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Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Von dpa
Aktualisiert am 26.04.2022Lesedauer: 4 Min.
Trauerg├Ąste einer Beerdigung im ukrainischen Ozera.
Trauerg├Ąste einer Beerdigung im ukrainischen Ozera. (Quelle: Emilio Morenatti/AP/dpa./dpa)
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Kiew (dpa) - Gut zwei Monate nach Kriegsbeginn beklagt die Ukraine nach neuen russischen Angriffen weitere Tote und Verletzte in mehreren Regionen des Landes.

Der Generalstab meldete aber auch Erfolge im Kampf gegen die russischen Truppen: So h├Ątten ukrainische Truppen in der Region Welyka Olexandriwka ein russisches Munitionslager vernichtet. Die russische Armee hat nach eigenen Angaben wiederum mehrere ukrainische Flugabwehrsysteme im Osten des Landes au├čer Gefecht gesetzt. ├ťberpr├╝fbar waren diese Angaben nicht.

Infolge des russischen Angriffskrieges sind bereits ├╝ber 16.000 Menschen als vermisst gemeldet worden. "An erster Stelle steht die Suche nach Vermissten, danach was bombardiert und zerst├Ârt wurde", sagte die Menschenrechtsbeauftragte des ukrainischen Parlaments, Ljudmyla Denissowa, in einem Fernsehinterview. Unter den Vermissten seien etwa 2000 Soldaten. Von den Zivilisten stammt etwa ein Viertel aus der seit Anfang M├Ąrz von russischen Truppen eingeschlossenen s├╝dostukrainischen Hafenstadt Mariupol.

Lawrow sieht Gefahr f├╝r Dritten Weltkrieg

Der russische Au├čenminister Sergej Lawrow sieht eine reale Gefahr f├╝r den Ausbruch eines Dritten Weltkriegs. Er machte in einem Interview im russischen Fernsehen zudem deutlich, dass er Waffenlieferungen der Nato an die Ukraine als berechtigte Angriffsziele f├╝r sein Land betrachtet.

Die Gefahr eines Dritten Weltkrieges sei "ernst, sie ist real, sie darf nicht untersch├Ątzt werden", sagte Lawrow in dem Interview, das das Au├čenministerium am Montagabend in seinem Telegram-Kanal teilte. Gleichzeitig erkl├Ąrte er, dass er nicht wolle, dass in einer derartigen Situation die Risiken noch weiter k├╝nstlich aufgebl├Ąht w├╝rden. Es g├Ąbe viele Seiten, die das wollten, sagte er, ohne konkret zu werden. Die Unzul├Ąssigkeit eines Atomkrieges bleibe die prinzipielle Position Russlands.

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Auf einen Vergleich der aktuellen Situation mit der Zeit der Kubakrise angesprochen sagte Lawrow, dass es damals wenig geschriebene Regeln gegeben habe. Aber die "Verhaltensregeln" seien ziemlich klar gewesen - in Moskau habe man gewusst, wie sich Washington verhalte, und Washington sei klar gewesen, wie sich Moskau verhalte. Auch heute gebe es wenige Regeln, sagte Lawrow weiter und verwies auf den atomaren Abr├╝stungsvertrag New Start. Aber "gleichzeitig sind alle anderen Instrumente der R├╝stungskontrolle und Nichtverbreitung praktisch zerst├Ârt".

Russland spricht von voller Kontrolle ├╝ber das Gebiet Cherson

Das russische Milit├Ąr hat eigenen Angaben nach die Kontrolle ├╝ber gro├če Teile der Ost- und S├╝dukraine erlangt. "Die russische Armee hat das gesamte Gebiet Cherson, Teile der Gebiete Charkiw, Saporischja, Mykolajiw sowie bedeutende Teile der Donezker und Luhansker Volksrepublik unter ihre Kontrolle genommen", erkl├Ąrte Generaloberst Michail Misinzew vom russischen Verteidigungsministerium am Dienstag.

