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Stiftung Warentest: Verband kritisiert Untersuchungen bei Wassertest

"Das ist reine Irreführung"  

Verband kritisiert Untersuchungen von Stiftung Warentest

12.02.2020, 19:43 Uhr
Stiftung Warentest: Verband kritisiert Untersuchungen bei Wassertest. Wasser aus der Flasche: Die Stiftung Warentest hat in einer Ausgabe ihrer Zeitschrift einen Test zu Mineralwasser und einen zu Trinkwasser veröffentlicht. (Quelle: Getty Images/shark_749)

Wasser aus der Flasche: Die Stiftung Warentest hat in einer Ausgabe ihrer Zeitschrift einen Test zu Mineralwasser und einen zu Trinkwasser veröffentlicht. (Quelle: shark_749/Getty Images)

Die Stiftung Warentest prüfte im vergangenen Sommer Wasser aus dem Hahn und stilles Mineralwasser. Laut dem Verband Deutscher Mineralbrunnen gab es einige Fehler bei den Prüfmethoden. Ein Gutachten bestätigt dies nun.

"Kritisches aus der Flasche", "Gutes aus dem Hahn" – so hat die Stiftung Warentest im Juli 2019 eine Untersuchung von Mineralwasser ohne Kohlensäure und eine von Leitungswasser überschrieben. Die Titel deuten darauf hin, wie die beiden Wasserarten in den Tests abgeschnitten haben: Nicht ganz jedes zweite der 32 getesteten stillen Mineralwasser fanden die Tester "gut". Zwei schnitten aufgrund von Keimen und kritischen Stoffen "mangelhaft" ab. Das Trinkwasser, das in Deutschland aus dem Hahn kommt, bewerteten sie hingegen anhand von Wasserproben aus öffentlichen Gebäuden in 20 Gemeinden als "gesundheitlich unbedenklich". Noten vergaben die Tester dabei nicht.

Mineralwasser im Test bei Stiftung Warentest: Das kritisiert der Verband

Diese Ergebnisse stoßen dem Verband Deutscher Mineralbrunnen (VDM) negativ auf. Bereits damals kritisierte er die Prüfmethoden: Die Ergebnisse basierten demnach auf unterschiedlichen Methoden, die keinen "objektiven Prozess der Beurteilung" zuließen. Die Maßstäbe des Mineralwassertests würden deutlich über die gesetzlichen Bestimmungen der Mineral- und Tafelwasserverordnung (MTVO) hinausgehen.

"Stiftung Warentest suggeriert dem Verbraucher, dass die Qualität von Leitungswasser aus dem Hahn mit der Qualität von in Flaschen abgefülltem Mineralwasser verglichen werde", wird Karl Tack, Vorsitzender des VDM, in einer Pressemitteilung zitiert. Erst bei genauerem Hinsehen werde klar, dass die Leitungswasserproben hinsichtlich gesundheitlicher Parameter überhaupt nicht untersucht worden seien.

Die Kritik wird durch ein nun veröffentlichtes wissenschaftliches Gutachten der Hochschule Rhein Main untermauert, das vom VDM in Auftrag gegeben wurde. Das Gutachten, das t-online.de vorliegt, stellt fest: "Die Berichterstattung in Heft 7/2019 täuscht dem schnellen Leser eine Vergleichbarkeit vor, die in dieser Form nicht vorhanden ist." Das sei auch ein Verstoß gegen die Objektivität, die sich die Stiftung Warentest zum Prinzip gemacht hat.

"Das ist reine Irreführung"

Gutachter Bernhard Heidel sagt im Gespräch mit t-online.de: "Das ist reine Irreführung." Mindestens der flüchtige Leser erhalte durch die Artikel über die Untersuchungen den Eindruck, dass nach den gleichen Kriterien untersucht wurde und dass Wasser aus dem Wasserhahn präferiert wird. "Das kann man in der Praxis so nicht sagen. Da werden Äpfel mit Birnen verglichen." Um einen Vergleich ziehen zu können, müsse man, wenn nicht nach einem gleichen, doch zumindest nach einem sehr ähnlichen Schema vorgehen, so der Professor für Marketingforschung.

Zudem, so VDM und Gutachten, haben die Tester – anders als beim Mineralwasser – beim Trinkwasser aus dem Hahn keine ausführliche mikrobiologische Analyse durchgeführt. Statt auf Keime untersuchte Stiftung Warentest Leitungswasser auf Verunreinigungen oberirdischen Ursprungs. Außerdem seien auch Geschmack, Geruch und Optik dieses Wassers nicht bewertet worden – beim Test des Mineralwassers hingegen macht die Sensorik sogar die Hälfte der Gesamtnote aus. Die Stichproben des Trinkwassers seien darüber hinaus nicht repräsentativ. Denn bei ihnen werde die sogenannte "letzte Meile" ausgeblendet. Damit ist gemeint, dass Trinkwasser zwar mikrobiologisch rein das Wasserwerk verlassen, aber in einer anderen Qualität beim Verbraucher ankommen kann. So können etwa Leitungen, Hauspartikelfilter, Siebeinsätze oder auch ein verschmutzter Wasserhahn die Wasserqualität negativ beeinflussen.

Die Stiftung Warentest hält von all der Kritik wenig. "Dass die letzte Meile ein wichtiges Faktum ist, bezweifeln wir nicht. Wir sind nur nicht der Meinung, dass wir das in unserem Test hätten berücksichtigen sollen", sagt Holger Brackemann auf Anfrage von t-online.de. Er ist Leiter des Bereichs Untersuchungen bei der Stiftung Warentest. "Wie hätten wir das tun sollen? Jeder Hausanschluss ist individuell unterschiedlich." Deswegen habe die Stiftung bestimmte Parameter beim Leitungswasser, die nicht verallgemeinerbar sind, nicht untersucht. So zum Beispiel auch den Geschmack des Wassers: "Die Sensorik kann sich schließlich auch durch die Verteilung verändern."

Für die Stiftung haben vielmehr folgende Verbraucherfragen im Vordergrund gestanden: "Kann ich Leitungswasser unbedenklich trinken? Oder was für Vorteile bringt es mir, wenn ich in Flaschen abgefülltes Mineralwasser kaufe?"

Dennoch räumt Brackemann ein: "Die Problematik der letzten Meile hätten wir in unserer Veröffentlichung noch deutlicher kommunizieren müssen: Was gibt es eigentlich für Probleme beim Trinkwasser und wie kann ich die als Verbraucher bei meinem eigenen Leitungsnetz erkennen und gegebenenfalls auch beheben?"

Stiftung Warentest weist Vorwurf der Irreführung von sich

Dass die Stiftung Verbraucher mit ihren Tests in die Irre geführt habe, wie es ihr der VDM mit dem Gutachten vorwirft, weist Brackemann deutlich von sich: "Das ist Quatsch. Den Schuh ziehen wir uns nun wirklich nicht an", sagt er. "Die Unterschiede der beiden Wasserarten und der Prüfmethoden haben wir schließlich in den Veröffentlichungen dargestellt." Zudem seien die Ergebnisse jeweils an der Trinkwasserverordnung fürs Leitungswasser und an jener für Mineral- und- Tafelwasser gespiegelt worden. Darüber hinaus habe man das Leitungswasser gezielt in Gebieten untersucht, in denen die Herausforderung an den Wasserversorger besonders hoch sind, etwa weil dort viel Nitrat in der Landwirtschaft eingesetzt wird.

Den nächsten Test von Mineralwasser wird die Stiftung voraussichtlich 2021 veröffentlichen. Er werde derzeit noch vorbereitet.

Verwendete Quellen:

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