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Ja, die Redaktion hat f√ľr diesen Ratgeberartikel alle relevanten Fakten recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

Was bei einer Niereninsuffizienz die Stadien verraten

Von Astrid Clasen

20.05.2022Lesedauer: 5 Min.
Ein Arzt erklärt einem Patienten einen Befund
Behandlung und zu erwartende Komplikationen einer Niereninsuffizienz sind abhängig vom jeweiligen Stadium. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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√Ąrztinnen und √Ąrzte unterscheiden bei einer Niereninsuffizienz verschiedene Stadien. Erfahren Sie, wonach sich diese Einteilung richtet, wozu sie dient und was die einzelnen Stadien bedeuten.

Das Wichtigste im √úberblick


  • Akute Niereninsuffizienz und Kreatinin
  • Akute Niereninsuffizienz und Urinausscheidung
  • Chronische Niereninsuffizienz und glomerul√§re Filtrationsrate
  • Chronische Niereninsuffizienz und Albumin

Bei einer Niereninsuffizienz, auch Nierenschwäche genannt, verschlechtert sich die Nierenfunktion plötzlich (akut) oder langsam fortschreitend (chronisch). Das kann die Gesundheit massiv beeinträchtigen und im Extremfall lebensbedrohlich sein.

Denn neben ihrer Hauptfunktion, das Blut zu filtern und den K√∂rper zu entgiften, erf√ľllen die Nieren noch weitere wichtige Aufgaben: Dazu z√§hlen die Regulierung des Wasser- und Elektrolythaushalts sowie des Blutdrucks, die Bildung roter Blutk√∂rperchen und die Herstellung von Vitamin D. Eine Niereninsuffizienz wirkt sich also auf viele K√∂rperfunktionen aus.

Das Risiko ist umso höher, je fortgeschrittener die Niereninsuffizienz ist. In späten Stadien drohen ein völliges Nierenversagen und Herz-Kreislauf-Komplikationen (wie Herzinfarkt oder Schlaganfall). Helfen kann dagegen nur eine ärztliche Behandlung, die an den jeweiligen Schweregrad der Nierenschwäche angepasst ist.

Um den Schweregrad einer Niereninsuffizienz und so deren Stadium festzustellen, sind verschiedene Untersuchungen n√∂tig. Dabei l√§sst die √Ąrztin oder der Arzt beispielsweise

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  • bestimmte Blutwerte (wie Harnstoff und Kreatinin) bestimmen,
  • den Urin auf Inhaltsstoffe pr√ľfen, die dort normalerweise nicht vorhanden sind (wie Eiwei√ü), und/oder
  • die ausgeschiedene Urinmenge messen.

Je nachdem, ob es sich um eine akute oder eine chronische Niereninsuffizienz handelt, st√ľtzt sich die Einteilung in Stadien auf unterschiedliche Werte. Am h√§ufigsten kommt dabei die sogenannte KDIGO-Klassifikation zum Einsatz. (KDIGO ist eine gemeinn√ľtzige Organisation, die das Ziel verfolgt, die medizinische Versorgung und Behandlung von Menschen mit Nierenerkrankungen zu verbessern.) Danach sind

  • f√ľr die Einteilung der akuten Niereninsuffizienz der im Blutserum gemessene Kreatininwert und die Urinausscheidung ausschlaggebend.
  • bei der chronischen Niereninsuffizienz die Stadien definiert durch die Filtrationsleistung der Nieren (angegeben als glomerul√§re Filtrationsrate, GFR) und die Ausscheidung eines Eiwei√ües namens Albumin.

Akute Niereninsuffizienz und Kreatinin

Eine akute Niereninsuffizienz ist dadurch gekennzeichnet, dass plötzlich die Urinausscheidung verringert und/oder der Kreatininwert im Blut (Serumkreatinin) erhöht ist. Manchmal zeigt sich eine akute Nierenschwäche auch nur durch einen Anstieg des Kreatininwertes.

Kreatinin entsteht im K√∂rper als Abfallprodukt des Stoffwechsels und wird normalerweise zusammen mit anderen Abfall- und sonstigen Schadstoffen √ľber den Urin ausgeschieden. Bei einer Niereninsuffizienz ist die Ausscheidungsfunktion der Nieren jedoch gest√∂rt, sodass sich die Stoffe im Blut ansammeln.

