Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Nordkorea isolierter denn je

Von dpa
Aktualisiert am 17.12.2021Lesedauer: 4 Min.
Als er die Macht in dem totalit├Ąren Staat ├╝bernahm, war er nicht einmal 30 Jahre alt: Kim Jong Un.
Als er die Macht in dem totalit├Ąren Staat ├╝bernahm, war er nicht einmal 30 Jahre alt: Kim Jong Un. (Quelle: KCNA/KNS/AP/dpa./dpa)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo

Seoul (dpa) - Kim Jong Un ist als Person und Staatsmann f├╝r das Ausland auch nach zehn Jahren an der Macht nur schwer zu fassen.

Gegen├╝ber den B├╝rgern seines Landes gibt sich Nordkoreas Machthaber gerne leutselig und volksnah, im Westen gilt Kim als eiskalter Despot eines Staates, dessen Kontrolle und Repressalien in alle Lebensbereiche der B├╝rger hineinreichen. Trotz heftiger internationaler Sanktionen, die die wirtschaftliche Entwicklung seines Landes seit Jahren hemmen, h├Ąlt Kim knallhart am Atomwaffenprogramm fest.

Kim Jong Uns Vater, Kim Jong Il, starb am 17. Dezember 2011 infolge eines Herzinfarkts. Damit ├╝bernahm sein Sohn auch faktisch die Staatsgesch├Ąfte. Allerdings wurde er erst nach einer 13-t├Ągigen Trauerzeit am 29. Dezember offiziell zum "obersten F├╝hrer unserer Partei, des Milit├Ąrs und des Volkes" ausgerufen. Ihm wurden die gleichen diktatorischen Befugnisse ├╝bertragen, ├╝ber die schon sein Vater und Gro├čvater Kim Il Sung verf├╝gt hatten.

Was zun├Ąchst folgte, wird von Beobachtern als Phase der Machtkonsolidierung beschrieben. Kim erreichte das demnach auch durch politische S├Ąuberungen, dem zahlreiche hochrangige Funktion├Ąre einschlie├člich seines Onkels Jang Song Thaek zum Opfer fielen.

Als Kim die Macht in dem totalit├Ąren Staat ├╝bernahm, war er nicht einmal 30 Jahre alt. Die Nachbarl├Ąnder sorgten sich damals, dass eine Phase der Instabilit├Ąt im stalinistisch regierten Nordkorea folgen k├Ânnte. Kim Jong Un galt selbst im Nachbarland S├╝dkorea als weithin unbekannt, seine politischen Ziel als unklar.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Putins Plan geht auf
Olaf Scholz besichtigt das ehemalige Gef├Ąngnis "Number Four", in dem w├Ąhrend der Apartheid in S├╝dafrika auch zahlreiche politische Gefangene einsitzen mussten: W├Ąhrend der Afrika-Reise des Kanzlers wird in Deutschland hitzig ├╝ber Waffenlieferungen f├╝r die Ukraine gestritten.


Zuhause wurde er von der unersch├Âpflichen staatlichen Propaganda-Maschinerie kurz nach der Macht├╝bernahme als "Genie der Genies" beschrieben - damit sollte er bei seinen Landsleuten ├╝ber alle Zweifel erhaben sein. Den 10. Todestag Kim Jong Ils am Freitag beging Nordkorea mit Aufrufen an die Bev├Âlkerung und die Soldaten, dem Sohn gegen├╝ber vollst├Ąndig die Treue zu halten.

Doch zurzeit wird der zuletzt schlanker wirkende Kim in einer besonders kritischen Herrschaftsphase gesehen. Neben den Sanktionen setzten Nordkorea auch die Folgen der Corona-Pandemie stark zu. Schon fr├╝h hatte das ohnehin abgeschottete Land seine Grenzen wegen der Pandemie geschlossen, was sich stark auf den Handel mit China auswirkte. Seine wirtschaftlichen Ziele konnte Kim nicht einhalten. Seine Autorit├Ąt k├Ânnte dadurch unterminiert werden, glauben deshalb Beobachter.

Die Preise seien im einheimischen Markt gestiegen, sagt der aus Nordkorea gefl├╝chtete s├╝dkoreanische Abgeordnete Ji Seong Ho. "Die Hauptlast muss die Bev├Âlkerung tragen." Ohnehin sei heute unter jungen Nordkoreanern die "Opposition" gegen Kim gr├Â├čer als zu Kim Jong Ils Zeiten, glaubt Ji.

