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Extremhitze: Der Klimawandel zeigte im Juli, was noch auf uns zukommt


Extremhitze und schmelzendes Eis  

Im Juli zeigte die Klimakrise, was noch auf uns zukommt

Von Juliane Wellisch

09.08.2020, 13:25 Uhr
Extremhitze: Der Klimawandel zeigte im Juli, was noch auf uns zukommt. Hitzewelle in Sibirien: Das von Greenpeace Russland veröffentlichte Foto zeigt einen Waldbrand in der Region Krasnojarsk. (Quelle: dpa/Julia Petrenko/Greenpeace Russland via AP)

Hitzewelle in Sibirien: Das von Greenpeace Russland veröffentlichte Foto zeigt einen Waldbrand in der Region Krasnojarsk. (Quelle: Julia Petrenko/Greenpeace Russland via AP/dpa)

In Deutschland erleben wir gerade das heißeste Wochenende des Jahres, weltweit wurden Hitzerekorde gebrochen. In welchen Regionen sich schon jetzt Klimakatastrophen abspielen.

Auch wenn Deutschland aktuell unter einer Hitzewelle ächzt, ist der Sommer in Europa bisher nicht außergewöhnlich heiß. Weltweit haben die letzten beiden Monate jedoch wieder gezeigt, dass die Klimakrise inzwischen nicht mehr ein Ereignis fern in der Zukunft ist, sondern bereits in vollem Gange ist. 

Desaströse Hitze am Persischen Golf

Am Persischen Golf endete der Juli mit Temperaturen von teilweise über 53 Grad Celsius. Städte wie Basra im Irak lagen damit bei zehn Grad über dem sonstigen Durchschnitt für diese Jahreszeit. In Bagdad (51,7 Grad) und der syrischen Hauptstadt Damaskus (46 Grad) wurden bisherige Temperaturrekorde gebrochen. Der bisherige Rekord in der Region liegt bei 54 Grad. Zum Vergleich: Weltweit wurde 1913 die bisher höchste Temperatur von 56,7 Grad Celsius im Death Valley (US-Bundesstaat Kalifornien) gemessen.

Doch während das Death Valley praktisch keine Bewohner hat, liegen am Persischen Golf zahlreiche große Städte mit mehreren Millionen Einwohnern. Die Extremhitze betrifft dabei auch Regionen, in denen die Versorgung mit Elektrizität nicht sichergestellt ist. In Bagdad beispielsweise greifen viele Menschen auf Generatoren zurück, um Klimaanlagen und Kühlschränke zu betreiben – ein längerer Aufenthalt im Freien ist bei Temperaturen um 50 Grad selbst für gesunde Menschen gefährlich.

Die Klimakrise wird einer Prognose zufolge immer mehr Regionen aufgrund zu hoher Temperaturen unbewohnbar machen. Demnach könnte in 50 Jahren ein Drittel der Menschheit in solchen nahezu unbewohnbaren Gebieten leben – sofern sie nicht auswandern.

Bagdad, Irak: Menschen kühlen sich unter Freiluftduschen in den Straßen von Bagdad ab. (Quelle: AP/dpa/Hadi Mizban)Bagdad, Irak: Menschen kühlen sich unter Freiluftduschen in den Straßen von Bagdad ab. (Quelle: Hadi Mizban/AP/dpa)

Hitzewelle in Sibirien führt zu zahllosen Waldbränden

Laut Greenpeace Russland ist seit Anfang 2020 in Russland durch Waldbrände eine Fläche von mehr als 19 Millionen Hektar – das entspricht mehr als der Hälfte der Fläche Deutschlands – verbrannt. Die Organisation beruft sich auf Satellitendaten. Vor allem im Juni und Juli wurden die Brände durch eine beispiellose Hitzewelle in Sibirien verschärft – Anfang Juli brannten demnach rund 1,9 Millionen Hektar Wald in Russland, die meisten davon in Sibirien.

Zwar sind auch nördlich des Polarkreises vereinzelt Temperaturen über 30 Grad normal. In diesem Jahr wurde jedoch zum ersten Mal die Marke von 100 Fahrenheit (38 Grad Celcius) geknackt. Darüber hinaus halten die hohen Temperaturen mittlerweile seit Wochen an – laut Experten der Weltwetterorganisation WMO ist eine solche Hitzewelle ohne den Klimawandel praktisch unmöglich.

Dabei tragen die Waldbrände weiter zur Erderhitzung bei: Zum einen werden bei den Bränden enorme Menge an Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre freigegeben. Zudem taut der Permafrostboden – wodurch ebenfalls CO2 und Methan freigesetzt werden. Die Brände in Sibirien beschleunigen somit den Treibhauseffekt. 