In den eroberten Gebieten kehre langsam wieder der friedliche Alltag ein, die soziale Infrastruktur werde instand gesetzt und die Aussaat habe begonnen, behauptete Misinzew. Seinen Worten nach blockiert die ukrainische Seite alle humanit├Ąren Korridore, die von Russland ge├Âffnet w├╝rden. ├ťber die vollst├Ąndige Kontrolle des Gebiets Cherson gibt es widerspr├╝chliche Angaben.

├ľsterreichs Bev├Âlkerung ├╝bersteigt 9 Millionen

Die Einwohnerzahl in ├ľsterreich ist erstmals ├╝ber die Marke von 9 Millionen geklettert. Die Ankunft von Gefl├╝chteten aus der Ukraine spielte dabei eine entscheidende Rolle, wie die staatliche Statistik Austria am Dienstag berichtete. Anfang April lebten laut der offiziellen Statistik 9,03 Millionen Menschen in ├ľsterreich. Die Bev├Âlkerung stieg im ersten Quartal um rund 48.000 Menschen an. Mehr als 40.000 davon kamen aus der Ukraine.

Seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine im Februar sind laut dem UN-Fl├╝chtlingshilfswerk UNHCR fast 5,3 Millionen Menschen ins Ausland geflohen. Nur ein kleiner Teil davon hat ├ľsterreich erreicht. In Polen sind 2,9 Millionen Fl├╝chtlinge registriert worden. In anderen Nachbarl├Ąndern der Ukraine sind jeweils Hunderttausende angekommen.

London warnt vor hohen russischen Verlusten

Die russischen Truppen d├╝rften nach Ansicht britischer Experten versuchen, die ukrainischen Kr├Ąfte im Osten des Landes einzukreisen. Das teilte das Verteidigungsministerium in London am Dienstag in seinem t├Ąglichen Geheimdienst-Update zum Ukraine-Krieg mit. Schwere K├Ąmpfe gebe es Berichten zufolge s├╝dlich der Stadt Isjum, wo russische Kampfverb├Ąnde in Richtung der St├Ądte Slowiansk und Kramatorsk aus n├Ârdlicher und ├Âstlicher Richtung vorsto├čen. In der am Fluss Dnepr in der S├╝dukraine gelegenen Stadt Saporischschja haben sich den britischen Experten zufolge die ukrainischen Streitkr├Ąfte bereits auf einen potenziellen russischen Angriff aus s├╝dlicher Richtung vorbereitet.

Der britische Verteidigungsstaatssekret├Ąr James Heappey warnte unterdessen vor heftigen russischen Verlusten bei deren Vorsto├č im Donbass. Der mutma├čliche Wunsch des russischen Pr├Ąsidenten Wladimir Putin, zur Feier des Siegs ├╝ber Nazi-Deutschland am 9. Mai einen Erfolg vorweisen zu k├Ânnen, werde Tausende russische Soldaten das Leben kosten.

London: Getreideernte in Ukraine f├Ąllt um 20 Prozent

Die russische Invasion in die Ukraine hat die landwirtschaftliche Produktion in der Ukraine erheblich gest├Ârt. Die Getreideernte werde in diesem Jahr aufgrund reduzierter Aussaatfl├Ąchen nach der Invasion voraussichtlich um rund 20 Prozent niedriger ausfallen als 2021, teilte das britische Verteidigungsministerium in seinem t├Ąglichen Geheimdienst-Update mit.

Die Ukraine sei der weltweit der viertgr├Â├čte Produzent und Exporteur von Agrarg├╝tern, hie├č es weiter. Ein reduziertes Getreideangebot aus der Ukraine werde Inflationsdruck erzeugen und den globalen Getreidepreis in die H├Âhe treiben. Das UN-Weltern├Ąhrungsprogramm (WFP) dringt gleichzeitig darauf, Handelswege f├╝r Getreide aus dem Kriegsland Ukraine offen zu halten. Die UN-Institution geht davon aus, dass bei Weizen nur rund die H├Ąlfte der Vorjahresmenge geerntet werden kann.

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