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FriedensnobelpreistrÀger Desmond Tutu ist tot

Von dpa, lw

Aktualisiert am 26.12.2021Lesedauer: 4 Min.
Desmond Tutu gestorben: Aufnahmen zeigen den FriedensnobelpreistrĂ€ger – wie hier beim Treffen mit Harry und Meghan 2019. (Quelle: t-online)
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Desmond Tutu galt als moralische Stimme SĂŒdafrikas. Nun ist der FriedensnobelpreistrĂ€ger im Alter von 90 Jahren gestorben. Der PrĂ€sident drĂŒckte seine Trauer aus.

Der sĂŒdafrikanische Anti-Apartheid-KĂ€mpfer und FriedensnobelpreistrĂ€ger Desmond Tutu ist tot. Der emeritierte Erzbischof starb im Alter von 90 Jahren, wie SĂŒdafrikas PrĂ€sident Cyril Ramaphosa am Sonntag bekannt gab. Er drĂŒcke "im Namen aller SĂŒdafrikaner seine tiefe Trauer ĂŒber den Tod" Tutus aus, erklĂ€rte der Staatschef. Tutu sei ein echter Patriot gewesen.

"FĂŒr viele in SĂŒdafrika und auch der Welt war sein Leben ein Segen", schrieb seine Stiftung. Er sei ein außergewöhnlicher Mensch gewesen. "Er nahm Gott, Gottes Willen und Gottes Schöpfung todernst", schrieb Kapstadts Erzbischof Thabo Makgoba.

AnfĂŒhrer des gewaltlosen Widerstandes gegen die Apartheid

Desmond Tutu war einer der GrĂŒndervĂ€ter des demokratischen SĂŒdafrikas. Als ein AnfĂŒhrer des gewaltlosen Widerstandes gegen die Apartheid bekĂ€mpfte er entschlossen Rassendiskriminierung und Ungerechtigkeit. Unbeugsam warb Tutu auch nach Überwindung des Apartheidregimes 1994 mit klaren Worten fĂŒr Frieden und Versöhnung.

Desmond Tutu: Der FriedensnobelpreistrÀger ist im Alter von 90 Jahren gestorben.
Desmond Tutu: Der FriedensnobelpreistrÀger ist im Alter von 90 Jahren gestorben. (Quelle: Mike Hutchings/File Photo/Reuters-bilder)

FĂŒr eine moralisch-ethische Orientierung im neuen SĂŒdafrika mangelte es Tutu ebenso wenig an Charisma und AutoritĂ€t wie seinem Freund Nelson Mandela, FriedensnobelpreistrĂ€ger und erster schwarzer PrĂ€sident des Landes. Tutu brauchte aber kein politisches Amt, um gehört zu werden. Zu Apartheidzeiten verdammte er die systematische Diskriminierung der schwarzen Bevölkerungsmehrheit als unmoralisch und unvereinbar mit Gottes Wort. Im demokratischen SĂŒdafrika wurde er dann ein Verfechter fĂŒr die Aussöhnung zwischen Schwarzen und Weißen: "Ohne Vergebung kann es keine Zukunft geben."

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Ex-PrÀsident Nelson Mandela (2.v.l.) und Desmond Tutu (2.v.r.): Die beiden kÀmpften gegen den Apartheidstaat.
Ex-PrÀsident Nelson Mandela (2.v.l.) und Desmond Tutu (2.v.r.): Die beiden kÀmpften gegen den Apartheidstaat. (Quelle: Desmond Boylan/Reuters-bilder)

"Vergeben, aber nicht vergessen!"

Auf Bitten Mandelas ĂŒbernahm er 1996 den Vorsitz der Wahrheits- und Versöhnungskommission, die die Verbrechen der Apartheidzeit aufarbeite und dabei Tutus Motto "Vergeben, aber nicht vergessen!" folgte. Millionen sahen Tutu auf dem TV-Bildschirm in TrĂ€nen, als vor dem Gremium Apartheidopfer von ihren Leiden berichteten. Mehr als 20.000 Opfer, deren Angehörige und sonstige Zeugen sagten vor der Kommission aus, 3.500 frĂŒheren TĂ€tern wurde Verzicht auf Strafverfolgung gewĂ€hrt.

Viele seiner schwarzen MitbĂŒrger, vor allem die Familien der Opfer, fanden dies zu nachsichtig. So wurde zum Beispiel Mördern vergeben, solange sie zum öffentlichen Bekenntnis bereit waren. Doch Tutu war zutiefst ĂŒberzeugt, dass eine Abrechnung seinem Land nur schaden könnte. Vergebung habe weniger mit christlichen GrundsĂ€tzen als mit Realpolitik zu tun, sagte er einmal. Tutu kĂ€mpfte fĂŒr die Vision einer "Regenbogennation", in der Menschen aller Hautfarben und Ethnien friedlich zusammenleben.

