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So gefĂ€hrlich ist Omikron fĂŒr Kinder

  • Sandra Simonsen
Von Sandra Simonsen

Aktualisiert am 05.02.2022Lesedauer: 6 Min.
Kinder mit Covid-19 (Symbolbild): Auch Omikron scheint bisher nicht zu schwereren VerlĂ€ufen bei Kindern zu fĂŒhren.
Kinder mit Covid-19 (Symbolbild): Auch Omikron scheint bisher nicht zu schwereren VerlĂ€ufen bei Kindern zu fĂŒhren. (Quelle: ITAR-TASS/imago-images-bilder)
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Mit der Omikron-Welle steigen auch die Infektionszahlen unter den Kleinsten dramatisch an. Bleibt der Verlauf auch fĂŒr sie eher leicht? Zahlen aus dem Ausland beunruhigen, doch ein Mediziner klĂ€rt auf.

Das Wichtigste im Überblick


Bereits, als die Omikron-Variante sich in SĂŒdafrika ausbreitete, schlugen erste Experten Alarm: Es schien so, als greife die Mutante vor allem Kinder und Jugendliche stĂ€rker an, als es von bisherigen Varianten des Coronavirus bekannt war.


Omikron-Variante: Was wir bisher wissen

Seit November 2021 ist die Omikron-Virus-Variante bekannt. Erstmals nachgewiesen wurde sie in SĂŒdafrika. Mittlerweile dominiert Omikron das Pandemiegeschehen weltweit.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat Omikron als "besorgniserregend" eingestuft. Diese Klassifizierung ist ein Signal, dass eine Variante ansteckender ist oder zu schwereren KrankheitsverlĂ€ufen fĂŒhrt. Außerdem besteht bei "besorgniserregenden Varianten" die Gefahr, dass herkömmliche Impfungen oder Medikamente weniger wirksam sind.
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Bereits Ende Dezember 2021 konnten erste Studien diese BefĂŒrchtungen allerdings relativieren. Der Kinderarzt Holger Röblitz erklĂ€rt im Interview mit t-online, warum Omikron nicht das dringendste Problem fĂŒr Kinder und Jugendliche ist.

Was zeigen die aktuellen Zahlen?

Das Robert Koch-Institut (RKI) fasst wöchentlich die Entwicklung der Corona-Zahlen und ihre Bedeutung zusammen. Im aktuellen Wochenbericht vom 3. Februar zeigt sich, dass in der akuten vierten Corona-Welle unter der Omikron-Variante vor allem die Altersgruppen unter 60 Jahren betroffen sind.

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Bei den Kindern zwischen fĂŒnf und 14 Jahren stiegen die Inzidenzen sehr frĂŒh bereits ĂŒber 900 oder sogar 1.000 Neuinfektionen binnen einer Woche pro 100.000 Kinder. In der vierten Januarwoche lag der Altersdurchschnitt aller Corona-Infizierten demnach bei 30 Jahren.

Holger Röblitz, der als Kinderarzt in Berlin arbeitet, erklÀrt dazu im Interview mit t-online, dass er und seine Kollegen bereits seit Anfang Dezember vergangenen Jahres merken, dass sich sehr viel mehr Kinder infizieren.

"Die Labore arbeiten schon lange an der KapazitĂ€tsgrenze und können daher nicht umfangreich sequenzieren," schrĂ€nkt Röblitz ein, "also die genaue Variante von SARS-CoV-2 bestimmen. Jedoch gehe ich davon aus, dass es seit Dezember grĂ¶ĂŸtenteils Omikron-FĂ€lle sind."

(Quelle: privat/Holger Röblitz)



Holger Röblitz ist Facharzt fĂŒr Kinder- und Jugendmedizin, Allergologie und Kinderpneumologie. Als Spezialist fĂŒr Allergien und Lungenerkrankungen im Kindes- und Jugendalter kĂŒmmert er sich in seiner Praxis in Berlin-Köpenick neben seinen Spezialgebieten zusammen mit seinen Kolleginnen auch um die ganz normalen kinderĂ€rztlichen Belange, wie beispielsweise das Impfen.

