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Nach Sturm in Texas: "Klima der Angst unter den Migranten"


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Klima der Angst unter Migranten in Houston

Von ap
Aktualisiert am 04.09.2017Lesedauer: 3 Min.
Seit Jahresbeginn nahm allein das Houstoner Büro der US-Einwanderungs- und Zollbehörde etwa 10.000 Menschen fest.
Seit Jahresbeginn nahm allein das Houstoner Büro der US-Einwanderungs- und Zollbehörde etwa 10.000 Menschen fest. (Quelle: LM Otero/ap-bilder)
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Schon vor dem Wirbelsturm "Harvey" herrschte unter den Migranten infolge der harten Einwanderungspolitik von Präsident Donald Trump ein Klima der Angst. Nach dem Sturm sind sie besonders auf staatliche Unterstützung angewiesen. Doch ihre Angst hemmt die Einwanderer, diese Hilfe auch in Anspruch zu nehmen.

Alain Cisneros läuft an Tausenden Feldbetten im Kongresszentrum von Houston entlang. Der Sozialarbeiter hält ein Poster hoch, auf dem in großen schwarzen Buchstaben auf Spanisch "Haben Sie Fragen?" steht. Er zieht einen Stuhl heran und setzt sich neben eine Frau aus Honduras, lässt sich ihre traumatischen Erlebnisse während des Wirbelsturms "Harvey" erzählen. Ricxy Sanchez musste ihre drei kleinen Kinder in Sicherheit bringen, als in ihrer Wohnung das Wasser bis auf Brusthöhe stieg.


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Cisneros versucht, sie aufzubauen. Er versichert Sanchez, dass sie trotz ihres illegalen Aufenthalts in den USA keine Angst vor einer Abschiebung haben muss, wenn sie staatliche Hilfe beantragt. Die junge Frau hat durch die Überschwemmungen fast ihre gesamten Habseligkeiten verloren und denkt nun darüber nach, in ihr von Gewalt erschüttertes Heimatland zurückzukehren. "Sollen wir hier bleiben und mit unseren Kindern leiden?", fragt sie und schüttelt den Kopf.

Die Szene illustriert die komplexen Folgen einer Naturkatastrophe im Ausmaß von "Harvey". Houston ist eine Stadt mit schätzungsweise 600.000 illegal eingewanderten Bewohnern, die unter der Trump-Regierung ohnehin bereits in ständiger Angst leben. Die Behörden schicken Sozialarbeiter wie Cisneros in Notunterkünfte wie das George R. Brown Convention Center, um die verunsicherten Menschen zu beruhigen. Auch über soziale Medien und spanischsprachige Medienkanäle werden Informationen verbreitet.

"Wir haben alles verloren"

Die Einwanderer treiben die gleichen Sorgen um wie alle anderen Hochwasseropfer: Wann können sie in ihre Häuser zurückkehren? Wann können sie wieder anfangen, Geld zu verdienen? Wie werden sie ihre Verluste ersetzen? Doch bei denjenigen, die sich ohne Papiere im Land aufhalten, kommt zu all diesem Chaos die Angst vor einer Abschiebung hinzu. "Wir haben im Grunde alles verloren", sagt Sanchez und trinkt dabei Kaffee aus einem Styroporbecher. "Alles."

Die 23-Jährige, die vor einem Jahr aus Honduras in die USA kam, zieht ihre drei Kinder im Alter von ein, zwei und fünf Jahren alleine groß. Sie erzählt Cisneros, dass die Familie von ihrem Einkommen als Putzfrau lebt, seit Sanchez vor zwei Monaten ihren gewalttätigen Ehemann verließ. Der 38-jährige Cisneros, der selbst vor 20 Jahren aus Mexiko nach Houston kam, beteuert: Sie als Opfer häuslicher Gewalt genieße einen besonderen Schutzstatus mit besseren Chancen auf Asyl.

Houston ist eine der demografisch vielfältigsten Metropolregionen der USA. Nur in Los Angeles und New York leben mehr Einwanderer ohne Papiere. Der Anteil an Latinos und Asiaten im Raum Houston hat sich in den vergangenen 20 Jahren fast verdoppelt. Im landesweiten Vergleich haben hier unterdurchschnittlich wenige Einwanderer die amerikanische Staatsbürgerschaft. Die Stadt hat die drittgrößte Population an Mexikanern, Vietnamesen und Honduranern, auch viele Pakistaner, Nigerianer, Philippiner und Inder leben hier.

Klima der Angst unter den Migranten

Schon vor "Harvey" herrschte unter den Migranten infolge der harten Einwanderungspolitik von Präsident Donald Trump ein Klima der Angst. Seit Jahresbeginn nahm das Houstoner Büro der US-Einwanderungs- und Zollbehörde etwa 10.000 Menschen fest - das sind die zweitmeisten landesweit. Nur in Dallas gab es mehr Festnahmen.

Als zur Unterstützung der Rettungsmaßnahmen Boote des Grenzschutzes auftauchten, reagierten viele Einwanderer verschreckt. Der Grenzschutz wie auch die Einwanderungs- und Zollbehörde versicherten aber, im Zuge der Hilfsaktion werde niemand festgenommen.

Der Bürgermeister von Houston, Anwalt Sylvester Turner, erntete viel Lob von Migrantenorganisationen, als er am Montag erklärte, er würde jeden vertreten, der nach einem Hilfsgesuch wegen illegaler Einwanderung festgenommen werde.

"Okay, jetzt glauben wir es"

"Das war eine große Sache", sagt Cesar Espinosa von der Interessengruppe Einwandererfamilien und Studenten in Not. "Die Leute hören das von uns und sagen: "Na ja, ihr sagt uns, dass wir ruhig bleiben sollen." Aber wenn sie das von einem Beamten hören, sagen sie: "Okay, jetzt glauben wir es.""

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Im Kongresszentrum kümmert sich Sozialarbeiter Cisneros auch um Adabella Fonseca. Die 35-Jährige ruht sich zusammen mit ihrer zehn Monate alten Tochter auf einem Feldbett aus, während ihr Mann den Schaden an dem Wohnwagen inspiziert, in dem die Familie lebt. Der Trailer war vor einer Woche komplett überflutet worden.

Sie habe es aus Angst vor den Einwanderungsbehörden vermeiden wollen, in dem Zentrum Zuflucht zu suchen, erzählt Fonseca, die seit ihrem ersten Lebensjahr in den USA lebt. Jetzt hat sie Angst, die Notunterkunft wieder zu verlassen.

Cisneros, der schon nach den Wirbelstürmen "Katrina" 2005 und "Ike" 2008 Einwanderer betreute, drückt Fonsecas Hand, tröstet sie und verspricht ihr Unterstützung. Bevor er geht, fragt er die junge Frau, wie es ihr geht. "Besser", sagt sie mit einem kleinen Lächeln.

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