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Tourismus-Start in Spanien: Darum meckern viele Einheimische

Von dpa
Aktualisiert am 15.03.2021Lesedauer: 4 Min.
Deutsche am Strand von Arenal auf Mallorca: Aufgrund des geringen Auftretens des Coronavirus ist Mallorca kein Risikogebiet mehr.
Deutsche am Strand von Arenal auf Mallorca: Aufgrund des geringen Auftretens des Coronavirus ist Mallorca kein Risikogebiet mehr. (Quelle: Clara Margais/dpa-bilder)
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Seit Sonntag mĂŒssen Deutsche, die Mallorca und mehrere andere spanische Urlaubsregionen besuchen, bei der RĂŒckkehr nicht mehr in QuarantĂ€ne gehen. Von Corona geplagte Unternehmer schöpfen auf den Balearen wieder Hoffnung. Aber nicht alle Spanier sind glĂŒcklich. Im Gegenteil.

Nach der Aufhebung der Reisewarnung fĂŒr Mallorca werden in Deutschland bereits beschwingt die Koffer gepackt, real oder zumindest in Gedanken. Die Buchungen steigen sprunghaft an. Auf der von Corona geplagten spanischen Urlaubsinsel wecken die guten News nach monatelanger Tristesse plötzlich wieder Freude und Zuversicht. "Das ist eine fantastische Nachricht", zitierte die "Mallorca Zeitung" den FremdenfĂŒhrer AdĂĄn AndrĂ© Alomar. Ohne eine RĂŒckkehr der Touristen wĂŒrde "die Insel an Hunger sterben", weiß der junge Mann.


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"Die Deutschen kommen wieder!"

"Die beste Nachricht ĂŒberhaupt", jubelte auch Ballermann-Gastronom Juan Miguel Ferrer. Man sehe "das Licht am Ende des Tunnels". Nach der Berliner Entscheidung kĂŒndigte der Chef des Interessenverbandes "Palma Beach" mit seinen Mitstreitern – Hoteliers, Lokalbesitzern und anderen Unternehmern – fĂŒr Ostern gleich die Wiedereröffnung von mindestens 15 Hotels fĂŒr insgesamt 4.000 Besucher an. Der angesehene Analyst Miguel Otero twitterte: "Die Deutschen kommen wieder!"

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Sonne, Strand und Sangria fĂŒr die einen, Konjunkturantrieb und klingelnde Kassen fĂŒr die anderen – eine typische Win-Win-Situation? Von wegen. UnzĂ€hlige Menschen in Spanien schĂ€umen vor Wut. Bis zum 9. April dĂŒrfen die Einheimischen nach einem jĂŒngsten Beschluss der Zentralregierung ihre Region nur in seltenen AusnahmefĂ€llen verlassen. Verwandtenbesuch oder Urlaub außerhalb der eigenen "autonomen Gemeinschaft" sind strikt untersagt. Deutsche und BĂŒrger anderer LĂ€nder werden derweil nahezu hindernisfrei ins Land gelassen. Meist reicht ein PCR-Test.

Kritik an Osterferien auf Mallorca

Geschimpft wird daher dieser Tage ĂŒberall. In CafĂ©s, in den Medien, im Fernsehen, im Netz. Und auch in der Politik. Vor allem in der Comunidad AutĂłnoma Madrid, wo man traditionell besonders stolz, streitbar und selbstbewusst ist und sich nur ungern etwas vorschreiben lĂ€sst, ist der sozialistische MinisterprĂ€sident Pedro SĂĄnchez zum Buhmann geworden. Die konservative Regionalregierung, die Corona mit eher laxen Regeln bekĂ€mpft, schimpft besonders laut: "Es ist unverstĂ€ndlich, dass sich ein Madrilene in Spanien nicht frei bewegen darf, und ein Franzose, ein Deutscher oder Belgier einreisen kann", kritisierte Gesundheitsminister Enrique Ruiz Escudero.

Kunststudent Pedro (23) rĂ€umt in einem CafĂ© im Madrider Szeneviertel Chueca ein: "Ich bin eigentlich mit ganzem Herzen Sozialist, aber diese Maßnahmen sind wirklich nicht zu rechtfertigen. Ach, Mensch, Pedro, du hast mich enttĂ€uscht!". Ana Rosa, Starmoderatorin des Madrider TV-Senders "Telecinco", machte ihrem Ärger vor laufenden Kameras hemmungslos Luft, als sie vom Beschluss erfuhr. "Was? AuslĂ€nder lĂ€sst man rein und ich darf nicht nach Extremadura?"

