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"Es ist eine massive Trag├Âdie"

Von Liesa W├Âlm

Aktualisiert am 19.04.2022Lesedauer: 5 Min.
Vlad steht vor dem Grab seiner Mutter: Sie starb unter anderem an Hunger.
Vlad steht vor dem Grab seiner Mutter: Sie starb unter anderem an Hunger. (Quelle: Rodrigo Abd/ap-bilder)
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In der Ukraine sind Spielpl├Ątze zum Kriegsgebiet geworden. Kinder h├Âren Raketeneinschl├Ąge, sie verlieren ihre Eltern ÔÇô oder sie sterben selbst bei Bombenangriffen. Experten berichten von dramatischen Folgen.

Der kleine Vlad tr├Ągt eine blaue Jacke, er hat die Kapuze ├╝bergezogen und seine H├Ąnde versinken in den Jackentaschen. Der Sechsj├Ąhrige guckt traurig ÔÇô er steht vor dem Grab seiner Mutter. Das Bild des Kindes aus dem ukrainischen Butscha ging um die Welt.

Vlads Mutter Ira ist eine von Tausenden Zivilistinnen und Zivilisten, die im Krieg get├Âtet worden sind. Fotos zeigen, wie ihre S├Âhne Konserven an ihr Grab stellen. Medienberichten zufolge ist die Frau Anfang April an den Folgen von Hunger und Stress aufgrund der russischen Invasion gestorben.

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Vlad w├Ąchst nun ohne seine Mutter auf und teilt damit das Schicksal zahlreicher ukrainischer Kinder, die in den vergangenen sieben Wochen Verluste erlitten haben ÔÇô oder andere verheerende Folgen des Ukraine-Kriegs zu sp├╝ren bekommen.

Unicef: Mindestens 142 Kinder im Krieg get├Âtet

Die Zahlen sind alarmierend: Seit Beginn des russischen Einmarsches sind nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef mindestens 142 Kinder get├Âtet worden. In Wirklichkeit d├╝rften die Zahlen deutlich h├Âher sein, so die Hilfsorganisation. Die Justiz in der Ukraine sprach in der vergangenen Woche von mindestens 186 get├Âteten und 344 verletzten Kindern und Jugendlichen.

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Fast zwei Drittel aller ukrainischen Kinder mussten seit Ende Februar ihr Zuhause verlassen. 2,8 Millionen seien innerhalb des Landes vertrieben worden und zwei Millionen ins Ausland geflohen, sagte der Leiter der Nothilfeprogramme von Unicef, Manuel Fontaine. Das sei "einfach unglaublich".

Eine Protestaktion in Finnland: Mehr als 140 Kinder sollen im Krieg in der Ukraine bereits get├Âtet worden sein.
Eine Protestaktion in Finnland: Mehr als 140 Kinder sollen im Krieg in der Ukraine bereits get├Âtet worden sein. (Quelle: imago-images-bilder)

Von den ukrainischen Kindern, die noch nicht auf der Flucht sind, sei fast die H├Ąlfte von Hunger bedroht. Am schlimmsten sei die Situation in St├Ądten wie Mariupol und Cherson, so Fontaine. Auch die Ehefrau des ukrainischen Pr├Ąsidenten, Olena Selenska, sprach in einem BBC-Interview ├╝ber das Leid der Kinder: F├╝r viele gehe es ums ├ťberleben.

"Die Situation ist der Horror"

Diese bedr├╝ckenden Schilderungen best├Ątigt auch Toby Fricker, der seit drei Wochen das Unicef-Team in der Ukraine verst├Ąrkt. Vor ein paar Tagen ist er aus Saporischschja und Dnipro nach Lwiw zur├╝ckgekehrt, dem Drehkreuz f├╝r die Unicef-Hilfe in der Ukraine. Dort kommen gefl├╝chtete Ukrainerinnen und Ukrainer aus den umk├Ąmpften Gebieten an. "Die Situation ist der Horror", sagt er zu t-online. "Es ist eine massive Trag├Âdie, vor allem f├╝r die Frauen und Kinder."

In der schwer belagerten Hafenstadt Mariupol m├╝ssen die Menschen seit Wochen in Kellern ausharren, um sich vor den Angriffen zu sch├╝tzen. Immer noch warten Zehntausende Zivilisten auf eine Evakuierung ÔÇô darunter auch viele Kinder. "Die Nahrung wird knapp und es gibt keinen Zugang zu sauberem Wasser", sagt Fricker. "Kinder leiden ganz besonders unter den Gr├Ąueln dieses Krieges."

