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Erst Russland, dann Syrien: Erdogans große Kehrtwende

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Erst Russland, jetzt Syrien - Erdogans große Kehrtwende

14.07.2016, 15:06 Uhr | Eine Analyse von Özkan Canel Altintop, t-online.de

Erst Russland, dann Syrien: Erdogans große Kehrtwende. Putin und Erdogan: Früher Freunde, dann Feinde und jetzt wieder Freunde. (Quelle: dpa)

Putin und Erdogan: Früher Freunde, dann Feinde und jetzt wieder Freunde. (Quelle: dpa)

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ist für seine Wutausbrüche bekannt. Seine emotionalen Reden sind selbstbewusst und aggressiv. Einem Streit geht er nicht aus dem Weg. So hat er viele Freunde verloren und zu Feinden erklärt. Jetzt sucht er wieder deren Nähe. Hat der machtbewusste Erdogan sich geändert oder ist er nur pragmatisch?

Erdogan gegen Assad. Erdogan gegen Putin. Erdogan gegen die Welt. Mit vielen Staatsmännern hat es sich der türkische Staatspräsident verscherzt. Mit verheerenden Folgen für sein Land.

Vom Bruder zum Feind

Der syrische Präsident Baschar al-Assad war einst sein bester Freund. Er nannte ihn sogar seinen Bruder. Doch dann hörte sein Bruder nicht mehr auf ihn. Assad ließ den Volksaufstand in seinem Land brutal niederschlagen. Damit wurde der Bruder zum Feind. So sehr, dass Erdogan sogar den "Islamischen Staat" (IS) gewähren ließ, damit die Terrormiliz Assad bekämpfen konnte. Die Folge: Der IS wurde nicht nur in Syrien stärker, sondern auch in der Türkei. Diese Politik hat sich bereits mit zahlreichen Terroranschlägen wie zuletzt am Istanbuler Flughafen mit vielen Toten gerächt.

Dann ließ Erdogan einen Kampfjet des russischen Militärs abschießen. Sein Freund Wladimir Putin hatte sich nämlich auf die Seite Assads gestellt und dem IS gewaltig zugesetzt. Erdogan wollte durch den Abschuss die Nato mit in den Krieg ziehen, um so die Kräfteverhältnisse wieder zurechtzurücken. Auch diese Idee ging nicht auf. Die Nato ließ sich nicht in den Krieg ziehen und Russland reagierte mit einem wirtschaftlichen Strafkatalog. Vor allem die türkische Tourismusbranche, die Textil- und Landwirtschaft waren von den Sanktionen betroffen. Zuvor besuchten rund vier Millionen Russen die Türkei - ein Milliardenverlust.

Ein Kurdistan wäre eine Katastrophe

Des Weiteren wurden auch die Kurden im Norden Syriens stärker. Die kurdischen Milizen paktierten zudem je nach Kriegssituation mal mit den Russen, mal mit Assad, mal mit den USA. So konnten sie das Gebiet um Kobane an der türkischen Grenze stabilisieren und de facto einen eigenen Staat schaffen. Eine Katastrophe für die Türkei. Deshalb will Erdogan jetzt die Beziehungen zu Syrien "normalisieren".

Außenpolitisch isoliert, innenpolitisch unter Druck und wirtschaftlich stark gebeutelt sucht Erdogan daher wieder Freunde. Er hat sich nicht geändert. Er ist nur ein Pragmatiker.

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