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Ukraine-Krieg: Russische Kriegsblogger entsetzt über Himars-Angriffe


Neue Taktik der Ukrainer entsetzt russische Kriegsblogger

Von t-online, mk

Aktualisiert am 11.07.2022Lesedauer: 3 Min.
US-Raketenwerfer vom Typ Himars in Diensten der Ukraine: "Wann wird das verdammt noch mal aufhören?"Vergrößern des BildesUS-Raketenwerfer vom Typ Himars in Diensten der Ukraine: "Wann wird das verdammt noch mal aufhören?" (Quelle: imago-images-bilder)
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In der Ukraine explodieren neuerdings jeden Tag russische Waffenlager. Putinfreundliche Kriegsblogger klingen zunehmend verzweifelt.

Erst acht Himars hat die Ukraine aus den USA geliefert bekommen, doch die wenigen Raketenwerfer entfalten bereits ihre Wirkung. In den besetzten Gebieten im Osten und Süden des Landes explodieren seit Ende Juni jeden Tag russische Munitionslager und Kommandoposten – oft Dutzende Kilometer weit hinter der Front. Russische Kriegsblogger sehen angesichts der verheerenden Distanzangriffe schwarz für Putins Invasion.

"Die russische Armeeführung dachte, sie könnte die Grenze Stadt für Stadt in Richtung Westen verschieben, aber jetzt hat die ukrainische Armee ein Gegenmittel – sie zerstört die Waffenlager", schreibt auf Telegram beispielsweise der Blogger Dmitryev über die Wirkung der US-Raketenwerfer. "Selbst wenn die russische Armee eine Million Soldaten mobilisiert, hat sie nicht mehr die Stärke, die Front nach Westen zu verschieben."

Auf Telegram diskutieren Russen über Ukraine-Krieg

Russland könne sich jetzt weder gesichtswahrend zurückziehen noch sich in der Ostukraine festsetzen, glaubt Dmitryev: "Die Raketen würden jahrelang hin und her fliegen und die Ukraine bei den Kämpfen zerstört werden", so Dmitryev. "Und ich wüsste nicht, wie sich dieses Szenario verhindern ließe."

Dem Blogger folgen auf Telegram mehr als 108.000 Nutzer. Der Messengerdienst untersteht nicht wie die russischen Staatsmedien unter der Kontrolle des Kremls, die Diskussionen auf der Plattform in einigen Gruppen vermitteln daher einen authentischeren Eindruck von der Wahrnehmung des Kriegsgeschehens in Russland. Und Dmitryev ist nicht der einzige Beobachter mit Reichweite, der die russische Armee jetzt vor neuen Schwierigkeiten sieht.

Russische Luftabwehr nutzlos gegen Himars?

"In den vergangenen Tagen sind zehn große Artillerie- und andere Munitionslager getroffen worden, zehn Kommandoposten und mehrere Öldepots", schreibt der frühere prorussische Separatistenführer Igor Girkin auf Telegram. "Dabei gab es gewaltige Verluste an Menschen und Material. Aber ich schreibe das nicht, um den Ukrainern mitzuteilen, wie effektiv ihre Angriffe sind. Das wissen sie besser und früher als ich. Ich schreibe das, um die Frage zu stellen: Wann wird die russische Luftwaffe endlich anfangen, mit voller Stärke zu kämpfen?"

So fordert Girkin Luftangriffe auf die Bahnanlagen "der sogenannten Ukraine", über die Raketenwerfer wie Himars und westliche Haubitzen ins Kampfgebiet gebracht würden. Die russische Luftabwehr habe sich als weitgehend nutzlos gegen die neuen US-Raketen erwiesen, so Girkin, der 2014 an der russischen Besetzung der Ostukraine teilnahm und für den Abschuss des Fluges MH17 mit 298 Toten verantwortlich sein soll. Auf Telegram folgen dem mutmaßlichen Agenten des russischen Militärgeheimdienstes GRU mehr als 400.000 Nutzer.

Russischer Journalist beeindruckt von Himars

Noch mehr Menschen erreicht der russische Kriegsreporter Alexander Sladkov, dem auf Telegram fast 900.000 Nutzer folgen. Dort schreibt Sladkov: "Ukrainische Raketen und Artillerie haben bereits mehrfach unsere Entscheidungszentren getroffen. Mit Ergebnissen. Die Zentren sind klein, aber wichtig. Meine Frage ist einfach: Wann wird das verdammt noch mal aufhören?" Eher beeindruckt von den jüngsten ukrainischen Erfolgen äußert sich der Russe Roman Saponkow, dem auf Telegram mehr als 25.000 Nutzer folgen.

Dort berichtet Saponkow, er habe einen Angriff mit Himars-Raketen auf den Militärflugplatz Tschornobajiwka in der besetzten Südukraine miterlebt. "Ich war schon öfter unter Artilleriebeschuss, aber was mich echt beeindruckt hat, war, dass alle fünf oder sechs Raketen quasi auf einem Punkt einschlugen." Normalerweise würden sich Artillerieraketen beim Einschlag auf eine große Fläche verteilen.

USA wollen Ukraine vier weitere Himars schicken

In Panik zu verfallen, sei aber unangemessen, so Saponkow: "Natürlich ist das erst der Anfang, die Ukrainer werden alle russischen Einrichtungen treffen, über die sie Informationen haben. Aber ich bin sicher, es werden Gegenmaßnahmen ergriffen. Es gibt nicht die eine Wunderwaffe, mit der sich ein Krieg gewinnen lässt."

Mit den von den USA gelieferten Himars-Raketen kann die Ukraine Ziele in bis zu 85 Kilometer Entfernung bis auf wenige Meter genau treffen. Andere Raketen für das System können sogar mehr als 300 Kilometer weit fliegen, deren Lieferung in die Ukraine lehnt die US-Regierung aber ab. Zu groß ist die Sorge vor einer weiteren Eskalation mit Russland, falls Kiew diese Raketen für Angriffe weit auf russischem Territorium nutzen sollte.

Vorige Woche kündigte die US-Regierung die Lieferung von vier weiteren Himars-Raketenwerfern an die Ukraine an, die dann über zwölf dieser Systeme verfügt. Großbritannien und Deutschland wollen der Ukraine zusätzliche Raketenwerfer vom Typ Mars II schicken, dem Vorgängermodell der Himars.

Verwendete Quellen
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