer Infektion mit Delta nach vollstÀndiger Impfung steigt

Eine Untersuchung aus Israel hat bereits vor der Ausbreitung von Omikron ergeben, dass die Schutzwirkung nach der Zweitimpfung mit Biontech/Pfizer offenbar frĂŒher schwindet als gedacht – zumindest bei einigen Geimpften. Das Risiko einer Corona-Infektion steigt demnach bereits ab 90 Tagen nach Erhalt der zweiten Dosis allmĂ€hlich an. Das bestĂ€tigen die Forscher im englischsprachigen Fachblatt "The BMJ".

FĂŒr ihre Analyse wurden Daten von mehr als 80.000 Erwachsenen mit einem Durchschnittsalter von 44 Jahren ausgewertet. Mindestens drei Wochen nach ihrer Zweitimpfung mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer wurde bei ihnen ein PCR-Test durchgefĂŒhrt. Dabei zeigte sich, dass der Anteil der ImpfdurchbrĂŒche mit positivem Ergebnis mit der Zeit zunahm.

21 bis 89 Tage nach der Zweitdosis wurden 1,3 Prozent der Teilnehmer positiv getestet, 90 bis 119 Tage nach der zweiten Dosis waren es schon 2,4 Prozent. In den darauffolgenden ZeitrÀumen stieg der Anteil auf 4,6 Prozent (120 bis 149 Tage), 10,3 Prozent (150 bis 179 Tage) und 15,5 Prozent (mehr als 180 Tage).

Das Infektionsrisiko war damit im Vergleich zu den ersten 90 Tagen nach der Zweitimpfung ĂŒber alle Altersgruppen hinweg nach 90 bis 119 Tagen auf mehr als das Doppelte angestiegen. In den spĂ€teren ZeitrĂ€umen stieg es sogar bis auf fast das Dreifache an.

Wichtig: Die Werte gelten nur fĂŒr den Impfstoff von Biontech. Es ist jedoch laut "Ärzteblatt" anzunehmen, dass sie fĂŒr den mRNA-Impfstoff von Moderna und die vektorbasierten Impfstoffe Ă€hnlich sind.

Dritte Welle in Israel vor allem durch ImpfdurchbrĂŒche

Diese Zahlen zeigen, wie es trotz einer hohen Impfquote zu der erneuten Erkrankungswelle in Israel kommen konnte. Das Land war im Dezember 2020 eines der ersten LĂ€nder, das seine Bevölkerung gegen Covid-19 impfte und schien lange vor weiteren Corona-Wellen geschĂŒtzt.

Doch im Juli 2021 stiegen die Infektionszahlen wieder rasch an. Getragen wurde die dritte Welle vor allem durch zahlreiche ImpfdurchbrĂŒche. Denn nach einer vollstĂ€ndigen Impfung – so zeigt es die Studie – kann die Schutzwirkung schneller sinken als gedacht. Die Studienautoren kamen zu dem relativ vorsichtigen Schluss, "dass eine dritte Impfstoffdosis in Betracht gezogen werden sollte".

FrĂŒheres Boostern könnte sinnvoll sein

Einen Zeitpunkt fĂŒr den Booster nannten sie aber nicht, zumal die Studie nur die Ansteckung mit dem Virus untersucht habe, nicht aber Auswirkungen auf schwere VerlĂ€ufe und Sterblichkeit. Dass eine Auffrischungsimpfung den Schutz vor Covid-19 deutlich erhöht, gilt aber als bewiesen.

So konnten ebenfalls Wissenschaftler aus Israel erste Effekte der Booster sieben bis zwölf Tage nach der Drittimpfung feststellen. Dann zeigten sich wieder mehr neutralisierende Antikörper im Blut der Probanden. Doch diese Antikörper können nur bedingt Auskunft ĂŒber den Immunschutz geben. Es ist daher noch offen, wann der Impfschutz nach der Booster-Impfung wieder sein Maximum erreicht.

Auswirkungen der Omikron-Variante auf den Impfschutz

Auch, wenn die Omikron-Variante bisher nur vereinzelt FÀlle in Deutschland ausgelöst hat, erklÀrte der Pharmazie-Professor Thorsten Lehr am 9. Dezember in einem Interview mit der ARD, dass die deutlich ansteckendere Variante bereits bis Jahresende zur vorherrschenden Mutante in Deutschland werden könnte.

In SĂŒdafrika treibt Omikron bereits die Infektionszahlen in die Höhe. Im nationalen Epizentrum des Infektionsgeschehens – dem Großraum um Johannesburg und Pretoria (Gauteng-Provinz) – seien die Fallzahlen im Wochenvergleich um 400 Prozent gestiegen, teilte am Freitag Gesundheitsminister Joe Phaahla mit. Tests zeigten, dass hinter rund 70 Prozent der FĂ€lle die Omikron-Variante steckte.

