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Friedensforscher warnen vor neuem Risiko-Zeitalter

Von dpa
Aktualisiert am 23.05.2022Lesedauer: 3 Min.
Die Klimakrise ist eine der grĂ¶ĂŸten globalen Herausforderungen.
Die Klimakrise ist eine der grĂ¶ĂŸten globalen Herausforderungen. (Quelle: Manish Swarup/AP/dpa./dpa)
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Stockholm (dpa) - Eine gefĂ€hrliche Mischung aus Umwelt- und Sicherheitskrisen birgt dem Forschungsinstitut Sipri zufolge komplexe Risiken fĂŒr den Frieden auf der Welt.

Auf dieses "neue Zeitalter der Risiken" seien EntscheidungstrĂ€ger bislang nicht vorbereitet, warnen die Friedensforscher aus Stockholm in einem Bericht. Darin wird ein dĂŒsteres Bild von der kĂŒnftigen weltweiten Sicherheitslage gezeichnet.

Der Bericht zeigt auf, wie Umweltkrisen - Klimawandel, Knappheit an Ressourcen, Aussterben von Arten - mit Sicherheitskrisen und anderen Bedrohungen wie der Corona-Pandemie zusammenwirken können. Schwedens frĂŒhere Außenministerin und EU-Umweltkommissarin Margot Wallström schreibt im Vorwort: "Die Mischung ist giftig, tiefgreifend und schĂ€dlich. Und Institutionen mit der Macht, Lösungen zu finden, wachen viel zu langsam auf."

In Somalia zum Beispiel hĂ€tten anhaltende DĂŒrre und andere Folgen des Klimawandels, kombiniert mit Armut und einer schwachen Regierung, die Menschen in die Arme der islamistischen Terrormiliz Al-Shabaab getrieben, heißt es. In Mittelamerika erhöhten die Auswirkungen des Klimawandels auf die Getreideernte in Kombination mit Gewalt und Korruption die Migration in Richtung der USA.

Zahl der Konflikte steigt

"Viele Experten argumentieren, dass wir an einem entscheidenden Punkt stehen: Wir können die Umweltkrise ihren Lauf nehmen lassen oder das Problem jetzt erkennen und etwas dagegen tun", sagte Sipri-Direktor Dan Smith der dpa. "Die schlechte Nachricht ist, dass dieser extrem wichtige Moment in eine Zeit fĂ€llt, in der die internationale Politik in einem furchtbaren Zustand ist." Die Beziehungen zwischen den großen MĂ€chten seien "giftig und gefĂ€hrlich" Populismus und Nationalismus auf dem Vormarsch.

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Dem Bericht zufolge verdoppelten sich in den 2010er-Jahren sowohl die Anzahl der bewaffneten Konflikte, an denen mindestens ein Staat beteiligt sei, als auch die der Todesopfer in Konflikten - ebenso wie die Zahl der FlĂŒchtlinge und Vertriebenen weltweit. Nach jahrelangem RĂŒckgang sei die Zahl der einsatzbereiten Atomsprengköpfe 2020 wieder gestiegen. Im vergangenen Jahr hĂ€tten die weltweiten MilitĂ€rausgaben einen Höchststand von mehr als zwei Billionen US-Dollar erreicht.

Übergang zur "GrĂŒnen Ökonomie" gefordert

Zugleich beschreibt der Bericht alarmierende Entwicklungen der Umwelt. Etwa ein Viertel aller Arten sei vom Aussterben bedroht. Die Zahl bestĂ€ubender Insekten gehe dramatisch zurĂŒck. "Der Klimawandel sorgt dafĂŒr, dass extreme Wetterereignisse wie StĂŒrme und Hitzewellen hĂ€ufiger und intensiver auftreten und so den Ertrag wichtiger Nahrungsmittel-Pflanzen verringern und das Risiko großflĂ€chiger ErnteausfĂ€lle erhöhen." Die Politik mĂŒsse Risiken besser abschĂ€tzen und den Kampf gegen Umweltkrisen entschieden angehen.

Die Sipri-Forscher forderten einen schnellen Übergang zu einer "GrĂŒnen Ökonomie", der aber auch gerecht und friedlich erfolgen mĂŒsse. "Bei einer so großen wirtschaftlichen VerĂ€nderung gibt es immer sowohl Gewinner als auch Verlierer", sagte Smith. "Die Interessen der Menschen, die dieser Übergang am meisten betrifft, mĂŒssen berĂŒcksichtigt werden. Sonst entstehen neue Risiken fĂŒr Konflikte."

Forscher wollen auch Hoffnung machen

Auch im Angesicht akuter Krisen wie Corona-Pandemie und Krieg in der Ukraine dĂŒrfen man dieses Ziel nicht aus den Augen verlieren, mahnte Smith. "Es scheint, als könnten die meisten Regierungen nur eine Krise gleichzeitig bewĂ€ltigen. Das ist ein enormer Komplikationsfaktor." Die Pandemie habe aber auch gezeigt, was mit Entschlossenheit und internationaler Zusammenarbeit alles möglich sei - etwa bei der Entwicklung von Impfstoffen.

Die Forscher wollen deshalb auch Hoffnung machen. "Die Menschheit hat das Wissen und die FĂ€higkeiten, aus den Schwierigkeiten zu entkommen, in denen wir uns befinden", sagte Smith. Dazu mĂŒsse aber jetzt gehandelt werden. "Mit jedem Tag, den wir ihn aufschieben, wird der Job schwieriger."

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