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Hitzige Diskussion über Gas-Pipeline: "Öffnet Nord Stream 2!"


"Macht dieses Land nicht kaputt – öffnet Nord Stream 2"


Aktualisiert am 25.08.2022Lesedauer: 4 Min.
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Es wird diskutiert, ob Deutschland von Russland über Nord Stream 2 Gas geliefert bekommen sollte oder nicht.Vergrößern des Bildes
Es wird diskutiert, ob Deutschland von Russland über Nord Stream 2 Gas geliefert bekommen sollte oder nicht. (Quelle: IMAGO Images / Christian Ohde)

Nord Stream 2 zu öffnen ist ein Vorschlag, den nicht nur Wolfgang Kubicki macht. Viele t-online-Leser sind ebenfalls für die Inbetriebnahme.

FDP-Vize Wolfgang Kubicki sorgte mit seinem Vorstoß, Nord Stream 2 in Betrieb gehen zu lassen, bei seinen Politkollegen für Empörung. Parteichef Christian Lindner bezeichnete seine Haltung als falsch und abwegig. SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert nannte Kubickis Forderung im t-online-Interview naiv.

Nachdem auch Politikredakteur Luis Reiß einen leidenschaftlichen Kommentar gegen Nord Stream 2 verfasst hatte, erhielt t-online Tausende Zuschriften, in denen er viel Zustimmung, aber auch viel Widerspruch erhielt.

"Wie kann man so egoistisch sein?!"

"In keinem Fall öffnen", fordert t-online-Leserin Ursula Weise. "Der Grund wird in Luis Reiß' Kommentar gut erklärt. Hier wird keiner erfrieren. Einige Grade weniger sind mit warmer Kleidung doch wohl zu ertragen. Die hatten wir 1945 im Winter auf der Flucht in den Westen nicht und sind trotzdem nicht erfroren", berichtet sie.

"In der Ukraine geht es den Menschen wesentlich schlechter als uns, aber hier denken leider viel zu viele nur an sich. Wie kann man so egoistisch sein?!", beklagt sie.

"Wir sind keinem Rechenschaft schuldig"

"Wir haben sehr wenige Rohstoffe in Deutschland", stellt t-online-Leser Ralf Schlag fest. Er befürchtet, dass unsere Wirtschaft nun auch noch den Bach runtergehe. "Bis jetzt hat keine Sanktion gegen Russland gefruchtet, vielleicht sollte man mal was anderes ausprobieren", schlägt er vor.

"Wir sind keinem Rechenschaft schuldig – ob Polen, Ungarn oder wer weiß wem noch in der EU. Die machen auch, was ihnen gerade in den Sinn kommt, und sie kommen durch damit.

In der Marktwirtschaft holt man sich von dort die Rohstoffe, wo sie am billigsten sind. Abhängig machen wir uns von jedem. Egal, wer uns beliefert: Wie schnell aus Freund Feind werden kann, sehen wir jeden Tag aufs Neue."

"Die inländischen Machtspielchen stärken Putin nur"

t-online-Leserin Astrid Schmid schreibt: "Ich bin gegen die Lieferung von Gas über Nord Stream 2. Putin spielt sein narzistisches Spiel mit uns. Es wäre fatal, darauf einzugehen. Die Deutschen brauchen Durchhaltevermögen, dafür benötigen wir aber auch in Deutschland Führungskräfte, die Stärke zeigen. Die ewigen unterschiedlichen Meinungen verwirren unser Volk. Es wird Zeit, dass sich die Parteien zusammentun und uns durch diese Krise vereint führen. Klare Ziele und deren Umsetzung wären wichtig."

Astrid Schmid appelliert an die Parteien, den Kampf um Wählerstimmen hintanzustellen. "Die inländischen Machtspielchen stärken Putin nur. Kommt der Feind von außen, ist es wichtig, eine einheitliche Front zu bilden. Das betrifft Deutschland und die gesamten EU-Staaten."

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"Nord Stream 2 war ein Gebot wirtschaftlicher Vernunft"

"Hatte uns denn Putin gezwungen, diese Röhre zu bauen, damit er uns in erpresserischer Weise an der langen Leine führen kann?", fragt t-online-Leser Hans-Joachim Raeder rhetorisch. "Sie war ein Gebot wirtschaftlicher Vernunft, um für die Übergangszeit, bis zur vollen Wirksamkeit der erneuerbaren Energien, Versorgungssicherheit für Deutschland und seine Nachbarländer zu schaffen", stellt er fest.