Angesichts der raschen Ausbreitung dieser Variante fordert auch der Virologe Christian Drosten jetzt schnelle Auffrischungsimpfungen. "Jeder, der kann, soll sich jetzt sofort boostern lassen", sagt er in der ARD. Es gebe ein großes Problem mit der Impfquote, gerade bei den ĂŒber 60-JĂ€hrigen gebe es eine große ImpflĂŒcke.

Drosten wies darauf hin, dass die ImmunitĂ€t der Geimpften bei Omikron zwar deutlich schwĂ€cher als bei anderen Varianten reagiert. Trotzdem seien die KrankheitsverlĂ€ufe bei Geimpften oder Genesenen nach Beobachtungen aus SĂŒdafrika weniger gefĂ€hrlich als bei Ungeimpften.

Wie ansteckend Omikron ist, zeigen auch neue FĂ€lle aus SĂŒdafrika: Wie der "Tagesspiegel" berichtet, hat sich eine Gruppe von sieben Deutschen zwischen 25 und 39 Jahren in SĂŒdafrika mit Omikron infiziert – obwohl sie alle bereits geboostert waren. "Durchbruchsinfektionen sehen wir gerade sehr viele. Was wir nicht wussten ist, dass auch eine Booster-Impfung mit Biontech/Pfizer das nicht verhindert", erklĂ€rte Wolfgang Preiser gegenĂŒber dem Tagesspiegel. Er ist Mitglied des Forschungskonsortiums, das die neue Variante entdeckt hatte.

Durchbruchsinfektionen: Warum die Impfung trotzdem schĂŒtzt

Diese Infektionen sind die ersten berichteten Durchbruchsinfektionen mit der Omikron-Variante bei Personen, die bereits ihre Auffrischungsimpfungen erhalten haben. "Das darf man natĂŒrlich nicht falsch verstehen, dass die Impfung nicht helfe. Im Gegenteil: Das zeigt nur, dass auch die bestmögliche Impfung offensichtlich nicht ausreicht, um eine Infektion zu verhindern – was wir ja schon geahnt haben", erklĂ€rt Preiser weiter. Positiv zu bewerten ist zudem, dass alle Infizierten nur milde Symptome wie Hals- und Kopfschmerzen, MĂŒdigkeit oder trockenen Husten bekommen haben.

Das bestĂ€tigen auch Wissenschaftler aus SĂŒdafrika. So scheinen sich nach Ansicht der Wissenschaftlerin Glenda Gray sowie ihrer Kollegin Michelle Groome vom Nationalen Institut fĂŒr ĂŒbertragbare Krankheiten NICD erste Beobachtungen von eher milden KrankheitsverlĂ€ufen und kĂŒrzeren Krankenhausaufenthalten zu bestĂ€tigen.

Impfungen schĂŒtzen wohl vor schweren Omikron-Erkrankungen

Forschungen des sĂŒdafrikanischen Professors Alex Sigal zeigten zudem, dass Omikron zwar den Impfschutz reduziert, der aber je nach Zahl der entwickelten Antikörper eine Wirksamkeit von bis zu 70 Prozent habe. "Wir sehen keinen Grund zu glauben, dass Impfungen nicht vor schweren Omikron-Erkrankungen schĂŒtzt", sagte er.

Sigal gilt mit seinem Team vom Afrikanischen Gesundheits-Forschungsinstitut AHRI als weltweit erster Wissenschaftler, der das Virus kĂŒnstlich gezĂŒchtet hat. Dabei stand die Forschung nach dem Schutz durch Antikörper im Vordergrund. "Das Virus nutzt die gleichen Rezeptoren wie die anderen Varianten", sagte er. Zwar habe es seine DNA geĂ€ndert, aber kaum sein Verhalten.

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Auch Krankenhausmanager bestĂ€tigten aufgrund ihrer Beobachtungen diese Erkenntnisse, wiesen aber auch darauf hin, dass es fĂŒr wissenschaftlich fundierte SchlĂŒsse noch zu frĂŒh sei. Das Land befindet sich in einer von der Omikron-Variante getriebenen vierten Infektionswellen und hat gerade Booster-Impfungen erlaubt. Laut der Afrikanischen Union haben mittlerweile elf LĂ€nder auf Europas Nachbarkontinent Omikron-Infizierungen nachgewiesen.

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Aber: Auch Biontech-Chef ƞahin rechnet damit, dass auch der Booster irgendwann seine Wirkung verliert. Daher werde eine vierte Impfung in relativ kurzem Zeitabstand nötig. "Die vierte Impfung könnte aber auch ein an eine Omikron-Variante angepasster Impfstoff sein". Biontech und Moderna arbeiten bereits an der Anpassung ihrer Vakzine. Biontech geht davon aus, ein angepasstes Vakzin bis Ende MĂ€rz auf den Markt bringen zu können.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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