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Klimagipfel endet mit EnttÀuschung statt Fortschritten

Von dpa
Aktualisiert am 15.12.2019Lesedauer: 4 Min.
Bei der Klimakonferenz in Madrid waren rund 200 Staaten vertreten.
Bei der Klimakonferenz in Madrid waren rund 200 Staaten vertreten. (Quelle: Benoit Doppagne/BELGA/dpa./dpa)
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Madrid (dpa) - Nach einem komplizierten Verhandlungsmarathon ist der zweiwöchige Weltklimagipfel in Madrid ohne nennenswerte Fortschritte im Kampf gegen die ErderwÀrmung zu Ende gegangen.

Das Plenum einigte sich zwar darauf, alle knapp 200 Staaten an ihre Zusage zu erinnern, 2020 ihre Klimaschutzziele fĂŒr 2030 nach Möglichkeit zu verschĂ€rfen. Die wichtige Debatte zu Regeln fĂŒr den Handel mit Klimaschutz-Gutschriften wurde aber auf das nĂ€chste Jahr vertagt.

UmweltverbĂ€nde und Klimaaktivisten reagiertentief enttĂ€uscht und teils wĂŒtendauf die BeschlĂŒsse. Auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) Ă€ußerte sich unzufrieden. "Das waren harte Verhandlungen in Madrid. Leider werden die Ergebnisse den dringend nötigen Fortschritten beim Klimaschutz nicht gerecht", erklĂ€rte sie.

Schulze war wie viele Regierungsvertreter am Schlusstag der Klimakonferenz bereits abgereist. "In Madrid hat sich erneut gezeigt: Es braucht viel Kraft, die Staaten der Welt zusammenzuhalten", sagte sie. Die Bremser dĂŒrften nicht den Takt vorgeben.

Beobachter hatten in den vergangenen Tagen immer wieder gemahnt, einige Staaten, allen voran Brasilien, Australien, Saudi-Arabien und die USA, hĂ€tten Entscheidungen immer wieder blockiert. Auch UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres hatte auf mehr Einheit und konkretere Ergebnisse gehofft. Die internationale Gemeinschaft habe eine wichtige Gelegenheit verstreichen lassen, schrieb er auf Twitter. "Aber wir dĂŒrfen nicht aufgeben. Und ich werde nicht aufgeben." Klimaaktivisten aus aller Welt, darunter Greta Thunberg, kĂŒndigten ebenfalls an, ihren Kampf unermĂŒdlich fortzusetzen.

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Zuvor war das Abschlussplenum immer wieder verschoben worden. Eigentlich sollte die UN-Konferenz schon am Freitagabend vorbei sein. Noch nie zuvor hatte ein Weltklimagipfel so lange ĂŒberzogen: Erst 40 Stunden nach dem geplanten Ende besiegelte die KonferenzprĂ€sidentin und chilenische Umweltministerin Carolina Schmidt die Einigung auf die AbschlusserklĂ€rung mit einem Hammerschlag.

Das Treffenscheiterte dennoch mit seinem zentralen Vorhaben, den globalen Handel mit Klimaschutz-Gutschriften zu regeln. Nun wird eine Einigung im kommenden Jahr in Glasgow angestrebt.

Die Idee: Wenn ein Land seine Ziele beim Einsparen klimaschĂ€dlicher Treibhausgase ĂŒbererfĂŒllt, soll es Gutschriften verkaufen können. Es gab aber bis zuletzt heftigen Streit, wie genau angerechnet werden soll - auch, damit nicht doppelt gezĂ€hlt wird. Die Position vieler Staaten - darunter Deutschland - war, lieber keinen Kompromiss zu akzeptieren als einen schlechten.

Luisa Neubauer, fĂŒhrende Aktivistin der Klimabewegung Fridays For Future, erklĂ€rte, die Regierungen seien damit gescheitert, ihre Ambitionen der KrisenrealitĂ€t anzupassen. "Die COP25 lĂ€sst uns nach einem Jahr mit beispiellosen Klimaprotesten ohne signifikanten Fortschritt zurĂŒck."

