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Russische Armee: Azovstal und Mariupol sind gefallen

Von dpa
Aktualisiert am 20.05.2022Lesedauer: 4 Min.
Zuletzt konzentrierten sich die russischen Angriffe in Mariupol auf das Stahlwerk Azovstal.
Zuletzt konzentrierten sich die russischen Angriffe in Mariupol auf das Stahlwerk Azovstal. (Quelle: Alexei Alexandrov/AP/dpa./dpa)
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Moskau/Mariupol (dpa) - Nach Wochen blutiger K├Ąmpfe steht das Stahlwerk Azovstal in der ukrainischen Hafenstadt Mariupol nach Angaben aus Moskau unter russischer Kontrolle.

Alle K├Ąmpfer h├Ątten sich ergeben, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Freitagabend in Moskau. Es seien insgesamt 2439 ukrainische Soldaten seit dem 16. Mai in russische Gefangenschaft gekommen. Das Werk war das letzte St├╝ck der strategisch wichtigen Stadt im S├╝dosten der Ukraine, das noch nicht komplett unter russische Kontrolle gewesen war.

Verteidigungsminister Sergej Schoigu selbst habe Pr├Ąsident Wladimir Putin ├╝ber die "vollst├Ąndige Befreiung des Werks und der Stadt Mariupol" berichtet, sagte Konaschenkow. Der Einsatz russischer Soldaten sei damit nun abgeschlossen worden. Von ukrainischer Seite gab es zun├Ąchst keine Best├Ątigung daf├╝r.

Monatelange Belagerung

Russische Truppen hatten mit der Belagerung von Mariupol bereits kurz nach ihrem Einmarsch in die Ukraine Ende Februar begonnen. Bilder einer zerst├Ârten Geburtsklinik gingen um die Welt. Wochenlang harrten Zivilisten in Kellern aus, selbst Trinkwasser fehlte in der umk├Ąmpften Stadt. Erst nach vielen gescheiterten Anl├Ąufen wurden Zivilisten aus der Stadt evakuiert. Zuletzt konzentrierten sich die russischen Angriffe auf das Stahlwerk, in dessen weitl├Ąufigen Kellern sich die letzten Verteidiger der Stadt verschanzt hatten.

Am Freitag kam nach Angaben des Ministeriums die letzte Gruppe von 531 K├Ąmpfern in Gefangenschaft, hie├č es in der Mitteilung des Ministeriums. Die Industriezone war seit dem 21. April von russischen Truppen blockiert gewesen. Der Kommandeur des Asow-Regiments sei in einem speziellen gepanzerten Fahrzeug abtransportiert worden.

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Noch Stunden zuvor hatten die verbliebenen ukrainischen Verteidiger des Stahlwerks am Asowschen Meer erstmals erkl├Ąrt, dass sie einem Befehl ihrer Armeef├╝hrung zufolge die Verteidigung der Stadt einstellen sollen. Das erkl├Ąrte der Kommandeur des umstrittenen Nationalgarderegiments "Asow", Denys Prokopenko. Damit sollten Leben und Gesundheit der Soldaten der Garnison gesch├╝tzt werden.

Der ukrainische Pr├Ąsident Wolodymyr Selenskyj machte am Freitag - in einem noch vor der russischen Verk├╝ndung der Einnahme aufgenommenen Fernsehinterview - den Westen f├╝r den R├╝ckzug der Ukrainer aus dem Werk mitverantwortlich. Er habe die westlichen Staats- und Regierungschefs wiederholt aufgefordert, sein Land mit "geeigneten Waffen" zu versorgen - "damit wir Mariupol erreichen k├Ânnen, um diese Menschen zu befreien".

Erste Kapitulationen Anfang der Woche

Am Montag hatten sich bereits die ersten 264 Soldaten ergeben, darunter ├╝ber 50 Schwerverletzte. Nach russischen Angaben kamen am Donnerstag weitere in Gefangenschaft. Die Kommandeure und einige K├Ąmpfer hatten bis zuletzt die Stellung gehalten. Insgesamt wurde in Moskau stets von rund 2500 ukrainischen K├Ąmpfern ausgegangen. Die Regierung in Kiew hingegen hatte deren Zahl nur mit 1000 angegeben.

Bis zuletzt sprach die ukrainische F├╝hrung auch von einer "Rettungsoperation" statt einer Kapitulation und stellte einen baldigen Gefangenenaustausch mit Russland in Aussicht. Die Asow-K├Ąmpfer hatten immer wieder um Hilfe von den ukrainischen Streitkr├Ąften gebeten. Russland f├╝hrt seit knapp drei Monaten einen Angriffskrieg gegen den ukrainischen Nachbarn.

Mit Mariupol kontrollieren die russischen Kr├Ąfte nun die komplette K├╝ste des Asowschen Meeres. Damit k├Ânnten die von Russland anerkannten Separatisten-Republiken Luhansk und Donzek formal eigenst├Ąndig bleiben. Mit Mariupol haben sie den Zugang zu den Weltmeeren. Sie k├Ânnen nun ├╝ber den gut ausgebauten gr├Â├čten Hafen am Asowschen Meer ihre Produktion unabh├Ąngig von russischen Landrouten auf dem kosteng├╝nstigen Wasserweg selbst exportieren.

Viel diskutiert wird auch der Landweg von Mariupol zu der seit 2014 von Russland annektierten Halbinsel Krim. Die Stra├čenverbindungen d├╝rften jedoch wegen ihres schlechten Zustands f├╝r Russland kaum von Interesse sein. Als wichtig auch im milit├Ąrischen Sinne gelten vielmehr die weiter n├Ârdlich verlaufenden Eisenbahnverbindungen ├╝ber die k├╝rzlich von den russischen Truppen eroberte Stadt Wolnowacha in Richtung des bereits seit Ende Februar von Russland kontrollierten Melitopol und von dort zur Krim.

Beharrlicher Widerstand

Mariupol hat aber vor allem auch f├╝r das von Neonazis und Nationalisten gegr├╝ndete und bis heute von ihnen dominierte Nationalgarde-Regiment "Asow" eine gro├če symbolische Bedeutung. Dem Gr├╝ndungsmythos der Einheit nach befreite die Anfang Mai 2014 von Freiwilligen gegr├╝ndete Einheit knapp einen Monat sp├Ąter die damals von prorussischen Separatisten kontrollierte Hafenstadt. In dem nun wochenlangen Kampf um die Stadt betonten Ukrainer immer wieder: Wenn Mariupol gerettet werde, dann werde die Ukraine gerettet.

"Asow" hatte zuvor bereits seine Basis bei der benachbarten Hafenstadt Berdjansk verloren. Da Mariupol nun auch noch gefallen ist, gilt dies als Niederlage des Kerns der von den russischen Truppen mit besonderer H├Ąrte bek├Ąmpften Einheit. Russland feiert dies als einen gro├čen Teilsieg in seinem Angriffskrieg auf die Ukraine.

Der beharrliche Widerstand in Mariupol gegen die russische Invasion sorgte lange daf├╝r, dass nach ukrainischen Angaben eine russische Gruppierung von etwa 14.000 Soldaten mit schwerer Technik gebunden war. Mit dem Fall der Hafenstadt wird diese nun frei. Die Soldaten k├Ânnten f├╝r die seit langem erwartete russische Offensive in Richtung Slowjansk und Kramatorsk das entscheidende ├ťbergewicht bringen.

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