Bei allen seinen Aktionen spielten die Atomwaffen des Landes von Anfang an eine wichtige Rolle f├╝r Kims Machtentfaltung. Kims Vater habe mit Blick auf das Atomprogramm eine eher "zweideutige Haltung" gehabt, sagt der fr├╝here s├╝dkoreanische Atomunterh├Ąndler Lee Do Hoon. Kim Jong Un habe dagegen schon "unmittelbar nach der Macht├╝bernahme den Kurs auf eine aktive nukleare Entwicklung" gelenkt. Vier der bisher sechs Atomtests durch Nordkorea wurden unter Kim Jong Un durchgef├╝hrt, den bisher gr├Â├čten und letzten im September 2017. Zudem trieb er die Entwicklung von ballistischen Raketen, die die je nach Bauart auch atomare Sprengk├Âpfe tragen k├Ânnen, voran.

Das Atomprogramm wird in einem gro├čen Teil der Welt als Bedrohung wahrgenommen. F├╝r die USA, denen Pj├Ângjang eine feindselige Politik vorwirft, stellt es eine direkte Herausforderung dar. Kims Drohungen gegen die USA, aber auch seine Diplomatie gegen├╝ber Washington einschlie├člich seiner drei, auch medienwirksam inszenierten Treffen mit dem fr├╝heren US-Pr├Ąsidenten Donald Trump zwischen Juni 2018 und Juni 2019 brachten ihn auf die politische Weltb├╝hne. Am Ende standen beide mit leeren H├Ąnden da.

Wenn Kim die Atomwaffen als Garantie f├╝r das politische ├ťberleben seiner Regierung sieht, warum l├Ąsst er sich auf Gespr├Ąche mit Trump ├╝ber eine "Denuklearisierung" ein? Die Sanktionen h├Ątten immer deutlicher werdende Folgen f├╝r die Wirtschaft gehabt, sagt Lee. "Er (Kim) ben├Âtigte etwas wirtschaftliche Entspannung". Doch Trump wollte die Sanktionen nicht lockern oder Wirtschaftshilfe leisten, solange Kim keine gr├Â├čeren Zugest├Ąndnisse bei der atomaren Abr├╝stung macht.

Nach Ansicht des fr├╝heren deutschen Diplomaten Thomas Sch├Ąfer spielen Sanktionserleichterungen f├╝r Nordkorea allerdings eine eher untergeordnete Rolle. "Bei Nordkorea muss man bei den langfristigen Zielen anfangen, und die Ziele sind seit mehreren Jahren, eigentlich seit dem Regierungsantritt von Kim Jong Un, die milit├Ąrpolitischen Ziele", sagt der ehemalige deutsche Botschafter in Pj├Ângjang. Dazu geh├Âre ein Ende der gemeinsamen Man├Âver der USA und S├╝dkoreas, "und dann als gr├Â├čeren Schritt der Abzug der amerikanischen Truppen".

Kim ist nach Ansicht Sch├Ąfers nicht der unumschr├Ąnkte Machthaber des Landes. Er treffe die Entscheidungen nicht allein. Als 2013 auf die "Milit├Ąr-zuerst"-Politik Kim Jong Ils die sogenannte "Byongjin"-Linie unter Kim Jong Un gefolgt sei, habe es die Hoffnung gegeben, Nordkorea k├Ânne mehr Ressourcen f├╝r die Wirtschaft verwenden. Die Linie sah die parallele Entwicklung einer Atomstreitmacht und der Wirtschaft vor. "Der Name war Propaganda", sagt Sch├Ąfer. Der Slogan sollte kaschieren, "dass aus der Milit├Ąr-zuerst-Politik die Milit├Ąr-zuallererst-Politik wurde".

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Neueste Artikel
  • Anna-Lena Janzen
Von Anna-Lena Janzen, Gold Coast
Donald TrumpKim Jong-unMilit├ĄrNordkoreaS├╝dkoreaUSA
Aktuelles zu den Parteien

Politik international




t-online - Nachrichten f├╝r Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Str├Âer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverl├Ąngerung FestnetzVertragsverl├Ąngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website