Allerdings gibt es mittlerweile auch erste Studien, die zeigen, dass Corona-Schnelltests bei Kindern weniger sichere Ergebnisse anzeigen als bei Erwachsenen. Auch das kann sich natĂŒrlich auf die Zahlen niederschlagen.

Röblitz erklĂ€rt dazu, dass es natĂŒrlich wesentlich schwieriger sei, eine gute Probe zu entnehmen, je jĂŒnger das Kind sei. "Es ist fĂŒr alle Beteiligten nicht angenehm, bei einem Kleinkind einen tiefen Rachenabstrich zu entnehmen, bis es zum WĂŒrgereiz kommt", stellt Röblitz klar. Daher mĂŒsse man, wie bei jeder anderen Untersuchung auch, immer darauf achten, welche zusĂ€tzlichen Erkenntnisse zu gewinnen sind.

Auf der anderen Seite sei die Viruslast hÀufig deutlich geringer bei den Kindern, da sie im Allgemeinen auch weniger Symptome aufweisen. Deshalb sei eine gute Probenentnahme wichtig, um keine falsch negativen Ergebnisse zu erhalten, nur weil nicht tief genug abgestrichen wurde.

Hinzu komme, dass viele Schnelltests – beispielsweise in Testzentren oder Schulen – nicht richtig, beispielsweise zu kalt, gelagert werden und dann falsch positiv sind. "Dies zieht dann wiederum einen riesigen Rattenschwanz an Nachkontrollen und Testen mit sich."

Wie problematisch ist die Situation in Kitas und Schulen?

Seit Jahresbeginn gibt es laut RKI wieder deutlich mehr Corona-AusbrĂŒche in Kitas, in der zweiten Januarwoche gab es mit 334 AusbrĂŒchen die höchste Zahl an AusbrĂŒchen binnen einer Woche seit Pandemiebeginn. In den vergangenen vier Wochen waren es 609 AusbrĂŒche in Kitas.

An den Schulen zeigt sich ein Ă€hnliches Bild: Auch hier steigen die Zahlen seit Jahresbeginn stark an. In den vergangenen vier Wochen hat es 754 AusbrĂŒche an Schulen gegeben. Den grĂ¶ĂŸten Anteil an den Infektionen haben Kinder zwischen sechs und zehn Jahren mit 48 Prozent.

AuffĂ€llig ist auch: In den Kitas scheinen vor allem die Erzieherinnen ÜbertrĂ€ger des Virus zu sein, wĂ€hrend in den Schulen die Lehrer weniger betroffen sind.

Wie viele Kinder landen mit Covid-19 im Krankenhaus?

Seit Omikron das Infektionsgeschehen zunehmend dominiert, sinkt die Zahl der Hospitalisierungen unter den Corona-Infizierten insgesamt. In den vergangenen Wochen stieg die Zahl in der Altersgruppe der 0- bis 34-JÀhrigen, die meisten Covid-Patienten im Krankenhaus sind jedoch 60 Jahre oder Àlter.

Aus den USA oder auch Großbritannien kamen hingegen besorgniserregende Meldungen: Dort soll es vermehrt Einlieferungen von Kindern mit Covid-19 in den Kliniken gegeben haben. Und auch in Deutschland steigen die Zahlen auf den Kinder-Intensivstationen seit Dezember deutlich an, wie Daten der Deutschen InterdisziplinĂ€ren Vereinigung fĂŒr Intensiv- und Notfallmedizin zeigen:

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Demnach lagen im November noch rund zehn bis 15 Kinder mit Covid-19 auf den Intensivstationen im Land. Mittlerweile sind es an einigen Tagen mehr als 35. Insgesamt bildet die Gruppe der 0- bis 17-JĂ€hrigen allerdings mit nur 1,7 Prozent immer noch den kleinsten Anteil der intensivpflichtigen Covid-FĂ€lle. Bei den 18- bis 29-JĂ€hrigen sind es nur etwa 1,9 Prozent.