Das Serumkreatinin erlaubt also R√ľckschl√ľsse auf die Nierenfunktion beziehungsweise auf die glomerul√§re Filtrationsrate (GFR): Das ist die Menge an Prim√§rharn (der Vorstufe des Urins), die sich innerhalb eines bestimmten Zeitraums durch Filtration des Blutes in den Gef√§√ükn√§ueln (Glomeruli) der Nierenk√∂rperchen bildet. Anhand des Anstiegs von Kreatinin im Blut l√§sst sich laut KDIGO die akute Niereninsuffizienz in drei Stadien einteilen:

  • Stadium 1 liegt vor bei Anstieg des Kreatininwertes um 0,3 mg/dl innerhalb von 48 Stunden oder bei einem Anstieg um das 1,5- bis 1,9-Fache innerhalb von 7 Tagen.
  • Stadium 2 liegt vor bei Anstieg des Kreatininwertes um das 2- bis 2,9-Fache innerhalb von 7 Tagen.
  • Stadium 3 liegt vor ab einem Anstieg des Kreatininwertes um das 3-Fache innerhalb von 7 Tagen oder ab einem Kreatininwert von 4 mg/dl oder wenn eine Dialysebehandlung n√∂tig wird oder wenn bei unter 18-J√§hrigen die glomerul√§re Filtrationsrate (gesch√§tzt anhand des Kreatininwertes) unter 35 ml/min (bezogen auf eine Standardk√∂rperoberfl√§che von 1,73 m¬≤) liegt.

Ein normaler Kreatininwert schlie√üt eine Nierenschw√§che allerdings nicht aus. Darum erfassen √Ąrztinnen und √Ąrzte bei akuter Niereninsuffizienz zus√§tzlich die Urinausscheidung, um das Stadium der Nierenfunktionsst√∂rung zu bestimmen.

Akute Niereninsuffizienz und Urinausscheidung

Um die Urinausscheidung zu beurteilen, wird der Urin beim Wasserlassen in einem Gef√§√ü aufgefangen. Wenn jemand √ľber mindestens sechs Stunden st√ľndlich weniger als 0,5 Milliliter Urin pro Kilogramm K√∂rpergewicht (ml/kg/h) ausscheidet, spricht das f√ľr eine akute Niereninsuffizienz ‚Äď vorausgesetzt, die betroffene Person hat genug getrunken und ihre Harnwege sind nicht blockiert.

Wie beim Kreatininwert unterteilen Medizinerinnen und Mediziner auch bei der Urinausscheidung die akute Niereninsuffizienz in drei Stadien:

  • In Stadium 1 betr√§gt die Urinausscheidung f√ľr 6 bis 12 Stunden weniger als 0,5 ml/kg/h.
  • In Stadium 2 betr√§gt die Urinausscheidung f√ľr √ľber 12 Stunden weniger als 0,5 ml/kg/h.
  • In Stadium 3 betr√§gt die Urinausscheidung f√ľr √ľber 24 Stunden weniger als 0,3 ml/kg/h oder entspricht f√ľr √ľber 12 Stunden einer sogenannten Anurie (= Urinausscheidung von weniger als 100 ml/Tag).

Wichtiger Hinweis
Wenn der Kreatininwert bei akuter Niereninsuffizienz ein anderes Stadium ergibt als die Urinausscheidung, ist das jeweils höhere Stadium entscheidend.

Chronische Niereninsuffizienz und glomeruläre Filtrationsrate

Eine chronische Niereninsuffizienz diagnostizieren √Ąrztinnen und √Ąrzte, wenn nachweislich √ľber drei Monate lang die Nierenfunktion vermindert ist und/oder die Nieren dauerhaft gesch√§digt sind und dadurch der Gesundheitszustand beeintr√§chtigt ist.

Zur Beurteilung der Nierenfunktion dient die glomerul√§re Filtrationsrate (GFR): Diese gibt die Filtrationsleistung der Nieren in Millilitern pro Minute an, bezogen auf eine Standardk√∂rperoberfl√§che von 1,73 Quadratmetern (ml/min/1,73 m¬≤). Anhand dieses Wertes teilen √Ąrztinnen und √Ąrzte die chronische Niereninsuffizienz in Stadien ein, woraus sich das Risiko f√ľr ein Fortschreiten der Nierenschw√§che und f√ľr Herz-Kreislauf-Komplikationen ergibt.

