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Spanien kÀmpft im "Winterschlaf" gegen das Coronavirus

dpa, Emilio Rappold

Aktualisiert am 31.03.2020Lesedauer: 3 Min.
Eine Person in Schutzanzug bewegt sich ĂŒber ein abgesperrtes GelĂ€nde in Sevilla: Die spanische Regierung hat dem Land einen "Winterschlaf" verordnet. Zwei Wochen lang soll fast alles still stehen.
Eine Person in Schutzanzug bewegt sich ĂŒber ein abgesperrtes GelĂ€nde in Sevilla: Die spanische Regierung hat dem Land einen "Winterschlaf" verordnet. Zwei Wochen lang soll fast alles still stehen. (Quelle: /dpa-bilder)
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In Spanien starben zuletzt ĂŒber 800 Menschen pro Tag an den Folgen des Coronavirus. Die Regierung geht deshalb nun aufs Ganze und legt das Land lahm. Das sorgt fĂŒr viel Ärger im Land.

Spanien hatte in den vergangenen Tagen knapp alle zwei Minuten einen Corona-Toten zu beklagen. Ähnlich dramatische Zahlen gab es zuletzt nur in Italien. Den Intensivstationen droht der Kollaps. Um die EindĂ€mmung der Krise zu beschleunigen, beschloss die linke Regierung eine drastische VerschĂ€rfung des Ausgangsverbots, die am Dienstag voll in Kraft trat. Zum Ärger vieler Unternehmer und Politiker, die deshalb den bisher trotz einiger Fehler geschonten MinisterprĂ€sidenten Pedro SĂĄnchez nun attackieren. Das Blatt "El Mundo" schrieb, der "Winterschlaf", wie Madrid die Aktion nennt, werde fĂŒr die viertgrĂ¶ĂŸte EU-Volkswirtschaft "tödlich" sein.

Im Video: Spanien setzt Wasserwerfer gegen Corona ein

Bisher durften in Spanien alle BĂŒrger, die nicht im Homeoffice arbeiten konnten, trotz der seit dem 15. MĂ€rz und noch bis zum 11. April geltenden Ausgangssperre zum Arbeitsplatz fahren. Das ist nun vor allem in weiten Teilen der Industrie und im Bausektor fĂŒr die nĂ€chsten knapp zwei Wochen vorbei. Die betroffenen Arbeitnehmer sollen ihr Gehalt zwar weiterhin beziehen, die nicht geleisteten Stunden aber spĂ€ter nachholen. Nur die Menschen, die in "wesentlichen Sektoren" tĂ€tig sind, dĂŒrfen weiterhin das Haus verlassen, um ihren Jobs nachzugehen.

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Warnungen vor einer "sozialen Krise"

Experten warnen die Regierung, durch den "Winterschlaf" könnten bis zu vier Millionen Jobs vernichtet werden. "So geht das nicht! Die Regierung hat uns nicht einmal um Rat gefragt", klagte Antonio Garamendi, der PrÀsident des Unternehmerverbandes CEOE, am Montag im Interview des Radiosenders "RNE". Durch das Lahmlegen der Wirtschaft drohe "nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine soziale Krise". "Man treibt uns in den Bankrott", schimpfte neben unzÀhligen Arbeitgebern und Arbeitnehmern auch der PrÀsident des spanischen SelbststÀndigenverbandes ATA, Lorenzo Amor.

Pedro SĂĄnchez: Spaniens MinisterprĂ€sident hat sein Land in den "Winterschlaf" geschickt – zwei Wochen lang soll kaum jemand zur Arbeit fahren. Das sorgt fĂŒr Ärger.
Pedro SĂĄnchez: Spaniens MinisterprĂ€sident hat sein Land in den "Winterschlaf" geschickt – zwei Wochen lang soll kaum jemand zur Arbeit fahren. Das sorgt fĂŒr Ärger. (Quelle: /dpa-bilder)

Der konservative OppositionsfĂŒhrer Pablo Casado hatte das Krisenmanagement von SĂĄnchez bisher nur am Rande kritisiert, dem Regierungschef aber stets seine volle UnterstĂŒtzung bei allen Maßnahmen zugesichert. Die entzog der Chef der Volkspartei (PP) dem MinisterprĂ€sidenten aber nun. "LoyalitĂ€t ist kein Blankoscheck", erklĂ€rte Casado. "Die Kosten (der KrisenbewĂ€ltigung) dĂŒrfen nicht den Unternehmen aufgebĂŒrdet werden, sie mĂŒssen vom Staat getragen werden", forderte der 39-JĂ€hrige. Wenn es keine Korrekturen gebe, wĂŒrden unzĂ€hlige kleine und mittlere Firmen nie wieder aus dem "Winterschlaf" erwachen.