Ein Kind f├Ąhrt mit einem Roller durch Mariupol: Die Stadt ist besonders schwer umk├Ąmpft, Zehntausende Bewohner warten auf eine Evakuierung.
Ein Kind f├Ąhrt mit einem Roller durch Mariupol: Die Stadt ist besonders schwer umk├Ąmpft, Zehntausende Bewohner warten auf eine Evakuierung. (Quelle: Itar-Tass/imago-images-bilder)

Fricker: F├╝r die Kinder ist der Krieg zur Normalit├Ąt geworden

Mit Unicef sorgt Fricker daf├╝r, dass die Kinder, die aus den umk├Ąmpften St├Ądten fliehen, in Sicherheit sind ÔÇô und dies auch sp├╝ren: "Sie k├Ânnen hier spielen und sich ausruhen." M├╝tter oder andere Angeh├Ârige w├╝rden derweil dabei unterst├╝tzt, ihre Weiterreise oder das Leben an ihrem neuen, vor├╝bergehenden Wohnort zu planen.

"Besonders tragisch ist, dass der Krieg f├╝r viele Kinder und Jugendliche bereits zur Normalit├Ąt geworden ist", sagt Fricker. Ein 16-J├Ąhriger habe ihm in Lwiw erz├Ąhlt, dass er keine Angst mehr habe. "Sie gew├Âhnen sich an die Ger├Ąusche von Raketeneinschl├Ągen und Bombenangriffen ÔÇô denn sie sind immer gegenw├Ąrtig, jede Minute am Tag", so der Helfer.

M├╝tter wollen Kindern Sicherheit geben

Fricker sehe sowohl den M├╝ttern als auch den Kindern den Schock an. Die meisten Frauen seien wegen ihrer Kinder geflohen, deren Sicherheit sei ihre h├Âchste Priorit├Ąt. "Manche M├╝tter erz├Ąhlen ihren Kindern, dass sie einen Ausflug machen und dass es sich bei Raketen um ein Feuerwerk handelt", sagt der Helfer.

Andere M├╝tter w├╝rden ihre Kinder Verwandten oder sogar Fremden mitgeben, um sie aus den Kriegsgebieten in Sicherheit zu bringen. Wenn Kinder von ihren Familien getrennt werden und ohne Bezugsperson an Sammelpunkten f├╝r gefl├╝chtete Menschen ankommen, sei es wichtig, so viele Informationen wie m├Âglich ├╝ber ihre Herkunft zu erhalten, sagt Fricker.

In diesem Zusammenhang sorgte in sozialen Medien ein Foto eines kleinen M├Ądchens f├╝r Aufmerksamkeit, auf dessen R├╝cken Kontaktdaten geschrieben worden sein sollen.

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Julian Erjautz hat die Folgen des Krieges f├╝r Kinder ebenso zu Gesicht bekommen: Er war zuletzt sechs Wochen lang als Nothilfekoordinator der SOS-Kinderd├Ârfer in der Ukraine und im polnischen Grenzgebiet unterwegs.

Er weist auf ein weiteres Problem hin: Wegen des Krieges wird es den Kindern wochen- oder sogar monatelang verwehrt, die Schule zu besuchen. Dabei sei der Unterricht ein entscheidender Faktor in der Entwicklung der Kinder. "Schule steht f├╝r soziale Interaktion und Bildung ÔÇô aber in Zeiten des Krieges vor allem f├╝r Normalit├Ąt", sagt Erjautz. Diese Normalit├Ąt fehle derzeit Millionen Kindern. Nur wenige w├╝rden online unterrichtet.

Medyka in Polen: In dem Nachbarland kommen Hunderttausende Gefl├╝chtete aus der Ukraine an.
Medyka in Polen: In dem Nachbarland kommen Hunderttausende Gefl├╝chtete aus der Ukraine an. (Quelle: Zuma Wire/imago-images-bilder)

"Zusammenhalt der ukrainischen Bev├Âlkerung ist enorm"

Helfende wie Toby Fricker und Julian Erjautz erleben aber auch immer wieder Lichtblicke. "Der Zusammenhalt der ukrainischen Bev├Âlkerung ist enorm", sagt Erjautz. Zuletzt habe er eine Familie in Lwiw getroffen, die bei der Gro├čmutter Zuflucht gesucht h├Ątte. "Die Kinder haben sich gefreut, weil sie ihre Oma wegen der Pandemie zwei Jahre lang nicht gesehen haben. Nun sind sie bei ihr ÔÇô wenn auch aus traurigen Gr├╝nden."

