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Wind und Sonne: Weltweiter Ökostrom-Rekord macht Hoffnung


Noch nie gab es so viel Strom aus Wind und Sonne


Aktualisiert am 30.03.2022Lesedauer: 5 Min.
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Eine Frau säubert die Sonnenkollektoren ihrer Nachbarschaft in Mauretanien: Kleine Anlagen tragen ebenso zum globalen grünen Stromrekord bei wie riesige Wind- und Solarparks.Vergrößern des Bildes
Eine Frau säubert die Sonnenkollektoren ihrer Nachbarschaft in Mauretanien: Kleine Anlagen tragen ebenso zum globalen grünen Stromrekord bei wie riesige Wind- und Solarparks. (Quelle: Raphael Pouget / Climate Visuals Countdown)

Ein Zehntel des weltweiten Stroms stammt inzwischen aus Wind- und Sonnenenergie. Deutschland liegt international weit vorne – und muss sich dennoch strecken.

Die Zahl scheint relativ klein, doch sie ist ein wichtiger Meilenstein. Windkraft und Solarenergie haben im vergangenen Jahr erstmals zehn Prozent des globalen Stromverbrauchs gedeckt, so die neueste Analyse des britischen Energieinstituts Ember. Zu keinem anderen Zeitpunkt ist die Stromversorgung der Erde demnach bisher so grün gewesen.

Insgesamt 50 Länder schaffen es inzwischen, mindestens ein Zehntel ihrer Elektrizität aus Wind und Sonne zu gewinnen. Allein 2021 stieg die Energieerzeugung mittels Windkraft um 14 Prozent, bei Photovoltaik sogar um 23 Prozent.

Nimmt man Windkraft und Solarstrom zusammen, bilden die beiden nun die viertgrößte Stromquelle der Welt. Im Durchschnitt decken sie 10,3 Prozent des gesamten Stromverbrauchs der Erde, der höchste Stand aller Zeiten.

Großer Fortschritt in ärmeren und fossillastigen Ländern

Während Deutschland, die USA und Großbritannien die Zehn-Prozent-Marke bereits geknackt hatten, erreichten im vergangenen Jahr auch die großen Volkswirtschaften Japan und China dieses Niveau. Ebenso generieren jetzt auch die Mongolei, El Salvador, Argentinien, Ungarn und Vietnam mindestens ein Zehntel ihres Stroms durch Wind und Sonne – wobei Vietnam besonders rasant auf grüne Quellen umstellt.

Innerhalb von nur zwei Jahren ist es dort gelungen, den Anteil der Wind- und Solarenergie im Strommix von weniger als ein Prozent auf knapp elf Prozent zu heben. Ähnlich schnell ging der Zuwachs in diesem Bereich zuletzt auch in Australien, das sonst eher für seine starke Abhängigkeit von Kohleenergie bekannt ist.

Mit bestem Beispiel geht derweil ein skandinavisches Land voran. In Dänemark wurde vergangenes Jahr der weltweit höchste Anteil an Ökostrom aus Wind und Sonne erreicht: Der nördliche Nachbar der Bundesrepublik deckte 52 Prozent seines gesamten Strombedarfs allein mithilfe von Photovoltaik- und Windkraftanlagen.

Und hat so gezeigt, dass auch solche erneuerbaren Energien in großem Umfang ins Stromnetz eingespeist werden können, die wegen wechselnder Sonnenscheindauer und Windstärke eher variabel sind. Nach Dänemark, Uruguay und Spanien rangiert Deutschland mit seinem Solar- und Windstromanteil international auf Platz vier.

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Trotz des Erfolgs: Der Weg ist noch weit

Insgesamt hat sich der Anteil von Wind- und Solarstrom am weltweiten Elektrizitätsmix verdoppelt, seit 2015 das Pariser Klimaabkommen vereinbart wurde. Auch das ist ein kleiner Hoffnungsschimmer in Sachen Energiewende.

"Erfolge zu feiern, ist immer gut und motiviert für den weiteren Weg", sagt Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energien an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Doch auf diesem Fortschritt dürfe man sich nicht ausruhen.

"Die zehn Prozent Wind- und Solarstrom weltweit zeigen auch: Der Weg ist noch weit und er muss jetzt schnell gegangen werden", so Quaschning. Denn der Stromverbrauch steigt auf der ganzen Welt – zumindest momentan noch schneller, als die erneuerbaren Energien hinterherkommen.

Steigender Stromverbrauch verlangt nach mehr Windkraft und Solar

Die Gründe dafür sind vielfältig: Neben der Erholung des weltweiten Handels nach der Corona-Pandemie spielt es auch eine Rolle, dass der Lebensstandard der Mittelschicht in Schwellenländern wie China, Indien und Brasilien sich dem im Westen mehr und mehr annähert.