Rechtspopulisten: SĂĄnchez "strafrechtlich verfolgen lassen"

Weiter als Casado ging Santiago Abascal, der Chef der rechtspopulistischen Partei Vox, der drittstĂ€rksten Kraft im Madrider Parlament. Man werde SĂĄnchez in Zukunft "strafrechtlich verfolgen lassen", sagte er. Protest kam außerdem auch von RegionalprĂ€sidenten verschiedener politischer Couleur. Die konservative Zeitung "ABC" schrieb derweil: "Die Zukunft ist nicht mehr nur ungewiss, sie ist inzwischen enorm besorgniserregend."

Allein die Baubranche, die nach eigenen Angaben 1,27 Millionen Menschen beschĂ€ftigt und einen Anteil von zehn Prozent am spanischen Bruttoinlandsprodukt hat, dĂŒrfte in den nĂ€chsten zwei Wochen vier Milliarden Euro einbĂŒĂŸen. Die Zeitung "La RazĂłn" schĂ€tzte den Gesamtverlust auf 60 Milliarden.

Durch das Stilllegen vieler Wirtschaftssektoren bleiben aber zusĂ€tzlich viele Millionen Menschen zu Hause – die Chancen des Virus auf Ausbreitung werden drastisch reduziert. Zahlen machen das deutlich: Schon am Montag ging der Nahverkehr in Madrid im Vergleich zum selben Tag der Vorwoche um 40 Prozent zurĂŒck. Auf den kurzfristig mitgeteilten Aufschub des "Winterschlafes" um 24 Stunden konnten viele Unternehmen wohl nicht mehr reagieren. Der Energiekonsum lag derweil 25 Prozent unter Normalniveau.

Der Druck auf SĂĄnchez nimmt deutlich zu

Bisher hatte der MinisterprÀsident in den Augen vieler Spanier sicher nicht alles richtig gemacht. Nach einer am Montag veröffentlichten Umfrage des Instituts NC Report meinten mehr als 80 Prozent, Sånchez habe zu spÀt auf die Krise reagiert.

Eine Demonstration in Madrids Innenstadt am 8. MĂ€rz: Als Tausende gemeinsam auf die Straßen gingen, wurde lĂ€ngst vor dem gefĂ€hrlichen Virus gewarnt.
Eine Demonstration in Madrids Innenstadt am 8. MĂ€rz: Als Tausende gemeinsam auf die Straßen gingen, wurde lĂ€ngst vor dem gefĂ€hrlichen Virus gewarnt. (Quelle: /imago-images-bilder)

Viele Spanier verstehen etwa nicht, wieso die Regierung am 8. MĂ€rz in Madrid die Riesenkundgebung anlĂ€sslich des Weltfrauentages zuließ, als die Weltgesundheitsorganisation bereits vor Massenevents gewarnt hatte. Zehntausende nahmen damals teil. Darunter drei Angehörige des Regierungskabinetts und SĂĄnchez' Ehefrau Begoña – die alle anschließend positiv getestet wurden.

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Ist vielleicht auch deshalb Madrid mit knapp 3.400 Toten – fast der HĂ€lfte aller TodesfĂ€lle Spaniens – das Epizentrum der Krise im Land? Das fragen sich viele in der Hauptstadt. FĂŒr Unmut sorgte unter anderem auch, dass die Regierung Zehntausende mangelhafte Testkits kaufte. Mehr Fehler darf sich Madrid nicht leisten, warnte "El Mundo": Die VerschĂ€rfung des Ausgangsverbots sei SĂĄnchez' "letzte Kugel".

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