"Spanien wird zu Ostern ein Bunker fĂŒr die Spanier und eine Oase fĂŒr die Touristen aus dem Ausland sein", titelte am Wochenende ebenso groß wie kritisch die Zeitung "ABC". Das Blatt "Última Hora" sprach von "WillkĂŒr", und sogar die "Mallorca Zeitung" stellte fest: "Osterferien auf Mallorca: fĂŒr Deutsche Ja, fĂŒr Spanier Nein".

Angst vor neuer Corona-Welle

Im Netz ist die EntrĂŒstung nicht minder groß. Es gibt Hunderte von Klagen. "Mal schauen, ob ich das richtig verstanden habe: Ich wohne im SĂŒden Madrids. Zu Ostern darf mich also meine in Deutschland wohnende Tochter besuchen, aber mein Sohn, der in Illescas nur fĂŒnf Kilometer von mir entfernt lebt, der darf das nicht? Sehr logisch", protestiert Yeni auf Twitter. Dort Ă€ußerte auch JimĂ©nez Caballero Verwunderung: "Zu Ostern darf ich nicht in mein Ferienhaus am Strand, aber mein Nachbar, der in Deutschland wohnt, der darf das?"

Dabei geht es nicht nur um Frust, Neid und UnverstĂ€ndnis. Nachdem die Zahl der InfektionsfĂ€lle zuletzt im Zuge von teils sehr strengen EinschrĂ€nkungen rapide gesenkt wurde, haben viele Angst, dass die Touristen aus LĂ€ndern mit deutlich höheren Werten – und dazu gehört auch Deutschland – eine neue Corona-Welle verursachen könnten. Zu gut sind noch die Bilder des Sommers 2020 in Erinnerung, als nach monatelangem Lockdown mit "Hausarrest" und Grenzschließungen wieder Tourismus erlaubt wurde und angetrunkene Urlauber aus Deutschland und Großbritannien am Ballermann ohne Corona-Schutz wild Party feierten, aus nĂ€chster NĂ€he mit Fremden flirteten und StraßenhĂ€ndler umarmten.

Auch auf den Balearen mischt sich Skepsis in die Freude. Dabei wissen die Menschen auf den Mittelmeerinseln besser als jeder andere Spanier, dass man ohne die Touristen nicht ĂŒberleben kann. Der Anteil der Reisebranche am Regionaleinkommen betrĂ€gt hier 35 Prozent, fĂŒr ganz Spanien sind es "nur" zwölf Prozent. Im Zuge der Pandemie und der EinschrĂ€nkungen der Reisefreiheit wuchsen Arbeitslosigkeit und Armut auf den Balearen drastisch – mehr als irgendwo sonst in Spanien. Die Schlangen vor den Tafeln werden immer noch tĂ€glich ein StĂŒck lĂ€nger.

"Touristen mĂŒssen sich verantwortungsbewusst verhalten"

Viele sind hier trotzdem dagegen, Tourismus zuzulassen. "Das ist die beste Art und Weise, wieder zum Risikogebiet zu werden", zitierte die "Mallorca Zeitung" den bekannten Insel-Cartoonisten Pau. "FĂŒr eine allenfalls mittelmĂ€ĂŸige Saison" setze man "noch mehr Leben aufs Spiel". Schriftstellerin AntĂČnia Vicens spricht von ĂŒberstĂŒrzten Lockerungen und Musikerin Isis "Apache" Montero meint: "Solange wir Bewohner wĂ€hrend der Osterwoche Restriktionen unterworfen sind – nur Versammlungen von maximal zwei Haushalten, Schließung der Bars und Restaurants um 17 Uhr, Ausgangssperre etc. – sollten sie niemanden hineinlassen, der nicht seinen Erstwohnsitz auf Mallorca hat."

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Im GesprĂ€ch mit der Deutschen Presse-Agentur appelliert Joan Trian Riu, Managing Director der großen mallorquinischen Hotelkette Riu Hotels & Resorts, an die Vernunft: "Die Touristen mĂŒssen sich verantwortungsbewusst verhalten." Ferrer, dessen Vater Ende der 1970er Jahre im legendĂ€ren "Köpi" an der Playa de Palma als erster Fassbier ausgeschenkt hat und so als GrĂŒnder von "Bierstraße" und Ballermann gelten darf, gibt sich unterdessen optimistisch: Nicht nur wegen der noch geltenden EinschrĂ€nkungen, sondern auch wegen der strengeren Gesetze und des Kurswechsels der Branche auf Mallorca, werde "Sauftourismus eine immer geringere Rolle spielen."

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