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Acht Tiere bei Stierkampf auf Mallorca getötet

Von dpa
Aktualisiert am 10.08.2019Lesedauer: 4 Min.
Pferde begleitet von MÀnnern ziehen 2014 einen toten Stier aus einer Stierkampfarena: Ein Gesetz, dass die Tötung und Verletzung der Stiere verboten hatte, ist bereits Ende 2018 in Teilen aufgehoben worden.
Pferde begleitet von MÀnnern ziehen 2014 einen toten Stier aus einer Stierkampfarena: Ein Gesetz, dass die Tötung und Verletzung der Stiere verboten hatte, ist bereits Ende 2018 in Teilen aufgehoben worden. (Quelle: imagebroker/imago-images-bilder)
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Alle Proteste waren am Ende umsonst: Erstmals seit 2017 sind auf Mallorca wieder Stiere ritualisiert getötet worden. In Spanien bleibt damit nur noch eine Region, in der eine Art Stierkampfverbot gilt.

Kurz bevor auf Mallorca das Blut von insgesamt acht Bullen unter dem Jubel von Tausenden floss, gab es Beschimpfungen, Pfiffe und auch TrĂ€nen. Auf der spanischen Ferieninsel feierte der Stierkampf am spĂ€ten Freitagabend trotz wĂŒtender Proteste von TierschĂŒtzern ein umstrittenes, aber erfolgreiches Comeback. Bei der ersten "Corrida de Toros" nach zweijĂ€hriger Zwangspause waren die TribĂŒnen der 11.600 Zuschauer fassenden Arena in der Inselhauptstadt Palma gut gefĂŒllt. Knapp 9.000 Fans zahlten die stolzen Eintrittspreise von bis zu 130 Euro.

Protestierende: "Torero, du Feigling"

Vor der Arena hatten sich rund 400 Menschen bereits zwei Stunden vor Beginn des Events versammelt, um lautstark gegen die blutige Show zu protestieren. Sie schlugen auf Töpfe, beschimpften knapp 30 Stierkampffans, die eine "Gegendemo" organisierten, als "Mörder" und skandierten inbrĂŒnstig Slogans wie: "Mallorca tötet nicht, Mallorca schĂŒtzt Tiere!", "Kultur ist nicht Tortur" und "Torero, du Feigling, wir wĂŒnschen dir einen schlechten Abend!". Einige junge Demonstrantinnen hatten TrĂ€nen in den Augen.

Der Stimmung in dem vor 90 Jahren im Jugendstil erbauten "Coliseo Balear", das zwischen 1999 und 2013 sechsmal Schauplatz der frĂŒheren ZDF-Show "Wetten, dass..?" war und in dem 2016 das Finale von Heidi Klums ProSieben-Show "Germany's Next Topmodel" ausgerichtet wurde, taten die Proteste spĂ€ter aber keinen Abbruch.

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Zuschauer jubeln besonders laut ĂŒber versuchten Todesstoß

Zu spanischer Volksmusik herrschte nur wenige Kilometer vom "Ballermann" entfernt prĂ€chtige Laune. Immer, wenn einer der Matadoren versuchte, mit seinem Degen von oben herab das Herz des Stieres zu erreichen und dem Bullen den Todesstoß zu versetzen, brachen die Zuschauer in besonders lautem Jubel aus. "OleeeĂ©" und "Bieeen" (Guuuut), ertönte aus den RĂ€ngen fast unisono.

Nach dem Tod des ersten Stiers durch den im grĂŒnen Glitzeranzug gekleideten Star-Matador Morante de la Puebla (39), der mit seinem Degen fĂŒnf Versuche benötigte, lief ein Flitzer aus Protest in die Arena. "Corridas never again", war auf seiner nackten Brust in schwarzen Lettern zu lesen. Unter Schimpfkanonaden der Fans wurde der junge Mann aber sehr schnell von Ordnern wieder hinausgezerrt.

Warum StierkÀmpfe wieder erlaubt sind

Die RĂŒckkehr der Toreros auf die Insel war vom Verfassungsgericht vor einigen Monaten ermöglicht worden. Ende 2018 kippten die Richter in Madrid in Teilen ein balearisches Gesetz aus dem Jahr 2017, das die linke Regionalregierung durchgebracht hatte und das unter anderem die Verletzung oder Tötung der Stiere untersagte.

