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Im Juli zeigte die Klimakrise, was noch auf uns zukommt

Von Juliane Wellisch

Aktualisiert am 09.08.2020Lesedauer: 4 Min.
Hitzewelle in Sibirien: Das von Greenpeace Russland veröffentlichte Foto zeigt einen Waldbrand in der Region Krasnojarsk.
Hitzewelle in Sibirien: Das von Greenpeace Russland veröffentlichte Foto zeigt einen Waldbrand in der Region Krasnojarsk. (Quelle: Julia Petrenko/Greenpeace Russland via AP/dpa-bilder)
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In Deutschland erleben wir gerade das heißeste Wochenende des Jahres, weltweit wurden Hitzerekorde gebrochen. In welchen Regionen sich schon jetzt Klimakatastrophen abspielen.

Auch wenn Deutschland aktuell unter einer Hitzewelle Ă€chzt, ist der Sommer in Europa bisher nicht außergewöhnlich heiß. Weltweit haben die letzten beiden Monate jedoch wieder gezeigt, dass die Klimakrise inzwischen nicht mehr ein Ereignis fern in der Zukunft ist, sondern bereits in vollem Gange ist.


Zehn Ideen, die das Klima retten sollen

Die Anlagen von Climeworks: Sie filtern CO2 aus der Luft und speichern das Gas entweder unterirdisch in Steinform oder verkaufen es an GewÀchshÀuser oder die GetrÀnkeindustrie.
Synthetische Kraftstoffe: Am Karlsruher Institut fĂŒr Klimaforschung haben Forscher eine schiffscontainergroße Anlage entwickelt, die aus CO2 und Ökostrom Kraftstoffe herstellen kann.
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Desaströse Hitze am Persischen Golf

Am Persischen Golf endete der Juli mit Temperaturen von teilweise ĂŒber 53 Grad Celsius. StĂ€dte wie Basra im Irak lagen damit bei zehn Grad ĂŒber dem sonstigen Durchschnitt fĂŒr diese Jahreszeit. In Bagdad (51,7 Grad) und der syrischen Hauptstadt Damaskus (46 Grad) wurden bisherige Temperaturrekorde gebrochen. Der bisherige Rekord in der Region liegt bei 54 Grad. Zum Vergleich: Weltweit wurde 1913 die bisher höchste Temperatur von 56,7 Grad Celsius im Death Valley (US-Bundesstaat Kalifornien) gemessen.

Doch wĂ€hrend das Death Valley praktisch keine Bewohner hat, liegen am Persischen Golf zahlreiche große StĂ€dte mit mehreren Millionen Einwohnern. Die Extremhitze betrifft dabei auch Regionen, in denen die Versorgung mit ElektrizitĂ€t nicht sichergestellt ist. In Bagdad beispielsweise greifen viele Menschen auf Generatoren zurĂŒck, um Klimaanlagen und KĂŒhlschrĂ€nke zu betreiben – ein lĂ€ngerer Aufenthalt im Freien ist bei Temperaturen um 50 Grad selbst fĂŒr gesunde Menschen gefĂ€hrlich.

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Die Klimakrise wird einer Prognose zufolge immer mehr Regionen aufgrund zu hoher Temperaturen unbewohnbar machen. Demnach könnte in 50 Jahren ein Drittel der Menschheit in solchen nahezu unbewohnbaren Gebieten leben – sofern sie nicht auswandern.

Bagdad, Irak: Menschen kĂŒhlen sich unter Freiluftduschen in den Straßen von Bagdad ab.
Bagdad, Irak: Menschen kĂŒhlen sich unter Freiluftduschen in den Straßen von Bagdad ab. (Quelle: Hadi Mizban/ap-bilder)

Hitzewelle in Sibirien fĂŒhrt zu zahllosen WaldbrĂ€nden

Laut Greenpeace Russland ist seit Anfang 2020 in Russland durch WaldbrĂ€nde eine FlĂ€che von mehr als 19 Millionen Hektar – das entspricht mehr als der HĂ€lfte der FlĂ€che Deutschlands – verbrannt. Die Organisation beruft sich auf Satellitendaten. Vor allem im Juni und Juli wurden die BrĂ€nde durch eine beispiellose Hitzewelle in Sibirien verschĂ€rft – Anfang Juli brannten demnach rund 1,9 Millionen Hektar Wald in Russland, die meisten davon in Sibirien.

Zwar sind auch nördlich des Polarkreises vereinzelt Temperaturen ĂŒber 30 Grad normal. In diesem Jahr wurde jedoch zum ersten Mal die Marke von 100 Fahrenheit (38 Grad Celcius) geknackt. DarĂŒber hinaus halten die hohen Temperaturen mittlerweile seit Wochen an – laut Experten der Weltwetterorganisation WMO ist eine solche Hitzewelle ohne den Klimawandel praktisch unmöglich.

