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Corona und Maskenpflicht: Diesen Einfluss gibt es auf die Infektionszahlen

Internationaler Vergleich  

Wie die Maskenpflicht die Corona-Zahlen verändert

16.07.2020, 07:20 Uhr
 (Quelle: KameraOne)
So wirkt sich eine Maske auf die Verbreitung von Viren aus

Forscher der Universität von Edinburgh in Schottland haben mithilfe spezieller Kameras den Effekt von Schutzmasken getestet. Die Videos zeigen, wie Masken vor einer Verbreitung des Coronavirus schützen können. (Quelle: KameraOne)

Effekt festgehalten: Auch Forscher aus Edinburgh hatten sich die Wirkung von Masken genauer angesehen und mit Spezialkameras aufgenommen. (Quelle: KameraOne)


In Deutschland gilt sie seit Ende April, auf Mallorca sogar im Freien und nun auch in Geschäften in Großbritannien: Die Maskenpflicht soll für eine Eindämmung der Corona-Pandemie sorgen. Wie wirkt sie sich auf die Infektionszahlen aus?

Nach der Einführung einer generellen Maskenpflicht auf der Urlaubsinsel Mallorca und der Maskenpflicht in britischen Geschäften wird wieder viel über die Wirkung des Mund-Nasen-Schutzes diskutiert. Kritiker behaupten, die Eindämmung der Pandemie ginge auch ohne. Doch einige Studien und die Infektionszahlen zeigen, dass die Maskenpflicht einen Effekt auf die Übertragung hat.

Studien und Wissenschaft zur Maskenpflicht

Für die Bevölkerung empfiehlt beispielsweise das Robert Koch-Institut (RKI) das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung in bestimmten Situationen im öffentlichen Raum. Die Maske könne ein "zusätzlicher Baustein" sein, um die Ausbreitung von Covid-19 zu verlangsamen. Das RKI betont aber auch, dass weiterhin Abstand, Husten- und Niesetikette sowie Händehygiene eingehalten werden sollten. 

Als Begründung führt das RKI an, dass die Verbreitung von SARS-CoV-2 von vielen Patienten ausgehe, die zunächst nur leichte Symptome verspürten. Infizierte könnten dann noch ihrem normalen Alltag nachgehen, schieden aber bereits Viren aus. Diese unbemerkte Übertragung infektiöser Tröpfchen könnte durch Mund-Nasen-Bedeckungen zumindest teilweise eingedämmt werden. 

Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO rät dazu, dort, wo es nicht möglich ist, einen Abstand von mindestens einem Meter einzuhalten, nichtmedizinische Masken zu tragen. Es gebe allerdings nur begrenzte Hinweise auf die Wirksamkeit von Stoffmasken, Masken allein schützten nicht vor der Ausbreitung des Virus.

Zusätzlich hat die WHO eine Analyse zum Schutz durch die Mund-Nasen-Bedeckung in Auftrag gegeben. Den Ergebnissen der Studien zufolge kann eine Gesichtsmaske das Infektionsrisiko um 85 Prozent senken. Ohne Mund-Nase-Bedeckung betrug das absolute Infektionsrisiko in den Studien 17,4 Prozent, mit Mund-Nase-Bedeckung fiel es auf 3,1 Prozent, wie das "Ärzteblatt" berichtet. 

Maskenpflicht im Ländervergleich 

Deutschland

In Deutschland gilt die Maskenpflicht in allen Bundesländern spätestens seit dem 29. April. Seither muss in öffentlichen Verkehrsmitteln und in Geschäften eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden. 

Forscher der Universität Mainz haben zudem in einer Studie herausgefunden, dass die Maskenpflicht in Jena zu einer langsameren Verbreitung des Coronavirus geführt hat. Sie verglichen dabei die Infektionszahlen der thüringischen Stadt mit vergleichbaren Städten. Jena hatte als erste Großstadt in Deutschland bereits Anfang April eine Maskenpflicht eingeführt.
  

Die täglichen Infektionszahlen sind in Deutschland relativ simultan zur Einführung von Kontaktbeschränkungen und schließlich vor allem zur Einführung der Maskenpflicht gesunken. Nachdem der erste Coronavirus-Fall bereits Ende Januar in Bayern registriert wurde, gab es bis zum 14. Juli 2020 bundesweit laut Johns-Hopkins-Universität fast 200.000 gemeldete Corona-Infektionen auf rund 83 Millionen Einwohner. 