Die Hilfsorganisation Brot fĂŒr die Welt machte insbesondere den Industriestaaten schwere VorwĂŒrfe. "Es ist extrem verantwortungslos, egoistisch und kurzsichtig, dass sie Finanzzusagen gegenĂŒber den Ă€rmsten Staaten fĂŒr die BewĂ€ltigung von KlimaschĂ€den verwehren", bilanzierte die Organisation. Sven Harmeling von der Organisation Care fragte: "Wie laut muss noch demonstriert werden, wie viele Warnungen muss die Wissenschaft noch aussprechen, wie viele junge Leute mĂŒssen ihre ganz reale Zukunftsangst noch Ă€ußern, damit die großen WirtschaftsmĂ€chte sich endlich nicht mehr taub stellen?"

Die internationale Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan erklĂ€rte zornig: "Die Regierungen mĂŒssen sich komplett neu aufstellen, denn das Ergebnis der COP25 ist völlig inakzeptabel." Und der WWF Deutschland bezeichnete den Konferenzausgang als "gruseligen Fehlstart in das fĂŒr die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens so entscheidende Jahr 2020".

Ziel des vor vier Jahren geschlossenen Pariser Paktes ist, die ErderwĂ€rmung auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. DafĂŒr muss der Ausstoß von Treibhausgasen vor allem aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas in den kommenden Jahren drastisch sinken; bisher steigt er aber weiter.

GipfelprĂ€sidentin Schmidt lobte immerhin, dass sich inzwischen 120 Staaten zum Ziel der KlimaneutralitĂ€t bis 2050 bekannt hĂ€tten. Die Zahl der Staaten in der sogenannten Climate Ambition Alliance habe sich damit verdoppelt. Wie ein Lichtstrahl in tiefer Dunkelheit war zuvor bereits der "Green Deal" aus BrĂŒssel zur Kenntnis genommen worden, mit dem die EuropĂ€ische Union Anlauf nimmt, bis 2050 der erste "klimaneutrale" Kontinent der Erde zu werden.

Dennoch, die derzeitige Entwicklung ist dĂŒster: Schon jetzt hat sich die Erde nach Befunden des Weltklimarats um rund ein Grad aufgeheizt. Und die vergangenen vier Jahre waren die wĂ€rmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Zu den Folgen zĂ€hlen mehr extreme Wetterereignisse, also je nach Region mehr Hitzewellen, DĂŒrren und WaldbrĂ€nde, aber auch Hurrikans, Überflutungen und Starkregen.

Geht es so weiter wie bisher, lĂ€ge der Temperaturanstieg Ende des Jahrhunderts bei 3,4 bis 3,9 Grad. Angestrebt werden aber maximal 1,5 Grad, um die gefĂ€hrlichsten Kipppunkte im Ökosystem zu meiden. Wissenschaftler hatten bei der Konferenz eindringlich erlĂ€utert, dass nicht abzuschĂ€tzen sei, welche Folgen eine Temperaturerhöhung auf ĂŒber 1,5 Grad fĂŒr den Planeten und seine Bewohner haben könnte.

Der Umgang mit SchÀden und Verlusten gerade in Àrmeren LÀndern durch die Folgen des Klimawandels bleibt somit ebenfalls ein Dauerthema. Aus Sicht vieler kam das Thema in Madrid zu kurz. Zahlreiche besonders betroffene Staaten, darunter die afrikanische Gruppe, zeigten sich zum Gipfel-Abschluss unzufrieden.

Das Thema wird 2020 sicher wieder auf der Agenda stehen. Vorgesehen ist zudem schon lĂ€nger, dass 2020 die Staaten ihre nationalen PlĂ€ne fĂŒr den Klimaschutz nachbessern - das sollte der Gipfel in Madrid vorbereiten. Nun werden die Staaten an diese Zusage erinnert. Der nĂ€chste UN-Klimagipfel findet im nĂ€chsten Herbst in Glasgow statt.

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