Dabei tragen die WaldbrĂ€nde weiter zur Erderhitzung bei: Zum einen werden bei den BrĂ€nden enorme Menge an Kohlenstoffdioxid in die AtmosphĂ€re freigegeben. Zudem taut der Permafrostboden – wodurch ebenfalls CO2 und Methan freigesetzt werden. Die BrĂ€nde in Sibirien beschleunigen somit den Treibhauseffekt.

Auch im Amazonasgebiet deutet sich die nĂ€chste Waldbrandkatastrophe an – es könnte sogar noch schlimmer kommen als im Jahr 2019. Allein im Juni zĂ€hlte Brasiliens Institut fĂŒr Weltraumforschung (INPE) bei der Auswertung von Satellitenaufnahmen 2.248 BrĂ€nde im Amazonas, 19,5 Prozent mehr als im Juni 2019. Das ist der schlimmste Juni seit 13 Jahren.

Steigende Temperaturen – RĂŒckgang des Meereises

WĂ€hrend in Sibirien der Permafostboden auftaut, geht gleichzeitig auch das arktische Meereis zurĂŒck. Die Ausdehnung ist auf den niedrigsten Juli-Wert seit Beginn der Satellitenmessungen Ende der 1970er Jahre gesunken. In der russischen Arktis sind rund eine Million Quadratkilometer weniger von Meereis bedeckt als im Vergleich zum Mittelwert der vorherigen sieben Jahre, wie das Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut (Awi) mitteilte. In der gesamten Arktis liegt die Meereisausdehnung zurzeit mit sechs Millionen Quadratkilometern 16 Prozent unter dem Mittelwert der Jahre 2013 bis 2019.

Schon im Winter waren im Rahmen der "Mosaic"-Expedition bei der Eisdicke besonders niedrige Werte festgestellt worden. Die Hitzewelle in Sibirien im Mai und Juni fĂŒhrte dann zu einem besonders frĂŒhen Einsetzen der Schmelze. Dabei kommt es laut Meereisphysiker Dr. Marcel Nicolaus vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum fĂŒr Polar- und Meeresforschung, zu einer RĂŒckkopplung: Eis reflektiert Licht und WĂ€rme, wĂ€hrend das dunkle Meerwasser die Sonnenenergie absorbiert – der sogenannte Albedo-Effekt. Dadurch erwĂ€rmt sich das Wasser weiter, noch mehr Eis schmilzt.

Die Handout-Grafik des Alfred-Wegener-Instituts zeigt die Abweichung der Temperatur in der Arktis im Mai 2020 im Vergleich zum Langzeitmittel von 1971-2000.
Die Handout-Grafik des Alfred-Wegener-Instituts zeigt die Abweichung der Temperatur in der Arktis im Mai 2020 im Vergleich zum Langzeitmittel von 1971-2000. (Quelle: Alfred-Wegener-Institut/Meereisportal.de/dpa)

Corona-Krise verlangsamt Klimakrise nicht

Im Folge der Covid19-Pandemie sind weltweit die Treibhausgas-Emissionen gesunken – schließlich wurden IndustrietĂ€tigkeit zurĂŒckgefahren, vielerorts blieben Flugzeuge auf dem Boden und auch der Autoverkehr ging zurĂŒck. Allerdings wird dadurch keineswegs ein Teil der Klimaentwicklung rĂŒckgĂ€ngig gemacht. Im Gegenteil: Die Konzentration an klimaschĂ€dlichen Gasen in der AtmosphĂ€re steigt weiter an. Das erklĂ€rt Klimaforscher Manfred Fischedick im Interview mit t-online.de.

Zudem deutet eine aktuelle Studie von Forschern des Woods Hole Research Center in Falmouth darauf hin, dass die Erhitzung des Planeten am ehesten dem Worst-Case-Szenario RCP 8,5 – also der dramatischsten angenommenen Entwicklung – folgt. Demnach könnte die globale Mitteltemperatur um bis zu 4,8 Grad gegenĂŒber dem vorindustriellen Mittel ansteigen. Dies hĂ€tte verheerende Folgen fĂŒr das Leben auf der Erde.

Zwar wird die Studie in einigen Punkten kritisiert. Allerdings geht auch die Weltwetterorganisation davon aus, dass die ErwÀrmung bald 1,5 Grad erreicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass zwischen 2020 und 2024 eines der Jahre die Temperaturmarke erzielt, liegt bei 20 Prozent.

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Petteri Taalas, GeneralsekretĂ€r der Weltwetterorganisation, sagte Anfang Juli anlĂ€sslich der neuen Prognosen: "WĂ€hrend COVID-19 eine schwere internationale Gesundheits- und Wirtschaftskrise verursacht hat, kann das VersĂ€umnis, den Klimawandel zu bekĂ€mpfen, das menschliche Wohlergehen, Ökosysteme und Volkswirtschaften fĂŒr Jahrhunderte bedrohen." Daher sollten Regierungen "die Gelegenheit nutzen, Klimaschutzmaßnahmen als Teil von Konjunkturprogrammen anzunehmen und sicherstellen, dass wir besser wachsen."

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