Auch Holger Röblitz kann beruhigen: "Die allermeisten Kinder sind ganz normal krank – ja es sind viele, das ist im Januar und Februar jedoch erst einmal nichts Ungewöhnliches." Aber er rĂ€umt ein: "Aufgrund der Vielzahl der Erkrankten steigt auch die Zahl der Kinder, die im Krankenhaus behandelt werden mĂŒssen." Dennoch seien die Intensivstationen aktuell noch nicht stark ĂŒberfĂŒllt mit Kindern.

Allerdings seien einige Kinderstationen im Laufe der Pandemie umfunktioniert worden, sodass dort nun Erwachsene behandelt werden. Hinzu komme das ohnehin verstÀrkte Personalproblem in den Kliniken.

Somit entstand eine Knappheit an stationĂ€ren Behandlungsmöglichkeiten fĂŒr Kinder und Jugendliche insgesamt und dadurch könnten nun all die anderen Erkrankungen, die ja nicht weniger geworden sind, oftmals nicht im gleich guten Maße versorgt werden wie vor der Pandemie.

Wie gefĂ€hrlich ist Omikron fĂŒr Kinder?

Omikron fĂŒhrt zwar zu leichteren VerlĂ€ufen, besonders betroffen sind allerdings weiterhin diejenigen, die noch nicht geimpft oder genesen sind. Zu dieser Gruppe zĂ€hlen auch Kinder, fĂŒr die teilweise noch gar keine Impfung zugelassen ist. Dazu erklĂ€rten die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Kinder- und Jugendmedizin und die Deutsche Gesellschaft fĂŒr PĂ€diatrische Infektiologie bereits Ende 2021: "Es ist zu erwarten, dass sie sich hĂ€ufiger infizieren werden als andere Altersgruppen."

Das bestĂ€tigt auch Röblitz, der allerdings auch erklĂ€rt, die Kinder entwickeln grĂ¶ĂŸtenteils "die ganz typischen Symptome: ein bisschen Fieber, ein bisschen KrĂ€nkeln, Halskratzen, Kopfschmerzen – meist ist nach etwa einer Woche alles wieder gut."

Und er betont: "Die sind alle nicht schwer krank." Ohne Pandemie und Tests wÀren es in den meisten FÀllen Symptome einer ErkÀltung oder Infektion der oberen Atemwege. Obwohl sich mehr Kinder mit Omikron infizieren, habe die Schwere der Krankheit nicht zugenommen.

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Die grĂ¶ĂŸte Komplikation, die generell bei einer Corona-Infektion bei Kindern auftreten kann, ist laut Röblitz aber immer noch das sogenannte Pims-Syndrom, das Kinder schwer krank machen kann. Ob dieses Syndrom auch durch Omikron verursacht wird, werde sich wohl erst nach Ostern zeigen, schĂ€tzt der Kinderarzt.

Pims-Syndrom
Die AbkĂŒrzung Pims steht fĂŒr "Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome", also ein EntzĂŒndungssyndrom, das bei Kindern nach Viruserkrankungen wie Covid-19 auftritt. In schweren FĂ€llen kann Pims zu SchĂ€den an den Organen fĂŒhren. Beruhigend allerdings: Pims ist gut behandelbar.

Droht den Kindern unter Omikron Long Covid?

Auch bei der Frage nach Langzeitfolgen oder Post- sowie Long Covid kann Kinderarzt Holger Röblitz beruhigen. "Das sehen wir momentan noch nicht." Bei den hohen Erkrankungszahlen mĂŒssten mittlerweile die Folgeerkrankungen wie EntzĂŒndungssyndrome auftreten. "Das sehen wir momentan nicht in dem Ausmaß, wie es zu erwarten gewesen wĂ€re." Das spreche dafĂŒr, dass die Erkrankungsschwere nicht zugenommen habe.

