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Ex-PrÀsident Aschraf Ghani verteidigt Flucht aus Afghanistan

Von dpa
Aktualisiert am 30.12.2021Lesedauer: 2 Min.
"Das war alles wirklich plötzlich": Aschraf Ghani.
"Das war alles wirklich plötzlich": Aschraf Ghani. (Quelle: Rahmat Gul/AP/dpa./dpa)
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Kabul (dpa) - Der afghanische Ex-PrĂ€sident Aschraf Ghani hat sich fĂŒr seine Flucht aus dem Land Mitte August gerechtfertigt. Diese sei nicht geplant gewesen und er habe dies getan, um ein Blutvergießen und die Zerstörung von Kabul zu verhindern.

"Am Morgen dieses Tages hatte ich keine Ahnung, dass ich am spÀten Nachmittag weggehen werde", sagte er BBC Radio 4 in einem veröffentlichten Interview.

Der Chef der PrĂ€sidentengarde und der nationale Sicherheitsberater Hamdullah Mohib hĂ€tten ihn damals informiert, dass die PrĂ€sidentengarde kollabiert sei. Sollte er Widerstand leisten, wĂŒrden alle getötet und keiner könne ihn verteidigen.

Mohib habe wirklich Angst gehabt und ihm nicht mehr als zwei Minuten Zeit gegeben. Die Anweisungen davor seien gewesen, sich fĂŒr eine Abreise in die ostafghanische Stadt Chost vorzubereiten. Mohib habe ihm dann aber gesagt, Chost sei gefallen und Dschalalabad auch. Er habe nicht gewusst, wohin sie unterwegs seien. Erst als sie abgehoben hĂ€tten, sei klar geworden, dass sie das Land verließen. "Das war alles wirklich plötzlich."

Ghani war am 15. August aus Kabul ins Ausland geflĂŒchtet, nachdem KĂ€mpfer der Taliban nach massiven militĂ€rischen Gebietsgewinnen und der Eroberung aller ProvinzhauptstĂ€dte Kabul umstellt hatten. Vertreter der Taliban sagten, es sei nicht ihre Absicht gewesen, die Stadt anzugreifen. Ghani sagte BBC Radio 4, seine wichtigsten Sicherheitsberater hĂ€tten ihm gesagt, die Taliban hĂ€tten ihre Zusage gebrochen, nicht in Kabul einzurĂŒcken.

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Die Flucht Ghanis hatte wohl eine geordnete MachtĂŒbergabe verhindert. Als er geflohen war, rĂŒckten die Islamisten in der Stadt ein, um, wie sie sagten, kein Sicherheitsvakuum entstehen zu lassen. Viele Afghanen werfen Ghani heute vor, sie an die Taliban ausgeliefert zu haben.

Ghani sagte BBC Radio 4 zudem, er werde zum "SĂŒndenbock" fĂŒr die jetzige Krise und das Chaos in Afghanistan gemacht. Er gestehe Schuld dafĂŒr ein, den "großen Fehler" gemacht zu haben, den internationalen Partnern zu vertrauen, die ihn stĂ€ndig unter Druck gesetzt und seine AutoritĂ€t beschnitten hĂ€tten.

Eine etwas abweichende Sicht hat der ehemalige afghanische Außenminister Rangin Dadfar Spanta. Die Taliban-MachtĂŒbernahme kam laut ihm fĂŒr Kabul nicht ĂŒberraschend, sondern war lange vorbereitet. Schon Monate zuvor sei geprobt worden, wie man den PrĂ€sidenten, seine Frau und enge Mitarbeiter evakuiere. "Das alles waren erprobte Sachen, das war nicht so, dass ĂŒberstĂŒrzt der PrĂ€sident den Palast verlassen hat", sagte der jetzt in Aachen lebende Politologe am Donnerstag im Deutschlandfunk.

Viele Politiker und Beobachter in Kabul hĂ€tten gewusst, dass ein Zusammenbruch der Regierung und der Republik bevorstanden. "Das war von langer Hand vom PrĂ€sidenten und seinem Team und vor allem auch vom Verhandlungsteam der Vereinigten Staaten von Amerika mit Taliban vorbereitet worden", sagte Spanta, der von 2006 bis 2010 Außenminister war. "Aber dass das so ĂŒberstĂŒrzt alles plötzlich einsetzen wĂŒrde, damit hatten wir nicht gerechnet."

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