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Busreisen: Extragebühr für Wunschsitzplatz wird Normalität


Jetzt auch bei Busrundreisen: Extragebühr für Wunschsitzplatz

Von srt, hwr

21.11.2023Lesedauer: 4 Min.
imago 85149710Vergrößern des BildesEin Reisebus fährt in den Dolomiten durch eine enge Kurve (Symbolbild): Anbieter von Busrundreisen verlangen neuerdings häufig eine Extragebühr. (Quelle: Jochen Tack/imago)
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Von wegen freie Sitzwahl im Reisebus. Ein Beispiel aus Oberbayern zeigt: 48 Euro zusätzlich kostet ein garantierter Sitz neben dem Partner. Und das ist kein Einzelfall.

Von Fluggesellschaften kennt man das ja: Da gilt der Flugpreis nur für den "nackten" Flug, und für jede zusätzliche Kleinigkeit muss man extra bezahlen: den Koffer, die Tasse Kaffee und den Wunschsitzplatz. Mittlerweile hat die Preispolitik der Gebührenaufschläge auch die Busrundreisen erreicht: Wer garantiert zusammensitzen will und möglichst auch noch vorn, der muss immer öfter extra zahlen.

Ein Pensionisten-Ehepaar aus Murnau in Oberbayern hatte eine kombinierte Flug-Busrundreise nach Portugal gebucht. Knapp 1.800 Euro zahlten sie für die Flüge und zehn Tage Rundfahrt – der Mann freute sich, dieses Schnäppchen gefunden zu haben. Mit der Buchungsbestätigung flatterte ihm dann aber ein Schreiben ins Haus: "Sichern Sie sich Ihren persönlichen Lieblingsplatz im Bus! Greifen Sie schnell zu, bevor die besten Plätze vergeben sind." Dass jetzt noch weitere Kosten auf ihn zukommen, damit hatte er nicht gerechnet.

Bis zu 78 Euro für den Wunschplatz

Bei der genannten Telefonnummer erfuhr der Reisende dann, dass er auch aus einem anderen Grund schnell handeln sollte. Denn andernfalls könne man – leider – nicht sicherstellen, dass er und seine Partnerin auf der Reise nebeneinander sitzen würden. Also, was tut man nicht alles für den Hausfrieden und das gemeinsame Reiseerlebnis? Der Mann zahlte jedenfalls, um sicherzugehen, dass die beiden die Rundreise lang auf Sitz 3C und 3D Platz nehmen dürfen.

48 Euro kostete ihn diese Sitzplatzreservierung extra. Seine Wahl in der dritten Reihe war immerhin noch deutlich billiger, als wenn er sich für 78 Euro Platz 1A und 1B gleich hinter dem Fahrer gesichert hätte. Allerdings hätte er sich auch billigere feste Plätze weiter hinten aussuchen können. Aber keinesfalls kostenlos: Selbst zwei Sitze in den offenbar am wenigsten gefragten hinteren beiden Reihen hätten 20 Euro gekostet.

Hat er das alles nur falsch verstanden? Nein, teilt uns der Reiseveranstalter auf Nachfrage mit: "Trendtours bietet diesen Service für Busreisen ab Deutschland bereits seit 2020 an. Seit diesem Jahr kann der Wunschsitzplatz auch auf Rundreisen mit Fluganreise gebucht werden. Die Preise starten bei 10 Euro. Paare, die diesen Service nicht nutzen möchten, werden – wie auch bei Fluggesellschaften üblich – automatisch nebeneinander platziert. Natürlich nur bei entsprechender Verfügbarkeit."

Platzreservierung setzt Reisende unter Druck

Es stimmt also: entweder zahlen oder bangen. Eine Spirale, die sich selbst beschleunigt. Denn mit jedem gebuchten Wunschsitzplatz wird der Druck auf die Mitreisenden erhöht, sich ebenfalls einen fixen Sitzplatz zu sichern. Von Easyjet und Ryanair weiß man ja: Für alle, die nicht extra gezahlt haben, bleiben nur die allerschlechtesten Plätze. Immerhin gibt es im Bus wenigstens keine Mittelplätze.

Ist der Wunschsitzplatz ein versteckter Aufpreis? Wir fragten Julia Zeller, die Rechtsreferentin der Verbraucherzentrale Bayern. Ihre Einschätzung: "Das ist eindeutig nicht die feine Art. Und man spürt das Geschmäckle, nach der Buchung aus den Reisenden noch etwas zusätzliches Geld herauszuholen." Aber rechtlich lasse sich das nicht beanstanden. Jedenfalls nicht so lange, wie der Verbraucher "auch ohne Wunschsitzplatzzahlung eine vertragsgemäße Leistung" bekommt. Und vertragsgemäß ist jeder Sitzplatz.

Einen Tipp gibt die Verbraucherschützerin künftigen Urlaubern noch mit auf den Weg: "Wer verhindern will, als Paar während der Reise auseinandergerissen zu werden, der kann sich die nebeneinander liegenden Sitze bei der Buchung zusichern lassen." Das kann zumindest klappen, wenn telefonisch oder im Reisebüro gebucht wird. Online, wie im vorliegenden Fall geschehen, gibt es keine Sonderabsprachen.

Der Veranstalter Trendtours ist übrigens nicht allein mit der Idee, Wunschsitzplätze gegen Aufpreis zu vergeben. Auch der Anbieter Berge & Meer informiert auf seiner Webseite: "Auf einzelnen Rundreisen haben Sie die Möglichkeit einen Sitzplatz in der 1.-3. Reihe gegen eine Gebühr hinzu zu buchen." Ähnlich formuliert es Schuy-Reisen aus dem hessischen Elz: "Buchen Sie Ihren Wunsch-Sitzplatz in unseren Fünf-Sterne-Bistro-Bussen gleich online!"

Auch Ab-in-den-Bus.de stellt fest: "Bei Ihrer Buchung suchen Sie sich bereits Ihren Wunschsitzplatz aus, der dann während der gesamten Reise für Sie fest reserviert ist." Wer zuerst bucht, der sitzt also am besten. Anders halten es die Münchner Studiosus-Reisen. Sie informieren ihre Kunden so: "Wählen Sie Ihren Sitzplatz im Bus nach Belieben. Wir bitten Sie jedoch, die Plätze in der ersten Reihe täglich zu tauschen, sodass jeder einmal die Möglichkeit hat, dort zu sitzen. Eine Vorreservierung fester Sitzplätze ist nicht möglich."

"Gebuchter Platz hatte kein Fenster"

Was ist nun besser: sich frühzeitig den Wunschsitzplatz sichern oder Geld sparen? Wir wollten es genau wissen und haben das bayerische Pensionisten-Ehepaar nach ihrer Reise gefragt, wie es ihnen so gegangen ist. Ihre Antwort: "Unser fest gebuchter Platz hatte kein Fenster, wir haben uns daraufhin auf die freien Plätze weiter hinten gesetzt." Ihr Geld haben sie aber natürlich nicht zurückbekommen.

Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur SRT
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