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Russland: Putin-Kritiker Nawalny in Moskau von Maskierten abgeführt

Computer und Datenträger beschlagnahmt  

Putin-Kritiker Nawalny in Moskau von Maskierten abgeführt

26.12.2019, 12:57 Uhr | AFP, dpa, jp

Russland: Putin-Kritiker offenbar auf Militärbasis verschleppt

Seit Montag wird der Putin-Kritiker Ruslan Schaweddinow vermisst. Offenbar wird er auf einer geheimen Luftwaffenbasis in Nowaja Semlja festgehalten. (Quelle: t-online.de)

Putin bestimmt die Schlagzeilen: Während der russische Präsident sich beim Eishockey vergnügt, geht er offenbar gleichzeitig knallhart gegen seine Kritiker vor. (Quelle: t-online.de)


In Moskau ist der Anti-Korruptions-Kämpfer und Kritiker Putins Alexej Nawalny offenbar gewaltsam abgeführt worden. Zuvor war bereits ein Mitarbeiter Nawalnys auf eine Militärbasis in der Arktis gebracht worden.

Maskierte sind in Moskau gegen den russischen Oppositionsführer Alexej Nawalny mit Gewalt vorgegangen. Er sei abgeführt, aber nicht festgenommen worden, teilte Nawalny auf Twitter mit. Zudem gebe es in den Räumen des Anti-Korruptions-Kämpfers eine neue Razzia. Es würden wie in der Vergangenheit Computer und Datenträger beschlagnahmt. Nawalny veröffentlichte ein Foto von sich bei Instagram in Begleitung der Männer mit schwarzen Uniformen, Masken und Helmen.

Der Kremlgegner teilte mit, dass der Sicherheitsapparat auf seine Organisation FBK gehetzt worden sei, weil diese sich weigere, ein Video mit Korruptionsvorwürfen gegen Regierungschef Dmitri Medwedew bei YouTube zu löschen. Das Video sahen bisher fast 33 Millionen Menschen (Stand Donnerstag).

Nawalny erzielt mit seinen Enthüllungen zur Korruption in Russlands Machtzirkeln landesweit hohe Aufmerksamkeit. Zuletzt wichen Nawalnys Mitarbeiter auf eine pornografische Webseite aus, weil ein Video bei YouTube blockiert worden war.

Enger Vertrauter von Nawalny in der Arktis festgehalten

Die Enthüllungen führen in aller Regel in Russland nicht dazu, dass Ermittler wegen der Vorwürfe Verfahren einleiten. Sie nehmen sich vielmehr jene vor, die auf eigene Initiative Beweise gegen Staatsdiener sammeln. Nawalny war bereits in der Vergangenheit immer wieder festgenommen worden. Sein Team erklärte die Festnahme auch damit, dass eine für Donnerstagabend geplante Sendung mit weiteren kremlkritischen Inhalten verhindert werden sollte.

Zuvor war bekannt geworden, dass ein weiterer Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin widerrechtlich zum Militärdienst eingezogen und in eine entlegene Basis in der Arktis gebracht worden sei. Kremlkritiker Alexej Nawalny schrieb vor dem Einsatz in seinen Räumen davon, dass sein Weggefährte Ruslan Schaweddinow auf einer geheimen Luftabwehrbasis im entlegenen Nowaja-Semlja-Archipel als "politischer Gefangener" festgehalten werde.

Der 23-Jährige wurde seit Montag vermisst. Laut Nawalny soll die Polizei in die Moskauer Wohnung Schaweddinows eingedrungen und ihn sofort festgenommen und abtransportiert haben. Schaweddinow arbeitete als Projektmanager für Nawalnys Anti-Korruptions-Stiftung. Die Stiftung wurde von den russischen Behörden in diesem Jahr als "ausländischer Agent" eingestuft. Gegen sie wird wegen angeblicher Geldwäsche ermittelt.

Wehrdienst oder Entführung?

In Russland gilt die Wehrpflicht. Sie betrifft Männer im Alter zwischen 18 und 27 Jahren, die Dienstzeit beträgt ein Jahr. Ein Armeesprecher sagte der Nachrichtenagentur Tass, Schaweddinow habe sich seit langem vor dem Wehrdienst gedrückt. Seine jetzige Einberufung entspreche dem Gesetz.

Nawalny führte hingegen ins Feld, Schaweddinow sei aus gesundheitlichen Gründen für den Wehrdienst ungeeignet. Auch sei er ohne jegliche Grundausbildung zum Nowaja-Semlja-Archipel entsandt worden.

Wjatscheslaw Gimadi, ein Anwalt von Nawalnys Stiftung, sprach von einer "Entführung" Schaweddinows und warf Putin sowie Verteidigungsminister Sergej Schoigu vor, direkt dafür verantwortlich zu sein. Einige Unterstützer Schaweddinows demonstrierten am Mittwochabend in Moskau vor dem Sitz des Generalstabs der russischen Streitkräfte.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur AFP, dpa

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