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Auch Fricker berichtet von der besonderen Verbundenheit der Ukrainerinnen und Ukrainer. Zudem sei die Unterst├╝tzung durch Spenden aus aller Welt immens. Dennoch sei es wichtig, so der Helfer, eines nicht zu vergessen: "Der Krieg wird andauern, der Hilfsbedarf wird nicht aufh├Âren."

"Der Krieg schafft eine traumatisierte Generation"

Tod, Verletzung, seelische Wunden, Zerst├Ârung: Die Grausamkeiten des Krieges haben verheerende Auswirkungen auf die Kinder. "Der Krieg schafft eine traumatisierte Generation", hei├čt es in einem Bericht der SOS- Kinderd├Ârfer.

Die Folgen seien drastisch: "Die Kinder h├Âren auf zu essen, sie k├Ânnen nicht schlafen", sagt Darya Kasjanova, Projektleiterin der SOS-Kinderd├Ârfer in der Ukraine und Vorsitzende des ukrainischen Netzwerks f├╝r Kinderrechte, in dem Bericht. Kleine Kinder, die angefangen haben zu sprechen, verstummten wieder, andere, die bereits aufs T├Âpfchen gegangen sind, h├Ârten damit wieder auf. Bei manchen sei der ganze K├Ârper verkrampft.

Spielzeug liegt auf der Stra├če im ukrainischen Borodjanka: Millionen Kinder mussten ihre Heimat verlassen.
Spielzeug liegt auf der Stra├če im ukrainischen Borodjanka: Millionen Kinder mussten ihre Heimat verlassen. (Quelle: imago-images-bilder)

Traumata w├╝rden nicht nur durch Besch├╝sse und direkte Kriegserlebnisse verursacht, sondern auch durch den anhaltenden Hunger und K├Ąlte, Vertreibung oder den Verlust des Zuhauses, berichtet Kasjanova.

Kinder brauchen geregelten Alltag

Psychologen warnen davor, dass die Folgen langfristig anhalten k├Ânnen. J├Ârg Fegert, Kinder- und Jugendpsychiater an der Uniklinik Ulm, sagte dem SWR: "Manche Kinder entwickeln eine (...) Posttraumatische Belastungsst├Ârung mit ausgepr├Ągten Flashback-Erinnerungen, dass also etwas wie im Film wieder auftaucht." Die Folgen k├Ânnten schwere Schlafst├Ârungen sein. Andere Kinder k├Ânnten sich nach relativ kurzer Zeit aber wieder anpassen.

Wichtig ist nach Ansicht der Experten, den Kindern ein Gef├╝hl von Normalit├Ąt zu vermitteln und einen geregelten Alltag zu schaffen. Dazu geh├Âre beispielsweise ein Einschlaflied oder eine Gute-Nacht-Geschichte am Abend. Sie m├╝ssten zudem wissen, dass auch ihre Eltern oder Betreuungspersonen sicher sind, sagt Kasjanova von den SOS-Kinderd├Ârfern. Das seien "absolute Mindestvoraussetzungen".

"Sie sind in permanenter Angst"

Und auch bei Jugendlichen ist Entlastung n├Âtig. Sie seien in permanenter Angst: um ihr Leben, ihre Freunde und Familie, sagt Kasjanova. Sie h├Ątten keine Perspektive und keinen Alltag. "Sie k├Ânnen nicht sagen: Morgen gehe ich mit meinen Freunden ins Kino."

Aufgrund der massiven Folgen f├╝r die Kinder fordert Psychiater Fegert eine intensive therapeutische Betreuung von gefl├╝chteten Kindern, die nach Deutschland kommen. Doch selbst mit einer Therapie, die die Verarbeitung des Erlebten unterst├╝tzen kann, bleibt am Ende eine traurige Erkenntnis: Millionen Kinder haben ihre Chance auf eine unbeschwerte Kindheit verloren.

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Von Liesa W├Âlm
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