"Nun wird heutzutage die Politik nicht von wirtschaftlicher Vernunft getragen, sie ist wertebasiert. Da ist Gas aus Röhre 1 gutes Gas und das gleiche aus Röhre 2 böses Gas, da es Herrn Selenskyj nicht gefällt und die USA die Sanktionskeule schwingen. Wem nutzt es denn, wenn die deutsche Wirtschaft, die in vielen Bereichen der Chemie, Metallurgie und Glasindustrie noch gasbasiert ist, kollabiert?"

"Wollt ihr mit der Ukraine tauschen?"

"Es ist nicht davon auszugehen, dass Putin bei der Öffnung von Nord Stream 2 auch tatsächlich Gas liefern würde, er hätte aber Deutschland weltweit medienwirksam vorgeführt", meint t-online-Leser Gunnar Blonk.

"Während in der Ukraine tapfere Männer und Frauen sich gegen den Aggressor mutig zur Wehr setzen und die unschuldige Zivilbevölkerung hingemetzelt wird, machen sich hierzulande immer mehr Leute Gedanken um ihren schwindenden Wohlstand durch steigende Preise. Wollt ihr mit der Ukraine tauschen?", fragt er zynisch.

"Macht dieses Land nicht kaputt. Öffnet Nord Stream 2!"

t-online-Leserin Petra Bartlau mailt: "Wo ist der Unterschied zwischen Putin, dem Scheich von Katar oder den Fracking-Gas-Herstellern aus Amerika? Ich möchte weder in der Abhängigkeit des einen noch des anderen sein. Da es aber Verträge für bezahlbares Gas mit Putin gibt, wäre das das kleinere Übel", findet sie und stellt die Frage:

"Wie können wir der Ukraine beim Wiederaufbau helfen, wenn unsere eigene Wirtschaft am Boden liegt? Meine Bitte an die Politiker: Macht dieses schöne, erfolgreiche Land nicht kaputt; das würde niemandem helfen! Öffnet Nord Stream 2!"

"Wir wären isoliert und unglaubwürdig"

t-online-Leser René Geffé sieht das anders: "Nord Stream 2 in Betrieb zu nehmen, wäre absolut falsch und kann nicht mehr nur als naiv bezeichnet werden, sondern als absolute Idiotie. International würde uns kein Land auf diesem Globus noch für voll nehmen, und selbst kleine Ländern würden uns zukünftig demütigen, zu Recht. Wir wären im Bündnis zukünftig isoliert und unglaubwürdig. Unseren Worten würde keiner mehr trauen."

Zudem würde es unsere Wirtschaft massiv schädigen, vermutet René Geffé. "Einige Länder würden zum Boykott unserer Waren aufrufen und andere würden uns beim Kauf erpressen. Unser Ansehen, unsere Zuverlässigkeit wären dahin. Wir wären abhängig von Diktaturen und nur bei diesen Ländern willkommen, aber als zahlende Vasallen. Aber auch dort würde man Deutschland keine Achtung mehr entgegenbringen, sondern demütigen und benutzen."

"Einen Abhängigen kann man nicht mit Schocktherapie heilen"

"Auf jeden Fall sollte Nord Stream 2 geöffnet werden", äußert sich t-online-Leser Milan Andrejic überzeugt. "Putin beziehungsweise Russland hat die Droge, und Deutschland ist nun mal abhängig. Einen Abhängigen kann man nicht mit einer Schocktherapie von der Droge heilen, sondern durch eine Therapie. Die dauert bekanntlich und ist umfassender als der kalte Entzug.

Die beispiellos dilettantische und kurzsichtige Politik der vorherigen und der völlig irren Politik der jetzigen Regierung, gesteuert durch die profitgierige Wirtschaft, haben vollkommen versagt und versagen weiterhin. Sie haben Deutschland jahrzehntelang zu der Droge Gas geführt und abhängig gemacht. Es ist absurd, nun am Ende die dafür zahlen zu lassen, die überhaupt keinen Einfluss darauf hatten und haben: die Verbraucher." Milan Andrejic plädiert dafür, Nord Stream 2 aufzumachen "oder die zahlen zu lassen, die Deutschland in diese missliche Lage gebracht haben."

Verwendete Quellen
  • Zuschriften von t-online-Lesern
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