Der Höhepunkt der Neuinfektionen war hierzulande laut einer Statista-Grafik mit Daten der Johns- Hopkins-Universität am 27. März mit fast 7.000 neu gemeldeten Corona-Infektionen. Wie die Grafik zeigt, gab es in Deutschland Mitte bis Ende April durchschnittlich zwischen 1.500 und 2.000 gemeldete Neuinfektionen. Nach Einführung der Maskenpflicht Ende April lagen die Zahlen im Mai und Juni nur noch im mittleren bis unteren dreistelligen Bereich. 

Italien

In Italien gilt eine Maskenpflicht in vielen öffentlichen Bereichen wie Geschäften, Büros oder Diskotheken und Bars sowie im öffentlichen Nahverkehr. Seit dem 4. Mai gilt in Italien, dass eine Mund-Nasen-Bedeckung immer dann getragen werden soll, wenn ein Sicherheitsabstand nicht möglich ist. In Italien sind Kinder unter sechs Jahren und Menschen mit Behinderungen, die ein Masketragen unmöglich machen, von der Pflicht ausgenommen.

In Italien gab es laut Johns-Hopkins-Universität (Stand: 15. Juli 2020) bisher insgesamt 242.363 bestätigte Coronavirus-Infektionen auf rund 60 Millionen Einwohner. Laut einer Studie einer Gruppe von Forschern in der "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS) konnte das Tragen von Masken die Zahlen in Italien innerhalb eines Monats um mehr als 78.000 Infektionen reduzieren. Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass das Tragen von Gesichtsmasken in der Öffentlichkeit "das wirksamste Mittel" zur Eindämmung der Corona-Verbreitung sei. 

Auch die Infektionszahlen in Italien zeigen, dass die Maskenpflicht einen Einfluss auf die täglichen Neuinfektionen zu haben scheint: Während es am 21. März die meisten neu gemeldeten Infektionen an einem Tag mit rund 6.500 gab, sanken die Zahlen zunächst infolge des Lockdowns und der Empfehlung zum Maskentragen kontinuierlich. Anfang Mai lagen die Zahlen laut Johns-Hopkins-Universität schließlich noch bei rund 1.900 registrierten Neuinfektionen täglich, Mitte Mai – zwei Wochen nach Einführung der Maskenpflicht – sanken sie bereits auf rund 800 und im Juni auf durchschnittlich etwa 200 Neuinfektionen täglich. 

USA, New York

Eine staatliche Anordnung verlangt in New York, dass jeder außerhalb seines Hauses einen Mund-Nasen-Schutz trägt, wenn er keinen Sicherheitsabstand einhalten kann. Zusätzlich wird empfohlen, die Maske so viel wie möglich zu tragen.

Der Studie der "PNAS" zufolge konnten in New York City vom 17. April bis zum 9. Mai mehr als 66.000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus durch die Maskenpflicht verhindert werden. 

Das zeigt sich auch in den Zahlen der Johns-Hopkins-Universität: Während es im April noch mehr als 10.000 Neuinfektionen täglich im Staat New York gab, sank die Zahl infolge des Lockdowns und der Maskenpflicht kontinuierlich. Ende April gab es noch einmal einen Höhepunkt mit rund 8.000 Neuinfektionen, im Mai waren es nur noch rund 4.000. Mittlerweile bewegen sich die täglichen Neuinfektionen zwischen 500 und 800. Allein in New York City leben rund 8,4 Millionen Einwohner – dort gab es insgesamt mehr Infektionen als in ganz Deutschland: 219.616 Fälle wurden bis Mitte Juli bestätigt. Für den Bundesstaat New York gab es bisher auf rund 20 Millionen Einwohner mehr als 407.000 bestätigte Infizierte.

USA, Louisiana

Louisiana hat erst zum 13. Juli eine Maskenpflicht für seine 64 Gemeinden eingeführt, nachdem die Zahlen der Corona-Infektionen wieder stark anstiegen. Gemeinden mit weniger als 100 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner in den vergangenen zwei Wochen können die Pflicht allerdings ablehnen. Das betrifft aktuell (Stand: 15. Juli 2020) nur Grant, Red River und West Feliciana.