Allerdings sei es bei Kindern schwieriger abzugrenzen, wann es sich um Long Covid oder SpĂ€tfolgen der Infektion handelt. Dass die Lunge im Anschluss lebenslang geschĂ€digt ist, sei bei Kindern jedoch ziemlich sicher nicht zu sehen. Die neurologischen Ausfallerscheinungen, die typisch fĂŒr Long Covid bei Erwachsenen sind, seien jedoch bei Kindern nicht so leicht festzustellen.

Schule in Corona-Zeiten: Wenn die Kinder in die Schule kommen dĂŒrfen, gelten strenge Regeln.
Schule in Corona-Zeiten: Wenn die Kinder in die Schule kommen dĂŒrfen, gelten strenge Regeln. (Quelle: Political-Moments/imago-images-bilder)

Viel auffĂ€lliger hingegen seien psychische sowie körperliche Reaktionen der Kinder und Jugendlichen auf die Corona-Maßnahmen, welche seit mehr als zwei Jahren das Leben von Familien extrem belasten. "Dass Sie nicht zur Schule gehen, keinen Sport treiben, ihre Freunde nicht treffen können: Daran leiden die meisten Kinder in meinen Augen stĂ€rker und nachhaltiger als unter einer Covid-Infektion." Deshalb glaubt Röblitz, mit vielen Maßnahmen werde bei den Kindern sehr viel mehr Schaden angerichtet als durch die Infektion selbst.

Wie können die Kinder nun geschĂŒtzt werden?

GrundsĂ€tzlich gelten fĂŒr den Schutz der Kinder und Jugendlichen natĂŒrlich die gleichen Möglichkeiten wie bei Erwachsenen auch: Hygieneregelungen, Abstand, FFP2-Masken und Impfungen schĂŒtzen vor einer Infektion mit dem Virus. Und auch Kontakte können verringert werden, um das Risiko zu minimieren.

Allerdings gibt es vor allem fĂŒr kleinere Kinder noch keinen zugelassenen Corona-Impfstoff – zudem sei der individuelle Nutzen fĂŒr die Kinder sehr gering, erklĂ€rt Röblitz.

Momentan sei der grĂ¶ĂŸte Nutzen fĂŒr die Familien die Erleichterung im Alltag durch weniger Tests und mehr Reise- und Freizeitmöglichkeiten. "ZunĂ€chst einmal sollten sich alle Eltern und Großeltern impfen oder auch boostern lassen", betont er. Aber natĂŒrlich impfe er Kinder, wenn es der Wunsch der Eltern sei. "Dem stehen wir natĂŒrlich nicht im Weg."

Das Tragen von Masken und das Durchsetzen von Hygieneregeln und Abstandswahrung sind aus seiner Sicht ganz sicher sehr gute Möglichkeiten, um einer Infektion vorzubeugen. "Jedoch lassen sich diese beiden Maßnahmen natĂŒrlich immer schwerer konsequent umsetzen, je jĂŒnger die Kinder sind."

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Hinzu komme, dass Kindergartenkinder miteinander spielen und sprechen lernen sollen, damit sie sich normal entwickeln. "Da sind in den vergangenen zwei Jahren gravierende Defizite entstanden, die wir noch lange spĂŒren werden", fĂŒhrt Röblitz an.

Er plĂ€diert fĂŒr ein Umdenken in Bezug auf die Kinder, spĂ€testens seit Sommer 2020 sei nicht mehr wirklich im Sinne der Kleinsten gehandelt worden. "Jetzt, da man sieht, dass Kinder und Jugendliche in der Regel nicht schwer erkranken, sollten andere MaßstĂ€be gesetzt werden", sagt er. Eine EinschrĂ€nkung des Regelbetriebs in Kitas und die Aussetzung der PrĂ€senzpflicht in den Schulen hĂ€lt er fĂŒr falsch.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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