Hinzu kommen laut der Internationalen Energieagentur (IEA) auch die Mobilitäts- und die Wärmewende – der wichtigste Motor für E-Autos und Wärmepumpen ist Strom. Und auch die Klimakrise wirkt sich aus: Immer mehr Menschen weltweit nutzen energieintensive Klimaanlagen, um auch bei steigenden Temperaturen arbeiten und schlafen zu können.

Für den Zeitraum von 2022 bis 2024 geht die IEA davon aus, dass die Stromnachfrage weltweit jedes Jahr um durchschnittlich 2,8 Prozent steigen wird. Um zu verhindern, dass klimaschädliche Brennstoffe wie Gas und Kohle die Lücke füllen, müssen die Erneuerbaren Energien ordentlich zulegen.

So wie es aussieht, ist das zwar eine Herausforderung, aber nicht zwingend ein Problem.

Bei der IEA erwartet man, dass die globale Ökostromerzeugung jährlich um rund acht Prozent wächst und damit den allergrößten Teil der wachsenden Stromnachfrage decken kann. Ob das jedoch ebenfalls reicht, um das UN-Klimaziel einzuhalten und die globale Erderwärmung bei 1,5 Grad zu stoppen, ist fraglich.

Die Energieexperten von Ember rechnen vor, wie auch das funktionieren kann: Der Ausbau von Windkraft- und Photovoltaikanlagen muss demnach schneller laufen als je zuvor. Genauer gesagt: Bis 2030 muss der gemeinsame Anteil dieser Energien am globalen Strommix jedes Jahr um 20 Prozent steigen.

Zuletzt dauerte es noch ein ganzes Jahrzehnt, um in diesem Sektor so viel zuzulegen. Dennoch hofft man bei Ember, dass die Welt nicht vor dieser Herausforderung zurückschreckt. Denn vieles spricht für einen massiven Zubau.

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Schon jetzt sind Solarpaneele und Windräder neben Wasserkraft die günstigsten aller Energiequellen. Und haben einigen anderen erneuerbaren Stromquellen noch etwas voraus.

Im Gegensatz zur Verbrennung von Holzpellets oder Biogas entstehe bei der Erzeugung von Wind- und Solarstrom kein zusätzliches Risiko, die globale Erderwärmung noch weiter anzufeuern.

Höchste Zeit für Deutschlands Öko-Turbo

Im internationalen Vergleich steht die Bundesrepublik auf einem der vordersten Plätze in Sachen Wind- und Solarenergie: 32 Prozent der Nettostromerzeugung laufen hier bereits mithilfe von Windrädern und Sonnenkollektoren. Doch um nicht schon bald von anderen Ländern überholt zu werden, muss deutlich mehr geschehen als bisher.

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"Die deutsche Energiewende war bislang durch viel 'Stop and Go' und viel Bürokratie geprägt", sagt Energieforscher Volker Quaschning. "Nach zwei Schritten vor, haben wir immer wieder einen Schritt zurück gemacht."

Das zeigt sich besonders beim stockenden Ausbau der Windenergie im Land: Während es Anfang der 2010er gut voran ging, sind in den vergangenen Jahren vergleichsweise wenig neue Windparks entstanden. Auch neue Photovoltaikanlagen werden wieder deutlich langsamer gebaut als noch vor zehn Jahren.

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Bei vielen ist die Hoffnung groß, dass das mit der neuen Regierung besser wird. "Schauen wir mal, was von den vielen Versprechen am Jahresende noch übrig ist, oder ob die Regierung unter den Eindrücken des Überfalls auf die Ukraine noch eine Schippe drauflegt", sagt Volker Quaschning dazu.

Dass ein Ausbauturbo in jedem Fall nötig wäre, zeigt eine Studie, die Quaschning mit Kolleginnen und Kollegen an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin erstellt hat. Demnach ist viel Luft zwischen den Ankündigungen der Ampel und dem Klimaschutzbeitrag, den Deutschland im Pariser Klimaabkommen versprochen hat.

"Wir sollten darauf hinarbeiten, zwischen 2030 und 2035 vollständig unabhängig von den fossilen Energieträgern Erdöl, Erdgas und Kohle zu werden", so Quaschning. Der wichtigste Hebel hierfür sei der massive Ausbau von Windkraftanlagen und Photovoltaik – die Zielmarken, die Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck ausgegeben habe, reichten bei Weitem nicht.

"Die Ausbauziele müssten noch einmal verdoppelt werden, alle erkennbaren Hürden müssten beseitigt werden und vor allem muss jetzt endlich mal Tempo gemacht werden", betont Quaschning. Das sei nicht nur für das Klima nötig, sondern helfe auch angesichts der angespannten Situation rund um russische Gas- und Öllieferungen.

Bei einem drohenden Lieferstopp aus Russland trage jede neue Solar- und Windkraftanlage dazu bei, einen kalten Entzug abzufedern. "Da kann es nicht sein, dass die Gesetze dafür monatelang im Klimaschutzministerium ausgebrütet werden", findet Energieexperte Quaschning.

Verwendete Quellen
  • Schriftliches Statement von Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin
  • Ember (2022): "Global Electricity Review 2022"
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