Dieses Verbot wurde wieder aufgehoben. Die BegrĂŒndung der Richter: Da der Stierkampf 2013 zum nationalen Kulturgut erklĂ€rt worden sei, könne nur der Zentralstaat ĂŒber solche Verbote entscheiden. Die Regionen dĂŒrfen demnach nicht eigenmĂ€chtig solche BeschlĂŒsse fassen. Der Tod des Stiers am Ende des Kampfes sei unabĂ€nderlicher Bestandteil des Spektakels, so die Richter. "Ich lebe 26 Jahre auf Mallorca und weiß, dass wir in Madrid protestieren mĂŒssten, das Verfassungsgericht ist schuld", wurde ein deutscher Protestler namens Gernot Hackl von der Zeitung "Ultima Hora" zitiert.

Konservative Politiker unter den Zuschauern

Einige der BeschlĂŒsse von 2017 gelten auf Mallorca aber weiterhin. Zum Beispiel durften MinderjĂ€hrige am Freitag nicht in die Arena. Es galt auch ein Alkoholverbot. Und die Stiere mĂŒssen vor ihrem Einsatz per Blutprobe auf Doping- und Beruhigungsmittel untersucht werden. Die Polizei werde ĂŒber die Einhaltung dieser und anderer Vorschriften wachen, teilte die Stadtverwaltung am Donnerstag mit.

Unter den Zuschauern, die am Freitag den Auftritt der vier Star-Toreros um Morante de la Puebla und JuliĂĄn LĂłpez Escobar auf keinen Fall verpassen wollten, waren auch viele in Spanien bekannte Politiker der konservativen Volkspartei (PP). So waren etwa der Parlamentsabgeordnete Adolfo SuĂĄrez Illana, ein Sohn des frĂŒheren MinisterprĂ€sidenten Adolfo SuĂĄrez GonzĂĄlez, auf der TribĂŒne.

Nur auf den Kanaren gilt ein Stierkampfverbot

Die PP des damaligen MinisterprÀsidenten Mariano Rajoy war es auch gewesen, die die Richter in dieser Sache angerufen und gefordert hatte, dass das Tötungsverbot wieder aufgehoben wird.

Mit Mallorca fiel eine der letzten stierkampffreien Bastionen Spaniens. Schon 2016 hatte die Justiz ein in Katalonien seit 2010 geltendes Stierkampfverbot gekippt. Die Kanaren sind die einzige Region, in der noch eine Art Stierkampfverbot gilt. Auf den Atlantikinseln gibt es aber auch keine Tradition des Spektakels. Die letzte Corrida fand dort 1984 statt.

Stierkampf als Schulfach?

Der Stierkampf ist in Spanien ein großes GeschĂ€ft. Allein die mehr als tausend Zuchtbetriebe mit rund 70.000 Mitarbeitern erwirtschaften jĂ€hrlich rund 1,5 Milliarden Euro. Das Spektakel ist aber im ganzen Land zunehmend umstritten. Vor allem unter den JĂŒngeren verliert er immer mehr an AttraktivitĂ€t.

Nach einer Umfrage des Onlinemagazins "El Español" von Januar sind inzwischen rund 56 Prozent der Spanier gegen das aus dem Mittelalter stammende Brauchtum. Voriges Jahr forderten bei einer Demo in Madrid 40.000 ein landesweites Verbot. Die Zuschauerzahlen sind stark rĂŒcklĂ€ufig, 2018 ging die Zahl der StierkĂ€mpfe im Vergleich zum Rekordjahr 2007 um rund 60 Prozent auf 369 zurĂŒck. Viele Arenen wurden deshalb in den vergangenen Jahren geschlossen oder wurden, wie in Barcelona, zu Einkaufszentren umfunktioniert.

Die Verfechter der "Tauromaquia" denken aber nicht daran, das Handtuch zu werfen. Einige fordern sogar, den Stierkampf in Spanien zum Schulfach zu machen. "So kann man dem großen Problem des Generationenwechsels begegnen", sagte vor einiger Zeit der angesehene UniversitĂ€tsprofessor und Jurist Javier LĂłpez-Galiacho.

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