Auch im Amazonasgebiet deutet sich die nächste Waldbrandkatastrophe an – es könnte sogar noch schlimmer kommen als im Jahr 2019. Allein im Juni zählte Brasiliens Institut für Weltraumforschung (INPE) bei der Auswertung von Satellitenaufnahmen 2.248 Brände im Amazonas, 19,5 Prozent mehr als im Juni 2019. Das ist der schlimmste Juni seit 13 Jahren.

Steigende Temperaturen – Rückgang des Meereises

Während in Sibirien der Permafostboden auftaut, geht gleichzeitig auch das arktische Meereis zurück. Die Ausdehnung ist auf den niedrigsten Juli-Wert seit Beginn der Satellitenmessungen Ende der 1970er Jahre gesunken. In der russischen Arktis sind rund eine Million Quadratkilometer weniger von Meereis bedeckt als im Vergleich zum Mittelwert der vorherigen sieben Jahre, wie das Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut (Awi) mitteilte. In der gesamten Arktis liegt die Meereisausdehnung zurzeit mit sechs Millionen Quadratkilometern 16 Prozent unter dem Mittelwert der Jahre 2013 bis 2019. 

Schon im Winter waren im Rahmen der "Mosaic"-Expedition bei der Eisdicke besonders niedrige Werte festgestellt worden. Die Hitzewelle in Sibirien im Mai und Juni führte dann zu einem besonders frühen Einsetzen der Schmelze. Dabei kommt es laut Meereisphysiker Dr. Marcel Nicolaus vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, zu einer Rückkopplung: Eis reflektiert Licht und Wärme, während das dunkle Meerwasser die Sonnenenergie absorbiert – der sogenannte Albedo-Effekt. Dadurch erwärmt sich das Wasser weiter, noch mehr Eis schmilzt.

Die Handout-Grafik des Alfred-Wegener-Instituts zeigt die Abweichung der Temperatur in der Arktis im Mai 2020 im Vergleich zum Langzeitmittel von 1971-2000. (Quelle: Alfred-Wegener-Institut/Meereisportal.de/dpa)Die Handout-Grafik des Alfred-Wegener-Instituts zeigt die Abweichung der Temperatur in der Arktis im Mai 2020 im Vergleich zum Langzeitmittel von 1971-2000. (Quelle: Alfred-Wegener-Institut/Meereisportal.de/dpa)

Corona-Krise verlangsamt Klimakrise nicht

Im Folge der Covid19-Pandemie sind weltweit die Treibhausgas-Emissionen gesunken – schließlich wurden Industrietätigkeit zurückgefahren, vielerorts blieben Flugzeuge auf dem Boden und auch der Autoverkehr ging zurück. Allerdings wird dadurch keineswegs ein Teil der Klimaentwicklung rückgängig gemacht. Im Gegenteil: Die Konzentration an klimaschädlichen Gasen in der Atmosphäre steigt weiter an. Das erklärt Klimaforscher Manfred Fischedick im Interview mit t-online.de.

Zudem deutet eine aktuelle Studie von Forschern des Woods Hole Research Center in Falmouth darauf hin, dass die Erhitzung des Planeten am ehesten dem Worst-Case-Szenario RCP 8,5 – also der dramatischsten angenommenen Entwicklung – folgt. Demnach könnte die globale Mitteltemperatur um bis zu 4,8 Grad gegenüber dem vorindustriellen Mittel ansteigen. Dies hätte verheerende Folgen für das Leben auf der Erde.


Zwar wird die Studie in einigen Punkten kritisiert. Allerdings geht auch die Weltwetterorganisation davon aus, dass die Erwärmung bald 1,5 Grad erreicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass zwischen 2020 und 2024 eines der Jahre die Temperaturmarke erzielt, liegt bei 20 Prozent. 

Petteri Taalas, Generalsekretär der Weltwetterorganisation, sagte Anfang Juli anlässlich der neuen Prognosen: "Während COVID-19 eine schwere internationale Gesundheits- und Wirtschaftskrise verursacht hat, kann das Versäumnis, den Klimawandel zu bekämpfen, das menschliche Wohlergehen, Ökosysteme und Volkswirtschaften für Jahrhunderte bedrohen." Daher sollten Regierungen  "die Gelegenheit nutzen, Klimaschutzmaßnahmen als Teil von Konjunkturprogrammen anzunehmen und sicherstellen, dass wir besser wachsen."

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