Scharfer Kritiker des Apartheidstaates

Geboren wurde er am 7. Oktober 1931 in Klerksdorp bei Johannesburg. FĂŒr seinen Wunsch, Arzt zu werden, reichte das Geld der Eltern nicht. Tutu machte daher eine Lehrer-Ausbildung, gab den Beruf aber 1957 aus Protest gegen die diskriminierende Schulpolitik des Apartheidstaates auf. Danach wandte er sich der Theologie zu und wurde mit 30 Jahren zum anglikanischen Priester geweiht. Er studierte in London weiter und ĂŒbernahm 1975 das Amt des Superintendenten von Johannesburg.

Dort wurde er schnell zu einem scharfen Kritiker des Apartheidstaates und forderte einen friedlichen Wandel. WĂ€hrend Mandela 27 Jahre lang in Haft war, wurde Tutu zur Stimme des Widerstands. Wegen seiner Forderung nach internationalen Sanktionen gegen die Regierung in Pretoria wurde ihm 1980 und 1981 der Pass entzogen.

Desmond Tutu (r) mit Herzogin Meghan und Sohn Archie.
Desmond Tutu (r.) mit Herzogin Meghan und Sohn Archie. (Quelle: Toby Melville/Reuters-bilder)

1984 wurde dem streitbaren Gottesmann fĂŒr seinen gewaltfreien Einsatz gegen die Apartheid der Friedensnobelpreis verliehen. In Oslo geißelte er das von der Apartheid ausgelöste "exorbitante menschliche Leid". Zwei Jahre spĂ€ter wurde Tutu dann Oberhaupt der zwei Millionen Anglikaner in SĂŒdafrika. Er hatte dieses Amt bis Herbst 1996 inne.

Politisch Ă€ußerte sich Tutu nur noch selten

Die friedliche Wende zur Demokratie nannte er immer wieder ein Wunder, fĂŒr das man dankbar sein mĂŒsse. Das hinderte ihn aber nicht, die Regierung und den regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC) zu kritisieren, wenn Dinge seiner Meinung nach falsch liefen. Das kam in der jungen Demokratie noch einer MajestĂ€tsbeleidigung gleich. Tutu handelte sich viel Kritik ein und zog sich nach der Fußball-WM in SĂŒdafrika 2010 zunehmend aus der Öffentlichkeit zurĂŒck.

Desmond Tutu (r) mit Autor Terry Waite im Jahr 1986.
Desmond Tutu (r) mit Autor Terry Waite im Jahr 1986. (Quelle: /Reuters-bilder)

Politisch Ă€ußerte sich Tutu nur noch selten, doch wenn dann deutlich. Seine Kritik an der Regierung des damaligen PrĂ€sidenten Jacob Zuma stoppte nicht. Als dem Dalai Lama 2014 offenbar auf Druck aus China ein Visum fĂŒr einen SĂŒdafrika-Besuch verweigert wurde, zĂŒrnte er: "Ich schĂ€me mich, diesen speichelleckerischen Haufen als meine Regierung zu bezeichnen." Mit dem ihm eigenen Humor meinte er im Januar 1997, als bei ihm Prostatakrebs festgestellt wurde: "Es hĂ€tte schlimmer kommen können: Ich hĂ€tte mein GedĂ€chtnis verlieren können!"

Tutu hinterlÀsst vier Kinder

Gesundheitlich erholte er sich wieder, obwohl er ab 2015 mehrfach ins Krankenhaus musste. Als er sich 2016 in einer Videobotschaft an den Welt-Aids-Kongress wandte, schien er mager, aber ungebrochen scharfen Verstandes. Bereits deutlich gebrechlich prĂ€sentierte er sich im September 2019 noch einmal in der Öffentlichkeit, als ihm der britische Prinz Harry in Kapstadt seine Familie vorstellte und er dem kleinen Sohn Archie einen Kuss auf die Stirn hauchte.

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Tutu hinterlĂ€sst seine Frau Leah, einen Sohn und drei Töchter. Seine letzten 24 Stunden wĂŒrde er gerne mit seiner Familie verbringen, hatte er 2014 dem Magazin "Cicero" gesagt – und mit etwas Augenzwinkern hinzugefĂŒgt: "Ich werde ihnen sagen, dass sie auf sich aufpassen und fĂŒreinander sorgen sollen – besonders fĂŒr ihre Mutter; andernfalls werde ich zurĂŒckkehren und sie heimsuchen!"

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