Dabei ist es √ľblich, die glomerul√§re Filtrationsrate mithilfe einer Formel zu sch√§tzen ‚Äď etwa anhand des Kreatininwertes im Blut. Je nachdem, wie stark die GFR danach vermindert ist, kann die chronische Niereninsuffizienz nach KDIGO-Einteilung sechs Stadien durchlaufen:

Stadium GFR Beschreibung
G1 ‚Č• 90 normale oder hohe Nierenfunktion
G2 60‚Äď89 leicht verringerte Nierenfunktion
G3a 45‚Äď59 leichte bis m√§√üige Funktionseinschr√§nkung
G3b 30‚Äď44 m√§√üige bis starke Funktionseinschr√§nkung
G4 15‚Äď29 stark verringerte Nierenfunktion
G5 < 15 chronisches Nierenversagen (veraltet: terminale Niereninsuffizienz)

Allerdings gibt es f√ľr die glomerul√§re Filtrationsrate keine allgemeing√ľltigen Normalwerte: Die normale Filtrationsleistung der Nieren ist abh√§ngig von Alter, Geschlecht, Hautfarbe und Muskelmasse. Dies ist bei der Beurteilung der gesch√§tzten GFR mit zu ber√ľcksichtigen. Um ein m√∂glichst zuverl√§ssiges Ergebnis zu erhalten, ziehen Fachleute zur Stadieneinteilung der chronischen Niereninsuffizienz au√üerdem einen zweiten Wert hinzu: die Albuminausscheidung.

Chronische Niereninsuffizienz und Albumin

Gesunde Nieren filtern bestimmte Stoffe, die f√ľr den K√∂rper wichtig sind ‚Äď wie etwa Eiwei√üe ‚Äď, aus dem Prim√§rharn zur√ľck, sodass diese wieder ins Blut gelangen. Im ausgeschiedenen Urin sind Eiwei√üe also normalerweise nicht oder h√∂chstens in geringen Mengen nachweisbar. Eine chronische Niereninsuffizienz kann dies jedoch √§ndern.

Bei Menschen mit gesch√§digten Nieren findet sich typischerweise vermehrt Eiwei√ü im Urin: Fachleute bezeichnen dies als Proteinurie. Als besonders wichtiges Anzeichen f√ľr m√∂gliche Nierensch√§den gilt das Eiwei√ü Albumin im Urin ‚Äď fachsprachlich Albuminurie genannt. Darum st√ľtzt sich die Einteilung der chronischen Niereninsuffizienz in Stadien zus√§tzlich auf die Albuminausscheidung.

Bestimmt wird die Albuminausscheidung entweder im 24-Stunden-Sammelurin (angegeben in Milligramm pro Tag = mg/24 h) oder in einer einfachen Urinprobe als Albumin-Kreatinin-Quotient (angegeben in Milligramm pro Gramm = mg/g). Beide Werte gelten als annähernd gleichwertig. Mit ihrer Hilfe lässt sich die chronische Niereninsuffizienz in folgende drei Stadien einteilen:

Stadium Beschreibung Albuminausscheidung
A1 Albuminausscheidung normal oder leicht erhöht < 30 mg/24 h bzw. mg/g
A2 Albuminausscheidung m√§√üig erh√∂ht 30‚Äď300 mg/24 h bzw. mg/g
A3 Albuminausscheidung deutlich erhöht > 300 mg/24 h bzw. mg/g

Um das Stadium der chronischen Niereninsuffizienz anzugeben, lassen sich nun die K√ľrzel f√ľr die beiden ermittelten Stadien miteinander kombinieren: Eine leicht verringerte glomerul√§re Infiltrationsrate (= G2) und eine nur leicht erh√∂hte Albuminausscheidung (= A1) ergeben beispielsweise das Stadium G2A1.

Chronische Nierenerkrankungen k√∂nnen die verschiedenen Stadien in Monaten oder Jahren durchlaufen, wobei die einzelnen Stadien flie√üend ineinander √ľbergehen. √Ąrztinnen und √Ąrzte nutzen die Einteilung der chronischen Niereninsuffizienz, um anhand der ermittelten Stadien das Risiko f√ľr den weiteren Verlauf einzusch√§tzen:

  • Als niedrig gilt das Risiko in den Stadien G1A1 und G2A1.
  • Als m√§√üig gilt das Risiko in den Stadien G3aA1, G1A2 und G2A2.
  • Als hoch gilt das Risiko in den Stadien G3bA1, G3aA2, G1A3 und G2A3.
  • Als sehr hoch gilt das Risiko in den Stadien G4A1, G5A1, G3bA2, G4A2, G5A2, G3aA3, G3bA3, G4A3 und G5A3.
Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte √Ąrzte. Die Inhalte von t-online k√∂nnen und d√ľrfen nicht verwendet werden, um eigenst√§ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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