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Baerbock: "Russland hat einen Kornkrieg begonnen"

Von dpa
Aktualisiert am 19.05.2022Lesedauer: 3 Min.
Annalena Baerbock (GrĂŒne): Die Außenministerin war zu Gast bei den Vereinten Nationen in New York.
Annalena Baerbock (GrĂŒne): Die Außenministerin war zu Gast bei den Vereinten Nationen in New York. (Quelle: Eduardo Munoz/Reuters-bilder)
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Neben einem Krieg mit Panzern und Bomben fĂŒhre Putin einen zweiten Krieg, sagt Außenministerin Baerbock: Auf ihrer Reise in New York forderte sie mit anderen Politikern ein Umdenken des Kreml. Ansonsten drohe eine weltweite ErnĂ€hrungskrise.

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock hat Russland vorgeworfen, die Blockade von Getreideexporten aus der Ukraine als Kriegswaffe einzusetzen. "Durch die Blockade ukrainischer HĂ€fen, durch die Zerstörung von Silos, Straßen und Eisenbahnen und insbesondere der Felder von Bauern hat Russland einen Kornkrieg begonnen, der eine globale Nahrungsmittelkrise anfacht", sagte Baerbock am Mittwoch wĂ€hrend eines Außenministertreffens bei den Vereinten Nationen in New York. "Damit droht sich eine weltweite ErnĂ€hrungskrise zusammenzubrauen, die es bisher noch nie gegeben hat", sagte die GrĂŒnen-Politikerin am Rande der Veranstaltung.

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Nach Angaben der Bundesregierung unterbindet Russland in der Ukraine die Ausfuhr von 20 Millionen Tonnen Getreide vor allem nach Nordafrika und Asien, ein Großteil davon im Hafen von Odessa. Die Ukraine ist einer der grĂ¶ĂŸten Getreideproduzenten der Welt. Die USA hatten die Beratungen zur Thema Nahrungsmittelunsicherheit auf die UN-Agenda gesetzt und mehr als 30 LĂ€nder eingeladen. Außenministerin Baerbock sprach als Co-Gastgeberin.

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Guterres: Russland soll Getreideexport zulassen

"Russland fĂŒhrt seinen brutalen Krieg nicht nur mit Panzern, Raketen und Bomben", sagte die GrĂŒnen-Politikerin weiter. "Russland fĂŒhrt diesen Krieg mit einer anderen schrecklichen, aber leiseren Waffe: Hunger und Entbehrung." Dies passiere in einer Zeit, in der im Nahen Osten und in Afrika bereits Millionen von Hunger bedroht seien – durch die Klimakrise, die Covid-Pandemie und regionale Konflikte.

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Auch UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres erhöhte angesichts historischer Zahlen Hungerleidender den Druck auf Moskau: "Russland muss den sicheren Export von in ukrainischen HĂ€fen gelagertem Getreide zulassen", sagte der 73-JĂ€hrige. Es sei notwendig, das Land wieder an den Weltmarkt zu bringen – genauso wie Russland und Belarus, die auch große Mengen Lebens- und DĂŒngemittel produzierten.

Blinken: DĂŒngemittel fehlen

Der von Russland begonnene Krieg drohe, viele Millionen in eine ErnĂ€hrungsunsicherheit zu stĂŒrzen und eine Krise auszulösen, "die Jahre andauern könnte". Guterres deutete dabei an, dass er mit Russland und anderen SchlĂŒssellĂ€ndern in Kontakt stehe, um eine Lösung fĂŒr die Ausfuhr von Getreide aus der Ukraine zu finden. Details nannte er dabei nicht, um "die Erfolgsaussichten nicht zu gefĂ€hrden".

US-Außenminister Antony Blinken forderte weltweite gemeinsame Anstrengungen. "Es ist eine Krise, die eine globale Antwort erfordert", sagte Blinken. Ein großes Problem sei der Mangel an DĂŒngemitteln – es mĂŒssten Anreize fĂŒr ihre Produktion geschaffen werden. "Nehmen wir Afrika, wo sich die Kosten fĂŒr DĂŒngemittel seit Beginn der Pandemie bereits vervierfacht haben und seit der russischen Invasion in die Ukraine weiter in die Höhe geschnellt sind", sagte er. Nach der russischen Invasion in der Ukraine waren die Preise fĂŒr Weizen auf den höchsten Stand seit 14 Jahren gestiegen.

"Wir hören Ihr Leid"

Baerbock sagte weiter, die Ă€rmsten Menschen der Welt wĂŒrden den Preis fĂŒr Russlands rĂŒcksichtslosen Krieg zahlen. "Ich möchte Ihnen aus tiefstem Herzen sagen: Wir sehen Ihren Schmerz. Wir hören Ihr Leid. Und wir stehen Ihnen zur Seite." Insgesamt stelle Deutschland dieses Jahr 3,8 Milliarden Euro fĂŒr die Nahrungssicherheit zur VerfĂŒgung. Langfristig mĂŒssten vor allem die Auswirkungen des Klimawandels auf den Agrarsektor angegangen werden: "Wir mĂŒssen den Landwirten helfen, weniger anfĂ€llig fĂŒr DĂŒrren, Überschwemmungen oder extreme RegenfĂ€lle zu werden."

Den Vereinten Nationen zufolge hat der weltweite Hunger einen neuen Höchststand erreicht. Die Zahl der Menschen mit starker ErnĂ€hrungsunsicherheit habe sich in den vergangenen zwei Jahren von 135 auf heute 276 Millionen erhöht. Mehr als eine halbe Million Menschen sei vom Hungertod bedroht – fĂŒnf Mal mehr als noch 2016. Der Krieg in der Ukraine facht diese Entwicklung weiter an: Zusammen produzieren die Ukraine und Russland fast ein Drittel des Weizens und der Gerste der Welt und die HĂ€lfte des Sonnenblumenöls.

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