Die Maskenpflicht gilt für alle Personen ab acht Jahren, die nicht durch eine körperliche Einschränkung von der Maskenpflicht befreit werden können. Beim Essen, der Kommunikation mit Hörgeschädigten oder beim Halten einer Rede muss die Maske zeitweise nicht getragen werden. Für jüngere Kinder gilt eine Empfehlung für Mund-Nasen-Bedeckungen. 

Zuvor gab es zwar Einschränkungen, um das Coronavirus einzudämmen, sie wurden allerdings bereits wieder gelockert. Diese Lockerungen haben sich schließlich auch in den Infektionszahlen gezeigt. Während es im April rund 2.000 registrierte Neuinfektionen täglich gab, sanken die Zahlen im Zuge der Ausgangsbeschränkungen auf rund 500 bis 600 Neuinfektionen täglich zwischen Mai und Juni. Im Juli folgte erneut ein starker Anstieg der Zahlen auf das Niveau vom April. Dem soll mit den neuen Einschränkungen und der Einführung der Maskenpflicht entgegengewirkt werden. 

Insgesamt gab es bisher in Louisiana rund 82.150 bestätigte Coronavirus-Infektionen auf rund 4,6 Millionen Einwohner. Zum Vergleich: In Berlin gab es bisher rund 8.600 bestätigte Coronavirus-Infektionen auf 3,8 Millionen Einwohner. 

China 

Während die Pandemie in China ihren Anfang nahm, gibt es in dem asiatischen Staat mittlerweile nicht mehr viele registrierte Neuinfektionen mit dem Coronavirus. 

In China gab es zwar nie eine landesweite Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, es wurde allerdings bereits im Februar dazu geraten. Einzelne Provinzen wie Guangdong führten zwar die Maskenpflicht ein, die Chinesen hielten sich aber größtenteils auch freiwillig an das Tragen der Gesichtsmasken. 

Insgesamt gab es in China laut Johns-Hopkins-Universität bis Mitte Juli rund 85.000 bestätigte Coronavirus-Infektionen auf schätzungsweise 1,4 Milliarden Einwohner. Der Höhepunkt der Neuinfektionen lag am 13. Februar bei rund 15.000 – danach sanken die Zahlen schnell auf nur noch 6.500 registrierte Neuinfektionen am 14. Februar. Seit dem 15. Februar gab es schließlich nur noch täglich rund 2.000 neue Corona-Patienten, seit März bewegen sich die Zahlen relativ konstant im zweistelligen Bereich. 

In welchen Staaten gibt es keine Maskenpflicht?

In einigen Staaten gibt es keine oder nur teilweise eine Maskenpflicht. Australien beispielsweise setzt bei der Eindämmung des Coronavirus auf strenge Einreisebeschränkungen, Quarantäne für Rückkehrer und Abstandsregeln. Eine Maskenpflicht gibt es nicht. Australien hat allerdings ähnlich wie Neuseeland, wo es ebenfalls keine Maskenpflicht gibt, nur geringe Infektionszahlen. In Neuseeland gab es laut Johns-Hopkins-Universität (Stand: 15. Juli 2020) insgesamt rund 1.500 bestätigte Coronavirus-Infektionen bei 4,9 Millionen Einwohnern, aktuell sind nur noch 27 Fälle aktiv. In ganz Australien gab es demnach insgesamt rund 10.500 registrierte Fälle mit 111 Toten bei knapp 25 Millionen Einwohnern. 

Schweden ist mit seiner Corona-Strategie einen gänzlich anderen Weg gegangen als die meisten anderen Staaten. Der skandinavische Staat mit nur rund zehn Millionen Einwohnern verhängte keine Ausgangsbeschränkungen. Schulen, Cafés, Bars und Restaurants blieben geöffnet – auch eine Maskenpflicht gab es nicht. Mittlerweile gab es in Schweden allerdings mehr als 76.000 Infizierte und rund 5.500 Tote. Viele Schweden und auch andere Länder kritisieren das Vorgehen der Regierung, es kommt teilweise sogar zu Protesten. 

Verwendete Quellen:

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